St.-Knud-Kirche (Friedrichstadt)

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Innenraum

Die St.-Knud-Kirche ist eine ehemalige römisch-katholische Kirche in Friedrichstadt, Schleswig-Holstein. Der neugotische gelbe Backsteinbau ohne Turm ist seit dem 31. Oktober 2003 profaniert, die weitere Nutzung noch unklar. Der Vorgängerbau beherbergte die erste katholische Gemeinde Schleswig-Holsteins nach der Reformation. Gewidmet war sie dem Heiligen Knud, von 1080 bis 1086 König von Dänemark.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Gemeinde zog innerhalb Friedrichstadts mehrmals um. Nachdem die Jesuiten 1646 in die Stadt kamen, fanden Gottesdienste im sogenannten Fünfgiebelhaus in derselben Straße statt. Auch als die Jesuiten 1793 die Betreuung der Gemeinde beendeten und diese Aufgabe an nicht ordensgebundene Priester überging, hatte die Gemeinde keine eigene Kirche. Das Gemeindegebiet reichte damals von Glückstadt im Süden bis nach Fredericia im Norden.

1840 schließlich kaufte die Gemeinde durch den damaligen Pastor Heiremanns ein Grundstück von der Friedrichstädter Schiffergilde. Auf diesem baute der Kopenhagener Architekt Friedrich Hetsch 1846 eine Kirche, die die Friedrichstädter jedoch schon 1849 aufgrund von Konstruktionsmängeln wieder abrissen: Die Decke des Gebäudes war eingestürzt. 1854 folgte ein weiterer Kirchenneubau, diesmal nach Entwürfen des Flensburgers Eggermann.

Obwohl katholische Mutterkirche der Westküste, verlor sie gegenüber der Christkönig-Kirche im nahegelegenen Husum immer weiter an Bedeutung, so dass die Pfarrei seit 1935 in Husum angesiedelt ist und diese Kirche seitdem auch Hauptkirche der Gemeinde darstellt. Dieses und die Kosten zum Erhalt der Kirche notwendigen Finanzen führen dazu, dass der Kirchenvorstand eine Schließung plant. Diese Pläne wurden nicht nur von den Friedrichstädter Gemeindemitgliedern kritisch aufgenommen, in offenen Briefen sprechen sich unter anderem auch die Ehrenbürgerin der Stadt Friedrichstadt, Frau Laman-Trip,[1] der Friedrichstädter SPD-Fraktionssprecher Rohmann[2], Herr Msgr Schmidt[3] und der zu diesem Zeitpunkt amtierende Pfarrer der altkatholischen Kirche auf Nordstrand[4] gegen die Schließung aus. Der Protest ist nutzlos. Auf Antrag und mit Zustimmung der Kirchengemeinde Christus-König zu Husum wird die Auflösung der Filialkirche St. Knud in Friedrichstadt mit Wirkung vom 31. Oktober 2003 verfügt.[5] Diese Entscheidung wird später durch den Hamburger Weihbischof Jaschke als unglücklich und schlecht bezeichnet.[6]

In der Kirche am Fürstenburgwall fand nach der Profanierung nur noch einmal im Monat ein Wortgottesdienst statt, die Friedrichstädter Katholiken trafen ab sich nun im Gemeindehaus der lutherischen Sankt-Christophorus-Kirche im Ort.[7][8] Seit dem Jahr 2007 wird in der entwidmeten Kirche wieder die Heilige Messe gefeiert.[9]

Die Kirche steht am Rande der Friedrichstädter Innenstadt an einer der Grachten, dem Fürstenburggraben. Die eher unauffällige Kirche hat eine Länge von 22 Metern, bei einer Breite von 11,4 Metern und einer Höhe von 13,6 Metern. Heute noch kann man im Kirchenschiff den Christuskörper von 1230 und die Kirchenbänke von 1760, die vorher in einer katholischen Kapelle standen, sehen. Der Corpus Christi am Altarkreuz entstand um 1230 und soll als Strandgut aus dem Meer gerettet worden sein. Er stammt angeblich aus einer der 19 Nordstrander Kirchen, welche bei der Zweite Grote Mandränke 1634 untergegangen sind, allerdings existieren Legenden dieser Art zu vielen kirchlichen Gegenständen in Schleswig-Holstein. Sicher gehörte der Corpus allerdings bis ca. 1855 zu einer Kirche in Uelvesbüll, die 1853 abgerissen wurde. Die Fotos der sechs hölzerne Apostelfiguren aus dem 17. Jahrhundert stellen Holzfiguren von Ansgar, Bonifatius, Johannes, Joseph, Knut und Petrus dar, welche bis zur Profanierung an dieser Stelle standen. Sie wurden durch das unten genannte Kuratorium an die Marienkirche (Husum) als Dauerleihgabe gegeben. Die vorher in der Kirche vorhandenen Altar-Reliquien wurden, wie durch den Erzbischof von Hamburg verfügt, nach Husum verbracht.[5]

Im Gegensatz zu anderen profanierten Kirchengebäuden will das Erzbistum Hamburg die denkmalgeschützte Kirche aufgrund ihrer historischen Bedeutung auf jeden Fall erhalten. Am 5. Dezember 2005 beschloss ein vom Bischof ernanntes Kuratorium, den Künstler Otmar Alt mit einer kompletten Neugestaltung der Kirche zu beauftragen, Alt sagte zu.[7] Auch dieser Beschluss fand nicht die Zustimmung der Friedrichstädter Gemeindemitglieder.[6] Das Projekt scheiterte schließlich unter anderem daran, dass für die Sanierung und künstlerische Gestaltung eine hohe sechsstellige Summe notwendig waren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der Friedrichstädter Katholiken

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Thomsen: Friedrichstadt. Ein historischer Stadtbegleiter. Boyens, Heide 2001, ISBN 3-8042-1010-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Knud-Kirche (Friedrichstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. offener Brief Fr. Laman-Trip an seine Excellenz Erzbischof Dr. Werner Thissen
  2. Leserbrief „Gegen Beschluss alle Hebel in Bewegung setzen“. In: Husumer Nachrichten. 4. Februar 2003.
  3. Leserbrief „Gottes teure Wochenendhäuser“. In: Husumer Nachrichten. 4. Februar 2003.
  4. Leserbrief „Kirche geht zu den Menschen“. In: Husumer Nachrichten. 22. Januar 2003.
  5. a b Urkunde über die Profanierung der Filialkirche St. Knud in Friedrichstadt v. 15. August 2003
  6. a b „Die Kunstkirche ist der Weg“. In: Neue Kirchenzeitung. 21. Mai 2007.
  7. a b Zur Gemeinde Friedrichstadt
  8. Pfarrbrief d. Gemeinde Husum April 2006, Seite 2
  9. Kirche in Friedrichstadt, gemeinsames Mitteilungsblatt, Ausgabe 17, März-Mai 2007

Koordinaten: 54° 22′ 29″ N, 9° 5′ 9″ O