Störtebeker-Festspiele

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Störtebeker-Festspiele 2001
Störtebeker-Festspiele 2000

Die Störtebeker-Festspiele finden seit 1993 jeweils von Ende Juni bis Anfang September am Ufer des Großen Jasmunder Boddens in Ralswiek auf der Insel Rügen statt. Sie sind Deutschlands erfolgreichstes Open-Air-Theater. Der Name bezieht sich auf den Freibeuter und Piraten des 14. Jahrhunderts, Klaus Störtebeker.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1959 wurden in Ralswiek im Zuge eines Kulturauftrages der DDR die „Rügenfestspiele“ ins Leben gerufen und die Naturbühne Ralswiek angelegt. Der Platz für die damaligen Rügenfestspiele wurde im Frühjahr 1959 zwischen dem Schloss Ralswiek und dem Boddenufer gefunden und die Naturbühne dann in fünfmonatiger Bauzeit errichtet und das Dorf zum Festspielort umgebaut.

Es wurde von 1959 bis 1961 und 1980 bis 1981 die Dramatische Ballade „Klaus Störtebeker“ von Kurt Barthel unter der Leitung von Hanns Anselm Perten und der Chorleitung von Günther Wolf mit ca. 1.000 Mitwirkenden aufgeführt. In diesen fünf Sommern wurden insgesamt 670.000 Besucher gezählt.

Inszenierung seit 1993[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu dem damaligen Stück wird bei den Störtebeker-Festspielen seit 1993 die Legende vom Seeräuber Klaus Störtebeker, der mit seinen Vitalienbrüdern am Ende des 14. Jahrhunderts die Ostsee befuhr, jeweils über einen Zeitraum von vier bis sechs Jahren verteilt, erzählt. Im Jahr 2006 hieß die Inszenierung In Henkers Hand, in der Klaus Störtebeker geköpft wurde. Für den Zeitraum 2007–2012 ist der vierte Zyklus geplant; die erste Episode im Sommer 2007 trug den Titel Verraten und verkauft. Im Jahr 2009 begann eine Trilogie, in der es um den Schatz Störtebekers ging. Abgeschlossen wurde der Zyklus durch das Stück Störtebekers Tod. Im Jahr 2013 ging es mit Beginn einer Legende von vorne los. Sascha Gluth, der von 2002 bis 2012 die Rolle des Klaus Störtebeker übernahm, wurde von Bastian Semm abgelöst. Die Rolle des Goedeke Michels wurde von Andreas Euler übernommen. Beide spielten spielten ihre Hauptrollen einen Zyklus lang (2013–2017).

Besucherzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. August 2007 wurde in der 912. Vorstellung seit 1993 der viermillionste Besucher gezählt.

Am 1. September 2008 wurde der Saison-Rekord von 2005 gebrochen. An diesem Tag wurde der 367.000. Besucher gezählt, und das schon sechs Vorstellungen vor Saisonende. Dieser Rekord wurde jedoch im Jahr 2009 erneut gebrochen, insgesamt haben in diesem Jahr 394.766 Zuschauer das damit erfolgreichste Freilichttheater Deutschlands besucht.

Am 19. Juli 2010 wurde in der 1091. Vorstellung seit 1993 der fünfmillionste Besucher in Ralswiek gezählt. Dies ergibt einen Durchschnitt von 4600 Besuchern pro Vorstellung bei einer Kapazität von 8.802 Sitzplätzen.

Mit Ende der Saison 2016 kommen die Festspiele auf über 7,3 Mio. Besucher in 24 Jahren und über 1500 Vorstellungen.

Mitwirkende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißkopfseeadler im Vorprogramm „Könige der Lüfte“

Die Störtebeker-Festspiele beschäftigen über 140 Statisten, 20 Schauspieler, 30 Pferde, vier Schiffe mit Schiffsführern und weitere Mitarbeiter hinter den Kulissen. Das Casting der Statisten findet Anfang März des jeweiligen Jahres statt.

Am häufigsten mitwirkende Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Störtebeker-Darsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Braun; 540 Einsätze als Störtebeker zwischen 1993 und 2001.
  • Sascha Gluth, 719 Einsätze als Störtebeker zwischen 2002 und 2012.
  • Bastian Semm schließt mit dem Ende des aktuellen Zyklus (2013–2017) insgesamt 335 Einsätze als Störtebeker ab.

Darsteller die am häufigsten auf der Bühne standen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht der Darsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darsteller Rolle In den Jahren
Norbert Braun Klaus Störtebeker; diverse 1993–2001; seit 2007
Sascha Gluth Klaus Störtebeker 2002–2012
Bastian Semm Klaus Störtebeker 2013–2017
Dietmar Lahaine Goedeke Michels, Kaufmann Langendoorp 1993–2001, 2003–2013
Andreas Euler Goedeke Michels 2013–2017
Wolfgang Lippert Abellin, der Balladensänger, diverse 2000–2001, seit 2003
Mike Hermann Rader diverse seit 2003
Thomas Linke diverse seit 2009
Charles Lemming Wigbold, diverse 2005, 2006, 2008, 2011, seit 2013
Karin Hartmann Königin Margarete, Fronica 1993, seit 2013
Hans-Jörg Fichtner diverse 1993–2012
Burkhard Kurth diverse 1993–2008
Fred Braeutigam diverse, jetzt hinter der Bühne tätig 1993–2005
Mircea Krishan diverse 1993–1997, 1999–2006
Roland Seidler diverse 1993–2003
Ben Hecker diverse 2003–2013
Sabine Kotzur diverse 1993–2001
Mario Ramos diverse 2009–2015
Nils Düwell diverse 1998–2004
Manfred Reddemann diverse 1995–1996, 2005–2006, 2010
Klaus-Peter Thiele diverse 1998–2001, 2003
Wolfgang Dehler diverse 1996–1997, 1999–2001
Sibylle Pape diverse 1997, 2003–2007, 2010
Robert Röske diverse 1994, 1996–1997, 1999–2000
Renate Blume diverse 1999–2002
Peter Theiss Bootsmann 2002–2005
Julia Horvath Orka tom Broke, Maraike 2004–2006, 2012
Ingrid van Bergen diverse 2005–2008, 2010
Robert Glatzeder Bruder Thomasius 2007–2010
Martina Guse diverse 2004, 2008, 2010–2011
Frank Rebel diverse 2004–2005, 2007
Jürgen Haase diverse 2008–2009, 2011
Claudia Gaebel Maria, Elisabeth 2010–2011, 2013
Ronnie Paul Schlunz 1993–1995
Patricia Schäfer Ingeborg von Mecklenburg, Sophia von Pommern-Wolgast 2008, 2014, 2016
Neithard Riedel diverse 2012–2014
Ben Bremer diverse 2007, 2015, 2016
Maria-Anne Müller diverse 1997, 2000
Heidemarie Wenzel diverse 1999–2000
Jörg Bundschuh diverse 2001, 2006
Roland "Rollo" Maier[1] Balladensänger 2003–2004
Heike Schober Maraike 1993–1994
Peter Cwielag Schlunz 1996–1997
Joachim Kretzer Guy de Rigault 2009–2010
Daniela Kiefer Valentina Visconti & Königin Margarete 2009, 2014
Susanne Szell Tine, Sophia von Pommern Wolgast 2012, 2015
Thomas Kornack Kurzer 2013–2014
Carin Abicht diverse 1993
Cersten Jacob Nachtwächter Wehmeier 1994
Grit Stephan Orka tom Broke 1995
Ivette Richter Frauke tom Broke 1996
Hans Hartz Balladensänger 2002
Jenny Jürgens Lady Ann 2005
Gerit Kling Gräfin van Dooren 2006
Vanida Karun Miranda 2006
Jan Baake Hisko von Emden, Wasserträger, Blei-Wolter 2006
Christina Kraft Agnes 2007
Nadja Kruse Katarina 2008
Heiko Schendel Ratsherr & Stadtwache 2012
Hans Hohlbein Müller 2012
Sarah Hannemann Ann-Marie 2013
Anna Lena Class Elisabeth 2014
Marco Matthes Edwin Westhoff 2014
Hans H. Steinberg Hinrik Westhoff 2014
Anika Lehmann Nadeshda 2015
Bianca Warnek Baronin Ewa, Tetta tom Brok 2016, 2017
Marco Bahr Konrad von Jungingen 2016
Nicolas König Simon von Ütrecht 2017
Philipp Richter Der Kleene 2017
Heinrich Rolfing Henry van Ostergard 2017

Aufführungen seit 1993[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielzeit Zyklus Dauer Titel Regie Anzahl Vorstellungen Zuschauer
1. I. 3. Juli – 29. August 1993 „Wie einer Pirat wird“ Roland Oehme 58 78 060 Besucher
2. 2. Juli - 28. August 1994 „Kampf um Stockholm“ 58 136 985 Besucher
3. 1. Juli – 26. August 1995 „Sturm auf Gotland“ 57 183 429 Besucher
4. 22. Juni - 31. August 1996 „Piraten der Westsee“ 61 210 590 Besucher
5. 21. Juni – 30. August 1997 „Das Schwert des Henkers“ 62 266 099 Besucher
6. II. 20. Juni – 29. August 1998 „Gesprengte Ketten“ 61 244 754 Besucher
7. 26. Juni – 4. September 1999 „Die Vitalienbrüder“ 61 292 413 Besucher
8. 24. Juni – 2. September 2000 „Die Kreuzritter“ 61 296 974 Besucher
9. 23. Juni – 1. September 2001 „Hamburg–Hanse–Henker“ 61 320 007 Besucher
10. III. 22. Juni – 31. August 2002 „Die Strandräuber“ 61 281 644 Besucher
11. 28. Juni – 6. September 2003 „Der Wolf der Meere“ Holger Mahlich 61 335 208 Besucher
12. 26. Juni – 4. September 2004 „Im Zeichen des Kreuzes“ 61 340 423 Besucher
13. 25. Juni – 10. September 2005 „Piraten vor Britannien“ 67 366 200 Besucher
14. 24. Juni – 9. September 2006 „In Henkers Hand“ 67 360 366 Besucher
15. IV. 23. Juni – 8. September 2007 „Verraten und verkauft“ 67 335 319 Besucher
16. 21. Juni – 6. September 2008 „Der Seewolf“ 67 377 916 Besucher
17. 20. Juni – 5. September 2009 Störtebekers Gold Teil 1 „Das Vermächtnis“ 67 394 766 Besucher
18. 19. Juni - 4. September 2010 Störtebekers Gold Teil 2 „Der Fluch des Mauren“ 67 381 858 Besucher
19. 18. Juni - 3. September 2011 Störtebekers Gold Teil 3 „Der Schatz der Templer“ 67 360 097 Besucher
20. 23. Juni - 8. September 2012 "Störtebekers Tod" 67 362 963 Besucher
21. V. 22. Juni - 7. September 2013 "Beginn einer Legende" Kai Maertens 67 343 190 Besucher
22. 21. Juni - 6. September 2014 "Gottes Freund" Peter Dehler 67 355 125 Besucher[2]
23. 20. Juni - 5. September 2015 "Aller Welt Feind" Thomas Schendel 67 357 187 Besucher[3]
24. 18. Juni - 3. September 2016 "Auf Leben und Tod" 67 350 836 Besucher[4]
25. 24.Juni - 9. September 2017 "Im Schatten des Todes" Marco Bahr 67 338 305 Besucher
26. VI. 23. Juni - 8. September 2018 "Ruf der Freiheit" 67 ?

Wirtschaftliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerwerk

Die Besucherzahlen des Spektakels stiegen seit 1993 erheblich an. 2006 wurde ein geringer Rückgang der Besucherzahlen verzeichnet, was auch dem allgemeinen Trend der Tourismuszahlen auf der Insel Rügen entsprach und auf das schlechte Wetter und die wirtschaftliche Lage in Deutschland zurückzuführen war. Im Jahre 2007 wurde aber wieder ein Plus verzeichnet und die Saison 2008 begann mit einem erheblichen Zuschauerwachstum.

Die Störtebeker Festspiele GmbH & Co. KG ist ein privates Familienunternehmen, das keine staatlichen Zuschüsse erhält und von Sponsoren mitfinanziert wird. Der neue Medienpartner ist seit 2008 der NDR.

Seit 1993 ist Peter Hick Intendant der Störtebeker Festspiele. Seine Frau Ruth Hick und Tochter Anna-Theresa Hick sind Geschäftsführerinnen des Unternehmens.

Dokumentationen im Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Dezember 2007 bot der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit einer Fernsehdokumentation über Klaus Störtebeker und die Tourismusindustrie (Der wahre Schatz des Störtebeker, Buch und Regie Arne Lorenz) auch einen Einblick hinter die Kulissen der Störtebeker-Festspiele. Die Dokumentation Sonne, Sand und Störtebeker (Regie: Arpad Bondy) befasst sich ebenfalls mit den Festspielen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Puhle: Die Vitalienbrüder. Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit. 2., durchgesehene Auflage. Campus-Verlag Frankfurt am Main u. a. 1994, ISBN 3-593-34525-0.
  • KuBa, Hanns Anselm Perten: Klaus Störtebeker. Dramatische Ballade in 6 Episoden. Ein Vorspiel und ein Nachspiel. In der Inszenierung und dramaturgischen Einrichtung der Rügenfestspiele 1959. VEB Friedrich Hofmeister, Leipzig 1960.
  • KuBa (d. i. Kurt Barthel): Die Legende vom Klaus Störtebeker. Vom Regisseur der Rügen-Festspiele, Hanns Anselm Perten, herausgegeben und mit 16 Farbaufnahmen von Gerhard Vetter versehen. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Störtebeker-Festspiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rollo Vita auf Rollomusic
  2. Erfolgreicher Saisonabschluss der Störtebeker Festspiele in Ralswiek, Störtebeker Festspiele Logbuch
  3. Störtebeker: Gottes Freund, aller Welt Feind, NDR.de - Kultur, 6. September 2015
  4. Ahoi – liebe Störtebeker Freunde – Am... - Störtebeker Festspiele | Facebook. In: www.facebook.com. Abgerufen am 5. September 2016.

Koordinaten: 54° 28′ 35″ N, 13° 26′ 45″ O