St. Aegidien (Heilbad Heiligenstadt)

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Altar
Kapelle
Pfarrhaus

Die Aegidienkirche ist eine römisch-katholische Kirche der 2017 neu gegründeten Pfarrei Sankt Marien Heiligenstadt im Bistum Erfurt. Neben der Pfarrkirche Sankt Marien und der Kirche St. Aegidien gehören zur Pfarrei die Kirchen Sankt Johannes in Rengelrode und Sankt Nikolaus in Kalteneber. Im Sprachgebrauch der Heiligenstädter heißt die Aegidienkirche auch Neustädter Kirche, im Gegensatz zur Pfarrkirche St. Marien, die Altstädter Kirche genannt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert entstanden zuerst die Marktsiedlung unterhalb des Stiftsberges und dort die Pfarrkirche St. Marien. Dieser Bereich wird heute als Altstadt bezeichnet. Durch den Zuzug vieler Berufsgruppen entwickelte sich 1227 die Neustadt mit ihrer Kirche St. Ägidien.

Diese Neugründung war nicht unumstritten. So beschwerte sich 1239 der Propst des Martinsstiftes, dass die neue Kirche, deren Patronat sich Erzbischof Siegfried II. vorbehalten hatte, ihm Einbußen beschere, da das Patronat der Marienkirche, das dem Stift gehörte, sich bislang über die gesamte Stadt erstreckt hatte.

Zahlreiche Aufenthalte deutscher Bischöfe – mindestens 18 zwischen 990 und 1300 – sprechen für die Bedeutung Heiligenstadts im Mittelalter. Insbesondere die Weihe Gerdags zum Bischof von Hildesheim sowie Burchards I. zum Bischof von Worms in den Jahren 990 und 1000 durch Erzbischof Willigis von Mainz sowie die Konsekration Burchard I. von Halberstadt durch Erzbischof Bardo von Mainz im Jahr 1036 untermauern die Stellung Heiligenstadts im 11. und 12. Jahrhundert als neben Erfurt wichtigstem Aufenthaltsort der Mainzer Erzbischöfe im heutigen Thüringen.

Um 1850 suchten vier Lehrerinnen einen Schulorden, dem sie sich anschließen konnten. Sie gründeten in Heiligenstadt ein Internat zur Vorbereitung junger Mädchen auf das Lehrerinnenexamen. Daraus entstand der deutsche Zweig des Ordens der Hl. Maria Postel, auch Heiligenstädter Schwestern genannt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde zunächst zweitürmig geplant, dann aber eintürmig aus niedersächsischem Sandstein ausgeführt.

Ende der 1990er Jahre wurde die Kirche „vorsichtig saniert“, um das Fugen-Erscheinungsbild zu erhalten. Traufzonen und Gesimse wurden funktionsfähig gemacht. Wo auf den Strebepfeilern eine Steinsanierung absolut nicht möglich war, wurde zur Abdeckung Kupfer eingesetzt. Bedingt durch den Boden im Gründungsbereich und durch die seitlichen Kräfte von Gewölbe und Dach stehen die Außenmauern nicht gerade, sondern streben mit zunehmender Höhe nach außen.

Das Gotteshaus wurde im Rahmen der Renovierung komplett neu ausgemalt. Die Wangen des Gestühls (teilweise unterschiedliche Ausformung) wurden erhalten, die Orgel wurde überarbeitet. Die Kirche erhielt neue Fenster, diese wurden zuvor unter den Entwürfen von sieben Künstlern ausgewählt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel in einem neugotischen Gehäuse wurde 1908 von der Orgelbaufirma Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument wurde 1940 von der Orgelbaufirma Anton Feith (Paderborn) um ein Manualwerk (Rückpositiv in der Emporenbrüstung) erweitert und auf elektropneumatische Trakturen umgestellt. Kurz darauf wurde die Orgel erneut umgebaut und das Rückpositiv entfernt und hinter die Hauptorgel eingebaut. Das Instrument wurde zuletzt vom Orgelbaumeister Karl Brode (Heilbad Heiligenstadt) neu aufgebaut. Das Instrument hat heute 43 Register auf drei Manualen und Pedal.[1]

I Hauptwerk C–g3
Bordun 16′
Principal 8′
Viola di Gamba 8′
Gemshorn 8′
Dolce 8′
Flauto amabile 8′
Doppelgedackt 8′
Oktave 4′
Hohlflöte 4′
Oktavin 2′
Mixtur-Cornett III-IV
Trompete 8′
II Brustwerk C–g3
Prinzipal amabile 8′
Konzertflöte 8′
Prinzipal 4′
Holzflöte 4′
Nasard 223
Waldflöte 2′
Terz 135
Quinte 113
Cromorne 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
Gedackt 16′
Geigenprinzipal 8′
Salizional 8′
Aeoline 8′
Rohrflöte 8′
Fugara 4′
Traversflöte 4′
Sesquialtera II
Blockflöte 2′
Mixtur IV
Oboe 8′
Trompete harmonique 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Contrabaß 16′
Subbaß 16′
Zartbordun 16′
Quintbaß 1023
Oktavbaß 8′
Violoncello 8′
Gedecktbaß 8′
Choralbaß 4′
Posaune 16′
Trompete 8′
  • Spielhilfen:
    • Koppeln
      • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
      • Superoktavkoppeln: III/I, III/P, III/III
    • Crescendowalze
    • Schwelltritt für III

Persönlichkeiten, die früher Kapläne in St. Aegidien waren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Meisner (1933 – 2017), in Heiligenstadt um 1965, Erzbischof von Köln
  • Reinhard Hauke (* 1953), in Heiligenstadt um 1980, heute Weihbischof von Erfurt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Wand: Die Kirche „St. Ägidien“ in Heiligenstadt als städtische Bürgerkirche. Studie zur 775-Jahrfeier der Neustädter Pfarrkirche. In: Eichsfeld-Jahrbuch 10 (2002), S. 39-60

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Aegidien-Kirche Heilbad Heiligenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel. Abgerufen am 12. Dezember 2014.

Koordinaten: 51° 22′ 36″ N, 10° 8′ 11″ O