St.-Bartholomäus-Kirche (Wilster)

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Die Kirche um 1864/65

Die St.-Bartholomäus-Kirche in Wilster ist ein wichtiges Bauwerk des späten Barock in Norddeutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde 1780 nach etwa fünfjähriger Bauzeit eingeweiht. Die Pläne für die Kirche fertigte der Hamburger Baumeister Ernst Georg Sonnin, der auch die Hamburger Michaeliskirche (Michel) errichtete. Für eine kleine Gemeinde wie Wilster war die Kirche überdimensioniert, was wohl mit dem Prestigedenken der Wilsteraner Bürgerschaft zu erklären ist. 2000 Personen konnten darin Platz finden.

Im Zweiten Weltkrieg ist der Innenraum durch Bomben beschädigt worden. In den Jahren 1947–1954 und 1963/64 wurden die Schäden beseitigt, die Zahl der Plätze wurde dabei auf 1200 reduziert.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen Backsteinbau mit rustiziertem Sockelgeschoss und rustizierten Eckpilastern. Der Grundriss hat die Form eines langgestreckten Achtecks. Die Wandflächen sind durch große Rundbogenfenster aufgelöst. Ein Walmdach schließt den Bau nach oben ab.

Durch konkav einschwingende Wände ist der Hauptbau mit dem Kirchturm verbunden. Der Kern des achteckigen Turms stammt noch aus dem Vorgängerbau. Der spitze, leicht gedrehte Helm ist 52 Meter hoch.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Kanzelaltar

Die großen Rundbogenfenster geben dem Innenraum außergewöhnliche Helligkeit. Die Ostseite wird vom Kanzelaltar (1775) dominiert. Die von Säulen flankierte Kanzel hat einen tulpenförmigen Korb mit rundem Schalldeckel. Der Strahlenkranz über der Kanzel stellt den Heiligen Geist dar. Auf dem Gebälk stehen Statuen der vier Evangelisten, dazwischen steht ein Kruzifix. Der Altar wird abgeschlossen von einer Sonne mit den vier hebräischen Buchstaben des Namens Gottes.

Zu beiden Seiten des Kanzelaltars sind Logenanbauten nachträglich angefügt. Auf der Westseite befindet sich eine zweigeschossige Empore aus der Erbauungszeit. Sie ist geschwungen geführt und wird von toskanischen Säulen getragen.

Die zweigeschossigen Kronleuchter und Wandleuchter stammen aus dem 17. Jahrhundert. Ein Wandleuchter von 1652 zeigt den Propheten Jona, wie er aus dem Wal gespuckt wird.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel ist neueren Datums. Sie wurde 1954–1955 durch die Orgelbaufirma Ernst Brandt (Quickborn) erbaut und ersetzte die ursprüngliche Marcussen-Orgel, die 1944 zerstört wurde. Das Instrument hatte ursprünglich 30 Register auf drei Manualen und Pedal. 1990 wurde die Orgel auf den Namen „Bach-Orgel“ geweiht. Seit dem Jahre 1992 wurde die Orgel auf 37 Register und 4 Effektregister erweitert, und mit einer Setzeranlage und einer Crescendowalze ausgestattet. 2007 kam ein 39-teiliges Glockenspiel (Marien-Carillon) hinzu, 2008 wurde das Fernwerk, die „Himmelsorgel“, hinter dem Altar hinzugefügt, die vom III. Manual aus anspielbar ist. 2010 wurden der Ruach 32′ und die beiden Composé-Register hinzugefügt.[1]

I Rückpositiv C–g3
Rohrflöte 8′
Prinzipal 4′
Gedackt 4′
Oktave 2′
Quinte 113
Terz 135
Tertian de composé II
Zimbel III
Krummhorn 8′
Tremulant
Zimbelstern
II Hauptwerk C–g3
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Oktave 4′
Nasat 223
Spitzflöte 2′
Mixtur IV-VI
Trompete 8′
Cornet de composé V
Marien-Carillon
Kuckuck
III Schwellwerk C–g3
Holzgedackt 8′
Salicional 8′
Rohrflöte 4′
Spitzgamba 4′
Prinzipal 2′
Sesquialtera II
Scharf III-IV
Oboe 8′
Tremulant
Rossignol

III Himmelsorgel C–g3
Vox angelorum 8′
Vox Mariae 8′
Pedalwerk C–f1
Ruach 32′
Prinzipal 16′
Subbaß 16′
Offenbaß 8′
Gedacktbaß 8′
Oktave 4′
Nachthorn 2′
Rauschpfeife V
Posaune 16′
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Gerber, Wolfgang Kroker (Hrsg.): Ökumenischer Kirchenführer für den Kreis Steinburg. George, Itzehoe 1992.
  • Denny Krietzsch: Die Bartholomäus-Kirche zu Wilster von Georg Sonnin (1713-1794). In: Heimatverband Kreis Steinburg (Hrsg.): Steinburger Jahrbuch 2014. Itzehoe 2013, S. 95–125.
  • Wolfgang Teuchert, Arnold Lühning: Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein. Kreis Pinneberg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1961.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel

Koordinaten: 53° 55′ 21″ N, 9° 22′ 29″ O