St.-Nicolai-Kirche (Altenbruch)

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Die drei Türme der St.-Nicolai-Kirche

Die St.-Nicolai-Kirche in Altenbruch bei Cuxhaven gehört zur evangelisch-lutherischen Kirche und ist einer der Bauerndome im Hadelner Land. Sie steht auf einer flachen Landerhebung, einer Wurth, sodass sie bei Überflutungen meistens im Trockenen blieb und den umliegend lebenden Menschen eine Zuflucht bot. Diese Landerhebung war von einem Graben umschlossen. Die heutige Wiese um die Kirche war in früheren Zeiten der Friedhof. Die geborgenen Grabplatten werden in der Kirche vor der Verwitterung bewahrt und ausgestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erstmalige urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1280, als ein Pfarrer für Altenbruch erwähnt wird. Man kann aber davon ausgehen, dass dieser Kirchenbau schon älter ist. Das älteste bekannte Kirchensiegel ist aus dem Jahre 1333 und zeigt zwei sitzende Bischöfe. Die Vermutungen gehen dahin, dass damit der heilige Nikolaus und der heilige Willehad dargestellt werden sollen. Der eine ist der Namenspatron der Kirche und der Schutzpatron der Seefahrer, der andere der Missionar der Sachsenlande. Mit der Einführung der Reformation 1526 war St. Nicolai die Amtskirche des Superintendenten und Hauptkirche des Landes Hadeln. In den Türmen der Kirche war das Archiv des Landes Hadeln untergebracht.

Interessanterweise ist hier die gute Zusammenarbeit der Sachsen und Friesen zu verzeichnen. In der Leitung der Kirchengemeinde wechselten sich die beiden Volksgruppen ab.

Von außen ist am Ostgiebel eine Sandsteinstatue zu sehen. Sie stammt aus dem Jahr 1727 und stellt den heiligen Nikolaus dar.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südansicht von St. Nicolai mit dem mächtigen Chor (1727/28)

Die Kirche ist als eine einschiffige Feldsteinkirche mit Tonnengewölbe und Doppelturm auf einer flachen Landerhebung gebaut. Der Doppelturm war gleichzeitig ein markantes Zeichen für die Seefahrt. Dies erkennt man daran, dass er in allen alten Land- und Seekarten deutlich hervorgehoben ist.[1] Der massiv gebaute Turm trennt sich oberhalb des Dachfirstes des Hauptgebäudes in zwei Einzeltürme, die im Volksmund die Namen Anna und Beate haben, die mit Kupfer gedeckt sind und eine Höhe von 45 Metern aufweisen. Der Doppelturm und das romanische Hauptgebäude werden auf Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts datiert. Urkundlich konnte dies noch nicht nachgewiesen werden. Im Jahre 1493/94 wurde das Gebäude nach Osten durch einen Chor erweitert. In den Jahren 1727/28 wurde dieser abgebrochen, weil er baufällig war. Auf den alten Grundmauern wurde ein neuer Chor im Stile des Barock errichtet. Auffallend ist die Größe des Chores; er spiegelt den Reichtum der Bauern in diesem Landstrich wider. Das ursprüngliche mit sorgfältigen horizontalen Kalkmörtellagen versehene Feldsteinmauerwerk ist in den Türmen und dem Haupthaus erhalten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren Ausbesserungsarbeiten nötig. Diese sind auch an den spitzbogigen Fenstern erkennbar. Erhalten sind noch die gotischen Eichenholztüren an der Nord- und Südseite. Nur die Stundenglocke hängt im Südturm und ist von außen in einem Turmerker zu sehen. Das restliche Geläut dieser Kirche ist in einem hölzernen Glockenturm südlich des Doppelturms untergebracht. Dieser Holzturm wurde im Jahr 1647 erbaut.

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in den Kirchenraum mit den zwei Emporen
Der Zugang zu den Bankreihen ist mit den Familienwappen versehen.

Die Kirche ist in ihrem Innenausbau sehr hell und licht gehalten.

Markant an dieser Kirche sind die Kirchenbänke für die Gläubigen und die zwei Emporen. Die Reihen der Kirchenbänke werden mit Türen verschlossen, von denen viele mit bäuerlichen Familienwappen versehen sind. Hier ist erkennbar, dass die beiden Stämme – die Friesen und die Sachsen – gut miteinander auskamen. Auf den Wappen ist die Zugehörigkeit zur Volksgruppe erkennbar. Die Familien saßen allerdings in einer bunten Reihe und auch in den Reihen wechseln sich typisch sächsische und friesische Namen ab. Die Bänke im Kirchenschiff sind der Überlieferung zufolge die Sitze der Frauen und stammen vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Plätze der Männer waren auf den beiden Emporen. An die südliche der beiden Emporen schließt sich in Richtung Altar eine aus Holz gebaute Beichtkammer an. Im Gesimse dieser Beichtkammer sind an der langen Seite als sitzende weibliche Figuren „Glaube“ und „Hoffnung“ und an der kurzen Seite „Ruhm“ und „Sieg“ dargestellt. Den Abschluss nach oben bildet das Bild Jesus mit der Weltkugel, im Sockel davon steht: Kompt her zv mit alle. An. 1706. Im Land Hadeln war auch im evangelischen Glauben die Einzelbeichte bis 1840 üblich.

Der Innenraum ist mit zehn Gemälden geschmückt, auf denen Folgendes dargestellt wird:

  • Geburt Christi (1639)
  • Darstellung der Heiligen Drei Könige
  • Gethsemane
  • Vom barmherzigen Samariter
  • Christus in der Kelter
  • Kreuztragung (1694)
  • Das Jüngste Gericht (1718)
  • Drei Pastorenportaits im Chorraum (1638, 1639, 1677)

Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flügelaltar

Der Flügelaltar stammt aus dem 15. Jahrhundert; die Herkunft kann dem Bremer Meister Johann Voß zugeschrieben werden (Hermann Allmers hat in der Chronik des Landes Hadeln folgenden Hinweis gefunden: In denselben Jahre (1504) ward die Storthinge (=Stürzung, Hinrichtung, Blutvergießen) unseres Herrn Jesus Christus zu Altenbruch verdungen mit Meister Johann Voß in Bremen von den Juraten.... .). Es ist eine figurenreiche Darstellung um das Thema Kreuzigung Jesu.

  • Oben links: Jesus vor Pilatus, der sich die Hände in Unschuld wäscht.
  • Oben rechts: Jesus in der Vorhölle mit Adam und Eva und dem angebissenen Apfel
  • Unten links: Jesus das Kreuz tragend
  • Unten rechts: Die Abnahme Jesu vom Kreuz
  • Das zentrale Bild ist die Kreuzigung Jesu.

Dieser Altar wurde im Laufe der Zeit mehrfach umfangreich geändert. An der Nordseite ist der ursprüngliche geschnitzte Unterbau vom Ende des 16. Jahrhunderts zu sehen. Er besteht aus drei Rundbogennischen mit folgenden Darstellungen (von links nach rechts):

  • Der Apostel Petrus (mit Schlüssel)
  • Christus als Guter Hirte
  • Der Evangelist Johannes (mit Kelch)

Bei der Renovierung von 1897 wurde die Renaissancebekrönung durch das neugotische Geprenge ersetzt und die Kreuzigungsszene mit einem Goldgrund hinterlegt.

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kanzel vom Altar aus gesehen

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kanzel in die Chorschranke als Portalbau eingefügt. Sie ist vom Altarraum aus durch eine Wendeltreppe zu erreichen. An der Kanzel sind zehn Holzreliefs zu sehen.

Die Namen der jeweiligen Stifter sind auf Holzschildchen unterhalb des Reliefs angebracht.

Um 1610 wurde der Schalldeckel der Kanzel gestiftet. Sein Schmuck ist eine Kreuzigungsgruppe und zwei Wappen.

Kirchengefängnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchengefängnis

Links neben dem Altar im Chorraum findet sich – ebenfalls eine Besonderheit dieser Kirche – eine Gefängniszelle, das Kirchengefängnis.

Taufbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Taufkessel mit Umrandung und Abdeckung
Der Taufkessel

Der Taufkessel aus Bronze ist im frühen 14. Jahrhundert gegossen worden. Er ist das älteste Ausstattungsstück der Kirche. Er soll von Meister Ulricus, einem Wanderglockengießer, gefertigt worden sein. Die Inschrift am Rande in Spiegelschrift lautet +Qvi. baptizatvr. hoc. fonte. lavatvr (Wer in diesem Brunnen getauft wird, wird gereinigt). Die Bauweise lässt vermuten, dass dieser Taufkessel beheizbar war; zur damaligen Zeit wurde der Täufling bei der Taufe noch vollständig im Taufbecken untergetaucht.

Der Holzaufsatz – mit einer Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes, an der Spitze – aus dem Jahre 1672 wurde von Jürgen Heydtmann angefertigt, der aus Holstein stammte und in Otterndorf lebte. Der Aufsatz hat eine sechseckige Grundform, ist beweglich befestigt und dient auch der Abdeckung des Taufkessels.

Der gesamte Taufbereich ist mit einem Holzgitter abgetrennt, welches die Inschrift trägt: MARCI XVI. WER DA GLEUBET VND GETAUFT WIRD – DER WIRD SELIG WERDEN – WER ABER NICHT GLEUBET DER WIRD VERDAMPT WERDEN.

Herlitz-Epitaph[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herlitz-Epitaph stammt aus dem Jahre 1697. Es stellt Christus in der Kelter dar. Die Vorlage dazu ist das Titelblatt der Lutherbibel von 1643. Zur Bildbeschreibung. Neben dem Hügel mit der Kelter sind auf der linken Seite die Figuren der alten und auf der rechten Seite die Figuren der neuen Zeit dargestellt. Der Rahmen dieses Epitaphs fällt durch seine exzellente schnitzerische Ausführung und seinen Formenreichtum auf. Als Material wurde Lindenholz verwendet.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel

Die Orgel stammt aus dem Jahre 1497/98 und ist mehrfach erweitert worden. Die erste Orgel geht auf Johannes Coci aus Bremen zurück, besaß sechs Register und stand in der Nähe des Altars an der Nordseite. Eine erste Erweiterung erfuhr das Instrument vermutlich durch den Orgelbauern Matthias Mahn (Buxtehude), der 1561/1577 ein Rückpositiv ergänzte. Hans Christoph Fritzsche erweiterte 1647–49 das Oberwerk und Matthias Dropa 1697–1700 die Klaviaturumfänge. Johann Hinrich Klapmeyer, der wie Dropa Schüler von Arp Schnitger war, gab ihr 1727–1730 im Rahmen des Umbaus der Kirche die jetzige Form. Er schuf ein zusätzliches Brustwerk und neue Pedaltürme und verlegte die Orgel auf die neue Westempore gegenüber dem Altar. In diesem Zustand blieb die Orgel fast zwei Jahrhunderte ohne wesentliche Eingriffe erhalten. Durch die Restaurierung 1925 unter Beratung von Hans Henny Jahnn erhielt die Orgelbewegung wesentliche Impulse. Aus heutiger Perspektive wird die Restaurierung durch Paul Ott (1956–58) als missglückt betrachtet. Einige dadurch verursachte Schäden konnten durch Rudolf von Beckerath Orgelbau (1965–1967) wieder rückgängig gemacht werden. Die letzte Restaurierung erfolgte in den Jahren 2003 und 2004 durch die Firma Ahrend aus Leer, die den Zustand von 1730 weitestgehend wiederherstellte und als große Leistung anerkannt wird.[2] Da die Orgel trotz der vielen Erweiterungs-Umbauten ihren alten Pfeifenbestand bewahrte, zählt diese Klapmeyer-Orgel zu den ältesten Orgeln nördlich der Alpen und ist eines der bedeutenden Instrumente Europas.

Die Orgel verfügt über 2.100 klingende Pfeifen, drei Manuale, Pedal und 35 Register, die fast vollständig original erhalten sind. Die Disposition lautet seit 2004:[3]

I Rückpositiv CDEFGA–c3
1. Principahl 8′ V
2. Gedackt 8′ F/C
3. Quintadöhn 8′ F
4. Octav 4′ V/D
5. Gedackt 4′ F
6. Nasat 3′ V
7. Super Octav 2′ D
8. Blockflöt 2′ V
9. Sexquialtera II F
10. Scharff IV F
11. Dulcian 16′ F
12. Kromphorn 8′ F/D
II Oberwerk CDEFGA–c3
13. Quintadohn 16′ F/C
14. Principahl 8′ F
15. Gedackt 8′ F
16. Octav 4′ F
17. Waldflöt 2′ F
18. Mixtur V F
19. Simbel III F
20. Trommeth 8′ K
21. Vox humana 8′ K
III Brustwerk CDEFGA–c3
22. Gedacktes 8′ K
23. Gedackt 4′ K
24. Super Octav 2′ K
25. Quint 11/2 [Anm. 1]
26. Scharff III K
27. Knop Regal 8′ K
Pedal CDE–d1
28. Untersatz 16′ V/C
29. Prinzipahl 8′ K
30. Gedackt 8′ D
31. Octav 4′ D
32. Mixtur IV D
33. Posaun 16′ F/D
34. Trommeth 8′ F/D
35. Corneth 2′ A[Anm. 2]
  • Anmerkungen:
C = teils aus Pfeifenmaterial von Coci (1497–98)
V = vor 1647
F = Hans Christoph Fritzsche (1647–49)
D = Matthias Dropa (1697–1700)
K = Johann Hinrich Klapmeyer (1727–30)
A = Jürgen Ahrend (2003–04)
Anmerkungen
  1. Von Arp Schnitger?
  2. Becher alt.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dreistimmige Glockengeläut hängt im hölzernen Glockenturm. Die große Glocke (Ton c') wurde 1736 gegossen, die mittlere Glocke (Ton d') wurde 1963 in Bremen-Hemelingen gegossen und die kleine Glocke (Ton f') entstand 1736.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Weckwerth: Ev.-lutherische St.-Nicolai-Kirche Cuxhaven-Altenbruch. In: Schnell Kunstführer. 3. Auflage. Band 1495. Schnell & Steiner, München 2004, ISBN 978-3-7954-5202-5.
  • Ernst Andreas Friedrich: Der Bauerndom zu Altenbruch, S.118-120, in: Wenn Steine reden könnten, Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Nicolai in Altenbruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte von einem Theile der Nordsee, des Elbe-Stroms, der Mündung der Weser (1798)
  2. Orgelstiftung Altenbruch (gesehen 29. September 2009).
  3. Harald Vogel, Günter Lade, Nicola Borger-Keweloh: Orgeln in Niedersachsen. Hauschild, Bremen 1997, ISBN 3-931785-50-5, S. 218–221, 328.

Koordinaten: 53° 49′ 27″ N, 8° 46′ 21″ O