Sportbootführerschein See

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Sportbootführerschein

Der Sportbootführerschein mit dem Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen (kurz: SBF See) ist die amtliche Lizenz zum Führen von motorisierten Booten, die für Sport- und Freizeitzwecke gebaut wurden,[1] im Geltungsbereich der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO), d. h. auf den Seeschifffahrtsstraßen (Drei-Seemeilen-Zone und Fahrwasser innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone, darüber hinaus die Unterläufe von Warnow, Trave, Elbe, Weser und Ems sowie der Nord-Ostsee-Kanal und weitere, in § 1 SeeSchStrO genannte und begrenzte Binnenwasserstraßen).

Gültigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SBF See ist vorgeschrieben beim Führen von Fahrzeugen mit einer Leistung an der Schraube von mehr als 11,03 kW (15 PS).[2] Anders als in der Binnenschifffahrt gibt es keine Beschränkung der Rumpflänge des Bootes. Ein Bootsführer muss das Boot nicht selbst steuern und hat auch keinen vorgeschriebenen Ort des Aufenthaltes an Bord. Er ist aber verantwortlich, dass die von ihm übertragenen Aufgaben, wie Rudergänger, nur von geeigneten Personen besetzt werden. Das Personal selbst muss nicht im Besitz des Führerscheins sein. Der Bootsführer behält aber stets die Gesamtverantwortung und ist für sichere Teilnahme des Bootes am Seeverkehr verantwortlich.

Der SBF See bescheinigt die gesetzliche Mindestqualifikation für das sichere Führen eines Sportbootes von auf den Seeschifffahrtsstraßen. Die Kenntnisse in Navigation und Schifffahrtsrecht, welche für das Befahren von Küsten- und Hochseerevieren erforderlich sind, sind deshalb weitaus umfangreicher als bei dem Sportbootführerschein Binnen. Obwohl das Gültigkeitsgebiet des Sportbootführerschein See auch Gezeitenreviere umfasst, wird die Gezeitenkunde nicht vertieft geprüft. Ein Sportbootführerschein See gilt nur für die Antriebsart Maschine, da zum Führen eines deutschen Segelbootes auf See kein Führerschein erforderlich ist. Hat das Segelboot aber einen Hilfsmotor über 15 PS ist der SBF See erforderlich.

Internationale Gültigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportbootführerschein Rückseite mit Bescheinigung als International Certificate of Competenc

Aus gesetzlicher Sicht ist der SBF See auf die deutschen Hoheitsgewässer beschränkt, da er nicht dem STCW-Übereinkommen über Normen für die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten entspricht. Damit benötigen Sportboote mit deutscher Flagge keinen Führerschein auf hoher See, auch wenn sie einen Maschine über 15 PS besitzen. Fremde Staaten fordern in ihren Küstengewässern aber von Sportbooten unter fremder Flagge eine Lizenz, wie sie in den eigenen Hoheitsgewässern benötigt wird.

Um dies zu erleichtern wird der deutsche Sportbootführerschein deshalb nach der Maßgabe der International Certificate for Operators of Pleasure Craft ausgestellt. Das Zertifikat entspricht Resolution Nr. 40 der Arbeitsgruppe Binnenschifffahrt für die Wirtschaftskommission Europa der Vereinten Nationen, die dort Mindeststandards für Ausbildung und Prüfung festlegt. Daher befindet sich auf der Rückseite des Führerscheins ein entsprechender Vermerk. Führer von Sportbooten können mit Hilfe dieses Nachweises ihre Qualifikation im Ausland belegen.

Voraussetzungen und Erwerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Lebensalter: mindestens 16 Jahre
    • Tauglichkeit: ärztliches Zeugnis (Sehfähigkeit / Hörfähigkeit / Allgemeiner Gesundheitszustand)
    • Zuverlässigkeit: Kfz-Führerschein oder Führungszeugnis „O“
    • Lichtbild (38 × 45 mm)
    • bei Minderjährigen: Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten

Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theorie

Die theoretische Prüfung ist in einen theoretischen Fragenteil und einen Kartenteil gegliedert, in welchem man navigatorische Grundkenntnisse im Umgang mit einer Seekarte nachweisen muss. Bei beiden Prüfungsteilen sind die Fragen samt Musterantworten vorab bekannt und über das ELWIS abrufbar oder im Handel erhältlich.

Die theoretische Prüfung umfasst sieben Fragen aus dem allgemeinen Teil und 23 Fragen aus dem spezifischen Teil; zusammen also 30 Fragen, von denen zum Bestehen mindestens 24 richtig beantwortet sein müssen. Hinzu kommt pro Fragebogen eine Navigationsaufgabe, die aus 9 Teilaufgaben besteht, von denen mindestens 7 richtig bearbeitet werden müssen. Für die Bearbeitung stehen 60 Minuten zur Verfügung.[3][4] Hat man bereits einen Sportbootführerschein oder das Bodenseepatent wird der allgemeine Teil nicht mehr geprüft. Themenbereiche der Prüfung sind im allgemeinen Teil.

  • Grundbegriffe
  • Ausweichregeln, Schallsignale und Lichterführung
  • Gebots-, Verbots- und Schifffahrtszeichen
  • Naturschutz
  • Allgemeine Verhaltenspflichten
  • Flüssiggasanlagen
  • Wartung aufblasbarer Rettungsmittel
  • Feuerlöscher und Brandbekämpfung
  • Verhalten nach einem Zusammenstoß
  • Technik von Motorbooten

Der spezifische Teil fragt Kenntnisse über Vorschriften der Seeschifffahrtsstraßen ab;

  • Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung und Schifffahrtsordnung Emsmündung
  • Nautischen Veröffentlichungen
  • Signale, Gebots- und Verbotszeichen, Ausweichregeln, Lichterführung
  • Kollisionsverhütungsregeln
  • Verhaltenspflichten
  • Fahrerlaubnispflicht
  • Verhalten bei Seegang und Überbordgehen
  • Befahren von Warngebieten, NOK, Naturschutzgebieten und Nationalparks
  • Wetterkunde

Im Rahmen der Navigationaufgabe ist eine Papierseekarte zu bearbeiten um neun Fragen zu beantworten:

  • Umgang mit Seekarten
  • Standortbestimmung durch Peilen und Koppeln
  • Kursabweichung und Besteckversetzung
  • Missweisung und Deviation
  • Strom- und Windversatz
  • Gezeiten
  • Lichtfeuerverzeichnis
Praktische Prüfung

Darüber hinaus werden in einer praktischen Prüfung Grundkenntnisse im Umgang mit einem Motorboot sowie Knoten geprüft. Folgende Manöver werden geprüft:[5]

  • Pflichtmanöver
    • Rettungsmanöver – Person über Bord
    • Anlegen und Ablegen unter Maschine
    • Steuern nach Kompass
    • Kreuzpeilung
  • Sonstige Manöver (von vorgegebenen drei müssen zwei erfüllt werden)
    • Kursgerechtes Aufstoppen
    • Wenden auf engem Raum
    • Steuern nach Schifffahrtszeichen/Landmarken
    • Anlegen einer Rettungsweste/eines Sicherheitsgurts
    • Manöverschallsignale

Von neun Knoten werden sieben abgefragt, wobei zum Bestehen sechs Knoten erfolgreich vorgeführt werden müssen:[5]

Obwohl es sich um den amtlichen Schein für Seeschifffahrtsstraßen handelt, ist es nicht erforderlich, die praktische Prüfung auf einer Seeschifffahrtsstraße abzulegen, da die regionalen DSV-/DMYV-Prüfungsausschüsse auch auf Binnengewässern Prüfungsmöglichkeiten für den SBF See anbieten. Inhaber eines Sportbootführerschein Binnen mit der Antriebsart Maschine und des Bodenseeschifferpatent Kategorie A können der Schein durch eine verkürzte Prüfung erhalten. Es werden nur die Prüfungsteile in Theorie und Praxis geprüft, die nicht für den Binnenführerschein geprüft wurden.[6]

International Certificate of Competence, ausgestellt in Österreich

Hat der Bewerber einen ausländischen Sportbootführerschein der dem International Certificate for Operators of Pleasure Craft entspricht, so wird die praktische Prüfung anerkannt (§8 SpFV). Es handelt sich hier um einen Internationalen Bootsschein mehrere europäischer Staaten aufgrund der Resolution Nr. 40 der Arbeitsgruppe Binnenschifffahrt für die Wirtschaftskommission Europa der Vereinten Nationen.

Der Erwerb der Kenntnisse und Fertigkeiten kann an Ausbildungseinrichtungen wie Sportbootschulen, Motorboot- oder Segelvereine erworben werden. Da es nicht wie bei Autoführerschein entsprechende Pflichtstunden für Theorie und Praxis für die Ausbildung gibt, ist damit sowohl der Umfang als auch die Qualität der Ausbildung von der Ausbildungseinrichtungen abhängig.

Der Sportbootführerschein See schließt den Sportbootführerschein Binnen nicht ein und setzt dessen Besitz auch nicht voraus. Die Ausweisvordrucke des SBF See trugen bis etwa zum Ausstellungsjahr 1989 nur die Bezeichnung „Sportbootführerschein“. Seit 2017 ist dies wieder der Fall, da das Fahrtgebiet Binnen oder See nur noch eine Klasse des Sportbootführerscheins ist.

Die Zahlen der ausgestellten Führerscheine nehmen kontinuierlich zu (vgl. Bundestags-Drucksache 19/4502, S. 2). Im Jahr 2016 wurden insgesamt 38.802 Sportbootführerscheine See ausgestellt. Weiterführende Scheine wie der SKS (5.374), SSS (366) und SHS (71) werden deutlich weniger erworben.[7]

Gesetzliche Grundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verordnung über das Führen von Sportbooten (Sportbootführerscheinverordnung – SpFV) vom Mai 2017 wurde zuletzt geändert im November 2021.

§ 16 „Zuständige Stellen“ legt fest, dass der Deutsche Motoryachtverband e. V. und der Deutsche Segler-Verband e. V. mit der Durchführung von Sportbootführerscheinprüfungen beauftragt werden. Sie entscheiden über Anträge auf Zulassung (§ 7) zur Prüfung, Erteilung und Ersatzausfertigung (§ 11) der Fahrerlaubnis, nehmen die Prüfungen an, erteilen die Fahrerlaubnisse (§§ 3, 4, 8) und übermitteln erforderlichen Daten an die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur benannte Stelle.

Die Verbände können Auflagen nach § 6 Absatz 4 erteilen und erheben Gebühren und Auslagen nach § 18 der Verordnung. Sie unterstehen der Fachaufsicht des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, dass sich dabei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt bedient.

Über die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 13 oder die Anordnung des Ruhens der Fahrerlaubnis nach § 14 entscheidet die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Die Entscheidung ist, sofern der Inhaber eines Befähigungsnachweises betroffen ist, unter Angabe der Gründe der Stelle mitzuteilen, die die Fahrerlaubnis erteilt hat.

§ 9 „Prüfungsausschüsse“ sieht vor, dass die Prüfungsausschüsse von den beliehenen Verbänden gemeinsam oder jeweils getrennt eingerichtet werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur kann sich bei der Kommunikation mit den Prüfungsausschüsse durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt unterstützen lassen. Die Leiter der Ausschüsse und die anderen Prüfer werden von den Verbänden bestellt und entlassen.

Sportbootführerscheinverordnung (SpFV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportbootführerschein See im Format bis 2017

Am 10. Mai 2017 trat die Sportbootführerscheinverordnung (SpFV)[8] in Kraft. Sie ersetzt die bisherigen Sportbootführerscheinverordnungen Binnen und See. Darüber hinaus gibt es anstelle der beiden Führerscheine SBF-Binnen und -See nur noch einen Sportbootführerschein. Auf diesem werden die jeweiligen Geltungsbereiche – Binnenschifffahrtsstraßen und/oder Seeschifffahrtsstraßen – vermerkt. Zusätzliche Änderungen sollen den Erwerb der Sportbootführerscheine erleichtern:

  • die Teilprüfungen Praxis und Theorie können an unterschiedlichen Orten abgelegt werden
  • der Antrag auf Zulassung zur Prüfung muss nur noch eine Woche vor Prüfungstermin gestellt werden
  • Prüfungen zum Sportbootführerschein sind auch im Ausland möglich (bisher traf das nicht für den SBF See zu)
  • eine Legaldefinition zum Begriff des Sportboots wurde aufgenommen
Vorläufiger Sportbootführerschein im Papierformat

Der Sportbootführerschein wird seit 1. Januar 2018 im Scheckkartenformat ausgegeben, dieser wird innerhalb von 10–30 Tagen nach bestandener Prüfung zugestellt.[9] Optional kann auch gegen Gebühr ein vorläufiger Sportbootführerschein im Papierformat bei dem zuständigen Prüfungsausschuss bei der Antragsstellung direkt mit beantragt werden, der bis zum Erhalt des Sportbootführerscheins im Scheckkartenformat, jedoch maximal drei Monate, gültig ist. Dieser wird bei Bestehen über den Postweg innerhalb von 1–3 Werktagen versendet. Er besitzt kein Lichtbild und muss bei Erhalt unterschieben werden. Eine nachträgliche Ausstellung oder eine Ausstellung unmittelbar nach der Prüfung ist nicht möglich.[9][10][11]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Text der See-Sportbootverordnung
  2. Pressemitteilung des BMVBS: Führerscheinregelungen für Sportboote liberalisiert (Memento des Originals vom 24. Oktober 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmvbs.de vom 17. Oktober 2012, abgerufen am 27. Oktober 2012
  3. Sportbootführerscheinverordnung (SpFV) – Anlage 3 - Theoretische Prüfung zum Erwerb des Sportbootführerscheins. In: www.elwis.de. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 10. Mai 2017, abgerufen am 16. August 2022.
  4. Bewertungsschlüssel – Theoretische Prüfung Sportbootführerschein. In: www.elwis.de. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 3. September 2019, abgerufen am 16. August 2022.
  5. a b Muster Anlage 4 Anlagen SpFV – Praxisprotokoll Praktische Prüfung zum Erwerb des Sportbootführerscheins. In: www.elwis.de. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 7. Mai 2017, abgerufen am 16. August 2022.
  6. Overschmidt, Heinz und Axel Bark: Sportbootführersein See, Delius Klasing Verlag 2012, S. 204, ISBN 978-3-7688-3484-1
  7. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bernd Reuther, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/4227 –. Bundesregierung, 25. September 2018, abgerufen am 7. August 2021.
  8. Verordnung über das Führen von Sportbooten (Sportbootführerscheinverordnung – SpFV) als Artikel 1 der Zweiten Verordnung zur Änderung sportbootrechtlicher Vorschriften im See- und Binnenbereich vom 3. Mai 2017 (BGBl. I S. 1016).
  9. a b Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.): Die neue Sportbootführerscheinverordnung (Faltblatt). April 2017 (bmvi.de [PDF; abgerufen am 6. Dezember 2017]).
  10. Anlage 9 SpFV - Einzelnorm. Abgerufen am 8. September 2022.
  11. Prüfungen - FAQs. Abgerufen am 8. September 2022 (deutsch).