St-Pierre-des-Chartreux

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Reich verziertes Kirchenportal in der rue Valade

Die Kirche St-Pierre-des-Chartreux befindet sich in der Nähe des Place Saint-Pierre in der französischen Stadt Toulouse. Ihr Name leitet sich von den Kartäusern ab, die Anfang des 17. Jahrhunderts auf dem Gelände ein Kloster errichteten. Seit dem 7. Mai 1956 ist die Kirche als Monument historique klassifiziert.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste vom Kloster

Die Baugeschichte von St-Pierre beginnt 1602, als von Protestanten verfolgte Kartäusermönche aus Castres sich für die Gründung eines Klosters in Toulouse entschieden. Im Jahre 1609 kam es zum Einsturz der Außenkuppel, infolgedessen das Klostergebäude weiter aufgestockt wurde. Am 20. Mai 1612 weihte Kardinal François de Sourdis die Kirche ein.

Von dem Kloster sind heute nur noch ein paar Mauerreste und die Kirche erhalten geblieben. Seit September 2007 dient St-Pierre als Pfarrkirche für die nahegelegene Universität.

Weihname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klosterkirche war zunächst der Jungfrau Maria und Sankt Paulus von Theben gewidmet. Die Bezeichnung St-Pierre erhielt sie erst 1792 während der Französischen Revolution, nachdem Truppen die benachbarte Kirche St-Pierre-des-Cuisines mitsamt deren Kloster beschlagnahmten und als Arsenal umfunktionierten, so dass St-Pierre-des-Chartreux für die Pfarrgemeinde nun als Hauptkirche diente.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchenschiff ist durch einen monumentalen Altar zweigeteilt: eine Hälfte war für die Kirchengänger, die andere für die Kartäusermönche vorgesehen, wobei beide Bereiche jeweils einen eigenen Eingang besitzen. Für den Hauptaltar, der nach einem Entwurf von François Cammas entstand, wurden verschiedene Marmorsorten aus den Pyrenäen verwendet.

Der Haupteingang wurde 1613 von Antoine Bachelier gestaltet, einem Sohn des Bildhauers Nicolas Bachelier.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptaltar

Im Inneren finden sich zahlreiche Fresken, Reliefs und Gemälde (darunter die „Huldigung der Schäfer“ von Jean-Baptiste Despax sowie Szenen aus dem Leben des Heiligen Bruno von Köln von François Fayet). Im Chorraum der Kartäuser reihen sich 62 aus Holz geschnitzte Chorstühle aus dem 17. Jahrhundert. Neben den Gemälden besitzt St-Pierre-des-Chartreux eine Vielzahl an Skulpturen, von denen die meisten ins 18. Jahrhundert datieren. Nennenswert sind hier vor allem das Hauptwerk „Engel krönen das Allerheiligste“ aus dem Jahr 1785 von François Lucas, der auch den Hauptaltar gestaltete, sowie die Flachreliefs aus Stuck von seinem Vater Pierre Lucas, die die Kardinal- und Mönchstugenden zeigen. Ein außergewöhnliches Skulpturenensemble aus Holz steht auch in der Kapelle St-Croix, das von Arthus Legoust und seinem Atelier im 17. Jahrhundert angefertigt wurde.[2][3]

Die Kanzel datiert ins 18. Jahrhundert und stammt von der Kirche St-Pierre-des-Cuisines.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Emporenorgel mit prunkvollem Gehäuse hat 51 Register und ist das Werk der Orgelbauer Robert Delaunay und Jean Esprit Isnard. Sie wurde 1792 aus dem Jakobinerkloster Toulouse überführt und ist seit 1914 als Monument historique klassifiziert.[4][5][6] Im Chor ist eine weitere Orgel aufgestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St-Pierre-des-Chartreux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Nr. PA00094503 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. L’âge d’or de la sculpture, Somogy, Paris 1997.
  3. Les collectionneurs Toulousains du XVIIIe siècle, Somogy, Paris 2003.
  4. Eintrag Nr. PM31001458 in der Palissy-Datenbank des französischen Kulturministeriums (französisch)
  5. Eintrag Nr. PM31000943 in der Palissy-Datenbank des französischen Kulturministeriums (französisch)
  6. Eintrag Nr. PM31000932 in der Palissy-Datenbank des französischen Kulturministeriums (französisch)

Koordinaten: 43° 36′ 16″ N, 1° 26′ 12″ O