St.-Jacobi-Kirche (Lüdingworth)

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Die Kirche St. Jacobi ist einer der drei Bauerndome im Hadelner Land. Sie liegt auf der großen Wurth im Ort Lüdingworth, der 1972 nach Cuxhaven eingemeindet wurde. Sie ist die am prächtigsten ausgestattete der drei Kirchen.

Der Turm der Kirche
Der Innenraum Blick in Richtung Chor

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Feldsteinkirche im romanischen Baustil mit Westturm wurde um 1200 errichtet. Im Jahre 1298 wird das Kirchspiel erstmals urkundlich erwähnt. Um 1520 wurde der Hallenchor angebaut und in den Jahren 1608/09 in die jetzige Form gebracht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Holzbalkendecke eingebracht. Die Orgel wurde 1599 fertiggestellt und löste das Vorgängerinstrument von Matthias Mahn ab. Die jetzt sichtbare barocke Innenausstattung stammt aus dem 17./18. Jahrhundert. Da hier auch Markt abgehalten wurde, ist an der nördlichen Chortür eine eiserne Elle zur Kontrolle der Maße angebracht.

Der Turm wurde um 1520 erneuert, indem er aus Backstein neu aufgemauert wurde. Die Wandstärke beträgt 1,12 Meter. 1989/90 wurde das gesamte Turmfundament erneuert. Der Übergang von der viereckigen Grundform des Turms zur achteckigen Form der Turmspitze erfolgt mittels einer hölzernen Heimpyramide. 1933 wurde eine Gedenktafel aus Sandstein für den Geographen Carsten Niebuhr (* 1733 Lüdingworth † 1815 Meldorf) an der Nordseite angebracht.

1608 wurden an der östlichen Außenmauer unterhalb de Chorfenster 36 Sandsteintafeln angebracht. Diese Tafeln zeigen die Wappen von ortsansässigen Bauern, die am Bau finanziell oder durch eigen Leistungen beteiligt waren. Über diesen Wappentafeln sind die Zwei Wappen des Landesherren angebracht.

Barockaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Barockaltar

Der Lüderskooper Altar wurde 1655 durch den jetzigen Barockaltar ersetzt. Dieser besitzt eine gemauerte Mensa. Erbaut worden ist er von Jörgen Heytmann, wie aus einer Inschrift im Sockel zu ersehen ist ANNO 1655 / MEISTER JÖRGEN / HEYTMANN / BILTHAWER.

In der unteren Ebene des Altars werden folgende vier Reliefdarstellungen als Medaillons ausgeführt: Mariä Verkündigung, Christi Geburt, Beschneidung und die Hl. Drei Könige. Das Mittelfeld ist zweigeteilt. Im oberen Teil ist ein mit vielen Figuren ausgestattetes Kreuzigungsbild, im unteren Teil das letzte Abendmahl dargestellt. Links und rechts neben den beiden mittleren Bildern, durch goldene Säulen abgetrennt, stehen zwei vollplastische Figuren. Die linke Figur stellt den Namenspatron St. Jacobus major, die rechte stellt seinen Bruder Johannes dar. In der mittleren Ebene ist im zentralen Bild die Himmelfahrt Christi zu sehen, flankiert von den Aposteln Simon, mit der Säge als Attribut, und Matthias mit dem Beil. Die dritte Ebene ist eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Den Abschluss nach oben bildet eine vollplastische Figur des auferstandenen Jesus mit der Siegesfahne.

Lüderskooper Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lüderskooper Altar

Der erste Altar in der Kirche ist der dreiteilige Flügelaltar mit Bildern aus dem Leben Marias, der zuvor in einer Kapelle in Lüderskoop gestanden haben soll. Dieser Ort soll durch die Pest ausgelöscht worden sein. Wann die Kapelle niedergerissen wurde, ist nicht bekannt.

Der Altar ist zweiflügelig und aus Lindenholz geschnitzt. Er stammt aus der Zeit zwischen 1430 und 1440 und wurde 1520 umgearbeitet. Die geöffnete Schauseite ist mit Reliefs geschmückt. Der linke Flügel zeigt Mariä Verlobung mit Josef und Mariä Verkündigung, der Mittelschrein Mariä Heimsuchung, Geburt Christi, Darbringung Jesu im Tempel und die Heiligen drei Könige. Auf dem rechten Flügel sind die Flucht nach Ägypten und der zwölfjährige Jesus im Tempel dargestellt. Die Rückseiten der Flügel wurden 1620 bemalt, der linke Flügel zeigt dabei die Stiftung des Osterlammes, der rechte die Fußwaschung.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel

Die Orgel ist Bestandteil der Westempore. Die Brüstung wird durch die beiden Pedaltürme und das Rückpositiv durchbrochen. Mit 35 Registern hat die Orgel den größten Registerbestand der Renaissance in Deutschland, was ihr eine herausragende Bedeutung verleiht. Erbaut wurde sie 1598–1599 von Antonius Wilde, der sie mit 20 Registern ausstattete. Die Orgel wurde in den Jahren 1682–1683 durch Arp Schnitger um ein Rückpositiv erweitert, das ebenfalls erhalten ist. 1930–1931 wurde das Instrument von der Firma P. Furtwängler & Hammer instand gesetzt. Die Restaurierung in den Jahren 1960–1961 wird aus heutiger Sicht als nicht gelungen bewertet, da aufgrund eines zu niedrigen Winddrucks in das Pfeifenmaterial eingegriffen wurde. In den Jahren 1981–1982 wurde die Orgel vollständig durch Jürgen Ahrend restauriert, die Schäden aus den 1960er Jahren rückgängig gemacht und der Zustand von 1682 mit dem Haupt- und Brustwerk von Antonius Wilde und dem Rück- und Pedalwerk von Arp Schnitger wiederhergestellt. Im Jahre 1999 erhielt die Orgel durch Ahrend ihre ursprüngliche mitteltönige Stimmung zurück. Die Disposition lautet:

I Rückpositiv CDEFGA–c3
1. Principal 4′ A/S
2. Gedact 8′ W
3. Spitzfloit 4′ S
4. Octava 2′ S
5. Waldflöt 2′ S
6. Siflit 112 S
7. Sexquialtera II S
8. Terzian II S
9. Scharff IV-VI S
10. Dulcian 16′ S/A
II Oberwerk CDEFGA–c3
11. Principal 8′ W
12. Quintadene 16′ W/S
13. Rohrfloit 8′ W
14. Octave 4′ W
15. Hohlfloit 4′ W
16. Nahsat 3′ W
17. Octave 2′ W
18. Rauschpfeife II W/S
10. Mixtur V W/S
19. Zimbel III A
20. Trommette 8′ W
III Brustwerk CDEFGA–c3
21. Gedacktes 4′ W
22. Quintfloit (D) 3′ W
23. Octave 2′ W/S
24. Scharff III S
25. Regal 8′ W
Pedal CDE–d1
26. Principal 8′ S
27. Untersatz 16′ W
28. Octava 4′ W
29. Nachthorn 2′ A
30. Rauschpfeife II W
31. Mixtur V A
32. Posaune 16′ S
34. Trommett 8′ W
35. Cornet 2′ A
W = Antonius Wilde (1598–1599)
S = Arp Schnitger (1682–1683)
A = Jürgen Ahrend (1981–1982)

Chor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chor

Der durch einen Rundbogen mit dem Kirchenschiff verbundene dreischiffige Chor hat eine gewölbte Decke. Das wie ein Netzgewölbe wirkende Gewölbe ist aber ein Kreuzrippengewölbe welches durch weitere Rippen verstärkt wird. Das zugrunde liegende Kreuzgewölbe ruht auf Rundpfeilern aus Backstein.

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kanzel steht genau an der Grenze zwischen dem Kirchenschiff und dem Chor. Sie stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und ist von Michael Ringmaker und Johan Hoier gefertigt, wie aus der Kirchenchronik zu erfahren ist: Mich. Ringmaker, de Bildensnider, und Johan Hoier, Maler aus Geversdorf.

Die Kanzel vom Kirchenschiff aus
Die Kanzel mit Aufgang
Moses die Kanzel tragend

Taufkessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Taufkessel

Der Taufkessel aus Bronze stammt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts und steht über einer Feuerstelle zur Erwärmung des Taufwassers. Er besteht aus vier gleichen Figuren die das Becken tragen. Der Kessel selber ist mit figürlichen Reliefdarstellungen geschmückt. In dem oberen dieser beiden Ringe steht in spiegelverkehrter Schrift: + Sit… Fons vivus aqva renans vda pvri. Über dem Becken ist ein sechseckiger von Jörgen Heytmann geschnitzter Deckel der mit Engelsköpfen und Grotesken reicht geschmückt ist. Er ist mit Eisenstäben durch das Gewölbe im Dachboden befestigt.

Epitaphien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epitaph Garten Gethsemane
Epitaph

Die Südwand der Kirche ist mit drei Bildepitaphien geschmückt. Die erste Darstellung links aus dem Jahre 1668 zeigt den Garten Gethsemane. Darstellung zwei, gestiftet 1667, in der Mitte besteht aus zwei Bildern. Das obere stellt Christi Himmelfahrt dar, das untere den Einzug in Jerusalem. Die dritte Darstellung, gestiftet 1671 und 1778 erneuert, zeigt ebenfalls zwei Bilder, das obere stellt Mariä Empfängnis, das untere Jesus im Tempel dar. Das vierte Epitaph hängt an der Nordwand, gestiftet 1724, und zeigt das Kruzifix mit Maria und Johannes.

Pietà[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pietà aus Eichenholz stammt aus dem 15. Jahrhundert und stellt Maria mit ihrem toten Sohn dar. Der Christusfigur fehlen der Kopf, das rechte Bein und der linke Arm.

Holzbalkendecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der prächtig bemalte Holzbalkendecke

Die Holzbalkendecke wurde Ende des 16. Jahrhunderts eingezogen und ist in 16 Felder aufgeteilt. Wegen der Größe der Orgel wurden die drei westlichen Felder durchbrochen. Die komplette Decke ist ausmalt und weist folgende Motive auf: In den runden Medaillons sind Christus, die Propheten und die alttestamentlichen Könige sowie Bauernwappen dargestellt. Die Flächen zwischen diesen Medaillons sind mit Blumen, Früchten, Grotesken und Vögeln aufgefüllt. Die drei Felder über der Orgel sind in einer technisch minderen Qualität mit Spruchbändern und Engeln geschmückt. Vor der Westempore mit der Orgel hängt ein Posaunenengel mit einer Flügelspannweite von zwei Metern, der 1660–1670 von Jörgen Heytmann geschnitzt wurde.

Grabsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie Hävensche
Familie Oest
Familie Boitin

In der Außenmauer des Turms sind im Rahmen von Renovierungsarbeiten 1990 drei Grabsteine eingelassen worden, sie lagen vorher auf dem Kirchhof. Diese 3 Grabsteine mit historischem Interesse haben folgende Inschriften

  • Stein 1 Familie Hävensche, das Bild ist nicht mehr erkennbar

„Allhier in diesem Grabe ruhen die Gebeine

Des vormals gewesenen Schultheissen dieser Gemeinde Peter Hävensche der geboren Anno 1736 Den 9ten September und seine weiland im Leben geliebten Ehefrauen Margareta Hävenschen eine Tochter des Schultheis Cronen. Sie ist geboren 1735 den 24. Febr. in den Stand der Ehe getreten 1755 D. 22. Juli in den welchen sie gezeugt 10 Kinder als 8 Söhne und 2 Töchter wovon noch 1 Sohn am Leben. Die Wolseligkeit in dem Herren entschlafen 1784 den 30. Mertz ihres Alters 49 Jahrt 1 Monat 4 Tage

Ein festes Liebesband verknüpfte uns auf Erden, ein Grab umschließt uns hier, bis wir verkäret hier.“

  • Stein 2 Familie Oest Ein Bild der Auferstehung Christi darunter

„Peter Oest Landschöpf Sel. Fr. Marg. Elsiabeth Oest geborene Otckens gezeugt 10 Kinder wovon 1 Sohn und 3 Töchter im Leben 1784.“

  • Stein 3 Familie Boitin Eine Lateinische Inschrift unter einem großen Baum

„Dormitorium Gerhard Boitini Pastor Parochiae Altenbr. et Margarethe Boitins eorumque haeredum“

Übersetzt: Schlafgemach des Pastors Gerhard Boitin der Gemeinde Altenbruch und der Margarethe Boitin und deren Nachkommen.

Dieser Pastor Boitin ist 1651 in Hamburg geboren und war von 1677 bis zu seinem Tode 1708 Pastor in Altenbruch. Der Kirchhof auf der Lüdingworhter Wurt wurde auch von einigen Honoratioren aus Altenbruch genutzt, da der eigene Begräbnisplatz Hochwasser gefährdet war.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Weckwerth: St. Jacobi Cuxhaven-Lüdingworth. In: Schnell Kunstführer. 8. Auflage. Band 869. Schnell & Steiner, München 2004, ISBN 3-7954-4601-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Jacobi-Kirche (Lüdingworth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 47′ 57″ N, 8° 45′ 32″ O