St. Dionysius (Rheine)

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Die Stadtkirche vom historischen Marktplatz aus gesehen
Grundriss vor 1885

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Dionysius in Rheine, hier auch einfach Stadtkirche genannt, ist eine spätgotische Hallenkirche aus der Zeit von etwa 1400 bis 1520.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche hatte Vorgängerbauten, von denen keine Reste erhalten sind. Der Zeitraum des frühesten Kirchbaus an dieser Stelle ist unsicher und kann nur grob aus einer vom 7. Juni 838 datierten Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen abgeleitet werden, in der er neben anderen königlichen Gütern auch das Gut Reni samt zugehöriger Kirche dem Reichsstift Herford überschrieb.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt unmittelbar an der Nordseite des Rheinenser Marktplatzes. Sowohl Nachfolge- als auch Vorgängerbau wurden auf einem sich hoch über die Ems erhebenden Geländesporn errichtet. Um diese Kirchen entwickelten sich in Folge zunächst eine dörfliche Siedlung, später die Stadt Rheine.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patron der Stadtkirche ist der Hl. Dionysius. Dieser wirkte um das Jahr 250 als Missionar in Gallien, war erster Bischof von Paris, wurde zu einem Märtyrer und später neben dem heiligen Martin von Tours zum fränkischen Nationalheiligen.

Insbesondere als Patron für Kirchen auf fränkischen Königsgütern wie der Villa Reni ist Dionysius häufig anzutreffen. Dessen Patrozinium weist zudem häufig auf eine sehr frühe Kirchengründung hin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südportal – „Brautportal“
Sonnenuhr am Strebpfeiler
Nordportal
älterer Bauabschnitt hinten
neuerer Bauabschnitt vorne
Westportal der Stadtkirche
Reste der Stadtmauer

Bauzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeiten an der spätgotischen Hallenkirche wurden etwa um das Jahr 1400 begonnen, dauerten rund 120 Jahre und wurden spätestens im Jahre 1520 mit der Vollendung des Turmes abgeschlossen. Eine der im Jahre 1520 gegossenen und im gleichen Jahr bei ihrer Aufhängung im Turm geweihten Glocken trägt den Namen des Patrons der Pfarre. Ein Teil der Inschrift auf dieser Dionysiusglocke lautet „Dionysius schützt und vertreibt Unheilsblitze“.

Die lange Bauzeit erklärt sich zum einen aus bautechnischen Erschwernissen. So durfte der neue Kirchenbau die alte Kirche nur nach und nach in mehreren Bauabschnitten ersetzen. Das war nötig, da der Gemeinde natürlich während der gesamten Bauzeit weiterhin ein „funktionierendes“ Gotteshaus zur Verfügung stehen musste. Ein zweites Problem waren für die zu dieser Zeit kaum 2.000 Seelen im Einzugsgebiet der Pfarrei die hohen Kosten des Kirchbaus. Die Summe für einen kompletten Neubau in einem Zuge wäre niemals aufzubringen gewesen; auch aus diesem Grund musste der Bau über viele Jahrzehnte in mehrere in sich geschlossene Bauabschnitte aufgeteilt werden. Mehrfach ruhten die Arbeiten wegen leerer Kirchen- und Stadtkasse über Jahre, und Kirchbaukollekten in der Stadt und Region Rheine, aber auch weit darüber hinaus wurden für die Wiederaufnahme der Arbeiten gehalten. So gewährte der Bischof von Münster der Stadt Rheine eine zweijährige Kollekte zur Finanzierung des Weiterbaus. Die Spender erhielten als Gegenleistung u. a. einen vierzigtägigen Ablass.

An der gesamten Stadtkirche sind die einzelnen Bauabschnitte an unterschiedlichen Steingrößen, unterschiedlichem Material, zum Teil unterschiedlichen Baustilen und ungewöhnlichen Aufmaßen deutlich abzulesen.

Bauabschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Stadtkirche St. Dionysius ersetzte einen älteren Vorgängerbau gleichen Namens, der nach hergebrachter Lehrmeinung aus Holz bestand. Lokale Historiker postulieren neuerdings auch schon vor 1400 einen Vorgängerbau aus Stein, was historisch allerdings unbelegt ist, da sich die Baugeschichte der Kirche vor 1424 mangels schriftlicher Quellen und Aufzeichnungen nicht sicher rekonstruieren lässt. Ein Indiz dafür, dass sogar schon vor dem Jahr 838 eine aus Stein gebaute Kirche bestand, findet der lokale Historiker Heinrich Krefeld in der Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen, in der die Kirche dem Kloster Herford überschrieben wird. Über die Kirche heißt es im lateinischen Originaltext „ecclesiam inibi constructam“, die „ebendort erbaute Kirche“. Unter constructam verstand man zur Zeit Ludwigs des Frommen aber immer eine aus Stein errichtete Kirche. Beschrieb man ein Holzbauwerk, verwendete man statt constructam stets das Wort fabricatam, wie aus anderen Urkunden des 9. Jahrhunderts gesichert abzuleiten ist.

Die Bauarbeiten begannen um 1400. Erster Abschnitt war der Bau des nördlichen Seitenschiffes, der im Jahre 1424 mit der Weihe des Altares abgeschlossen wurde. Im Anschluss wurde der Chor gebaut. Die Weihe des Hochaltars der Kirche am 7. Juni 1450 belegt die Fertigstellung von Mittelschiff, Chor und Apsis. Der Bau des südlichen Seitenschiffes wurde 1464 begonnen und mit der Weihe des Altars im Jahre 1484 beendet. 1494 begannen die Arbeiten am Kirchturm, die mit der Glockenweihe im Jahr 1520 abgeschlossen wurden.

Kirchburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn der Stadtbefestigung Rheines um das Jahr 1320 wurde auch der Kirchhof mit einer Mauer umgeben und bildete die sogenannte Kirchburg. Ein kleiner Teil dieser Mauer ist noch heute zu sehen und bildet den letzten Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klais-Orgel im südlichen Seitenschiff

Die Orgel der Stadtkirche Sankt Dionysius wurde 1975 von der Orgelbauwerkstatt Johannes Klais (Bonn) mit 47 Registern auf drei Manualen und Pedal erbaut. Das Instrument fand im südlichen Seitenschiff Aufstellung. Im Zuge einer umfassenden Renovierung wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) teilweise neu intoniert und um zwei Suboktavkoppeln und das Register Trompette harmonique erweitert. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1]

I Positiv C–g3
1. Quintade 8′
2. Rohrflöte 8′
3. Praestant 4′
4. Blockflöte 4′
5. Nasard 223
6. Prinzipal 2′
7. Hohlflöte 2′
8. Terz 135
9. Sifflet 1′
10. Benedicta II-III
11. Rankett 16′
12. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
13. Rohrgedackt 16′
14. Prinzipal 8′
15. Spitzflöte 8′
16. Oktave 4′
17. Traversflöte 4′
18. Quinte 223
19. Superoktave 2′
20. Mixtur IV
21. Cymbel III
22. Cornet V 8′
23. Trompete 8′
Trompeteria
24. Trompeta magna 16′
25. Trompeta de batalla 8′
III Schwellwerk C–g3
26. Bordun 8′
27. Gamba 8′
28. Schwebung 8′
29. Prinzipal 4′
30. Flute octaviante 4′
31. Waldflöte 2′
32. Terz 135
33. None 89
34. Scharff V
35. Trompette harm. 8′
36. Hautbois 8′
37. Clairon harm. 4′
Tremulant
Pedal C–f1
38. Subbass 16′
39. Prinzipal 16′
40. Quinte 1023
41. Oktave 8′
42. Spielflöte 8′
43. Holzoktave 4′
44. Hintersatz IV
45. Posaune 16′
46. Trompete 8′
47. Schalmey 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: II/II, III/III
  • Spielhilfen: Elektronische Setzeranlage (7500 Speicherplätze)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Dionysius (Rheine) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dionysius-rheine.de Die Orgel der katholischen Stadtpfarrkirche Sankt Dionysius, Rheine (Memento vom 2. August 2012 im Internet Archive)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Führer: „Geschichte der Stadt Rheine“
  • Schriften: „Rheine, gestern, heute, morgen“ (bd. vergriffen)
  • Chronik der Stadt Rheine v. Gießmann und Kurz

Koordinaten: 52° 16′ 45,9″ N, 7° 26′ 17,4″ O