Sportbootführerschein See

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Der Sportbootführerschein See

Der Sportbootführerschein mit dem Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen (kurz: SBF See) ist die amtliche Lizenz zum Führen von motorisierten Booten, die für Sport- und Freizeitzwecke gebaut wurden,[1] im Geltungsbereich der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, d. h. auf den Seeschifffahrtsstraßen (Drei-Seemeilen-Zone und Fahrwasser innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone).

Der SBF See ist vorgeschrieben beim Führen von Fahrzeugen mit einer Leistung an der Schraube von mehr als 11,03 kW (15 PS).[2] Anders als in der Binnenschifffahrt gibt es keine Beschränkung der Rumpflänge des Bootes. Der Bootsführer kann einen geeigneten Rudergänger bestimmen, der nicht im Besitz des Führerscheins sein muss. Der Sportbootführerschein See schließt den Sportbootführerschein Binnen nicht ein und setzt den Besitz des Sportbootführerschein Binnen auch nicht voraus.

Voraussetzungen und Erwerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die theoretische Prüfung ist in einen theoretischen Fragenteil und einen Kartenteil gegliedert, in welchem man navigatorische Grundkenntnisse im Umgang mit einer Seekarte nachweisen muss. Bei beiden Prüfungsteilen sind die Fragen samt Musterantworten vorab bekannt und im Handel erhältlich.

Die theoretische Prüfung umfasst jetzt 15 Fragebögen (früher: 20) mit jeweils 7 Fragen aus dem allgemeinen Teil, 23 Fragen aus dem spezifischen Teil; zusammen also 30 Fragen, von denen zum Bestehen mindestens 24 richtig beantwortet sein müssen. Hinzu kommt pro Fragebogen eine Navigationsaufgabe, die aus 9 Teilaufgaben besteht, von denen mindestens 7 richtig bearbeitet werden müssen. Für die Bearbeitung stehen 60 Minuten zur Verfügung.[3] Darüber hinaus werden in einer praktischen Prüfung Grundkenntnisse im Umgang mit einem Motorboot sowie einige Knoten geprüft. Von neun Knoten werden sieben abgefragt, wobei zum Bestehen sechs Knoten erfolgreich vorgeführt werden müssen. Obwohl es sich um den amtlichen Schein für Seeschifffahrtsstraßen handelt, ist es nicht erforderlich, die praktische Prüfung auf einer Seeschifffahrtsstraße abzulegen, da die regionalen DSV-/DMYV-Prüfungsausschüsse auch auf Binnengewässern Prüfungsmöglichkeiten für den SBF See anbieten.

Der SBF See bescheinigt die gesetzliche Mindestqualifikation (ausreichende Kenntnisse der maßgebenden schifffahrtspolizeilichen, nautischen und technischen Vorschriften) für das sichere Führen eines Sportbootes auf den Seeschifffahrtsstraßen. Die Kenntnisse in Navigation und Schifffahrtsrecht, welche für das Befahren von Küsten- und Hochseerevieren erforderlich sind, sind weitaus umfangreicher als bei dem Sportbootführerschein Binnen. Obwohl man zum Beispiel mit diesem Schein die Erlaubnis erhält, in Gezeitenrevieren zu fahren, wird die Gezeitenkunde nur oberflächlich geprüft. Da zur Führung eines Segelfahrzeugs ohne Motor auf Seeschifffahrtstraßen kein amtlicher Schein vorgeschrieben ist, wird während der SBF-See-Prüfung keine Segeltheorie oder -praxis abgefragt. Auch das Thema Seemannschaft wird nur sehr kurz angeschnitten.

Der Sportbootführerschein Binnen kann auf die Prüfung teilweise angerechnet werden. In diesem Fall entfallen die sieben Basisfragen. Für die Bearbeitung des Theorieteils stehen 50 Minuten zur Verfügung.[3]

Aus gesetzlicher Sicht ist der SBF See nicht auf die 3-Meilen-Zone beschränkt.

Der Erwerb der Kenntnisse und Fertigkeiten kann auch in privatwirtschaftlichen Ausbildungseinrichtungen erworben werden, wobei es große Unterschiede in Umfang und Qualität dieser Ausbildungseinrichtungen gibt.

Die Ausweisvordrucke des SBF See trugen bis etwa zum Ausstellungsjahr 1989 nur die Bezeichnung „Sportbootführerschein“.

Die Zahlen der ausgestellten Führerscheine nehmen kontinuierlich zu (vgl. Bundestags-Drucksache 19/4502, S. 2). Im Jahr 2016 wurden insgesamt 38.802 Sportbootführerscheine See ausgestellt. Weiterführende Scheine wie der SKS (5.374), SSS (366) und SHS (71) werden deutlich weniger erworben.

Internationales Zertifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ICC im SBF See

Als „nationales“ Dokument hat der SBF See im Ausland keine Gültigkeit.[4] Allerdings beinhalten alle Sportbootführerscheine das Internationale Zertifikat gemäß der Resolution Nr. 40 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen (International Certificate of Competence). Führer von Sportbooten können mit Hilfe dieses Nachweises ihre Qualifikation im Ausland belegen. Die Führerscheine werden hierzu um eine dritte Innenseite erweitert.

Neue Sportbootführerscheinverordnung 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1. Januar 2018 gültiger Führerschein im Scheckkartenformat

Am 10. Mai 2017 trat die neue Sportbootführerscheinverordnung (SpFV)[5] in Kraft. Sie ersetzt die bisherigen Sportbootführerscheinverordnungen Binnen und See. Darüber hinaus gibt es anstelle der beiden Führerscheine SBF-Binnen und -See nur noch einen Sportbootführerschein. Auf diesem werden die jeweiligen Geltungsbereiche – Binnenschifffahrtsstraßen und/oder Seeschifffahrtsstraßen – vermerkt. Zusätzliche Änderungen sollen den Erwerb der Sportbootführerscheine erleichtern:

  • die Teilprüfungen Praxis und Motor können an unterschiedlichen Orten abgelegt werden
  • der Antrag auf Zulassung zur Prüfung muss nur noch eine Woche vor Prüfungstermin gestellt werden
  • Prüfungen zum Sportbootführerschein sind auch im Ausland möglich (bisher traf das nicht für den SBF See zu)
  • eine Legaldefinition zum Begriff des Sportboots wurde aufgenommen

Der Sportbootführerschein wird seit 1. Januar 2018 im Scheckkartenformat ausgegeben, dieser wird innerhalb von 10 – 30 Tagen nach bestandener Prüfung zugestellt.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Dreyer: Sportbootführerschein See. Mit amtlichem Fragenkatalog, gültig ab 1.5.2012. 7. Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-7688-3485-8.
  • Claus Gottschall: Sportbootführerschein See. Die Vorbereitung zur Prüfung als E-Book für das iPad /inkl. Navigationsaufgaben ebook-segeln.de ISBN 978-3-00-039473-7.
  • Kurt Graf, Dietrich Steinicke: Der amtliche Sportbootführerschein See. Der sichere Weg zur Prüfung. (Mit den 300 Prüfungsfragen und Auswahlantworten sowie den Seekartenausschnitten mit Lösungen + Seenotsignalmittelprüfung gültig ab 1.5.2012). 17. Auflage. Delius-Klasing, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-7688-3486-5.
  • Heinz Overschmidt, Axel Bark: Sportbootführerschein See. Mit amtlichem Fragenkatalog. Gültig ab 1.5.2012. 28., überarbeitete Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-7688-3484-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Text der See-Sportbootverordnung
  2. Pressemitteilung des BMVBS: Führerscheinregelungen für Sportboote liberalisiert (Memento des Originals vom 24. Oktober 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmvbs.de vom 17. Oktober 2012, abgerufen am 27. Oktober 2012
  3. a b Overschmidt, Heinz und Axel Bark: Sportbootführersein See, Delius Klasing Verlag 2012, S. 204, ISBN 978-3-7688-3484-1
  4. Anlage zur Sportbootführerscheinverordnung-See: „The holder ... is hereby garanted the licence to navigate any power-driven pleasure yacht on the waterways of the Federal Republic of Germany navigable by sea-going ships.“
  5. Verordnung über das Führen von Sportbooten (Sportbootführerscheinverordnung – SpFV) als Artikel 1 der Zweiten Verordnung zur Änderung sportbootrechtlicher Vorschriften im See- und Binnenbereich vom 3. Mai 2017 (BGBl. I S. 1016).
  6. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.): Die neue Sportbootführerscheinverordnung (Faltblatt). April 2017 (bmvi.de [PDF; abgerufen am 6. Dezember 2017]).
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