St. Albanus und Leonhardus (Manheim)

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St. Albanus und Leonhardus in Manheim (2009)
Innenraum (2016)

St. Albanus und Leonhardus ist eine ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche im Kerpener Stadtteil Manheim im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde im Mai 2019 profaniert.

Das Kirchenbauwerk ist unter Nr. 57 in die Denkmalliste der Kolpingstadt Kerpen eingetragen (siehe Liste der Baudenkmäler in Manheim) und gehörte zur Pfarre St. Martinus Kerpen. Das Gotteshaus war dem hl. Alban von Mainz und dem hl. Leonhard von Limoges geweiht.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchengebäude befindet sich im südlichen Ortskern von Manheim und damit im Abbaugebiet des Tagebaus Hambach, welches 2022 endgültig abgebaggert werden soll. Das Gotteshaus steht auf leicht erhöhter Position und wird von einer Grünanlage umgeben, welche von einer Backsteinmauer eingefasst wird. Das Gebäude wird von drei Seiten von Straßen umfahren. An der Westseite verläuft die Buirer Straße, an der Südseite die Sankt-Albanus-Straße und an der Ostseite die Blatzheimer Straße (Kreisstraße 4).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kirche in Manheim wurde erstmals im Jahr 1356 erwähnt. Die Ursprünge dieser Kirche reichten bis in die Karolingerzeit zurück. Manheim besaß zunächst jedoch keine Pfarrrechte und war seit jeher eine Filialgemeinde der Pfarre Blatzheim. Erst im Jahr 1751 wurde Manheim endgültig von Blatzheim abgetrennt und zur eigenständigen Pfarrei im Dekanat Bergheim, Erzbistum Köln, erhoben. Im Zuge der Franzosenzeit und der damit verbundenen Umstrukturierung der kirchlichen Strukturen kam Manheim wie der gesamte linksrheinische Teil des Erzbistums an das neu gegründete Bistum Aachen. Nach Auflösung dieses Bistums 1825 kam Manheim wieder an das Erzbistum zurück.[1]

Zum 1. Januar 2013 wurde die Pfarrei St. Albanus und Leonhardus, Manheim, aufgelöst und der Pfarre St. Martinus in Kerpen zugeschlagen, da der Umsiedlungsort Manheim-neu auf dem Pfarrgebiet von Kerpen liegt. Seitdem war die Kirche keine Pfarrkirche mehr, sondern eine Filialkirche.

Während einer letzten heiligen Messe am 18. Mai 2019 wurde die Kirche offiziell entwidmet.[2][3]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptportal der Kirche

Die im Jahr 1356 erwähnte Kirche, die vermutlich im Baustil der Romanik errichtet worden war, wurde im 15. Jahrhundert mit einem neuen Chor im Baustil der Gotik versehen. Im 16. Jahrhundert ersetzte man das alte Kirchenschiff durch ein neues zweischiffiges Langhaus. Wenige Jahre später wurde das Kirchenschiff mit dem Bau eines nördlichen Seitenschiffes zu einer dreischiffigen Anlage ausgebaut. Außerdem wurden in allen Schiffen Gewölbe eingezogen. Der Bau eines Glockenturms erfolgte 1656. Somit war eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit eingezogenem Westturm und einem Chor im Osten entstanden. 1751 erfolgte die Erhebung zur Pfarrkirche.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die alte Manheimer Kirche baufällig und abgerissen.[4]

In den Jahren 1898 bis 1900 ist die heutige Manheimer Kirche nach den Plänen des Kölner Architekten Franz Statz im Stil der Neugotik auf dem Platz der alten Kirche durch den Bauunternehmer Jacob Schreiber aus Buir erbaut worden.[5]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Albanus und Leonhardus ist ein dreischiffiger Bau im Baustil der Neugotik aus Backsteinen mit einem vorgebauten und viergeschossigen Glockenturm im Westen, einem Pseudoquerschiff und einem zweijochigen und dreiseitig geschlossenen Chor im Osten. Der Innenraum wird von Kreuzgratgewölben überspannt, der Chor besitzt Kreuzrippengewölbe.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirche haben sich einige Ausstattungsstücke aus der Erbauungszeit erhalten. Dazu zählen der Herz-Mariä-Altar (linker Seitenaltar) und der Herz-Jesu-Altar (rechter Seitenaltar). Beide Altäre besitzen eine steinerne Mensa und hölzerne Altaraufsätze. Aus gleicher Zeit haben sich der hölzerne, neugotische Beichtstuhl, die Kirchenbänke, die Kreuzwegstationen und die bunt bemalten Heiligenfiguren erhalten. Im Chorraum befinden sich eine moderne Tabernakelsäule und ein steinerner Volksaltar, der dem Baustil der Kirche angepasst ist.

Die Fenster im Chor stellen die Sendung des Heiligen Geistes, die Himmelfahrt Christi und die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies dar. Diese drei Buntglasfenster sind Werke von Hermann Gottfried aus dem Jahr 1966. Hermann Gottfried entwarf ebenfalls vier Fenster in den Seitenschiffen.[6]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel ist ein Werk der Firma Orgelbau Romanus Seifert & Sohn, Kevelaer und besitzt 20 Register auf zwei Manuale und Pedal verteilt.

I Hauptwerk C–g3
Principal 8′
Lieblich Gedackt 8′
Metallflöte 4′
Nasard 223
Oktave 2′
Terzflöte 135
Mixtur IV
Schalmei 8′
II Nebenwerk C–g3
Offenflöte 8′
Salicional 8′
Principal 4′
Nachthorn 2′
Quinte 113
Krummhorn 8′
Tremolo
Pedal C–f1
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Gedacktbass 8′
Choralbass 4′
Quintade 2′
Schalmeibass 16′
  • Koppeln: II/I, II/I Sub, I/P, II/P
  • Spielhilfen: Auslöser, Handregistratur, Freie Kombination, Tutti, Absteller

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glockenturm

Im Glockenturm befinden sich drei Bronze-Glocken. Der Glockengießer Karl Otto von der Glockengießerei F. Otto aus Hemelingen schuf 1899 drei Glocken für Manheim. Alle drei Glocken wurden im Ersten Weltkrieg glücklicherweise nicht für Kriegszwecke eingeschmolzen und konnten im Turm verbleiben. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden sie nicht eingeschmolzen, jedoch zersprang die kleinste Glocke 1945 durch einen Brand. Bereits 1946 wurde Hans Hüesker, Inhaber der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher mit dem Neuguss dieser Glocke betraut.[7] Alle drei Glocken sollen auch wieder im Turm der neuen Albanus-und-Leonhardus-Kapelle in Manheim-neu aufgehängt werden.

Nr.
 
Name
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
Gießer
 
Gussjahr
 
1 - 1.195 1.050 f' +5 Karl Otto, Fa. F. Otto, Hemelingen 1899
2 - 1.070 900 g' −2 Karl Otto, Fa. F. Otto, Hemelingen 1899
3 Albanus u. Leonhardus 895 450 a' −2 Hans Hüesker, Fa. Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1946

Motiv: Pater noster

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis spätestens 2022 soll das nun profane Gebäude voraussichtlich abgerissen werden, da der gesamte Ort dem Braunkohlentagebau Hambach weichen muss. Im Jahr 2022 soll der Tagebau das Dorf erreichen. Im Umsiedlungsort Manheim-neu wird daher eine Kapelle mit 40 Sitzplätzen und angeschlossenem Gemeindezentrum als Ersatz entstehen. Mit dem Bau soll im Verlauf des Jahres 2019 begonnen werden.[8][9]

Die Kapelle in Manheim-neu soll nach einem Entwurf der Kölner Architekten Dirk Waldmann und Berthold Jungblut errichtet werden. Neben den drei Glocken sollen auch einige der Kirchenbänke, der Altar, der Taufstein und Teile der Buntglasfenster mit in den Neubau übernommen werden. Ob weitere Ausstattungsstücke ihren Platz in dem neuen Gotteshaus finden, ist noch nicht bekannt.[10] In die Außenmauer sollen außerdem Grabkreuze eingemauert werden, die momentan um die Kirche stehen.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wichtige Jahreszahlen. In: Manheim Online. Abgerufen am 3. Januar 2018.
  2. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/tagebau-hambach-kirche-entweihung-100.html
  3. domradio.de: Proteste bei Kirchenprofanierung in Kerpen-Manheim, 20. Mai 2019.
  4. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bergheim. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 4. Hrsg. Paul Clemen, Düsseldorf 1899, S. 124 f.
  5. Wichtige Jahreszahlen. In: Manheim Online. Abgerufen am 15. September 2016.
  6. Kerpen-Manheim, Kath. Kirche St. Albanus und Leonardus. In: Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. Abgerufen am 15. September 2016.
  7. Gerhard Hoffs: Glocken im Dekanat Kerpen, S. 52 ff.
  8. Rahmendaten Manheim, Stadt Kerpen (Rhein-Erft-Kreis). In: rwe.com. Abgerufen am 15. September 2016.
  9. Entweihung der Kirche in Manheim „Für Manheimer ist dies ein sehr schwerer Tag“. In: WerbePost. 14. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.
  10. Joachim Röhrig: Umsiedlung von Manheim - Ein Turm für die alten Glocken. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 15. April 2014, abgerufen am 15. September 2016.
  11. 73_GZM Gemeindezentrum mit Kapelle in Manheim-Neu. In: office03. Abgerufen am 15. September 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Albanus und Leonhardus (Manheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 52′ 51″ N, 6° 36′ 4,7″ O