St. Annen und Brigitten (Stralsund)

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St. Annen und Brigitten ist der Name einer Kapelle in der norddeutschen Hansestadt Stralsund.

Kapelle St. Annen und Brigitten

Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Kapelle St. Annen und Brigitten befindet sich auf einem Hof in der Schillstraße 5–7. Sie wurde durch den Bürgermeister Otto Voge gestiftet und am 13. Mai 1470 durch den Schweriner Bischof Werner geweiht.[1] 1508 krönte der Schweriner Bischof Peter Wolkow im Brigittenkloster Marienkrone 14 jungkfrowen vnd 12 presters vnd broders in einer feierlichen Zeremonie, die dem Brigittenorden eigen war. Bei den Ordensfrauen im Doppelkloster gehörte eine Krone zur Ordenstracht. Die genannten 12 Priester und Brüder dürften wohl zur feierlichen Profeß-Ablegung der Ordensgelübde zugelassen worden sein.[2]

Bis zur Reformation wurde die Kapelle von den Mönchen und Nonnen des direkt an der Straße gelegenen Klosters genutzt.

Von 1948 bis 1988 wurde die Kapelle von der neuapostolischen Gemeinde Stralsunds genutzt.

In den Jahren 2003 bis 2004 und 2005 bis 2008 wurde der Gebäudekomplex in mehreren Abschnitten umfassend saniert er beherbergt einen Teil der Stadtverwaltung. Die Kapelle wird als Veranstaltungsraum genutzt und kann besichtigt werden.

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von der heiligen Brigitta gestiftete Erlöserorden gründete durch das Lübeck nahestehende Mutterkloster Marienwohlde auf einem Gelände in der heutigen Mariakronstraße (die Straße wurde nach dem Kloster benannt) um 1420 ein Doppelkloster für Nonnen und Mönche. Der Rat der Stadt Stralsund stellte dafür die Kapelle St. Marien Magdalenen und einen Mariakronfriedhof bereit. Im Juli 1421 zogen die Nonnen und Mönche in das Kloster Mariakron ein. 1465 mahnte Bischof Werner Wolmers ausstehende Zahlungen des Rates von Wismar für das Brigittenkloster in Stralsund unter Prozessandrohung an.[3]

Aktentitel des Klosters über einen Aufstand der Landbevölkerung auf Rügen

Beim Visitations- und Jurisdiktionsstreit mit dem Brigittenkloster hatte 1513 der Schweriner Bischof Peter Wolkow mit harten Strafmaßnahmen versucht, sein vermeintliches Recht zu behaupten. Hier konnte erst durch päpstliches Eingreifen aus Rom die Angelegenheit bereinigt werden.[4]

Beim Stralsunder Kirchenbrechen 1525 wurden die Klostergebäude und die 1446 errichtete Kapelle zerstört. Der Bürgermeister Bartholomäus Sastrow berichtet in seinen 70 Jahre später geschriebenen autobiographischen Aufzeichnungen, man habe in Zerbrechung des Closters in den heimlichen Gemechern, auch sonst, Kinderkopffe, auch woll gantze Corperlein vorsteckt vnnd vorgraben befunden.[5]

Die Ordensfrauen zogen in das von den Dominikanern verlassene Katharinenkloster ein. Die Besitzungen des Klosters wurden um 1560 mit den Beginen von St.-Annen zu einem Konvent vereinigt. Bis kurz vor dieser Zusammenlegung haben sie am alten Glauben festgehalten und ihn dann nur widerwillig abgelegt.[6]

Marienkrone lag seit 1525 in Trümmern. 1554 fanden die Steine des Bauwerks Verwendung zum Ausbau der Festungsanlagen der Stadt. 1616 ist das letzte verfallene Gebäude abgebrochen worden.

Bei Ausgrabungen im Jahr 1956 wurden Fundamentreste der Kapelle entdeckt. Der alte Friedhof ist noch auf einem im Stadtarchiv Stralsund aufbewahrten Festungsplan der Stadt Stralsund von 1733 (Signatur EI 12) eingezeichnet.

In den Folgejahren wurden die Gebäude als Fachwerkhäuser neu errichtet und dienten über mehrere Jahrhunderte zu Wohnzwecken. Um 1700 waren die ehemaligen Klostergebäude ein Damenstift für unverheiratete Frauen aus angesehenen und wohlhabenden Familien.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umgangssprachlich wird der aus insgesamt fünf Gebäuden bestehende Komplex auch „Kloster St. Annen und Brigitten“ genannt, obwohl die ursprünglichen Klostergebäude schon seit Jahrhunderten nicht mehr existieren und die Kapelle nie als Kloster im engeren Sinne gedient hatte[7].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern I./II. 1924/1925 S. 735.
  2. Dietrich Schröder: Papistisches Mecklenburg 1742, S. 2787.
  3. Landeshauptarchiv Schwerin LHAS Regesten II. Clandrian 1465.
  4. Josef Traeger: Die Bischöfe des mittelalterlichen Bistums Schwerin, 1984 S. 171.
  5. Nach der von Gottlieb Mohnike bearbeiteten Ausgabe von 1823, S. 52. Der Quellenwert dieser immer wieder als antikatholische Polemik aufgegriffenen Geschichte ist kritisch zu sehen.
  6. Ursula Creutz: Bibliographie der ehemaligen Klöster und Stifte im Bereich des Bistums Berlin, des Bischöflichen Amtes Schwerin und angrenzende Gebiete. 1988, S. 207–209.
  7. Herbert Ewe: Stralsund, Hinstorff-Verlag, Rostock 1977, Seite 119

Koordinaten: 54° 18′ 49″ N, 13° 4′ 39″ O