Städtisches Museum Stettin

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Das Städtische Museum Stettin, auch Stadtmuseum Stettin, war von 1913 bis 1945 das Stadtmuseum der Stadt Stettin. Das Gebäude bildet das optische Zentrum der Hakenterrasse, eines Wahrzeichens Stettins, und beherbergt heute das Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie).

Das 1913 fertiggestellte Gebäude des Städtischen Museums, heutiger Zustand (Aufnahme von 2017)

Die Stadt Stettin, Hauptstadt der preußischen Provinz Pommern, schuf sich erst während der letzten Jahre des Kaiserreichs ein eigenes Stadtmuseum. Hier wurden die verschiedenen, seit dem 19. Jahrhundert entstandenen Stettiner Sammlungen zusammengefasst.

Die Anfänge des Museumswesens in Stettin reichen bis 1824 zurück, als sich die Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde gründete. Bereits am 23. September 1826 konnte im Herzogsschloss die erste Sammlung für das Publikum zugänglich gemacht werden.

Das Museumsgebäude wurde 1913 fertiggestellt und bildet seitdem den architektonischen Mittelpunkt der zwischen 1900 und 1914 angelegten Hakenterrasse. Architekt war der Stettiner Stadtbaurat Wilhelm Meyer-Schwartau. Das Gebäude ist imposant und großzügig errichtet, doch weist der Stettiner Museumsfachmann Otto Kunkel rückblickend auch darauf hin, dass man zur Planung keinen Fachmann für Museen heranzog und die Räumlichkeiten der Vielfalt des zu zeigenden Museumsgutes kaum gerecht wurden. Das Gebäude war von vornherein für eine Erweiterung im rückwärtigen Bereich vorgesehen, die aber nicht erfolgt ist.

Zu den im Städtischen Museum ausgestellten Sammlungen gehörten:

Replik des Colleoni-Standbildes von Andrea del Verrocchio für das Städtische Museum Stettin

Erster Direktor des Städtischen Museums war von 1913 bis 1934 Walter Riezler, der mit seinen modernen Ansichten beim konservativen Bürgertum Stettins nicht nur auf Zustimmung stieß. Er wurde nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im April 1933 suspendiert und 1934 vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger als Museumsdirektor wurde sein mehrjähriger Mitarbeiter Otto Holtze, nach dessen Tod im Jahre 1944 übte bis 1945 Frida Endell (1897–1980) die Museumsleitung aus.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs veranlasste Endell die Sicherung von Museumsgut im Museumskeller und im Tresor der Sparkasse. Die wertvollsten Kunstgegenstände aus der Gemäldesammlung wurden nach Westen in Sicherheit gebracht und in der Veste Coburg eingelagert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Stettin an Polen kam, übernahm der polnische Staat das in Stettin verbliebene Museumsgut. Das städtische Museum Stettin wurde als polnisches Museum am 1. August 1945 gebildet. Das neue Städtische Museum Stettin wurde in der Luisenstraße im ehemaligen Provinzialmuseum eingerichtet. Im Museum auf der Hakenterrasse wurde das Meeresmuseum eröffnet. Am 1. Januar 1949 wurden Stadt- und Meeresmuseum zum Museum von Pommern zusammengeführt und umgewandelt. Bereits am 1. Januar 1950 wurden alle Museen in Polen verstaatlicht. Dem Museum Stettin (Stadt- und Meeresmuseum) wurde die Aufsicht über alle Regionalmuseen in Pommern (Belgard, Köslin, Stolp und Rügenwalde) übertragen. 1970 bekam dann das Museum den Rang eines Nationalmuseums. 1975 wurde das Stadtmuseum Stettin in das wieder aufgebaute alte Rathaus der Stadt verlegt.

Im Gebäude des ehemaligen Städtischen Museums auf der Hakenterrasse befindet sich heute das Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie). Es enthält Ausstellungen zur pommerschen Landesgeschichte insbesondere des Mittelalters und der frühen Neuzeit, zur Vor- und Frühgeschichte Pommerns, Kopien und Originale griechischer Antiken, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg zusammen getragen wurden, eine kleinere Ausstellung volkskundlicher Bestände Pommerns, überwiegend aus der Zeit vor 1945 und einen umfangreichen Bestand zur Schifffahrt in Stettin überwiegend aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Als umfangreichster vergleichbarer Bestand Polens gilt die Sammlung ethnographischer Objekte aus Afrika, der Südsee und Amerika, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erworben worden sind. Ausgestellt werden in drei Sälen vor allem Masken und Skulpturen aus Afrika, deren Authentizität von der Fachwelt aber zum überwiegenden Teil bezweifelt wird. Als in didaktischer Hinsicht bemerkenswert und einzigartig gelten jedoch die beiden rekonstruierten Gehöfte afrikanischer Kulturen, u.a. der Lobi. Daneben befindet sich noch ein kleinerer, aber als vom internationalen Museumswesen als wenig bedeutend eingeschätzter Bestand älterer Reiseandenken aus Afrika in der Ausstellung.

Die Gemälde aus der Veste Coburg und andere verlegte Sammlungen bildeten den Grundstock des Museums der Stiftung Pommern, das 1972 in Kiel eröffnet wurde. Mit den übrigen Sammlungen der Stiftung Pommern wurden sie 1999 aus Kiel in das neugegründete Pommersche Landesmuseum in Greifswald überführt.

2012/2013 wurden Austausche von vorerst archäologischen Artefakten zwischen dem Pommerschen Landesmuseum Greifswald, sowie dem Landesamt in Schwerin und dem Nationalmuseum Stettin vereinbart und realisiert. So werden die Artefakte ausgetauscht, die den jeweiligen Fundgebieten und -orten der Territorien der jeweiligen Museen zuzuordnen sind. So wurden z. B. die Funde vom Schlossberg Gützkow (Ausgrabung Petzsch/Wilde 1930-1934) die teilweise nach Stettin an das damalige Provinzialmuseum geliefert waren, über das Landesamt Schwerin an die Greifswalder Sammlungen übergeben.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ilse Gudden-Lüddeke (Hrsg.): Chronik der Stadt Stettin. Verlag Gerhard Rautenberg, Leer 1993, ISBN 3-7921-0515-2, S. 610–613.
  • Otto Kunkel: Werden und Wesen des Stadtmuseums auf der Hakenterrasse in Stettin. In: Pommern (ISSN 0032-4167), Jahrgang 1971, Heft 3. (Neu abgedruckt in: Die Pommersche Zeitung, Jahrgang 2012, Nr. 51/52, S. 12–14).
  • Führer durch Pommersche Museen, Herausgegeben Genowefa Horoszko, Marschallverwaltung der Pommerschen Woiwodschaft, Stettin 2001, S. 48 ff, ISBN 83-86136-13-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern, Band 20, 2013, S. 33 ff, ISSN 0946-512X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 25′ 48,5″ N, 14° 33′ 52,5″ O