St. Blasius (Hannoversch Münden)

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St. Blasius Kirche
Blick auf den Altar

Die evangelisch-lutherische St. Blasius Kirche ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Hann. Münden, einer Stadt im Landkreis Göttingen (Niedersachsen). Die dreischiffige, gotische Hallenkirche steht inmitten der Altstadt, umgeben von historischen Häusern.[1]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabungen in den Jahren 1972 bis 1973 belegen drei Vorgängerkirchen. Um 1000 stand hier eine Kapelle auf einem fast quadratischen Grundriss, sie wurde um 1150 mit einem romanischen Bau nach Westen erweitert. Von 1180 bis 1190 wurde eine Erweiterung zur romanischen Basilika vorgenommen, diese brannte später ab.

Auf den Grundmauern der romanischen Kirche wurde in drei Bauabschnitten das heutige Gebäude errichtet. In der Zeit von 1260 bis 1280 errichtete man das erste Joch und den Chor, eine Trennwand diente als vorläufiger Abschluss nach Westen. Nach einer links neben dem Südportal befindlichen Inschrift erfolgte die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes von 1487 bis 1519 mit dem Anbau einer Sakristei und dem Unterbau des Turmes. In dieser Zeit wurde auch das Schiff vollendet.

Über dem Aufgang des Turmes ist die Jahreszahl 1488 erhalten. Der Turm wurde im dritten Bauabschnitt von 1535 bis 1584 vollendet. Er ist achteckig, 58 Meter hoch, in das Gebäude einbezogen und mit einer Welschen Haube bekrönt. Das Satteldach überragt er nur wenig. Von 1584 bis 1929 wachten Türmer von hier aus über die Stadt.

Die 46 Meter lange und 23 Meter breite Kirche ist seit 1540 evangelisch. Etwa 900 Personen finden hier Platz. Die Emporen und neues Gestühl wurden ab 1704 eingebaut. Beim Hochwasser im Jahr 1799 brachen etliche der Grüfte ein, worauf der Einbau eines Fußbodens aus Dielen erfolgte. Von 1881 bis 1897 fanden umfangreichende Sanierungsmaßnahmen statt; die mittelalterlichen Fenster wurden ersetzt und der Fußboden erneuert. Im neuen Anbau an der Nordseite des Chores wurde eine Heizung eingebaut. Die Empore an der Südseite wurde 1939 abgebrochen. Seit dem Abbruch der nördlichen Empore im Jahr 1958 hat das Gebäude wieder den Charakter einer gotischen Hallenkirche. Bei den Umbaumaßnahmen von 1972 bis 1976 wurde durch die Aufgabe des Mittelganges eine neue Raumkonzeption geschaffen, der Altar kam in die Mitte, die Kirchenbänke wurden abgebaut und durch bewegliches Gestühl ersetzt. Das Taufbecken kam in die nördliche Seitenkapelle. Die neuen Fenster gestaltete Gerhard Hausmann aus Hamburg, Eine Mahnkapelle und eine Taufkapelle fanden ihren Platz.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fresko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert schmückten etliche Fresken gleichsam als biblia pauperum den Innenraum, von denen nur eines erhalten ist. Auf dem Gurtbogen, zwischen den beiden Pfeilern des Turmes stellt es die Anna selbdritt dar. Es wurde in den 1980er Jahren aufgedeckt, dazu wurden jahrhundertealte Farbschichten entfernt. Der Erhaltungszustand wird als gut bezeichnet, die Finanzierung erfolgte über das Landeskultusministerium.

Maria und ihre Mutter sitzen die Gesichter einander zugewandt auf einer gotischen Truhenbank. Maria trägt die langen Haare offen, sie ist bekrönt und als Himmelskönigin dargestellt. Ihr Gewand ist blau. Die Mutter Anna trägt eine Haube und die Kleidung einer Bürgerfrau des 16. Jahrhunderts. Das unbekleidete Jesuskind steht auf dem Schoß der Anna. Seine Mutter hält ihm einen Apfel hin, nach dem es greift. Die drei Figuren tragen einen Heiligenschein. Um die Farben zu schützen, wird das Bild nicht angestrahlt.[2]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die Orgel der St.-Blasius-Kirche wurde 1977 von Orgelbaumeister Johannes Klais aus Bonn als Opus 1519 hinter dem historischen Gehäuse gefertigt. Sie besitzt 40 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Das Instrument verfügt über 2806 Pfeifen, davon 300 aus Holz und 2506 aus Zinn, sowie 39 Glocken. Die Disposition lautet wie folgt:[3]

I Rückpositiv C–g3
Rohrflöte 8′
Quintade 8′
Principal 4′
Blockflöte 4′
Octave 2′
Larigot 113
Sesquialter II 223
Scharff IV 1′
Dulcian 16′
Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Bordun 16′
Principal 8′
Bifaria (ab gis) 8′
Holzflöte 8′
Octave 4′
Nachthorn 4′
Quinte 223
Superoctave 2′
Mixtur V 2′
Cornett V (ab e) 8′
Trompete 8′
III Brustpositiv C–g3
(schwellbar)
Holzgedackt 8′
Gamba 8′
Praestant 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 223
Principal 2′
Waldflöte 2′
Terz 135
Sifflet 1′
Cymbel 12
Vox Humana 8′
Glocken (c0–d3)
Tremulant
Pedal C–f1
Principalbass 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Octavbass 4′
Rauschpfeife IV 223
Posaune 16′
Holztrompete 8′
Schalmey 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: vierfacher mechanischer Setzer, seit 2010 elektrische Setzeranlage mit 3000 Kombinationen

Gedenktafel für Antonius Corvinus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An einem Strebepfeiler des Chores hängt eine Erinnerungstafel an den Reformator Antonius Corvinus erhalten. Sie wurde 1901 anlässlich des 400. Geburtstages des Corvinius aufgehängt, die Inschrift lautet: der Herzogin Elisabeth zu Münden und ihrem treuen Berater Antonius Corvinus, dem Reformator Südhannovers zu Gedächtnis gewidmet. Die Herzogin Elisabeth I. ernannte Corvinius 1542 zum Landessuperintendenten, er predigte auch in St. Blasius.[4]

Sonstige Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Taufbecken
  • Der neue Altar aus Bronze wurde in den 1970er Jahren angeschafft, er steht im Zentrum der Kirche, in der Nähe der Kanzel.
  • Die Mensa des Altares stammt aus der Zeit des ersten Bauabschnittes von 1260 bis 1280.
  • Auch das Taufbecken ist eine Arbeit aus dieser Zeit es wurde 1392 von Nikolaus Stettin angefertigt.
  • Christoph Weiß baute 1645 eine Orgel ein, hinter dem alten Prospekt baute die Firma Klais in den 1970er Jahren eine neue Orgel auf.
  • Der Bildschnitzer Johann Andreas Gräber aus Heiligenstadt baute eine barocke Altarwand, die den bisherigen Flügelaltar ersetzte
  • Der Schalldeckel der Kanzel wurde 1939 abgenommen
  • Das Grabmal für Wilhelm den Jüngeren ist ein beachtliches Monument, es wurde noch zu Lebzeiten des Herzogs angefertigt.[5] Die Tumba wurde in den 1970er Jahren aus der Mittelachse entfernt und in der südlichen Seitenkapelle aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Reuther St. Blasius, Hann. Münden Deutscher Kunstverlag 1970

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St.-Blasius-Kirche (Hann. Münden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gotische Hallenkirche
  2. Fresko
  3. Orgel in Hannoversch Münden, St. Blasius, gesehen 12. August 2013.
  4. Tafel für Corvinius
  5. Grabmal

Koordinaten: 51° 25′ 0″ N, 9° 39′ 4″ O