St.-Marien-Kirche (Grimmen)

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St.-Marien-Kirche in Grimmen
Grundriss und Bauabschnitte der Kirche

Die Stadtkirche St. Marien ist eine frühgotische Hallenkirche im Stadtkern von Grimmen in der Nähe des Grimmer Rathauses.

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau der Halle im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Totenbuch von Neuencamp wird 1270 ein Pfarrer mit dem Namen Helmrich erwähnt, der dort als erster Geistlicher Grimmens bezeichnet wird. Somit muss man davon ausgehen, dass bereits zu dieser Zeit in Grimmen eine Kirche oder eine Kapelle stand.[1] Mit dem Bau der frühgotischen Marienkirche wurde um 1275 begonnen. Überliefert ist weiterhin, dass der Ritter Arnold von Grimmen gemeinsam mit dem Leutpriester Conrad am 12. Juli 1278 auf einer Hallenkirche „auf dem Hügel“ predigte. Als Kern der Stadtkirche entstand eine Halle als ein Backsteinbau auf einem Feldsteinsockel. Um- und Anbauten folgten im Laufe der Jahrhunderte. Die dreischiffige Halle von fünf Jochen hat im Mittelschiff rechteckige, kräftige Kreuzgewölbe und in den beiden Seitenschiffen quadratische Kreuzgewölbe. Getragen werden die Gewölbe von achteckigen Pfeilern mit zierlichen Sockelprofilen aus glasierten Steinen. Die Außenwände werden durch kleine Strebepfeiler gestützt, wobei die Eckpfeiler geschrägt sind. Die gotischen Fenster sind drei- und zweiteilig.

Der ursprüngliche gerade Ostabschluss der Halle ähnelte dem der Greifswalder Marienkirche („Dicke Marie“).

In einer Urkunde aus dem Jahr 1326 wird die Kirche erstmals namentlich erwähnt: Die Witwe von Witzlaw III., Agnes, stiftete damals vier Hufen Land zu Gunsten der Kirche. Mit dem vierten Hufen wurde der Altar der Kirche finanziert.

Hallenchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert wurde aus Backsteinen dann der kreuzrippengewölbte Hallenchor in einem zweiten Bauabschnitt mit einem Umgang an die Ostseite angefügt. Der Binnenchor hat ein Joch und einen Fünfachtelschluss. Der Umgang weist glatte Wände auf, wobei die Strebepfeiler sich hier im Inneren befinden und so hohe Wandnischen bilden. Der Umgang wird dabei aus acht Teilen gebildet und überwölbt. Der Herzog Barnim VIII. stiftete im Jahr 1436 die nach ihm benannte „Barnimskapelle“. Ein Sakristeianbau mit zwei Jochen befindet sich an der Nordseite des Chors. Sie entstand zusammen mit der Moritzkapelle (auch Mauritiuskapelle genannt) und der Agneskapelle in einem dritten Bauabschnitt. 1559 ist dieser Anbau bereits baufällig und wurde 1846 abgerissen.[1]

Turm und Westseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa zur gleichen Zeit wurde an der Westseite der quadratische Turm mit seiner Turmhalle angefügt. Der Turm hat vier Geschosse und wird oben mit einem Blendschmuck verziert. Das gotische Westportal ist dreifach gestuft, erstellt als Rundstabbündel aus glasierten und unglasierten, profilierten Ziegeln. Mit dem Turm entstanden die niedrigen Seitenhallen am Turm mit Blendgiebel an der Westseite.

Im Kirchturm befinden sich die Kirchenglocken, ein seltener Schatz in Pommern. Ein Glockensachverständiger schwärmt: „Uns ist nicht bekannt, dass es in Pommern ein vierstimmiges Geläut noch einmal gibt.“ Die hohe Qualität der Klangmöglichkeit der Glocken wird dabei geschätzt. Sie stammen vermutlich aus dem Jahr 1458. Die Disposition ist: d' e' gis' h'.[1]

Moritzkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moritz- oder Mauritiuskapelle an der Nordseite hat zwei kleine Joche und einen vierseitigen Abschluss, wobei die Strebepfeiler hier wieder außen stehen. Erstmals 1438 erwähnt wurde sie 1615 von Albrecht Wakenitz für 500 Gulden gekauft und diente der Familie Wackenitz, später von der Lancken-Wakenitz, bis 1945 als Erbbegräbnis. Noch heute ist sie der letzte Ruheort für 15 Familienangehörige. Im Eingangsbereich der Kapelle befinden sich zwei große Engelsfiguren. Dieser Vorraum ist heute ein Ort des Gedenkens für die Opfer der Kriege.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchenschiff mit Altar und links die Kanzel
Pieta
  • Bemerkenswert ist die reichgeschnitzte barocke Kanzel von 1707 mit der Darstellung der vier Evangelisten, den Engelsköpfen und dem üppigen Blattwerk als Zierrat.
  • Das frühgotische Taufbecken aus Kalksandstein hat rundbogige Blendengliederung.
  • Das Ratsgestühl mit seinen geschnitzten Wangen (Tiere, Blumen, Wappen) stammt von 1590. Dazu bestehen ein Restgestühl von 1622 und ein Zunftgestühl von 1586 mit geschnitzten Wangen mit Handwerksmotiven.
  • Des Weiteren befinden sich an den Wänden mehrere Pfarrerbildnisse aus dem 18./19. Jahrhundert und verschiedene Grabdenkmäler aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Außenanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Bäume umrahmen die St.-Marien-Kirche, deren Außenfläche ansonsten schlicht mit Rasen begrünt wurde.

Erneuerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 bis 1977 erfolgte eine Renovierung im Inneren der Kirche. Dabei wurden die spätmittelalterlichen Wandmalereien entdeckt und restauriert. Das Dach konnte 1986 neu eingedeckt werden. Obwohl auch die Orgel 1982 neu bestückt werden sollte, konnte erst nach der Wende, am 27. September 1992, die feierliche Einweihung der erneuerten Orgel stattfinden. Da entsprechend den baufachlichen Untersuchungen auch das äußere Bauwerk – vor allem von Kirchturm und Kirchturmhalle – bedenklich war, wurde 1992 eine Sanierung aus Städtebauförderungsmitteln begonnen und 1993 fertiggestellt.

1994 erhielt die Kirche eine Beschallungsanlage, die den raumakustischen Bedingungen entsprechen musste. Auch die Lüftungsanlage wurde ausgebaut. 1996 konnten dann die Kirchenfenster saniert werden. Auch die „Außenhaut“ wurde in dieser Zeit Stück für Stück saniert. „In den Jahren 1990 bis 2000“ – schrieb ein Gemeindemitglied – „haben die Kirchgemeinde und das Gebäude mehr Hilfe und Förderung erfahren als in den 60 Jahren davor.“[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Erhard Grohmann: Der Bau der Kirche in Grimmen, Aushang in der St.-Marien-Kirche in Grimmen
  2. Kurt Griwahn in Grimmen – 10 Jahre Stadterneuerung; Seite 37, Hg: BIG-Städtebau, 2001

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Marienkirche (Grimmen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 6′ 47,1″ N, 13° 2′ 29,3″ O