St.-Dionysius-Kirche (Bad Fallingbostel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
St.-Dionysius-Kirche
in
Bad Fallingbostel
Die St.-Dionysius-Kirche im Jahre 2013

Die St.-Dionysius-Kirche im Jahre 2013

Baujahr: 1829 bis 1830,
Turm: 1904
Einweihung: 21. November 1830
Baumeister: Carl Friedrich Wilhelm Mithoff,
Turm: Eduard Schlöbcke
Stilelemente: Saalkirche, Klassizismus
Bauherr: Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Fallingbostel
Lage: 52° 51′ 58,8″ N, 9° 41′ 40,5″ OKoordinaten: 52° 51′ 58,8″ N, 9° 41′ 40,5″ O
Anschrift: Kirchplatz 1,
Bad Fallingbostel
Niedersachsen, Deutschland
Zweck: Evangelisch-lutherische Gemeindekirche
Gemeinde: Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Fallingbostel
Pfarrei: Kirchplatz 9,
29683 Bad Fallingbostel
Landeskirche: Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers,
(Sprengel Lüneburg,
Kirchenkreis Walsrode)
Webseite: www.kirche-fallingbostel.de

Die St.-Dionysius-Kirche in Bad Fallingbostel ist ein klassizistischer Saalbau mit polygonalem Ostabschluss aus dem 19. Jahrhundert und einem später angefügten Westturm vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nach dem christlichen Märtyrer Dionysius von Paris benannte Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde der Kreisstadt in der Lüneburger Heide steht auf einer kleinen Anhöhe direkt in der Ortsmitte, wo Walsroder Straße, Soltauer Straße und Vogteistraße am Kirchplatz aufeinandertreffen. Bad Fallingbostel liegt an der Autobahn A 7 mit eigenem Anschluss zwischen Hamburg und Hannover und ist Bahnstation an der Heidebahn-Strecke Hannover – Soltau – Hamburg.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Kirche steht an der Stelle eines früheren, wahrscheinlich jahrhundertealten Gotteshauses. Im Jahre 1777 wurde die damalige Kirche bereits ein „altes Gebäude“ genannt, an dem ein runder, steingemauerter Turm stand.

Bereits im Jahre 1824 begannen die ersten Anregungen zum Bau einer neuen Kirche. Das alte Gotteshaus glich inzwischen – wie die Chronik vermerkt – „einer Ruine“. Außerdem war die Kirche für die größer gewordene Gemeinde zu klein geworden.

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Juni 1829 erfolgt die Grundsteinlegung zum Bau der neuen Kirche. Schon Anfang 1830 konnten die Innenausbauarbeiten vorgenommen werden, und am 21. November 1830 schließlich fand die feierliche Einweihung des neuen Gotteshauses statt. Im darauffolgenden Jahr installierte Hoforgelbaumeister Christian Bethmann aus Linden bei Hannover eine neue Orgel.

Im Holzglockenstuhl der alten Kirche läuteten weiterhin die Glocken. Aber bereits 1880 gründete sich ein Verein zum Bau eines Kirchturms, der 1903 in Angriff genommen wurde und ein Jahr später abgeschlossen werden konnte. Der alte Holzturm hatte nun seine Schuldigkeit getan. Aus einem alten Balken des Glockenstuhls ließ Bauleiter Schlöbcke einen Opferstock schnitzen, der im Turmeingang seinen Platz gefunden hat. Seine Inschrift vermerkt: Zweihundert Jahre in Wetter und Sturm trug ich die Glocken im Glockenturm. Nun muss ich in meinen alten Tagen ein Sammelbecken für Arme tragen. 1695–1904.

Kurz vor der 100-Jahr-Feier der Kirche wurde ein Neubau der Orgel notwendig. Die Orgelbauwerkstatt P. Furtwängler & Hammer aus Hannover baute das neue Werk mit 17 Registern ein. Die Orgel erhielt einen elektrisch angetriebenen Gebläsemotor zur Windversorgung. Das Glockengeläut erhielt einen elektrischen Antrieb.

Im Jahre 1954 wurde eine Grundrenovierungsmaßnahme an der Kirche vorgenommen. Nach Plänen von Professor Ernst Witt aus Hannover erhielt die Kirche einen neuen Farbanstrich. Seither schmückt ein neues Kruzifix aus Messing und Schmelzemaille, angefertigt in der Goldschmiedewerkstatt Bolze in Bremen, den Altar, zusammen mit dem Abbild des Abendmahls von Leonardo da Vinci.

Im Jahre 1962 erfolgte eine Außensanierung. Ein Brand im Luftschacht der Heizungsanlage richtete 1965 erheblichen Schaden an, der aber wieder behoben werden konnte.

Eine erneute Grundsanierung des Kircheninnern erfolgte im Jahre 1987. Hierbei fand man eine Grabplatte für ein Kind, die restauriert und im Turmbereich aufgestellt wurde.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gelblich verputzte Kirchenbau wurde 1829/1830 nach dem Entwurf von Oberlandbaumeister Carl Friedrich Wilhelm Mithoff errichtet. Im Jahre 1904 wurde der Turm unter der Leitung des Königlichen Bauinspektors Eduard Schlöbcke aus Celle an das Gotteshaus angefügt.

Der Innenraum wird durch Holzstützen in drei Schiffe geteilt. Über dem mittleren befindet sich ein hölzernes Tonnengewölbe, und über den schmalen seitlichen, mit Emporen ausgerüstet, liegen flache Decken.

Die Ostwand ist gerade und mit einer großen Kanzel-Altar-Wand geschlossen. Gegenüberliegend befindet sich auf der Westempore die Orgel.

Die Ausstattung der Kirche ist einheitlich und stammt aus der Erbauungszeit.

Die Kirche ist durch den Turm-Haupteingang sowie vier Nebeneingänge zu betreten. Über dem Südportal befindet sich die Inschrift: Betet im Geist und in der Wahrheit unter Angabe der Bauzeit 1829 und 1830.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jetzige Orgel wurde in den aus der Erbauungszeit der Kirche stammenden Orgelprospekt am 5. Juni 1977 eingebaut. Das zweimanualige Werk mit 22 Registern entstammt der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal 08′
2. Spillflöte 08′
3. Oktave 04′
4. Nachthorn 04′
5. Quinte 0223
6. Waldflöte 02′
7. Mixtur V-VI
8. Dulcian 16′
9. Trompete 08′
II Brustwerk C–g3
10. Gedackt 08′
11. Rohrflöte 04′
12. Prinzipal 04′
13. Quinte 0113
14. Sesquialtera II
15. Scharff III-IV
16. Krummhorn 08′
Tremulant
Pedal C–f1
17. Subbass 16′
18. Oktavbass 08′
19. Gedecktbass 08′
20. Choralbass 04′
21. Rauschpfeife III-IV
22. Holzposaune 16′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jetzigen vier Bronzeglocken wurden im Jahre 1982 neu beschafft. Die zwei Läuteglocken hängen in der Glockenstube des Turms, und die beiden Uhr-Schlagglocken sind an der unteren Turmspitze äußerlich sichtbar angebracht.

Die bisherigen Gussstahlglocken stellte man vor dem Turmeingang auf. Auf ihnen befinden sich neben der Angabe des Gussjahres 1923 die aussagekräftigen und auf den Verbleib der früheren Glocken im Ersten Weltkrieg anspielenden Inschriften: Dem großen Kriege fiel zur Beute der alten Glocken schön GeläuteNun wollen wir hier neu erklingen als Gottes Ruf ins Herz euch dringen.

Kirchspiel Fallingbostel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchspiel Fallingbostel wurde als parochia Valingborstle im Jahre 1293 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gründungsdatum der Kirche dürfte aber schon weit früher liegen. Damals gehörte der Ort zum Archidiakonat Ahlden (Aller) des Bistums Minden innerhalb des Erzbistums Köln.

Als zwischen 1525 und 1529 Herzog Ernst der Bekenner in seinem Fürstentum die Reformation einführte, nahm auch die Fallingbosteler Kirchengemeinde das lutherische Bekenntnis an. Die Lüneburger Kirchenordnung des Herzogs Friedrich aus dem Jahre 1643 gilt noch heute.

Die Kirchenbücher von Bad Fallingbostel reichen lediglich bis zum Jahre 1784 zurück. Die älteren Bücher wurden bei einem Pfarrhausbrand vernichtet.

Zum Kirchspiel Bad Fallingbostel gehören heute außer dem Kernstadtgebiet noch die Ortschaften Vierde und Riepe sowie die Orte Elferdingen, Kroge und Wenzingen (Bis 2019 Gebiet der Gemeinde Bomlitz, jetzt Stadt Walsrode), außerdem Oerbke (Gemeindefreier Bezirk Osterheide) und Tietlingen (Stadt Walsrode). Von Bad Fallingbostel aus wird seit 2002 auch die Kirchengemeinde Bommelsen (Bis 2019 Gebiet der Gemeinde Bomlitz, jetzt Stadt Walsrode) mit betreut.

Im Erbauungsjahr der Kirche zählte das Kirchspiel Fallingbostel 1498 Gemeindeglieder. Damals gehörte die Kirchengemeinde zur Inspektion Ahlden-Walsrode (mit Sitz in Düshorn) und lag in der Generaldiözese Lüneburg-Celle des Fürstentums Lüneburg (mit Sitz in Celle). Sie war dem Königlichen Konsistorium in Hannover unterstellt.

Im Jahre 2002 gehörten 5598 Gemeindeglieder zum Kirchspiel Bad Fallingbostel, das Teil des Kirchenkreises Walsrode (von 1947 bis 1962 war Fallingbostel zwischenzeitlich Sitz der Superintendentur) im Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ist. Für das Jahr 2011 werden 4912 Gemeindemitglieder angegeben.

Pastoren/-innen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zunächst Hilfsgeistliche für den seelsorgerlichen Dienst im Internierungslager Fallingbostel-Oerbke, dann auch noch zusätzlich zur Verstärkung des Pfarramtes eingesetzt. Seit 1952 gibt es eine zweite Pfarrstelle.

von bis Name
1802 Johann Georg Förtsch[Anm. 1]
1802 1837 Christian Weinlig
1837 1863 Wilhelm Christian Wöhrmann
1863 1883 Johann Christian Ernst Blumenthal
1883 1891 Adolph Brauer
1892 1908 Johannes Knoke
von bis Name
1909 1924 Heinrich Münchmeyer
1924 1932 Karl Hustedt
1932 1962 Friedrich Schrader[Anm. 2]
1947 1949 Joachim Neddenriep
1949 1950 Alfred Männel
1950 1952 Walther Schultz[Anm. 3]
1953 1971 Johannes Künkel
1963 1968 Jürgen Wilkening
1968 1978 Udo Dongowsky
1971 1995 Hans Schrader[Anm. 4]
1979 1988 Martin Zieger
1989 1995 Ulrich Tietze
1995 1996 Axel Stahlmann
1995 2013 Friedel Fischer
1996 2002 Anette Baden Ratz, Christian Ratz
von bis Name
2002 2011 Bernd Brauer
2011 2013 Florian Schwarz
2013 2017 Silke Kuhlmann[Anm. 5]
2014 2016 Torsten Schoppe
2017 2020 Heike Burkert[Anm. 5]
2017 Peter Gundlack[Anm. 5]
  1. Der Geistliche stirbt zehn Tage nach seiner Einführung (Evangelisch-lutherische St.-Dionysius-Kirche in Bad Fallingbostel 1830–2005. 175 Jahre Kirchengebäude. Geschichte und Gegenwart, Bad Fallingbostel 2005, S. 44).
  2. Seit 1947 auch Superintendent.
  3. Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin während der nationalsozialistischen Zeit.
  4. Sohn von Friedrich Schrader (s. o.), Pfarrer von 1932 bis 1962.
  5. a b c Mitteilung Kirchenvorstand Bad Fallingbostel, abgerufen am 18. Januar 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Neue Folge). Bremen.Niedersachsen, bearbeitet von Gottfried Kiesow u. a., München/Berlin, 1977 – ISBN 3-422-00348-7
  • 150 Jahre St. Dionysius-Kirche in Fallingbostel 1830–1980. Festschrift zum Kirchenjubiläum, Fallingbostel, 1980
  • Evangelisch-lutherische St.-Dionysius-Kirche in Bad Fallingbostel. 175 Jahre Kirchengebäude – Geschichte und Gegenwart 1830–2005, Bad Fallingbostel, 2005

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St.-Dionysius-Kirche Bad Fallingbostel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien