St. Anna (Augsburg)

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St. Anna vom Martin-Luther-Platz aus
Grundriss der Kirche St. Anna

Die Kirche St. Anna in Augsburg, umgangssprachlich auch als Annakirche bezeichnet, ist ein historisches Kirchengebäude, das von Karmeliten im Jahr 1321 erbaut wurde. St. Anna vereinigt Baustile von der Gotik bis zum Klassizismus. Der Westchor der Kirche entspricht der Anfang des 16. Jahrhunderts angebauten Fuggerkapelle, in der sich auch die Hauptorgel für St. Anna befindet. Ein zunächst geplantes Gitter zur Trennung der zwei Gebäude wurde nie verwirklicht.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche befindet sich an der heutigen Annastraße. Die nach der Kirche benannte Straße (früher Annagasse) ist seit 1971 eine Fußgängerzone im Augsburger Zentrum und eine Haupteinkaufsstraße. Gegenüber der Kirche liegt der Martin-Luther-Platz, der bis 1933 Annaplatz hieß.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte und Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Anna und Goldschmiedekapelle auf einem Stich von Simon Grimm

Etwas abseits vom Augsburger Dom und der Basilika St. Ulrich und Afra, den beiden bedeutendsten Kirchenbauten der Stadt, errichteten im 14. Jahrhundert Ordensbrüder mit finanzieller Unterstützung Bischof Friedrichs I. und einer Bürgschaft der Langenmantel das Karmelitenkloster Augsburg mit der Klosterkirche. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche durch den Anbau einer Kapelle mit Wandmalereien erweitert. Durch einen Brand wurde 1460 das Kloster zerstört und zwischen 1461 und 1464 neu erbaut. Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche nochmals umgestaltet. Die Familie Fugger ließ sich 1518 eine Grabkapelle im Stil der Renaissance, in St. Anna errichten. Sie gilt als erster Bau dieser Art im heutigen Bayern.[2]

Die größte geschichtliche Bedeutung erlangte das Karmelitenkloster Augsburg, zu dem die Kirche St. Anna gehörte, als im Jahr 1518 Martin Luther dort nächtigte und sich vor Kardinal Thomas Cajetan weigerte, seine Thesen zu widerrufen. Nach dem Reichstag zu Augsburg musste Martin Luther vom 7. bis zum 20. Oktober 1518 in den Fuggerhäusern dem römischen Kardinal Cajetan zu seinen Thesen Rede und Antwort stehen. Augsburg galt damals als Hochburg der Katholiken. Der Papst verlangte von Luther über Cajetan den Widerruf seiner 95 Thesen. Luther übernachtete und wohnte während der Verhandlungszeit im Karmelitenkloster. Als er den Widerruf verweigert hatte, floh Luther bei Nacht, unter Mithilfe des Karmeliters und Bürgermeistersohnes Christoph Langenmantel vom Sparren aus Augsburg, um nicht von kaiserlichen Soldaten festgenommen zu werden.

Johannes Frosch, der Prior des Konvents, schloss sich der Reformation an, trat 1523 von seinem Amt zurück und heiratete 1525. Zu Weihnachten 1525 wurde in der Anna-Kirche die erste protestantische Liturgie gefeiert und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt. Mit der Einführung einer evangelischen Gottesdienstordnung unter dem Schutz des Stadtrats war die Reformation in Augsburg eingeführt. So wurde St. Anna als eine der ersten Kirchen in Augsburg evangelisch.[3]

1531 wurde in den Räumen des aufgelassenen Klosters das protestantische Gymnasium bei St. Anna gegründet. Das Karmelitenkloster selbst wurde 1534 aufgegeben. Der Kreuzgang des Klosters wurde in der Folgezeit zu einer beliebten Grablege für Augsburger Patrizier. In den Jahren 1562/1563 wurde am Annahof ein Gebäude für die Stadtbibliothek Augsburg erbaut.

Barockisierung und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Anna und Goldschmiedekapelle

Im Jahr 1607 errichtete der Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl den Kirchturm von St. Anna, und wenige Jahre später, 1613, ein eigenes Gebäude für das Gymnasium bei St. Anna. In den Jahren 1747/48 erfolgte eine Umgestaltung der bis dahin gotischen Mittel- und Seitenschiffe im Barockstil. Die Pläne stammten von Johann Andreas Scheidemann und die Stuckarbeiten von Franz Xaver Feichtmayr und Johann Michael Feichtmayr dem Jüngeren. Die Deckengemälde schuf Johann Georg Bergmüller.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche schwere Schäden. Nach der Kapitulation Augsburgs feierte die US-Armee mehrere Sieges- und Dankgottesdienste in der Kirche St. Anna.[4] Am 10. Juni 1945 wurden die Rückführung des sogenannten Fuggeraltares und die nötigen Steinmetzarbeiten abgeschlossen.[5]

Die Instandsetzungsarbeiten zogen sich bis in die 1970er Jahre hin. 1983 wurde in Nebenräumen der Kirche St. Anna das Museum Lutherstiege eröffnet, welches sich den Ereignissen widmet, die zur Reformation und damit zur Spaltung der abendländischen Kirche geführt haben.

Als durch die 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg der Tourismus in den 1980er Jahren einen starken Aufschwung nahm, gelangten etliche weniger besuchte Sehenswürdigkeiten, darunter auch die Kirche St. Anna, zu größerer Aufmerksamkeit. Auch wegen Luthers Übernachtungen ist dieses Gotteshaus nach dem Dom und St. Ulrich wohl die am meisten besuchte Kirche Augsburgs. Vielleicht weil sie nicht so groß und mächtig wirkt wie die bekannteren Kirchenbauten, ist sie bei Augsburgern und Touristen sehr beliebt.

Am 31. Oktober 1999 unterzeichneten in der Kirche St. Anna Vertreter der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirchen die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Dies gilt als eines der wichtigsten Ereignisse für die Ökumenische Bewegung. Nach einer längeren Schließungszeit wurde die Lutherstiege im Jahr 2012 wieder eröffnet. Eine umfassende Sanierung wurde 2016/17 abgeschlossen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kloster-Innenhof, das „Lutherhöfle“
Kreuzgang

Die Kirche ist dreischiffig, mit erhöhten Langhaus. Der polygonale Ostchor besitzt Strebepfeiler und ist von der Straße durch eine Umfassungsmauer getrennt. Am nördlichen Seitenschiff ist die Goldschmiedekapelle angebaut, die einen eigenen Glockenturm besitzt. Im Süden befindet sich die Heilig-Grab-Kapelle und eine Sakristei. Seit 1890 erfolgt der Zugang zur Kirche über den Annahof. Davor war er über den Leichhof. Vom ehemaligen Karmelitenkloster ist außer der Kirche auch noch der Kreuzgang und Nebenräume erhalten.

Der Innenhof zwischen der Fuggerstraße und Fußgängerzone, der so genannte Annahof, wurde in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, gleichzeitig aber modernisiert. Unter dem Platz existiert mittlerweile ein Parkhaus. Auf dem Platz, der an eine italienische Piazza erinnert, befindet sich ein Café. Umrahmt wird der Annahof vom Tagungsraum Augustanasaal, im Norden vom Hollbau und im Westen vom ehemaligen Neubau des Anna-Gymnasiums, in dem heute die Außenstelle des Oberlandesgerichtes München untergebracht ist. Beim Bau des Parkhauses stieß man auf die Grundmauern der alten Stadtbibliothek.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Langhaus mit seinen Deckenfresken
Augsburg St. Anna Ostchor Martin Luther u. Johann Friedrich I. (Sachsen).JPG
Neben dem Altar Porträts von Martin Luther (>1529) und Johann Friedrich I. (Sachsen) (1532). Beide von Lucas Cranach d. Ä.
St. Anna Augsburg Altar Ostchor.JPG
Neugotischer Schnitzaltar im Ostchor mit Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. „Christus segnet die Kinder“ (1534/40)
Mittelschiff mit Emporenbrüstung, Kanzel, Westchor, Orgel und Grabgelege der Fugger
Fugger Grabgelege

Das Langhaus ist durch Pilaster gegliedert und die Wände mit Stuck verziert. Die Deckenfresken im Langhaus-Gewölbe von Johann Georg Bergmüller zeigen u. a. die Bergpredigt, die Kreuzigung und das Jüngste Gericht. Der neugotische Altar im Ostchor fertigte 1898 der Kunstschreiner Wilhelm Vogt aus Memmingen. Das Tafelbild zeigt Jesus segnet die Kinder, von Lucas Cranach dem Älteren, von 1534/40. Eine hölzerne Kanzel von 1682/83 schuf Heinrich Eichler d. Ä. aus Liebstadt. Der Kanzel gegenüber an der Brüstung der Südempore befindet sich ein Bilderzyklus zur Passions- und Ostergeschichte von Johann Spillenberger und Isaak Fischer. An den Langhauswänden befinden sich Gemälde mit biblischen Motiven, unter anderem von Jörg Breu dem Älteren und Heinrich Eichler d. Ä.

Links vom Altar hängen im Ostchor der Kirche St. Anna die Porträts von Martin Luther und Johann Friedrich I. von Sachsen. Beide Gemälde sind aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren. Luthers Porträt soll an dessen Aufenthalt 1518 in Augsburg erinnern, als er vom päpstlichen Gesandten Cajetan gedrängt wurde, seine Thesen zu widerrufen. Kurfürst Johann Friedrich I., genannt der Großmütige, vertrat als Mitglied im Schmalkaldischen Bund die evangelische Sache. Beide Bilder hingen früher eine Zeit lang „über den Sitzen der Ratsherren“ in der Kirche.

Nach Abschluss der langen Renovierungsarbeiten wurde 2020 ein im Internet abrufbarer, virtueller Rundgang durch die Kirche erstellt.[6]

Fuggerkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob Fugger stiftete im Jahr 1509 – als die Kirche noch katholisch war – gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich Fugger und auch im Namen des 1506 verstorbenen Bruders Georg Fugger eine Gedächtnis- und Grablege-Kapelle, die Fuggerkapelle in St. Anna. Sie bildet den erhöhten westlichen Abschluss des verlängerten Mittelschiffs der Kirche.

Die bis 1512 erbaute, in den folgenden Jahren prachtvoll ausgestattete Fuggerkapelle wurde teilweise nach italienischem Vorbild geplant und ist damit einer der ersten Renaissance-Bauten in Deutschland. Vor allem venezianische, aber auch florentinische und römische Grabkapellen beeinflussten die Schöpfung eines unbekannten Künstlers sowie die an der Kapelle beteiligten Künstler. An ihrer Ausstattung waren bedeutende deutsche Meister beteiligt: Albrecht Dürer schuf die Epitaphe Ulrich und Georg Fuggers, Jörg Breu d. Ä. bemalte die Flügelbilder der großen und kleinen Orgel, Adolf Dauher und sein Sohn Hans Daucher gestalteten die zentrale Fronleichnamsgruppe sowie die sieben[7] Putti auf der Marmorbalustrade vor der Kapelle. Aus stilistischen Gründen wird auch die Mitarbeit von Hans Burgkmair d. Ä. und Hans Hieber (ca. 1480–1521/22) angenommen. Die Stiftung der Kapelle wurde 1521 offiziell niedergelegt und besteht bis heute.

Die Fuggerkapelle wurde wegen ihrer Pracht viel bewundert, aber ihr allzu prunkvoller Bau auch heftig kritisiert. Eine naheliegende Deutung des Projektes wäre die Funktion zur Jenseitssicherung der Fugger-Brüder in der mittelalterlichen Tradition. Die jüngere Forschung hat aber auch die abweichende These aufgestellt, dass Jakob Fugger mit dem Bau versuchte, seine Erhebung in den Adelsstand vorzubereiten. Zudem wollte sich Fugger mit diesem innovativen und einzigartigen Bauwerk von den Augsburger Patriziern und anderen reichen Familien in der Stadt absetzen. Darüber hinaus sollte die Kapelle den Namen der Fugger nach dem Vorbild italienischer Stifter verewigen („Memoria“). Hier ist zurzeit kein abschließendes Urteil möglich.[8] Jakob Fugger starb 1525 als der wohl reichste Unternehmer Europas und wurde in der Gruft unter dem Fußboden der Fuggerkapelle bestattet. Seine beiden Brüder Georg Fugger (1453–1506) und Ulrich Fugger der Ältere (1441–1510), sowie die beiden Neffen Raymund Fugger (1489–1535) und Hieronymus Fugger (1499–1538) fanden hier ebenfalls ihre letzte Ruhestätte.

Als die Kirche St. Anna im Jahr 1548 protestantisch wurde, blieb die Fuggerkapelle katholisch, weil die Stiftung der Fugger weiterhin für den Unterhalt der Kapelle sorgte. So entstand der bemerkenswerte Umstand, dass ein Teil der Kirche konfessionsverschieden vom Rest ist, und dass sich die Grablege der als streng katholisch geltenden Familie Fugger heute in einem evangelischen Gotteshaus befindet.

Fuggerputten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der marmornen Balustrade, welche die Fuggerkapelle von der Kirche trennt, saßen einst sechs Putten. Davon ging man jedenfalls immer aus. Die sechs kleinen Engelsfiguren aus Kalkstein wurden um 1530 vom Augsburger Bildhauer Hans Daucher geschaffen. Wahrscheinlich hatte Jakobs Neffe Raymund Fugger sie in Auftrag gegeben. 1817/1818 wurden die Putten entfernt. Sie verblieben in Fugger’schem Besitz. Ende des 19. Jahrhunderts wurden davon zwei Figuren veräußert. Im Zuge der Rekonstruktion der Kapellenausstattung, Anfang der 1920er-Jahre, fanden sich fünf der sechs Putten in der Region Augsburg an. Die sechste blieb verschollen. Um sie zu ersetzen ließ man eine Kopie anfertigen. Diese Attrappe wurde 2001 entwendet. Zum besseren Schutz brachte man die Putten als Leihgabe in das Maximilianmuseum, in der Kapelle wurden Kopien aufgestellt.

Das Auktionshaus Sotheby’s versteigerte im Mai 2019 in Paris, aus dem Nachlass von Arthur Freiherr von Schickler, einem preußischen Unternehmer und Bankier, zwei Putten, die sich rechtmäßig in seinem Besitz befanden. Der Schätzpreis betrug 800.000 bis 1.200.000 Euro, versteigert wurden sie für 1.950.000 Euro (inkl. Aufgeld 2.433.000 Euro). Die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Kulturstiftungen des Bundes, der Länder und die Stadt Augsburg ermöglichten den Kauf.

Die Wiederentdeckung von zwei Putten stellt jetzt die im 20. Jahrhundert vorgenommene Rekonstruktion in Frage. Der fünfte Putto mit fülligen Locken und Notenblatt stammt wohl aus einem anderen architektonischen Zusammenhang. Allen Putten sind Kugeln beigegeben. Sie sind das Attribut der Göttin Fama, in der römischen Mythologie die Gottheit des Ruhmes. Einige Putten haben Merkmale die sie als Wächter der Fugger Grablege auszeichnen.[9]

Heiliggrabkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heiliggrabkapelle, die ursprünglich nur von der Nordwestecke des Kreuzganges aus zugänglich war, wurde ab 1506 im Westen der Kirche angebaut. Stifter waren Jörg Regel und seine Frau Barbara geb. Lauginger. Das Ziborium wurde nach 1555 errichtet. Die heutige Form entstand nach einem Umbau durch den Baumeister Johann Holl um 1590.[10] Diese Kapelle wurde ab dem Jahr 1656 als Grabkapelle der Familie Österreicher benutzt. 1748 erfolgte eine Renovierung der Kapelle.

Goldschmiedekapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldschmiedekapelle mit Altar im Osten

1420 wurde nördlich parallel zum Ostchor eine Kapelle errichtet. Gestiftet wurde sie von Afra Hirn, deren Hochgrab für ihren Ehemann und sie im nördlichen Querarm des Domes zu finden ist. Frau Hirn war Mitglied einer vermögenden Kaufleutefamilie des frühen 15. Jahrhunderts. Ab 1496, nach einer Erweiterung der Kapelle zu einem Seitenschiff der Kirche, wurde diese als Andachtsstätte für die Augsburger Goldschmiedezunft benutzt und erhielt so den Namen Goldschmiedekapelle. Die Goldschmiedekapelle besitzt bedeutende gotische Deckenfresken und Wandmalereien, darunter ein Passionszyklus aus der Zeit um 1420. Weitere Fresken von 1485 zeigen das Jüngste Gericht sowie die Kreuzigung. Ein Grabmal der Patrizierfamilie Amann wurde im 18. Jahrhundert angebracht. Die Fresken wurden im 19. Jahrhundert ausgebessert.[11]

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Orgel im Fuggerchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fugger’sche Orgel im Westchor

1512 errichtete Jan Behaim aus Dobrau (bei Prachatice) eine Orgel mit einem siebenteiligen Renaissanceprospekt und mit einem Rückpositiv. Nach Reparaturen bzw. Umbauten und Erweiterungen durch Marx Günzer, Johann Baptist Cornthaler, Johann Andreas Stein und Joseph Anton Bohl wurde ein neues, dem Zeitgeschmack entsprechendes Orgelwerk in dem historischen Gehäuse durch die Orgelbaufirma Steinmeyer als Opus 740 errichtet. Das Instrument verfügte über 41 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal mit einer spätromantischen Disposition. Bei einem Bombenangriff am 25. Februar 1944 verbrannte die Orgel mitsamt dem historischen Gehäuse. Nur die vorher ausgelagerten Gehäusefügel (Türen) blieben verschont und sind so bis in unsere Zeit im Original erhalten.[12][13] Die Flügel wurden von Jörg Breu dem Älteren gemalt. Auf dem linken Flügel sind links unten die Gebrüder Fugger porträtiert.

Nach dem Wiederaufbau der Kirche wurde das Gehäuse und die Prospektpfeifen durch die Firma Moser aus München rekonstruiert. Die neue Orgel wurde 1977/78 von der Firma Simon (Landshut) gebaut und 1992 durch die Firma Schmid (Kaufbeuren) erweitert. Das Instrument verfügt über 45 Register verteilt auf drei Manuale und Pedal, sowie über mechanische Trakturen. Die Disposition lautet wie folgt:[14]

I Rückpositiv C–g3
1. Copel 8′
2. Prästant 4′
3. Rohrflöte 4′
4. Waldflöte 2′
5. Quinte 113
6. Octävlein 1′
7. Cymbel III 23
8. Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
9. Pommer 16′
10. Principal 8′
11. Spitzflöte 8′
12. Octave 4′
13. Gemshorn 4′
14. Octave 2′
15. Cornet IV 4′
16. Mixtur V 2′
17. Scharff III 1′
18. Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
19. Bourdon 16′
20. Principal 8′
21. Salicional 8′
22. Voix céleste 8′
23. Tibia 8′
24. Octave 4′
25. Flûte octaviante 4′
26. Nazard 223
27. Doublette 2′
28. Tierce 135
29. Septième 87
30. Plein jeu V 223
31. Basson 16′
32. Trompette harmonique 8′
33. Hautbois 8′
34. Clairon 4′
Tremulant
Pedal C–f1
35. Principalbaß 16′
36. Subbaß 16′
37. Quintbaß 1023
38. Octavbaß 8′
39. Gedecktbaß 8′
40. Großterz 625
41. Nachthorn 2′
42. Octave 4′
43. Mixtur IV 223
44. Posaune 16′
45. Trompete 8′
  • Koppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 8 Setzer à 8 Gruppen (A–H) = 64 Kombinationen, Sequenzer, Tutti

Lettnerorgel im Ostchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Westen auf Querempore
Blick von der mit Stühlen besetzten Querempore
Blick von Osten auf Querempore

Im Jahr 1817, zum 300-jährigen Jubiläum des Beginns der Reformation, wurde auf der Querempore (Lettner) ein „Orchester“ errichtet, womit dem Kontext zufolge eine Orgel ohne den Flügel gemeint ist. Als 1831 die Fugger’sche Orgel den Dienst versagte, kam diese für kurze Zeit zum Einsatz. Die kleine Orgel hinter dem Taufaltar, die bis dahin nur zu Beichten und Hochzeiten zum Einsatz kam, wurde auf die Querempore in der Mitte der Kirche gestellt.

Mutmaßlich ist diese Orgel identisch mit der Orgel, die früher in der Goldschmiedekapelle stand, innerhalb des 30-jährigen Krieges in St. Moritz verweilte, und vor 1876 in die „Kapelle des evangelischen Gottesackers“ gebracht wurde.

1833 wurde die größere (Fugger’sche) repariert, die Orgel von der Querempore wieder abgebaut und die Querempore mit Stühlen besetzt.[15]

Nach der Wiederherstellung des Ostchores baute die Firma Steinmeyer 1948 mit ihrem Opus 1770 mit elektro-pneumatischen Taschenladen wiederum eine neue Lettnerorgel ein. Das Hauptwerk wurde schwellbar ausgeführt, das sogenannte Rückpositiv bestand eigentlich aus zwei getrennten Positiven auf beiden Seiten des Lettners. Das Instrument verfügte über 29 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Instrument wurde 1974 abgebaut und größtenteils an die evangelische Bekenntniskirche in Gersthofen verkauft. Das nach Westen gerichtete Rückpositiv ist heute eine reine Attrappe, das Werk im Ostchor blieb erhalten und verfügt heute über folgende Disposition:[16]

Manual C–g3
1. Metallgedackt 8′
2. Nachthorn 4′
3. Sifflöte 1′
4. Rauschpfeife II 223
5. Rankett 16′

In der Kirche befinden sich noch im Hauptschiff ein Positiv, erbaut 1974 von der Firma Kubak und ein weiters Positiv in der Goldschmiedekapelle erbaut 1995 von derselben Firma mit jeweils vier Registern.

Evangelische Theologen an St. Anna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Lutherstiege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1983 ist im 1. Obergeschoss der Hauptkirche das kleine Museum Lutherstiege eingerichtet. Es wird über das Leben und Wirken von Martin Luther informiert.[19] Luther hat sich vom 7. bis 20. Oktober 1518 in Augsburg aufgehalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Maria Halm: Adolf Daucher und die Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg (= Studien zur Fuggergeschichte. H. 6). Duncker & Humblot, München u. a. 1921. (Vorschau)
  • Julius Hans: Geschichte der St. Anna-Kirche in Augsburg. Augsburg 1876. (Online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Anna (Augsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Schaller: Augsburg und die Authentizität des städtischen Kulturerbes: Erinnerungsorte zwischen historischen und identitätspolitischen Wertigkeiten. PubliQation, 2021, ISBN 978-3-7458-7046-6, S. 71 f. (google.de [abgerufen am 17. Mai 2022]).
  2. Andrea Wenzel: St. Anna - eine Kirche voller Rätsel. Abgerufen am 20. April 2019.
  3. Alois Knoller: In St. Anna wehte schon der neue Geist. Abgerufen am 20. April 2019.
  4. Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 31ff.
  5. Stadtarchiv Augsburg (Hrsg.): Trümmer, Jeeps und leere Mägen. Wißner-Verlag, Augsburg, 1995, ISBN 3-928898-81-7, Seite 37.
  6. Virtuelle Tour. In: st-anna-augsburg.de. Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Anna, abgerufen am 10. Oktober 2021.
  7. "Beate Bastian": "Verschollene Renaissance-Putti aus Augsburg in Paris ersteigert". 18. Mai 2019, abgerufen am 3. Juni 2019.
  8. Benjamin Scheller: Memoria an der Zeitenwende. Die Stiftungen Jakob Fuggers des Reichen vor und während der Reformation (ca. 1505–1555), Berlin 2004
  9. Weltkunst: Fuggerputten
  10. siehe Jan Pieper, Anke Naujokat, Anke Kappler: Jerusalemskirchen Mittelalterliche Kleinarchitekturen nach dem Modell des Heiligen Grabes. Aachen 2012, ISBN 978-3-943164-01-5, S. 48.
  11. Alois Knoller: Das Schmuckkästchen von St. Anna. Abgerufen am 20. April 2019.
  12. Georg Brenninger: Orgeln in Schwaben. GeraNova Bruckmann, München 1986, ISBN 3-7654-2001-8, S. 173
  13. Geschichte der Orgeln auf annamusik.de, abgerufen am 18. Mai 2017
  14. Disposition der Orgel auf orgelsite.nl, abgerufen am 18. Mai 2017
  15. Julius Hans: Geschichte der St. Anna-Kirche in Augsburg. Schlosser, 1876, S. 9–11 (google.de [abgerufen am 18. Mai 2022]).
  16. Disposition der Orgel auf orgelsite.nl, abgerufen am 18. Mai 2022
  17. Friedrich Wilhelm Graf: Nachgelassene frühe Texte. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-076420-8, S. 60, 62 (google.de [abgerufen am 21. Mai 2022]).
  18. Mensing, Björn: Pfarrer und Nationalsozialismus. Geschichte einer Verstrickung am Beispiel der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (= AKIZ.B 26). Göttingen 1998. S. 39f. und 265f.
  19. https://www.st-anna-augsburg.de/ueber-die-kirche-st-anna/das-museum-lutherstiege-bewegte-zeiten-bewegte-bilder-und-bewegende

Koordinaten: 48° 22′ 4″ N, 10° 53′ 43″ O