Stříbro

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stříbro
Wappen von Stříbro
Stříbro (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Plzeňský kraj
Bezirk: Tachov
Fläche: 4777,6408[1] ha
Geographische Lage: 49° 45′ N, 13° 0′ O49.75388888888912.999444444444399Koordinaten: 49° 45′ 14″ N, 12° 59′ 58″ O
Höhe: 399 m n.m.
Einwohner: 7.769 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 349 01
Kfz-Kennzeichen: P
Verkehr
Bahnanschluss: Plzeň–Cheb
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Miroslav Nenutil (Stand: 2007)
Adresse: Masarykovo náměstí 1
349 01 Stříbro
Gemeindenummer: 561215
Website: www.mustribro.cz
Blick von der Bahnstrecke Plzeň–Cheb auf das Stadtzentrum

Stříbro (deutsch: Mies) ist eine Stadt in Tschechien. Die alte Bergstadt liegt unterhalb der Einmündung der Úhlavka am gleichnamigen Fluss Mies (Mže) und gehört dem Okres Tachov an. Der tschechische Name Stříbro bedeutet übersetzt Silber und weist auf den im Spätmittelalter hier durchgeführten Silberbergbau hin.

Wappenbeschreibung[Bearbeiten]

Mies hatte ursprünglich ein sehr einfaches Wappen: Ein roter Schild mit einer weißen (silbernen) Lilie. Es wird angenommen, dass es der Stadt unter den Luxemburgern verliehen worden ist. 1469 wurde in Rot eine goldene Lilie in dem geöffneten Tor eingeprägt. In Blau eine mit Zinnen gekrönte silberne Stadtmauer mit offenem Tor und aufgeschlagenen schwarzen Torflügeln mit goldenen Beschlägen. Hinter der Mauer zwei viereckige, silberne Türme mit Zinnen, rotem Walmdach und goldenen Helmknöpfen. Zwischen den Türmen der silberne böhmische doppelschwänziger Löwe, der die Tapferkeit der Mieser Bürger versinnbildlichen soll. Zwei Bergknappen im Festanzug halten den Schild. Das Wappen wurde 1555 am Brückenturm angebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Das aus der Renaissance stammende Rathaus von Stříbro

Im Jahre 1131 ließ Herzog Soběslav I.. nach Angaben des Chronisten Wenzeslaus Hajek von Libotschan, die auch bei Matthäus Merian und Johann Baptist von Foresti zu finden sind, die feste Stadt Mies an der westlichen Grenze Böhmens gegen die Einfälle der Deutschen an dem Orte, wo das Dorf Miesa lag, errichten. 1183 stifteten Herzog Friedrich und dessen Gemahlin Elisabeth die erste Pfarrkirche in Mies und erteilten den Maltesern das Pfarrrecht. 1243 übertrug Wenzel I. die Commenthur der Kreuzherren mit dem Roten Stern und das Hospital von Kladrau nach Mies. Wenzel I. war es auch der die bedeutende Bergstadt an der Goldenen Straße zwischen Prag und Nürnberg zwischen 1240 und 1250 zur königlichen Stadt erhob.

Ottokar II. bestätigte 1253 die Kommende und räumte dies dem Gut Pittlau mit vollem Recht ein. Im selben Jahr stifteten die Herren von Schwanberg in Mies das Minoritenkloster mit 4 Priestern und 1 Laienbruder. 1257 bestätigte der Prager Bischof Nikolaus von Rosenberg die Kreuzherrenkomturei und verlieh dem Orden das Pfarrrecht in Mies. Auf Beschluss des Generalkapitels zu Mainz wurde 1282 das Kloster der Magdalenerinnen zu Mies aufgehoben.

Im 14. Jahrhundert wurde erstmals der tschechische Name Stříbro (deutsch: Silber) für die Stadt gebraucht. Am 30. September 1350 wurde auf dem Landtag festgelegt, dass Karl I. in dringender Not Mies und andere Städte verpfänden darf. Von diesem Recht machte der Kaiser im Jahre 1370 Gebrauch und verpfändete Mies an den Pfalzgrafen Johann.

Das älteste Kunstwerk der Stadt ist der Taufbrunnen aus dem Jahre 1408. Während der Hussitenkriege schloss sich Mies zunächst nicht den Hussiten an, 1421 wurde die Stadt vergeblich von Jan Žižka belagert. Erst 1427 gelang es dem Hussitenführer Přibík z Klenové, die Stadt zu erobern. Im gleichen Jahr wurde sie von den Truppen des ersten gegen die Hussiten gerichteten Kreuzzugs belagert, in der Schlacht bei Mies vertrieb das Hussitenheer unter Prokop dem Kahlen aber die Angreifer.

1469 erhielt Mies durch König Georg von Podiebrad als Auszeichnung für die bewiesene Tapferkeit und Treue ein neues Stadtwappen. Am 1. Oktober 1479 vernichtete ein großer Brand die ganze Stadt. Nur das außerhalb der Stadtmauer gebaute Brauhaus, wo das berühmte Mieser weiße Bier erzeugt wurde, blieb erhalten. 1494 wurde die erste Glocke, die „Peterglocke“, gegossen. Zwei weitere Stadtbrände brachen 1508 und 1528 aus.

1541 wurde in Mies die Reformation eingeführt. Der böhmische und römisch-deutsche König Ferdinand I. ließ 1554 die im Verfall gelegenen Silberbergwerke wieder eröffnen und setzte einen königlichen Bergmeister ein, damit wurde Mies zur Bergstadt. 1565 begann der Bau der Dekanalkirche und des Stadtturmes. 1568 mussten die Juden die Stadt verlassen, da ihnen durch königliches Mandat wegen der Verschleppung der Bergwerksprodukte der Aufenthalt in sämtlichen Bergstädten untersagt wurde.

1620 erfolgte die Gegenreformation in Mies, die Stadt ging dabei des Patronatsrechtes verlustig. Die bis Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend von Tschechen bewohnte Stadt wurde in dieser Zeit allmählich germanisiert, vor allem durch Zuwanderer, die den Silberbergbau wieder belebten. Bei einer Pestepidemie starben 1632 viele Einwohner der Stadt.

1682 berief der Stadtrat den Lehrer Johann Georg Kraus aus Auscha nach Mies, weil er der deutschen Sprache mächtig war. Im Jahre 1710 brach die Pest erneut aus. 1771 brach eine große Hungersnot aus, weil im vorangegangenen Jahr der Winter bis Ende Mai dauerte. Daraus resultierte eine Teuerung der Feldfrüchte, da kaum Ernten eingeholt werden konnten. Tausende der Land- und Stadtbevölkerung starben vor Hunger. Da nach Aufhebung des Benediktiner-Stiftes in Kladrau im Jahre 1785 die dortige Apotheke entbehrlich wurde, bekam 1796 der Kladrauer Apotheker Johann Fischer den Auftrag mit seiner Apotheke nach Mies umzuziehen. 1795 wurde in Mies Anna Schödl geboren, die - unverheiratet - sich besonders den Armen der Stadt zuwandte. Sie starb 1870. Nach ihr ist ein Gasse benannt.

1816 war wieder ein Jahr, in dem das Volk die Verteuerung der Ernten ertragen musste. Im Gegensatz dazu wurde 1817 eine sehr reiche Ernte eingefahren, welche die Bürger wohlhabend werden ließ. 1832 und 1836 starben in Mies über 130 Menschen an der asiatischen Brechruhr oder Cholera innerhalb von wenigen Wochen. 1846 war wieder ein schlechtes Erntejahr, wodurch die Einwohner im folgenden Jahr eine Teuerung erleben musste. Dies hatte jedoch die Folge, dass sich Unruhen und Aufstände unter der ärmeren Bevölkerung breit machte. Im Jahre 1853 begann die Auswanderung von 16 Familien mit 58 Seelen nach Amerika, da sie sich als Anhänger der neuen Religionsgemeinschaft Neujerusalemiten oder Johannesbrüder (auch Schwedenbourgianer) verstanden und sich keiner kirchlichen Autorität unterordnen wollten.

Schon 1867 wurde festgelegt, dass eine Eisenbahnstrecke von Pilsen nach Eger über die Stadt Mies führen sollte. Der Bau verschaffte der Bevölkerung und der Stadt viele neue Arbeitsplätze und die Betriebseröffnung konnte am 28. Januar 1872 erfolgen.

Während im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ein Brand einzelne Häuser oder ganze Straßenzüge in Mies oder in den Dörfern vernichtete, wurden 1873 durch einen verheerenden Feuersturm 470 Häuser in Joachimsthal vernichtet. Nur die Apotheke, das Rathaus, die Post und einige Häuser auf dem Berge blieben von den Flammen verschont.

1945 wurde die deutschböhmische Bevölkerung von Mies vertrieben, seitdem wird die Stadt fast ausschließlich von Tschechen bewohnt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswert ist der Marktplatz mit dem Sgraffiti-verzierten Rathaus von 1543 und der barocken Pestsäule von 1725 mit Marienfigur und verschiedenen Pest- und Landesheiligen. Weiter die Allerheiligenkirche in der Form von 1754/57 und der Brückenturm von 1555, ein Rest der einstigen Stadtmauer.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1788 ca.1.500
1838 3.153
1849 3.579
1910 4.570
1921 4.890
1930 5.349
1939 5.650

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Stříbro besteht aus den Ortsteilen[3] und Katastralbezirken[4] Butov (Wuttau), Jezerce (Geserzen), Lhota u Stříbra (Elhoten bei Mies), Milíkov (Millikau), Otročín (Otrotschin), Stříbro und Těchlovice (Techlowitz). Grundsiedlungseinheiten sind Butov, Hůrka, Jeserce, K Máchovu údolí, Ke Kšicím, Ke svatému Petru, Lhota u Stříbra, Milíkov, Na rybníčkách, Na Vinici, Otročín, Petrský les, Soběslavova-Větrná, Stříbro-střed, Těchlovice, U gymnázia, U nádraží und U Těchlovic[5]

Politik[Bearbeiten]

Stříbro unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten [6]:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/561215/Stribro
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561215/Obec-Stribro
  4. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561215/Obec-Stribro
  5. http://www.uir.cz/zsj-obec/561215/Obec-Stribro
  6. Webseite des Městský úřad Stříbro: Partnerská města

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stříbro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien