Störtebeker Braumanufaktur

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Störtebeker Braumanufaktur GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 1827
Sitz Stralsund, Deutschland
Leitung Jürgen Nordmann, Jürgen Neuhaus, Henning Meyer
Mitarbeiterzahl 220 (Jahresdurchschnitt 2018)[1]
Umsatz 48 Mio. EUR[2]
Branche Brauerei
Website www.stoertebeker.com
Stralsunder Brauerei mit Gasthaus „Alter Fritz“

Die Störtebeker Braumanufaktur GmbH ist eine seit 1827 bestehende mittelständische Brauerei in Stralsund. Bis zum Jahresende 2011 firmierte die Brauerei unter dem Namen Stralsunder Brauerei GmbH. Hauptprodukt sind verschiedene Biersorten der Marken „Störtebeker“ und „Stralsunder“. Die Brauerei ist Mitglied im Zusammenschluss Die Freien Brauer. 2018 wurden 200.000 Hektoliter Bier abgefüllt und verkauft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sudhaus der Stralsunder Brauerei
Event-Center „Die Alte Brauerei“
Störtebeker auf der 14. Kölner Bierbörse (2012)

1827 wurde die Stralsunder Vereinsbrauerei gegründet und war Hoflieferant der Ostseebäder. Aufgrund steigender Nachfrage entstand damals ein Neubau an der Greifswalder Chaussee, der mit modernster Technik ausgestattet war, beispielsweise einer der ersten Linde-Kältemaschinen.

In den Nachkriegsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb fortgeführt, und in den 1950er Jahren als Volkseigener Betrieb (VEB) eingerichtet. Veraltete Technik und die schlechte Versorgungslage mit hochwertigen Rohstoffen brachten einen Rückgang der Qualität und so erlebte die Brauerei einen qualitativen und, nach der politischen Wende, auch wirtschaftlichen Niedergang.

1991 wurde die Brauerei durch die Unternehmensgruppe Nordmann aus Wildeshausen für den Kaufpreis von einer Million DM übernommen.[3] In der Folge wurde die Braustätte um eine Gastronomie – das „Braugasthaus Alter Fritz“ – erweitert. Die Brauerei brachte 2005 ein aus Finnland stammendes Regalsystem auf Rollen als eigenes Lizenzprodukt auf den deutschen Markt, das die Produkte im rollbaren Sechserträger präsentiert. Ebenfalls 2005 wurde die Produktionsanlage erweitert. Die Familie Nordmann verlagerte 2006 ihren Getränkehandel auf ein Gewerbegrundstück an der Rostocker Chaussee. 2010 wurde die Unternehmensgruppe zwischen den Nordmann-Brüdern aufgeteilt. Seitdem ist die Stralsunder-Brauerei zusammen mit der zusammenhängenden Systemgastronomie ein Teil der Kontor N Vermögensverwaltungs GmbH unter Leitung von Jürgen Nordmann.[4] Im Mai 2010 wurden zwei weitere Gärtanks mit einem Gesamtfassungsvermögen von 120.000 Litern zur Produktion des „Störtebeker Bernstein-Weizen“ installiert.

Seit Juli 2012 ist die Brauerei Mitglied der Freien Brauer,[5] einem Zusammenschluss von mittelständischen Privatbrauereien, die sich das Ziel gesetzt haben, die Biervielfalt und Bierkultur zu erhalten. 2014 wurde das ehemalige Trafohaus auf dem Gelände der Braumanufaktur abgerissen und damit Platz geschaffen für neue Gär- und Lagertanks.[6] Im April 2015 wurden zwölf knapp 14 Meter hohe Stahltanks der Firma Ziemann aus Bürgstadt im neuen Gärkeller aufgestellt[7]. Im Juli 2016 wurden acht je 16 Meter hohe Malzsilos aus Stahlblech installiert[8] und im September 2016 vier je 14 Meter hohe und 11,7 Tonnen schwere Gär- und Lagertanks mit einem Fassungsvermögen von 1100 Hektolitern eingesetzt[9]. Ergänzt wurde der Ausbau im Dezember 2016 durch eine zusätzliche Maischepfanne, einen Läuterbottich und ein Würzevorlaufgefäß[10].

Die Braumanufaktur betreibt seit Oktober 2016 auch die Gastronomieeinrichtungen in der Hamburger Elbphilharmonie;[11] die Ausschankrechte hatte sich die Brauerei schon vor der Grundsteinlegung gesichert.[12]

Im Juli 2017 wurden zu den bisher sieben vorhandenen Drucktanks noch drei weitere (ein 390 hl großer und zwei je 300 hl fassende) installiert.[13] Zusätzlich zu den zwei bisherigen Tiefbrunnen wurde ab August 2017 ein dritter Brunnen in über 40 Metern Tiefe gebohrt.[14] Im Jahr 2017 wurden 200.000 Hektoliter Störtebeker Brauerzeugnisse abgesetzt,[15] im Jahr 2018 waren es 248.000 Hektoliter.[16] 2020 wurde eine neue Abfüll-, Verpackungs- und Logistikhalle in Betrieb genommen.[17]

Getränke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen produziert unter den Markennamen „Störtebeker“ und „Stralsunder“ zahlreiche Biersorten. Hinzu kommen Biermischgetränke der Marke „Strand-Räuber“, Limonaden und Mineralwasser. Auch ein Whisky gehört zur Produktionspalette. Unter dem Namen BIOS wurde eine Bio-Limonade hergestellt.

Produktionszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Absatz, zu DDR-Zeiten noch bei 100.000 Hektolitern pro Jahr, ging bis 1995 auf 10.000 hl zurück. Ab 1998 wurde wieder Flaschenbier abgefüllt[18]. Der Absatz lag 2005 bei 88.000 Hektolitern, 2008 bei 65.000 hl und 2009 bei 70.000 hl.[19]

Den Aufschwung der Brauerei seit Anfang der 2010er Jahre zeigen die folgenden Zahlen: 2015 lag der Absatz bei 140.000 Hektolitern.[20] 2016 wurden 180.000 hl Störtebeker Getränke abgefüllt und verkauft.[21] Im Jahr 2018 wurden 248.000 hl Bier verkauft.[22]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbewerbsteilnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brauerei stellte ihre Produkte wiederholt bei diversen Wettbewerben vor. Dabei gewann sie Preise der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, beim World Beer Award, beim World Beer Cup, beim European Beer Star und beim Craft Beer Award.

Außerdem nahmen mehrfach Mitarbeiter der Braumanufaktur erfolgreich an der Weltmeisterschaft der Biersommeliers teil.[23] 2019 errang die Pressesprecherin der Störtebeker Braumanufaktur, Elisa Raus, als erste Frau diesen Titel.[24]

Bundesehrenpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgelobten ‚Bundesehrenpreis‘ für die besten Gesamtleistungen in der Qualitätsprüfung für Bier der Deutschen Lebensmittelgesellschaft (DLG) erhielt die Stralsunder Brauerei ab dem 2008 zehn Mal in Folge[25].

Aus Protest gegen die am 4. Mai 2009 durch die Bundesagrarministerin Ilse Aigner genehmigten Freilandversuche mit gentechnisch veränderter Gerste in Mecklenburg-Vorpommern gab Geschäftsführer Markus Berberich den 14 Tage zuvor erhaltenen Bundesehrenpreis am 6. Mai 2009 zurück.[26]

Im Jahr 2020 erhielt die Brauerei den 13. Bundesehrenpreis in Folge.[27]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stralsunder Brauerei war von 2002 bis 2005 mit dem Bier der Gerechten Sponsor der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf Rügen.

Bis 2006 und 2009 lud die Brauerei jeweils im Sommer zum Stralsunder Brauereihoffest ein. Hierbei traten nationale und internationale Musiker auf dem Brauereigelände an der Greifswalder Chaussee vor bis zu 15.000 Zuschauern auf. Auf dem Gelände der Brauerei finden zudem Public Viewings von sportlichen Großereignissen (Brauerei-Arena) und Brauereiparties statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Störtebeker Braumanufaktur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Suche im elektronischen Bundesanzeiger Störtebeker Braumanufaktur: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2018
  2. Störtebeker: Umsatzsteigerung gegen den Trend in Deutschland auf sueddeutsche.de vom 5. März 2020, abgerufen am 24. September 2020
  3. „Das Bier war eine rechte Plörre“, Süddeutsche Zeitung, 28. August 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  4. nordmann.de
  5. „Störtebeker Braumanufaktur im Verbund der Freien Brauer aufgenommen“, Pressemitteilung vom 15. Juli 2012, abgerufen am 21. Januar 2017
  6. „Erfolgreicher Baustart: Braumanufaktur investiert in neue Produktionsanlagen“, Pressemitteilung vom 27. November 2014, abgerufen am 21. Januar 2017
  7. „https://www.stoertebeker.com/de_de/stoertebeker-braumanufaktur-installiert-neue-gaer--und-lagertanks/“, Pressemitteilung vom 24. April 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  8. „Rohstoff-Vielfalt braucht Platz: Braumanufaktur bekommt neue Malzsilos“, Pressemitteilung vom 18. Juli 2016, abgerufen am 21. Januar 2017
  9. „Neue Tanks und Technik für die Störtebeker Sortenvielfalt“, Pressemitteilung vom 2. September 2016, abgerufen am 21. Januar 2017
  10. „Sudhaus wächst: Braumanufaktur investiert in Qualität“, Pressemitteilung vom 7. Dezember 2016
  11. „Störtebeker erobert die Elbphilharmonie Hamburg“, Pressemitteilung auf www.stoertebeker.com, 3. November 2016
  12. „Das Bier der Elbphilharmonie ist schon mal geklärt“, www.welt.de, 3. Januar 2016, abgerufen am 21. Januar 2017
  13. Tonnenschwere Lieferung – 3 neue Drucktanks für die Braumanufaktur, Pressemitteilung vom 21. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.
  14. www.stoertebeker.com „Neuer Brunnen und Wassertank für die Braumanufaktur“, Pressemitteilung vom 30. August 2017, abgerufen am 28. April 2022
  15. www.stoertebeker.com „Auf dem Weg zur nationalen Marke: Störtebeker investiert in Qualität und Fachkräfte“, Pressemitteilung vom 4. Januar 2018, abgerufen am 28. April 2022
  16. www.stoertebeker.com „Von Alkoholfrei bis Eisbock – Störtebeker verzeichnet Rekordjahr“, Pressemitteilung vom 28. Dezember 2018, abgerufen am 28. April 2022
  17. www.stoertebeker.com „Trotz turbulentem Jahr: Nachfrage an Störtebeker Brauspezialitäten weiter ungebrochen“, Pressemitteilung vom 27. Januar 2021, abgerufen am 28. April 2022
  18. Das Bier war eine rechte Plörre, Süddeutsche Zeitung, 28. August 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  19. Wie ostdeutsche Mittelständler der Krise trotzen, www.wiwo.de, abgerufen am 21. Januar 2017.
  20. Stralsund: Störtebeker braut mehr Bier, auf www.ndr.de, abgerufen am 15. Januar 2017.
  21. Erfolgreiches Geschäftsjahr 2016: Störtebeker investiert weiter in Qualität, Pressemitteilung vom 11. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017.
  22. Bernsteinweizen vom Sund schlägt Bayernbier. Abgerufen am 28. Dezember 2018.
  23. Ostseezeitung vom 15. Juli 2015
  24. https://www.hogapage.de/nachrichten/beverage/bierwelten/deutschland-ist-biersommelier-weltmeister/
  25. „Beste Brauerei MVs seit einem Jahrzehnt: Braumanufaktur erhält 10. Bundesehrenpreis in Folge“, Pressemitteilung vom 6. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017
  26. Protest: Stralsunder Brauerei schickt Bundesehrenpreis zurück an Agrarministerin Aigner, auf www.stralsunder.de, abgerufen am 21. Januar 2018
  27. /www.stoertebeker.com, „Qualitätsbotschafter für Bier: Störtebeker erhält 13. Bundesehrenpreis“, Pressemitteilung vom 28. Juli 2020, abgerufen am 28. April 2022

Koordinaten: 54° 17′ 26″ N, 13° 5′ 41″ O