Sprendlingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Sprendlingen
Sprendlingen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Sprendlingen hervorgehoben

Koordinaten: 49° 52′ N, 7° 59′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Sprendlingen-Gensingen
Höhe: 110 m ü. NHN
Fläche: 13,02 km2
Einwohner: 4225 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 325 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55576
Vorwahl: 06701
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 056
Adresse der Verbandsverwaltung: Elisabethenstraße 1
55576 Sprendlingen
Website: www.sprendlingen.de
Ortsbürgermeister: Manfred Bucher (Grüne)
Lage der Ortsgemeinde Sprendlingen im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück)BacharachManubachOberdiebachOberheimbachNiederheimbachWeiler bei BingenTrechtingshausenWaldalgesheimMünster-SarmsheimBingen am RheinIngelheim am RheinBudenheimGrolsheimGensingenHorrweilerAspisheimWelgesheimZotzenheimBadenheimSprendlingenSankt Johann (Rheinhessen)Wolfsheim (Gemeinde)OckenheimGau-AlgesheimAppenheimNieder-HilbersheimBubenheim (Rheinhessen)Ober-HilbersheimEngelstadtSchwabenheim an der SelzJugenheim in RheinhessenStadecken-ElsheimEssenheimOber-OlmKlein-WinternheimNieder-OlmSörgenlochZornheimBodenheimGau-BischofsheimHarxheimNackenheimLörzweilerMommenheim (Rheinhessen)HahnheimSelzenNiersteinOppenheimDienheimDexheimDalheim (Rheinhessen)KöngernheimFriesenheim (Rheinhessen)UndenheimUelversheimUelversheimLudwigshöheGuntersblumWeinolsheimDolgesheimEimsheimHillesheim (Rheinhessen)WintersheimDorn-DürkheimRhein-Lahn-KreisHessenMainzRhein-Hunsrück-KreisLandkreis Bad KreuznachDonnersbergkreisLandkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild
Rathaus und Marktplatz während des Jahrmarktes
Evangelische Pfarrkirche: Michaeliskirche am Marktplatz
Katholische Pfarrkirche St. Michael
Nachbau eines optischen Telegrafen auf der Napoleonshöhe bei Sprendlingen (Rheinhessen)

Sprendlingen (Rheinhessen, Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen, der sie auch angehört. Sprendlingen ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprendlingen liegt in Rheinhessen ca. 10 Kilometer ostnordöstlich von Bad Kreuznach am Wiesbach. Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz liegt ca. 25 Kilometer Luftlinie nordöstlich der Gemeinde.

Nachbargemeinden sind Badenheim, Pfaffen-Schwabenheim, Zotzenheim, St. Johann und Gau-Bickelheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung Sprendlingens erfolgt in einer Überlieferung des Klosters Lorsch im Jahr 767. König Karl der Kahle schenkte das Dorf im Jahr 877 dem Klosterstift der hl. Gertrude zu Nivelle in Brabant. In späteren Zeiten gelangte der Ort in den Besitz der Grafschaft Sponheim. Bei Sprendlingen fand 1279 eine offene Feldschlacht zwischen Johann I., Graf der vorderen Grafschaft Sponheim, und dem Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein statt (Schlacht von Sprendlingen, → Sage von Michel Mort)[3]. Im Jahr 1707 wurde Sprendlingen badischer Besitz und bildete ein markgräflich-badisches Amt.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde Sprendlingen von den Franzosen erobert. Sprendlingen war danach eine Mairie des Kantons Wöllstein innerhalb des französischen Départements du Mont-Tonnerre. In Sprendlingen war zeitweise das französische Hauptquartier, in das z. B. Ibersheim 600 Portionen Brot zu 2½ Pfund zu liefern hatte.[4] Von 1813 bis 1814 befand sich an der nördlichen Gemeindegrenze auf dem Zotzenheimer Horn, einem Ausläufer der Napoleonshöhe, eine Telegrafenstation der Optischen Telegrafenlinie Metz–Mainz, mittels derer Nachrichten zwischen Mainz, der Hauptstadt des damaligen Départements du Mont-Tonnerre am Donnersberg, und Metz und von dort aus nach Paris übermittelt wurden. 2014 wurde ein Turm (Napoleonsturm)[5] errichtet, der als „technikgeschichtliches Denkmal“ an die Anfänge der Nachrichtenübertragung über weite Distanzen erinnern soll.

Nach dem Wiener Kongress kam Sprendlingen 1816 als Teil der neu gegründeten Provinz Rheinhessen zu dem Großherzogtum Hessen. Zwischen 1820 und 1822 wurde die heutige evangelische Michaelskirche an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet[6]. Im Jahr 1825 wurde die Synagoge der örtlichen israelitischen Gemeinde eingeweiht[7], im Jahr 1900 die katholische Kirche St. Michael[8]. Durch die Eröffnung der Bahnstrecken Worms-Bingen und Sprendlingen-Fürfeld erfuhr Sprendlingen zum Ende des 19. Jahrhunderts die Anbindung an den Zugverkehr.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Sprendlingen besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU GRÜNE BL Gesamt
2019 6 7 4 3 20 Sitze
2014 6 8 3 3 20 Sitze
2009 5 9 2 4 20 Sitze
2004 5 10 1 4 20 Sitze
  • BL = Bürgerliste Sprendlingen e. V.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde der seit 2014 amtierende Manfred Bucher mit 59,52 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang als direkt als Ortsbürgermeister bestätigt.[10]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprendlingen unterhält Partnerschaften mit Genlis und Longecourt-en-Plaine in Frankreich, die beide östlich von Dijon in Burgund liegen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische und die katholische Kirchengemeinde haben denselben Namenspatron, ihre Pfarrkirchen heißen Michaeliskirche und St. Michael.

Seit 2004 existiert die Wißberghalle, eine Kultur- und Sporthalle. Im Ort aktiv sind ein Karnevalsverein und zwei Theatergruppen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt ein Heimatmuseum[11], beheimatet in einem alten Fachwerkhaus, und das alte Rathaus am Marktplatz. Das Gertrudenviertel beherbergt noch viele ältere Gebäude. Am oberen Ende der Zimmergasse befindet sich die ehemalige Synagoge, welche heute als Kulturzentrum und Vereinsheim des Blasorchesters Sprendlingen genutzt wird. Durch den Bauern- und Winzerverein Sprendlingen wird die Via Vinea gepflegt, ein Erlebnisweg durch die Weinberge.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steinberg (auch Napoleonshöhe genannt) ist einer der Fundorte in Rheinhessen mit etwa zehn Millionen Jahre alten Säugetierresten aus den Dinotheriensanden des Ur-Rheins. Der Begriff Dinotheriensande beruht darauf, dass diese Ablagerungen häufig Zähne und Knochenreste des Rüsseltieres Dinotherium enthalten.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sprendlingen gibt es mehrere Sportvereine, unter anderem den erfolgreichen Handballverein HSG Zotzenheim/St.-Johann/Sprendlingen, die TSG Sprendlingen 1861, den Tennisclub Sprendlingen, das Karate Dojo Sprendlingen und den Dartclub Sprendlingen. Das Angebot an sportlichen Aktivitäten umfasst ein Stadion, mehrere Sporthallen, einen Tennispark, ein Freibad, eine Reithalle und ausgeschilderte Wanderwege durch die Region.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt ein Blasorchester und einen Männergesangsverein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprendlingen ist geprägt vom Weinbau, hat als Mittelpunktgemeinde eine gute Einzelhandelsinfrastruktur und besitzt mehrere industrielle Arbeitgeber wie das Wohnmobilwerk Eura Mobil oder den Baudienstleister K.H. Gaul.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprendlingen liegt an der Rheinhessenbahn BingenAlzeyWorms. Am Bahnhof Sprendlingen (Rheinhessen) halten heute im Stundentakt Regionalbahnen der DB Regio Mitte. Hier zweigte von 1888 bis 1973 die dann stillgelegte Bahnstrecke Sprendlingen–Fürfeld ab. Weiter lag Sprendlingen von 1912 bis 1953 an der schmalspurigen Überlandstraßenbahn Bad Kreuznach–St. Johann. Omnibusse lösten deren Verkehr ab.

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprendlingen liegt direkt an der B 50 Bingen–Gau-Bickelheim. Die A 61 durchquert das Gemeindegebiet; die nächstgelegene Anschlussstelle ist Gau-Bickelheim. Sprendlingen wird von den Buslinien 650 und 657 des RNN angefahren, die eine Direktverbindung nach Mainz herstellen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt in Sprendlingen einen kommunalen Kindergarten sowie je einen katholischen und evangelischen Kindergarten. Es gibt eine Grundschule und eine Integrierte Gesamtschule in Sprendlingen, beide bieten auch ganztägige Betreuung an. Daneben existiert die Elisabethenschule, eine Förderschule mit ebenfalls ganztägiger Betreuung. Des Weiteren findet man auf dem Gelände der IGS eine gut ausgestattete, moderne Bibliothek, die Bibliothek Sprendlingen-Gensingen. Sie besitzt zwei gleichberechtigte Standorte, der zweite befindet sich in Gensingen im Haus der Kultur.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Cziesla: Die Steinartefakte des jungpaläolithischen Fundplatzes Sprendlingen (Rhh.). Magisterarbeit Köln 1981. Zusammenfassung Arch.Inf. 8, 1985, 80–81.
  • Joachim Köhler, Sandra Hummel: Historisches Sprendlingen. Independently published, 2019, ISBN 978-1-09-372343-4.
  • Anja Korndörfer, Gerhard Remmet: Findbuch zum Personenstandsregister der Gemeinde Sprendlingen/Rhh, Tabellarische Auswertung ab 1798. Band I: ISBN 978-94-036-0729-0, Band II: ISBN 978-94-036-0730-6, Band III: ISBN 978-94-036-0728-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sprendlingen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2019, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Mein Dorf, meine Stadt. Abgerufen am 5. Januar 2021.
  3. Zur Geschichte von Sprendlingen. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 25. Februar 2021.
  4. Adolf Trieb: Ibersheim am Rhein. 1911, S. 122.
  5. Napoleonsturm (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive)
  6. Die evangelische Pfarrkirche in Sprendlingen - regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 26. Februar 2021.
  7. Die Synagoge in Sprendlingen (Landkreis Mainz-Bingen). Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der jüdischen Geschichte im süddeutschen und angrenzenden Raum, abgerufen am 26. Februar 2021.
  8. Katholische Pfarrkirche St. Michael - regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 26. Februar 2021.
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Stadt- und Gemeinderatswahlen 2019. Abgerufen am 4. August 2019.
  10. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Einzelwahlen 2019. Abgerufen am 4. August 2019.
  11. Heimatmuseum Sprendlingen (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive)