St.-Johannes-Kirche (Wiefelstede)

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Die St.-Johannes-Kirche zu Wiefelstede

Die St.-Johannes-Kirche in Wiefelstede ist die älteste, vermutlich von vorneherein aus Steinen errichtete Kirche des Ammerlandes (Landkreis Ammerland).

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1057 weihte Erzbischof Adalbert von Bremen die Kirche. Sie gilt als Mittelpunkt eines ersten Großkirchspiels im damaligen Ammergau[1]. Eventuell gab es zuvor eine ältere Holzkirche wie an anderen Orten. Adalbert unterstellte die Kirche dem Schutz Johannes des Täufers und der Heiligen Radegundis, deren Erwähnung in diesem Gebiet einmalig ist. Noch heute ist diese Kirche ein Mittelpunkt des dörflichen Lebens und erfährt neben den Gottesdiensten regen Besuch von zahlreichen Besuchergruppen, die das schöne Ammerland bereisen.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Mauerwerk[Bearbeiten]

Der älteste Teil der Kirche ist die halbrunde Apsis, die, seitwärts eingezogen, die Ostmauer schließt. Sie hat die für die Frühzeit typischen kleinen, rund überwölbten Fenster mit den weit sich öffnenden Laibungen. Westwärts schließt sich der Chor an. Die Mauern ähneln denen der Apsis, nur sind hier mehr Sichtflächen rechteckig. In der Nordmauer des im Vergleich zum Chor breiteren Schiffes blieben alle Fenster rundbogig. Am oberen Teil der Mauer erkennt man eine frühere, niedrigere Giebellinie. Darüber ist die Mauer mit Backsteinen aufgehöht und durch fünf Blendnischen gegliedert. Die 140 cm dicken Mauern bestehen in der Außenschicht aus gespaltenen Findlingen. In der älteren Bauphase wurden diese an der Sichtfläche nur geglättet. Für Weiterbau und Reparatur schlug man diese später noch rechteckig zu, so dass sie wie Quader aussehen („Scheinquader“) und auch mehr Standfläche erhielten. Das letzte Bauglied der Kirche ist der Westturm, dessen Ostmauer dem Schiff als Westmauer dient. Im unteren Viertel ist diese Mauer fast drei Meter stark. Eiserne Anker in Nord- und Südmauern von Chor und Schiff (Kirchenschiff) dienen der Stützung des Mauerwerkes.

Glockenturm[Bearbeiten]

Das Kirchenbüro und dahinter der Glockenturm

Der Torturm, an dem jetzt der Weg zur Kirche vorbeiführt, wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts aus Backsteinen gebaut. Im oberen Teil ist er - ebenso wie die Mauer an der Apsis - durch Blendnischen gegliedert. Der aus Osnabrück stammende Meister Johann Frese hat die beiden Glocken 1503 und 1507 gegossen.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Altar[Bearbeiten]

Der kostbare Flügelaltar

Beim Eintritt in die Kirche fällt der Blick zunächst auf eine der größten Kostbarkeiten dieser Kirche: den wunderbar geschnitzten Passionsaltar. Den Flügelaltar überragt um 120 cm ein Kruzifix mit Kleeblattformen an den Balkenenden. Es dürfte als Vortragekreuz bei Prozessionen gedient haben und aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. stammen. Das große Mittelfeld und die zwölf Seitenfelder des Altars zeigen die Passion und Auferstehung Christi. Durch eine Beobachtung des langjährigen Pfarrers A.W. Schmidt ist die Schnitzarbeit als weitgehende Nachempfindung einer Kupferstichpassion Albrecht Dürers von 1508 erkannt. Ab 1512 war diese auf dem damaligen Markt in Umlauf, sodass sich die Entstehungszeit des Wiefelsteder Altars auf die Zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts eingrenzen lässt, denn mit dem Einsetzen der Reformation wurden sicher keine neuen Bildaltäre angeschafft.

Abendmahlsbild[Bearbeiten]

Aus dem 17. Jahrhundert stammt das Abendmahlsbild, das heute an der Südseite des Chorraums hängt und seinen Platz früher wohl an der Predella, dem Bereich zwischen Altartisch und Altaraufsatz, hatte. Der Maler des Bildes ist unbekannt. Die Vorlage aber kann eine Arbeit von Peter de Witte, genannt Candidus (geb. 1548 in Brügge, gest. 1628 in München) bzw. davon wiederum eine Kupferstichkopie von J. Sadeler aus dem 17. Jahrhundert gewesen sein, wie es auch beim Abendmahlsbild in Oldenburg-Osternburg der Fall ist.

Gestühl[Bearbeiten]

An der Nordwand des Chores steht der Stuhl der Landesherrschaft, wie er in jeder Pfarrkirche vorhanden sein musste. Das Wappen mit zwei Schwänen als Wappenhalter, sowie das Monogramm Christians VI. (1730-1746) (Christian VI.) zeigen seine Herkunftszeit an. Aber auch lokale Herrschaften, Amtsleiter oder 1870 noch ein Gutsbesitzer hatten diesen Stuhl inne. Gegenüber steht ein entsprechender Stuhl mit der Jahreszahl 1732 im Gitterwerk, der den Kirchenjuraten (früher: Gemeindekirchenrat) vorbehalten war. Die Monogramme weisen auf die Juraten Frerichs und Mienen. Ein heute verschwundener ehemaliger Beichtstuhl diente noch 1870 hinter dem Altar als Sakristei.

Taufe[Bearbeiten]

Der Taufstein

Der Taufschalenträger ist aus Eichenholz geschnitzt. Die Inschrift weist auf 1637. Die Kirchenrechnung ist erhalten und bemerkt: „Der Block dazu hat ein Reichstaler gekostet. Meister Ludewig in Oldenburg hat ihn gearbeitet für sechs Reichstaler und zwei Bündel Flachs für die Frau.“ Neben barockem Dekor sind vier geflügelte Engelsköpfe eingeschnitzt. In Wiefelstede gibt es im Jahr ungefähr 90 Taufen.

Opferstock[Bearbeiten]

Der aus einem Eichenstamm gefertigte, mit schmiedeeisernen Bändern und einem Bügelschloss - das später aufgebrochen wurde - versehene Opferstock steht wie ursprünglich schon hinter dem Altar. Er diente als Tresor für die im Gottesdienst gesammelten Gaben der Armenpflege, derer sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur die Kirche annahm.

Johannesfigur[Bearbeiten]

Zum 900. Jahrestag der Kirchweihe 1957 schenkte der Gemeindekirchenrat eine Statue, die in der Nordostecke des Schiffes auf einer Konsole (Architektur) steht. Johannes der Täufer zeigt auf das Gotteslamm Christus. (Joh 1,29)

Steinsargdeckel[Bearbeiten]

Die in rhomboider Form zugehauene Platte an der nordwestlichen Wand des Bogens vor dem Chor besteht aus rötlichem Sandstein von der Oberweser. Entstanden wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts lag sie ursprünglich vor dem Altar und ist das älteste Werkstück in der Kirche.

Inschrift[Bearbeiten]

Über dem Chorbogen findet sich, umkränzt und bekrönt mit einer Ehrenkrone (Off 2,10) der Name des Pastors Ernst Wilhelm Baars. Er wirkte hier 1820-1837 „vielgerühmt“ als Vorstand der landwirtschaftlichen Gesellschaft.

Wandgemälde[Bearbeiten]

Bei der jüngsten Renovierung 1980 wurden Bemalungen verschiedener Perioden festgestellt. es wurde beschlossen, eine blaue Bemalung der Gewölberippen, vermutlich aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, wiederherzustellen und mit einem roten Bogenmuster zu begleiten. In der Nordwand des Bogens vor dem Chor befindet sich eine gotische Wandmalerei, auf das Ende des 14. Jahrhunderts geschätzt. Sie wurde 1957 von Hermann Oetken - mit Verschiebungen - erneuert. Jesus hängt mit geneigtem Kopf, überstreckten Armen und von Blut spritzenden Wunden an einem Kreuz, dessen Balken gleich lang sind. Darunter stehen Maria und Johannes, außen Petrus mit Schlüssel und Paulus mit Schwert und Buch. Die Wandnische darunter, die durch ein Gitter aus schmiedeeisernen, mit Blüten besetzten Bändern geschlossen wird, diente vermutlich der Aufbewahrung von Altargerät.

Kanzel[Bearbeiten]

Die Kanzel

Die Kanzel wurde laut Kirchenrechnung 1644 von Meister Gert Borkemann (Oldenburg) angefertigt. In flachen Bogennischen stehen die Figuren der vier Evangelisten mit ihren Attributen (Mensch - Löwe - Stier - Adler). Das Innere des Schalldeckels hat an den Ecken plastische Blütenformen, Arabesken und einen Stern in der Mitte. Den Aufbau bilden Engelsköpfe wie auch an den Außenseiten des Kanzelbodens. Auf der Randleiste ist zu lesen: „Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige“ (Ps 51,17). Über dem von einem Engelskopf gekrönten Aufgang steht wohl einzigartig das Stossgebet des Predigers: „O HERR LAS WOL GELINGEN.“ (Ps 118,25)

Grabsteine und Gedenkstätten[Bearbeiten]

Besonders die sieben Grabstelen aus Oberkirchner Sandstein aus dem 17. Jahrhundert bzw. 18. Jahrhundert, von denen einige links von der Kirchentür aufgestellt sind, fallen ins Auge. Nahe der Kirchentür steht ein unten abgebrochener Grabstein, dessen Inschrift als einzige der über 440 Stelen dieses Zeitraums im Oldenburger Land vollständig in Plattdeutsch ausgeführt ist. Die Familie des Verstorbenen GERDT HENNINGES aus Mansholt, gekennzeichnet durch ein kleines Kreuz, ist unter dem gekreuzigten Christus kniend dargestellt. Er verunglückte am 20. Juni 1634 „Bi INFALING UNSES NIE UPGERICHTETEN SIELES BI DER WAPEL DERMATE BESCHEDIGET DAT HE SINEN GEIST UPGEF“. Besondere Grab- und Gedenkstätten finden sich vor dem Friedhof für Soldaten der Kriege 1870/71, 1914-18, 1939-45 und auf dem nordwestlichen Friedhofsteil ein Grab für 11 russische und polnische, sowie nordöstlich 13 Gräber für deutsche Kriegstote.

Orgel[Bearbeiten]

Die Barockorgel von Christian Vater

Die Orgel aus der Werkstatt Christian Vaters, einem Schüler des weltberühmten Arp Schnitgers, wurde 1731 fertiggestellt und enthält noch neun Originalregister. Ihr Bau (ab 1729) wurde ermöglicht durch eine 1727 verfügte Schenkung des Majors Wolf von Böselager zu Lehe. Er erhielt dafür das standesmäßige Begräbnis in der Kirche. Sein Wappen hat bis heute seinen Platz an der Südwand. Die Orgel hatte damals 18 Register und eigenständiges Pedal. Im Jahre 1862 fand ein großer Umbau der Orgel durch den Orgelbauer Johann Claussen Schmid aus Oldenburg statt. Er entfernte die Hälfte der Register und änderte die Disposition grundlegend. 1935 erfolgte eine erste Restaurierung durch den Orgelbauer Alfred Führer (Wilhelmshaven). 1982 wurde die wertvolle Orgel von derselben Firma weitgehend nach dem ursprünglichen Bestand restauriert. Eine grundlegende Restaurierung erfolgte in den Jahren 2011 bis 2014 durch den niederländischen Orgelbauer Henk van Eeken, der alle später ersetzen Teil konsequent rekonstruierte. Die Disposition lautet seitdem wieder wie im Jahr 1731:

I Hauptwerk CDE–c3
Principal 8′ V
Rohrfloit 8′ V
Octav 4′ V
Quinta 3′ E
Octav 2′ V
Mixtur IV E
Trompet 8′ E
Vox humana 8′ E
II Brustwerk CDE–c3
Liebl. Gedackt 8′ V
Floit 4′ V
Waldfloit 2′ V/E
Sesquialt II E
Dulcian 8′ E
Pedal CDE–d1
Principal 8′ V
Oktave 4′ V
Posaun 16′ V/E
Trompet 8′ E
Trompet 4′ E
V = Christian Vater (1731)
E = Henk van Eeken (2011–2014)

Verwaltung[Bearbeiten]

Die St.-Johannes-Kirche unterhält für den unmittelbaren örtlichen Kontakt ein Kirchenbüro in der Kirchstraße 4. Für weitere Aufgaben der Kirchengemeinde ist die Regionale Dienststelle Ammerland in Westerstede, Kirchenstraße 20, zuständig [2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land. Holzberg, Oldenburg 1984, ISBN 3-87358-167-1.
  • Der Wiefelsteder Kirchenführer (überarbeitet von Pfarrer Jan Janssen (1996) und Pfarrer Fritz Pinne (2002). Fotos: Tjark Pinne und Fritz Pinne.)
  • Fritz Schild: Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Noetzel, Wilhelmshaven 2008, ISBN 3-7959-0894-9, S. 254–255.
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Johanneskirche in Wiefelstede. In: Wenn Steine reden könnten. Band 3. Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1, S. 88–90.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St.-Johannes-Kirche (Wiefelstede) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu der Kirche gehörten bis ca. 1200 auch die Dörfer Hatten und umzu. Siehe Georg Bredehorn: Eversten: Von 1200 bis ins 20. Jahrhundert, Isensee Verlag, Oldenburg 2001, ISBN 3-89598-750-6, Seiten 282, 283
  2. http://www.kirche-oldenburg.de/kirche-gemeinden/oberkirchenrat/gemeinsame-kirchenverwaltung/regionale-dienststellen/ammerland.html

53.2567916666678.1145472222222Koordinaten: 53° 15′ 24″ N, 8° 6′ 52″ O