Sprengstoffanschläge in Dresden 2016

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Die Fatih Camii
Spuren des Anschlags an der Eingangstür der Moschee

Die Sprengstoffanschläge in Dresden 2016 waren zwei Bombenanschläge am Abend des 26. September 2016. Diese fanden in Dresden vor der Fatih-Moschee und vor dem Kongresszentrum (ICC) statt. Nur durch Zufall kam keine Person zu Schaden. Der bald ermittelte Täter wurde am 31. August 2018 wegen u. a. Mordversuches zu 9 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt.[1]

Tatabläufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen 21:15[2] MESZ explodierte vor der Fatih-Moschee im Dresdner Stadtteil Cotta ein Sprengsatz. Dieser war dem Oberlandesgericht Dresden zufolge mit Metallsplittern gefüllt, die geeignet waren, „schwerste und tödliche Verletzungen hervorzurufen“.[2] Die Moschee ist eine Einrichtung der türkisch-islamischen Religionsgemeinschaft DITIB. Der Imam der Moschee, seine Frau und seine Söhne befanden sich zwar in dem Haus als es zur Explosion kam, blieben jedoch unverletzt. Durch die Druckwelle der Explosion dieses Sprengkörpers wurde die Eingangstür nach innen gedrückt. Die Polizei Sachsen fand später Reste des Sprengkörpers vor dem Gebäude.[3]

Die von einer Explosion betroffene Freiterrasse mit den Glasquadern im Jahr 2011

Etwa eine Stunde später, um 22:19 Uhr Ortszeit,[2][4] explodierte ein weiterer Sprengsatz auf der Terrasse des Internationalen Congress Centers Dresden . Auch dort wurden dessen Reste gefunden. Die Druckwelle zerstörte die Seite eines Glasquaders auf der Terrasse vor dem Gebäude. Die Polizei evakuierte die Hotelbar.

Ermittlungen und Strafverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polizei Sachsen informierte die Öffentlichkeit am 27. September um 8 Uhr mit einer Pressemitteilung über die beiden Anschläge in der Stadt und nannte ermittlungstaktische Gründe für die verzögerte Mitteilung.

Schon am Nachmittag des 30. September 2016 veröffentlichte die Generalstaatsanwaltschaft Bild- und Videomaterial einer Überwachungskamera, die einen Tatverdächtigen zeigten.[5][6] Dieser konnte identifiziert werden. Am 8. Dezember 2016 wurde er festgenommen, nachdem man seine DNS an den Tatorten gefunden hatte.[7]

Der festgenommene, 30-jährige, Nino K. war in der fremdenfeindlichen Szene kein Unbekannter. So war er am Montag, den 13. Juli 2015, als ein Redner bei einer Pegida-Veranstaltung aufgetreten.[8][9][10] Dabei kündigte der anwesende Pegidachef Lutz Bachmann Nino K.’s Rede mit den Worten an „als Nächsten habe ich für Euch den Nino. Wo ist er? Einen Riesenapplaus für Nino!“. Nino K. verlas auf der Bühne neun Minuten lang einen offenen Brief an die Kanzlerin [Angela Merkel]. Dabei bezichtigte der 28-jährige Dresdner die Kanzlerin Merkel, sie lasse „kriminelle Ausländer Drogen verkaufen“ und „faule Afrikaner anstatt ihre Länder aufzubauen unsere Sozialkassen plündern“. Den Islamismus bezeichnete Nino K. unter großem Applaus der 2800 Anhänger als „Massenvernichtungswaffe“. Ninos Rede gipfelte u. a. in der Drohung „Wenn Sie wollen, dass es in Deutschland und Europa zu Bürgerkriegen kommt, dann machen sie so weiter … Von uns sollen sie keine Gnade erhalten.“[11]

Anschließend lobte der Pegidaführer Bachmann den jungen Redner mit den Worten „Das waren starke und deutliche Worte. Vielen Dank dafür.“[12]

Im September 2017 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen den Beschuldigten wegen versuchten Mordes und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.[13] Am 10. August 2018 plädierte sie für eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten.[14] Am 17. August 2018 forderte die Verteidigung eine viereinhalbjährige Haftstrafe wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchter schwerer Brandstiftung, bestritt aber eine Tötungsabsicht.[15]

Am 31. August 2018 verurteilte das Gericht Nino K. wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und der Herstellung von Brandsätzen zu 9 Jahren und acht Monaten Haft. Nino K. soll Rohrbomben aus Metall für die Anschläge hergestellt und verwendet haben.[16][17][18]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spruchband der Nachbarschaft am Eingangstor der Moschee

Nach den – unmittelbar danach so bezeichneten – Anschlägen entschied die sächsische Regierung, die Sicherheitsmaßnahmen für die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit vorzeitig in Kraft zu setzen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte am Tag nach den Anschlägen, dass der Kontrollbereich für das Festgelände früher eingerichtet werde.

„Wir gehen davon aus, dass zumindest der Anschlag auf die Moschee einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat“

Horst Kretzschmar, Polizeipräsident von Dresden

[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antonie Rietzschel: Fast 10 Jahre Haft für Bombenleger. Normalbürger, Fremdenfeind, Bombenleger. Süddeutsche Zeitung, 31. August 2018. Abgerufen am 28. September 2018.
  2. a b c Oberlandesgericht Dresden: 1. Haftprüfungsbeschluss des Beschuldigten Nino K. 15. Juni 2017, S. 2, abgerufen am 12. Juli 2017.
  3. Polizeischutz für islamische Einrichtungen nach Sprengstoffanschlägen
  4. Pressebericht MDR mit Tatortfotos
  5. Die Zeit online: Pressebericht vom 30. Sept. 2016
  6. Pressebericht Focus online, mit der Einblendung des Überwachungsvideos des Tatverdächtigen
  7. Cornelius Pollmer, Redakteur der Süddeutschen Zeitung in Dresden, 9. Dezember 2016: Pegida-Redner-soll-die Bombe-gelegt-haben
  8. Tatverdächtiger trat als Redner bei Pegida-Demo auf, ZEIT ONLINE, 9. Dezember 2016, Abruf 11. Januar 2018
  9. Mutmaßlicher Bombenleger von Dresden gefasst. In: mdr.de, 9. Dezember 2016, abgerufen am 9. Dezember 2016.
  10. Redebeitrag von Nino. Pegida Dresden, 13.07.2015 auf YouTube
  11. Nino K. In Haft. So hetzte der Dresdner Moschee-Bomber für Pegida. Bildzeitung 9. Dezember 2016, abgerufen 28. September 2018.
  12. Ulrich Wolf: Wer war Nino K? Sächsische Zeitung online, 12. Dezember 2016.
  13. Anklage gegen Pegida-Aktivisten wegen Mordversuchs. Zeit online vom 19. September 2017
  14. Staatsanwalt fordert Haftstrafe für Anschlag auf Moschee in Dresden. MDR Sachsen, 10. August 2018
  15. Verteidiger von Moschee-Bomber sieht keinen Mordversuch. MDR Sachsen, 17. August 2018
  16. Antonie Rietzschel: Normalbürger, Fremdenfeind, Bombenleger. Fast 10 Jahre Haft für Nino K. Süddeutsche Zeitung, Digitale Ausgabe, 31. August 2018.
  17. Fast 10 Jahre Haft wegen Anschlag auf Moschee. Spiegel online 31. August 2018.
  18. Dresdner Moschee-Bomber muss fast zehn Jahre in Haft.@1@2Vorlage:Toter Link/www.faz.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. FAZ net, 31. August 2018
  19. Anschläge in Dresden: „Hier wurde bewusst der Tod von Menschen in Kauf genommen“. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 27. September 2016]).