Srokowo

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Srokowo
Wappen von Srokowo
Srokowo (Polen)
Srokowo
Srokowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Geographische Lage: 54° 13′ N, 21° 31′ OKoordinaten: 54° 12′ 49″ N, 21° 31′ 9″ O
Einwohner: 1400
Postleitzahl: 11-420
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 650: Stara RóżankaWęgorzewoGołdap
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 12 Schulzenämter
Fläche: 194,63 km²
Einwohner: 3923
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 20 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2808062
Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindevorsteher: Franciszek Andruszkiewicz
Adresse: pl. Rynkowy 1
11-420 Srokowo
Webpräsenz: www.srokowo.iaw.pl



Srokowo [srɔˈkɔvɔ] (deutsch Drengfurth, polnisch bis 1950 Dryfort) ist ein Dorf im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 20 Kilometer nordnordöstlich von Rastenburg (Kętrzyn) und zwölf Kilometer westlich von Angerburg (Węgorzewo) am Fluss Omet. Nordöstlich des Orts befinden sich der Teufelsberg und der Rehsauer See.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drengfurt südöstlich von Königsberg und nordöstlich von Rastenburg auf einer Landkarte von 1908
Rathaus (Aufnahme 2010)
Ortskirche (bis 1945 evangelisch, Aufnahme 2010)
Bismarckturm (Aufnahme 2010)

Ursprünglich war die Ortschaft ein kleines Angerdorf am linken Ufer der Omet. Die eigentliche Stadt war am rechten Ufer in sehr regelmäßiger Form angelegt worden und hatte 1405 von dem Ordens-Hochmeister Konrad von Jungingen das Stadtprivileg nach Kulmer Recht erhalten; das alte Angerdorf an der Straße nach Barten, das vorher bestand, entwickelte sich zur Vorstadt. Im Jahr 1419 wird die Stadt Drengfurth im großen Zinsbuch der Ordensregierung erwähnt.[2]

Drengfurth blieb immer eine Kleinstadt mit einer Einwohnerzahl unter 3.000. Neben Landwirtschaft und Handwerk waren Sägewerke die wichtigsten Betriebe. In Drengfurth befand sich ein Land- und Stadtgericht.[3] Seit 1887 war die Stadt Endstation einer Kleinbahn nach Rastenburg. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Drengfurt eine evangelische Kirche und eine Provinzial-Invalidenkompanie.[4]

Bis 1945 gehörte Drengfurth zum Landkreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Im Zweiten Weltkrieg eroberte am 27. Januar 1945 die Roten Armee die Stadt und unterstellte sie der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Von den 2.293 Einwohnern des Jahres 1939 lebten nach dem Zweiten Weltkrieg noch 120 Einwohner in der zu 60 % zerstörten Stadt. Sie verlor am 28. Dezember 1945 ihre Stadtrechte und wurde zum Dorf zurückgestuft.

Für Drengfurth war 1945 zunächst die polonisierte Ortsbezeichnung Dryfort eingeführt worden. Im Jahr 1950 wurde diese Ortsbezeichnung zu Ehren Stanisław Srokowskis, in Srokowo abgeändert. Srokowski war Leiter des Polnischen Komitees zur Festsetzung von Ortsnamen in Polens wiedergewonnenen Gebieten gewesen.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 ca. 1200 ohne die 269 Einwohner der Vorstadt Drengfurt (Kämmereidorf)[5]
1802 1251 [6]
1810 1210 [6]
1816 1217 darunter 1.211 Evangelische und sechs Katholiken (keine Juden)[6]
1821 1388 [6]
1828 1506 [7]
1831 1541 [8]
1858 1739 davon 1.659 Evangelische und 80 Katholiken (keine Juden)[9]
1885 1693 [10]
1900 1511 [4]
1933 2233 [10]
1939 2293 [10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heilig-Kreuz-Kirche (poln. Kościół pw. Krzyża Świętego) aus dem 15. Jahrhundert
  • Barockes Rathaus mit Türmchen, 1775–78 erbaut
  • Stadtanlage mit großem zentralen Marktplatz
  • Bismarckturm auf östlicher Anhöhe

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Srokowo hat eine Fläche von 194,63 km², auf welcher etwa 4.300 Einwohner leben. Zur Gemeinde gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Bajorki Bajohrental
1938–45 Blankental
Pieczarki
Bajorski Gaj Bajohrenwalde
1938–45 Blankenwalde
Podlasie Louisenhof
Bajory Małe Klein Bajohren
1938–45 Kleinblankenfelde
Pyszki Nordenhof
Bajory Wielkie Groß Bajohren
1938–45 Großblankenfelde
Różanka-Leśniczówka Alt Rosenthal
Brzeźnica Birkenfeld Rybakowo Schönthal
Chojnica Salzbach A und C
1912–45 Knipprode
Rypławki Riplauken
Dolny Siniec Siemkowo Terra
Goszczewo Adolfshof Silec Schülzen
Jankowice Jankenwalde Silecki Folwark
Jegławki Jäglack Siniec Groß Blaustein
1928–45 Blaustein
Kaczory Fürstenwalde Siniec-Cegielnia
Kałki Sechserben Sińczyk-Leśniczówka Klein Blaustein
Kąty Langeneck Skandławki Skandlack
Kolkiejmy Kollkeim Solanka Salzbach
Kosakowo Marienthal Sówka
Księży Dwór Fürstenhof Srokowo Drengfurth
Łęknica Löcknick Srokowski Dwór Drengfurthshof
Łęsk Lenzkeim Stare Jegwałki Alt Jäglack
Leśniewo Fürstenau Suchodoły Friedenthal
Leśny Rów Ivenhof Szczeciniak Stettenbruch
Lipowo Marienwalde Wikrowo Wickerau
Marszałki Marschallsheide Wilcza Wólka
Mazurkowo Masurhöfchen Wilcze
Mintowo Mintwiese Wilczyny Wolfshagen
Młynowo Adlig Mühlbach Wólka Jankowska Marienwalde
Niedziały Fünfhuben Wyskok Friedenshof
Nowa Różanka Neu Rosenthal Wysoka Góra Hochberg
Osikowo Leiterswalde Złote Pole

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als an der Albertus-Universität Königsberg die Corpslandsmannschaften entstanden, erfand stud. theol. Christian Mowitz – Angehöriger der Corps Masovia – die „Drengfurthia“.[11] Der Spottname für Kränzchen kam zu viel belachtem Ruhm und diente in den Königsberger Studentenverbindungen noch im 20. Jahrhundert dazu, die Drengfurther Kommilitonen als „Drängfurzianer“ aufzuziehen.[12]

Blick vom westlichen Hang des Diabla Góra (dt. Fürstenauer Berg, Teufelsberg) auf Srokowo (2010)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 287–289.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 18–19, Nr. 5.
  • Leopold Krug: Die preußische Monarchie – topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt. Teil 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1833, S. 422–427.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514, Nr. 113.
  • Hugo Bonk: Geschichte der Stadt Drengfurt. Ahl, Rastenburg 1905.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Srokowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Max Toeppen: Ueber preussische Lischken, Flecken und Städte. Ein Beitrag zur Geschichte der Gemeindeverfassungen in Preußen. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter, Vierte Folge. Band 4. Königsberg 1867, S. 511–536.
  3. W. F. C. Starke: Justiz-Verwaltungs-Statistik des Preussischen Staats. Band 1. Heymann, Berlin 1839, S. 43.
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 5. Leipzig/Wien 1906, S. 193.
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 18–19, Nr. 5.
  6. a b c d Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 274–275, Ziffer 129.
  7. Geographisches Institut: Neue Allgemeine Geographische und Statistische Ephemeriden. Band 30, Weimar 1830, S. 24.
  8. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514, Nr. 113.
  9. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 205, Ziffer 52.
  10. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. rastenburg.html#ew33rastdrengfurt. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Kösener Korps-Listen 1910, 141, 191. Mowitz wurde Pfarrer in Kruschwitz.
  12. Hans Lippold: Masovia im Taubenhaus. Zeitung der Altmärker-Masuren 44 (1969), S. 873.