St.-Michael-Kirche (Sagard)

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St.-Michael-Kirche zu Sagard
Chorraum mit Altar und Beichtstühlen

Die St.-Michael-Kirche zu Sagard ist eine spätromanisch/gotische Backsteinkirche in Sagard auf der Halbinsel Jasmund auf Rügen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die viertälteste Rügener Kirche wurde um 1210 erbaut. Es entstand eine turmlose einschiffige Saalkirche.

Um 1400 wurde der romanische Chor abgerissen und der jetzige gotische Chor gebaut. Es wurde außerdem eine Südkapelle gebaut, eine Sakristei und das Nordschiff ergänzt. Um 1500 wurde der jetzige quadratische gedrungene Turm angefügt und das Hauptschiff mit einem gotischen Gewölbe versehen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Südkapelle größtenteils abgerissen und zum jetzigen barocken Südschiff umgebaut.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum ist komplett in weiß gehalten. Die Beichtstühle links und rechts im Chorraum stammen aus der Zeit Schwedisch-Pommerns (1648–1815).

Der barocke Altar stammt aus der Werkstatt des Holzbildhauers Elias Keßler aus Stralsund, gefertigt in den Jahren 1726/1727. Die Altarbilder zeigen die Passionsgeschichte Jesu Christi und allegorische Figuren. Der Altarumhang, vor kurzen wiederentdeckt und restauriert, stammt wahrscheinlich auch aus dieser Zeit.

Der neben dem Altar befindliche dreiteilige Wandschrank stammt aus der Zeit um 1450. Die Blumen sind um 1800 aufgemalt worden.

Triumphkreuz

Das Gestühl wie auch die Kanzel, Taufständer und Orgelempore stammen aus einem Umbau um 1830. Dieser war nach der Besetzung der Insel Rügen durch französische Truppen, welche die Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts als Lazarett nutzten, notwendig geworden.

Im Nordschiff hängen die Bildnisse zweier Sagarder Pastoren: Links das des Pastor Christenius (1674–1750) und rechts das von Pastor Schwarz († 1750).

Ein weiteres Ausstattungsstück ist der Korpus einer Triumphkreuzgruppe aus dem 15. Jahrhundert.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindten-Orgel von 1796

Die zweigeschossige Orgel stammt von dem Stralsunder Orgelbauer Christian Erdmann Kindten aus dem Jahr 1796. Sie ist die zweitälteste und größte Barockorgel auf Rügen. Von September 2003 bis Juni 2004 wurde die Orgel restauriert (von der Dresdner Orgelbaufirma Kristian Wegscheider); die Kosten beliefen sich auf 224.500 Euro. Das Schleifladen-Instrument hat 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.[1]

I Hauptwerk CD–d3
1. Quintatön 16′
2. Principal 8′
3. Gedackt 8′
4. Salicional 8′
5. Oktave 4′
6. Quinte 3′
7. Oktave 2′
8. Mixtur IV
9. Clarionett (ab g0) 8′
II Oberwerk CD–d3
10. Gedackt 8′
11. Principal 4′
12. Gemshorn 4′
13. Gedacktflöte 4′
14. Oktave 2′
15. Waldflöte 2′
16. Cornett III (ab g0)
17. Trompete 8′
Tremulant
Zimbelstern
Pedalwerk C–c1
18. Subbaß 18′
19. Principal 8′
20. Gedackt 8′
21. Oktave 4′
22. Posaune 16′
23. Trompete 8′

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Kirchplatz, südlich am Altarraum, befindet sich die Grabplatte von Pastor Heinrich Christoph von Willich, der 1794 zusammen mit seinem Bruder in Sagard das erste Bad auf Rügen eröffnete.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchgemeinde gehört seit 2012 zur Propstei Stralsund im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Vorher gehörte sie zum Kirchenkreis Stralsund der Pommerschen Evangelischen Kirche.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel (PDF; 126 kB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Michaeliskirche Sagard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 31′ 34,5″ N, 13° 33′ 20,2″ O