St. Ägidien (Regensburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kirche St. Ägidius mit alter Deutschordenskommende

Die römisch-katholische Filialkirche St. Ägidien (auch Ägidienkirche) in der Altstadt von Regensburg ist eine ehemalige Deutschordenskirche und war als solche der Deutschordenskommende St. Ägid zugeordnet. Heute ist St. Ägidien eine Filialkirche der Pfarrei St. Emmeram. Die dem heiligen Ägidius von St. Gilles (Gedenktag: 1. September) geweihte Kirche ist eine dreischiffige Staffelhalle im Stile der Gotik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Ludwig I. von Bayern vermachte eine dem heiligen Ägidius gewidmete Vorgängerkirche 1210 dem Deutschen Orden, der in deren unmittelbarer Nähe eine Kommende errichtete. Wann diese entstand ist wegen fehlender Bauurkunden unklar. Das mehrfach in der Literatur genannte Weihedatum 1152 hat sich inzwischen als falsch herausgestellt. Von diesem romanischen Vorgängerbau sind heute nur noch Fragmente erhalten. Dazu gehört zum Beispiel der im westlichen Chorjoch erkennbare Rundbogen hin, der aufgrund einer späteren Geländeerhöhung heute sehr niedrig erscheint.[1]

Nachdem die Kirche gegen Mitte des 13. Jahrhunderts für die Kommende zu klein geworden war, brach man die alte Kirche teilweise ab und schuf in der Zeit um 1270/80 ein zunächst einschiffiges Langhaus, das aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten vorerst nicht eingewölbt wurde. Im 14. Jahrhundert fügte man an das Hauptschiff dieses zwei ungleiche Seitenschiffe an und verlängerte die gesamte Anlage wahrscheinlich um ein Joch nach Westen. Ebenfalls noch im 14. Jahrhundert wurde der heutige Chor errichtet. Er muss vor 1396 entstanden sein, da in diesem Jahr der Komtur Marquard Zollner von Rotenstein starb, der diese Baumaßnahme beurkundet hat. Die Einwölbung des Kirchenbaus dürfte nach Ausweis der Stilmerkmale erst im 15. Jahrhundert erfolgt sein.[1]

Im Jahr 1683 wurden die Komtureigebäude erweitert; dabei überbaute man auch die Seitenschiffe der Ägidienkirche. Etwa um die gleiche Zeit erfolgte eine Barockisierung der Kirchenausstattung. Nach der Säkularisation 1802/03 bestand die Deutschordenskommende im Gegensatz zu den meisten anderen Klöstern Bayerns zwar noch kurze Zeit weiter, wurde aber im Jahr 1809 ebenfalls aufgelöst. In der Folgezeit verwahrloste die Ägidienkirche zusehends, bevor die Kirche zwischen 1884 und 1888 nach den Plänen des Domvikars Georg Dengler restauriert wurde. Dabei erfolgte auch eine Regotisierung der Ausstattung, der die meisten barocken Stücke weichen mussten. Unglücklicherweise wurde dabei das Kircheninnere in einem wenig einladenden Grauton getüncht und erhielt unschöne farbige Fenster, sodass der Kirchenraum in der Folgezeit düster und unfreundlich wirkte.[2]

So wurde die Kirche im Jahr 1958 eine neuerlichen Renovierung unterzogen. Bei der Entfernung der dick aufgetragene Farbschicht aus dem 19. Jahrhundert stieß man auf Reste einer Ausmalung der Kirche im Stile der Gotik und der Renaissance. Diesen Fragmente wurde der nun deutlich freundlicher wirkende Farbton für die Neufassung der Raumschale angepasst. Auch den Naturstein der Arkadenbögen ließ man in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherstellen. Die Ausstattung wurde dagegen bei dieser Maßnahme purifiziert, also auf ein Mindestmaß reduziert. In den Jahren 1989/90 wurde aus Anlass des 800-jährigen Bestehens des Deutschen Ordens eine neuerliche Kirchenrenovierung durchgeführt. Dabei entdeckte man an der Südseite des Chores zwei zugesetzte spätgotische Eingänge. Außerdem wurden ein neuer Volksaltar und ein neuerAmbo, die der Eggenfeldener Künstlers Joseph Michael Neustifter aus Sandstein geschaffen hatte, aufgestellt. Im Jahr 2016 erhielt die Kirche eine neue Orgel.[2]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotischer Chor von Südosten

Die dreischiffige, gotische Staffelhalle ist traditionell nach Osten ausgerichtet. Von außen ist nur der Chor erkennbar, da die Seitenschiffe in der Barockzeit durch die Komtureigebäude überbaut wurden. Der gotische Chor, der drei Joche und einen dreiseitigen Chorschluss umfasst, ist durch Kaff- und Sockelgesims gegliedert. Diese umlaufen sogar die zweifach abgesetzten Strebepfeiler, deren Giebel jeweils von einer Kreuzblume bekrönt werden. Das Dachgesims mit einer Konsolenreihe ist wohl im Zuge der Barockisierung im späten 17. Jahrhundert hinzugekommen. Der sehr hohe und schlanke Turm befindet sich im Winkel zwischen Chor und nördlichem Seitenschiff. Er ist äußerlich schlicht und wird nur durch Ecklisenen gegliedert. In den beiden oberen Geschossen befinden sich großzügige Schallöffnungen. Den oberen Abschluss bildet eine mit Holzschindeln gedeckte Achteckspitze.[3]

Das einzige Portal führt in das Nordschiff der Kirche. Dieses wurde wie auch der übrige Kirchenraum im 15. Jahrhundert mit einem spätgotischen Kreuzrippengewölbe versehen, dessen Gurtbögen aus profilierten Wandvorlagen entspringen. Das Mittelschiff umfasst vier Joche, die beiden Seitenschiffe nur jeweils drei. Das nördliche Seitenschiff besitzt einen Fünfachtelschluss, der beim südlichen Südschiff in der Barockzeit abgetrennt wurde und seither als Sakristei genutzt wird. Im östlichen Joch des Mittelschiffs wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Altarinsel eingerichtet. Der eigentliche Chorraum, der geringfügig breiter als das Mittelschiff ist, liegt hinter dieser und ist mittels eines spitzen Chorbogens abgetrennt. Die Trennung zwischen den einzelnen Schiffen erfolgt durch spitze Scheidbögen, die auf wuchtigen Rechteckpfeilern ruhen. Eine echte Besonderheit für eine gotische Kirche ist, dass das südliche Seitenschiff das Mittelschiff in der Breite übertrifft. Im Westjoch des Mittelschiffs ist eine zweiachsig unterwölbte Orgelempore mit Spitzbögen eingezogen.[3]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom neugotischen Hochaltar wurden bei der Purifizierung in den 1950er Jahren nur die Steinmensa und der Tabernakel belassen. Das vormalige barocke Altarblatt, auf dem die Beweinung Christi dargestellt war, wurde 1959 zu einem geringen Preis nach Fuchsmühl verkauft, wo sich bereits seit 1885 der barocke Hochaltar aus der Ägidienkirche befand und nun der ursprüngliche Altar wieder zusammengefügt werden konnte. Auch die neugotischen Aufbauten der beiden Seitenaltäre wurden 1958 entfernt. Auf der Mensa des linken Seitenaltares befindet sich eine barocke Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit. Am rechten Seitenaltar ist eine spätgotische Madonna mit Kind zu sehen, die von zwei etwa zeitgleichen Engelsfiguren flankiert wird und vermutlich in der Barockzeit bekrönt wurde.[2]

Glasfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bemalten Glasfenster im Chorschluss wurden nach einem Entwurf des Münchner Malers Wilhelm Braun von der Regensburger Hofglasmalerei Georg Schneider gefertigt. Die Motive sind jeweils dreigeteilt. Im mittleren Fenster sind von unten nach oben das alttestamentliche Opfer des Melchisedek, das letzte Abendmahl und die Auferstehung Jesu Christi dargestellt. Im linken Fenster erkennt man, ebenfalls von unten nach oben, die Herbergssuche, die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige und den zwölfjährigen Jesus im Tempel. Das rechte Fenster zeigt in gleicher Reihenfolge die Heilung eines Kranken durch Jesus, die wundersame Brotvermehrung und die Auferweckung des Jünglings zu Naim.[2]

Epitaphien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coelestin Steiglehner, dem letzten Fürstabt des Klosters St. Emmeram, der von 1810 bis zu seinem Tod 1819 in der vormalige Deutschordenskomturei wohnte, ist es zu verdanken, dass in der Ägidienkirche zahlreiche Epitaphien der Deutschordensritter aufgestellt sind.[2]

An der Westwand des Nordschiffs ist beispielsweise ein Grabstein mit Wappen für den Komtur Marquard Zollner von Rottenstein († 1396) zu finden, „der den chor und die behawsung gebawet hat“. Links daneben befindet sich das qualitätvoll gearbeitete Epitaph für Konrad von Chores († 1486), das ein Relief des Ordenspriesters in ganzer Figur zeigt. Ähnlich ist das Epitaph des Komturs Philipp von Hohenstein († 1525) gestaltet, das ebenfalls im Nordschiff zu finden ist. Bemerkenswert ist auch das Epitaph des 1623 verstorbenen Komturs Hans Martin Edlweck, das an der Nordseite des Chorbogens angebracht ist. Dieses besteht aus einer Steinplatte mit zehn kleinen Bronzegüssen. In der Mitte ist ein betender Ritter zu sehen, der den Verstorbenen darstellen soll. Darüber ist dessen Wappen zu finden, seitlich jeweils vier Agnaten. Eine echte Rarität stellen die drei aus Holz geschnitzten und bemalten Totenschilde für die Komture Hans Jakob Nothaft († 1525), Sebastian von Iglingen († 1532) und Thomas von Lochau († 1564) dar.[2]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sandtner-Orgel von 2016

Die frühere Orgel der Ägidienkirche wurde 1888 von der Firma G. F. Steinmeyer & Co. als Opus 338 erbaut und umfasste sieben Register auf mechanischen Kegelladen. Das Instrument wurde mehrmals umgebaut.

Am 12. Juni 2016 wurde ein neues Instrument der Firma Orgelbau Sandtner eingeweiht. Es besitzt 17 Register auf zwei Manuale und Pedal. Die Disposition orientiert sich an romantischen Klangfarben und lautet wie folgt:[4][5][6]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Rohrflöte 8′
3. Salicional 8′
4. Oktave 4′
5. Dolce 4′
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
6. Nachthorn 8′
7. Viola di Gamba 8′
8. Vox coelestis 8′
9. Traversflöte 4′
10. Nazard 223
11. Doublette 2′
12. Terz 135
13. Mixtur II 113
14. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
15. Subbass 16′
16. Oktavbass 8′
17. Gedecktbass 4′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marianne Popp: St. Ägid Regensburg. Kleiner Kunstführer Nr. 1874. Schnell & Steiner, München 1990.
  • Anke Borgmeyer, Achim Hubel, Andreas Tillmann, Angelika Wellnhofer: Denkmäler in Bayern – Stadt Regensburg. Band III/37, MZ Buchverlag, Regensburg 1997. ISBN 978-3-92752-9922. S. 18–19.
  • Paul Mai: Die Deutschordens-Kommende St. Ägid. In Peter Schmid (Hrsg.): Geschichte der Stadt Regensburg, Band 2, Friedrich Pustet, Regensburg 2000. ISBN 3-7917-1682-4. S. 821–828.
  • Paul Mai (Hrsg.): 800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid in Regensburg 1210 - 2010. Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, St. Petersweg 11–13, vom 19. Juni bis 26. September 2010. Schnell & Steiner, Regensburg 2010. ISBN 978-3-7954-2421-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Ägidien (Regensburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Popp, S. 7.
  2. a b c d e f Popp, S. 9–16.
  3. a b Popp, S. 8f.
  4. Informationen auf der Webseite der Herstellerfirma, abgerufen am 8. November 2016
  5. Die Kirche St. Ägid in Regensburg erhält eine neue Sandtner-Orgel. Online auf www.wochenblatt.de; abgerufen am 31. Januar 2017.
  6. „Zur größeren Ehre Gottes und zur Erbauung der Menschen“ – Weihbischof Dr. Josef Graf weiht neue Orgel in der Regensburger Deutschordenskirche St. Ägid. Online auf www.bistum-regensburg.de; abgerufen am 31. Januar 2017.

Koordinaten: 49° 1′ 0″ N, 12° 5′ 25″ O