St. Emmeram (Regensburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingang zur Kirche St. Emmeram und Glockenturm

Die um 780 begonnene Kirche St. Emmeram war die Hauptkirche des Klosters Sankt Emmeram, das 1731 zur Fürstabtei erhoben wurde. Nach der Säkularisation wurde die Abteikirche zur Pfarrkirche der Stadt Regensburg und durch Papst Paul VI. am 5. März 1964 mit dem Apostolischen Schreiben Terra sacra zur Basilica minor erhoben.[1]

Gebäude und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss der Kirche im Zustand von etwa 1050

Der glaubhaften Überlieferung nach wurde der Heilige Emmeram gegen 690 in einer Georgskirche an Stelle der späteren Klosterkirche beigesetzt. Sein erstes Grab befand sich vor der südlichen Apsis der heutigen Kirche. Die genaue Lage und Gestalt dieser Georgskirche ist noch nicht bekannt.

Der Kern des heutigen Baus wurde gegen 780 unter Abtbischof Sintpert (768–791) errichtet. Es handelte sich um eine flachgedeckte Kirche mit mindestens einer Apsis im Osten, die von einer außenliegenden, gewölbten und noch erhaltenen Ringkrypta umgeben war. Eine Konfessio gewährte den Blick aus der Ringkrypta auf das neu geschaffene Grab des Emmeram unter dem Hauptaltar. In der Krypta sind Wandmalereien der Erbauungszeit erhalten. Ob diese karolingische Kirche schon drei Schiffe bessen hat wie heute und wie weit sie nach Westen reichte, ist nicht ganz klar. Es fehlen flächendeckende Ausgrabungen im Innenraum der Kirche.

Gesichert ist der Anbau einer rechteckigen weiteren Außenkrypta im Osten unter Abt Ramwold um 980. Sie war über zwei Stützen gewölbt, wurde aber in der Barockzeit umgebaut. Hier wurde der Abt im Jahr 1000/1001 in einem Anbau auf der Südseite bestattet. Es gibt Hinweise, dass erst damals die Kirche zu einer dreischiffigen Basilika umgebaut worden war, von der Teile der Mittelschiffspfeiler und der Obergadenwand im Ostteil noch erhalten sind.[2]

Um 1050 entstand ein geräumiges Westquerhaus mit Hallenkrypta, um die Gebeine der Heiligen Dionysius und Wolfgang von Regensburg aufzunehmen. Die damals entstandenen drei mittelalterlichen Steinreliefs am Nordportal, die frühesten ihrer Art in Deutschland (um 1052), stellen Jesus Christus, den heiligen Emmeram von Regensburg und St. Dionysius dar.

Verschiedene Brände erforderten Erneuerungen, wovon jene nach einem Brand von 1166 das Langhaus tiefgreifend veränderte. Es entstand eine flachgedeckte Basilika mit reich gegliederten Mittelschiffswänden.

Von 1731 bis 1733 erfolgte die Neuausgestaltung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam im Stil des Barocks, wobei die Raumverhältnisse des 12. Jahrhunderts weitgehend beibehalten wurden.

St. Emmeram als letzte Ruhestätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirche St. Emmeran und in dem nördlich benachbarten Vorgarten, der auch zur unmittelbar angrenzenden Pfarrkirche St. Rupert gehört, sind 83 Grabdenkmälern beschrieben; hinzu kommen noch 14 Grabdenkmäler in der Pfarrkirche.[3] 35 der 83 finden sich heute im Vorgarten, stammen aber von ehemaligen Grabstätten auf dem nach 1806 aufgelassenen östlich benachbarten Rupertifriedhof. Sie gehören meist zu Personen aus dem Umfeld des Hofes der Fürsten von Thurn und Taxis. Die restlichen 48 der 83 Grabdenkmäler finden sich in der Kirche St. Emmeran, teilweise mit den zugehörigen Grabstätten. Von diesen Grabdenkmälern sind einige besonders erwähnenswert, die folgend in nicht systematischer Reihenfolge genannt werden.

Unter dem Dionysiuschor im Westen liegt die Wolfgangs-Krypta, die letzte Ruhestätte Bischof Wolfgangs. Der Wolfgangsschrein selbst ist in einer beleuchtbaren Nische unter dem Altar. Neben dem Dionysiusaltar im nördlichen Seitenschiff ist das Grabmal der seligen Königin Hemma († 876), Ehefrau Ludwigs des Deutschen, in die Wand eingefügt.

In Sankt Emmeram wurden ferner beigesetzt: der heilige Emmeram, der selige Abt Ramwold, die heilige Klausnerin Aurelia, die seligen Bischöfe Wolflek, Gaubald und Tuto, der ostfränkische König und römische Kaiser Arnulf von Kärnten und sein Sohn König Ludwig das Kind, der bayerische Herzog Arnulf der Böse sowie der bayerische Geschichtsschreiber Johannes Aventinus. Außerdem befinden sich dort in gläsernen Schreinen die Gebeine der Katakombenheiligen St. Maximianus und St. Calcidonius.

Das eindrucksvollste und größte Grabmonument von St. Emmeran steht im westlichen Querhaus beim Südausgang der Wolfgangskrypta. Das 5 m hohe Epitaph wurde 1777 errichtet für den 1773 verstorbenen und in der Wolfgangskrypta bestatteten Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis, Prinzipalkommissar am Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Die Inschrifttafel aus schwarzem Marmor wird flankiert von symbolischen Frauenfiguren der Gerechtigkeit und Klugheit; oben unter einem Baldachin steht die Frauenfigur der Kirche mit Kreuz, Kelch und Hostie.

Neben dem großen Thurn-Taxis-Epitaph steht an der Südwand das Grabdenkmal des preußischen Gesandten am Immerwährenden Reichstag Ernst Reichsgraf von Metternich. Der calvinistische Gesandte war am Tag vor seinem Tod (27. Dezember 1727) katholisch geworden. Seine Leiche wurde in St. Emmeran aufgebahrt und anschließend mit Pomp und 3-tägigem Glockenläuten bestattet. Die Konversion des Gesandten hatte über die Stadt Regensburg hinaus Aufsehen erregt, denn das Epitaph und die Inschrift provozierten die protestantischen Gesandten am Reichstag und die Bevölkerung. Die Frauenfigur oben auf dem Epitaph symbolisiert die Heilige katholische Kirche, zu der Graf Metternich, endlich wieder aufgetaucht aus den Fluten seiner calvinistischen Religion, zurückgekehrt war. In der Inschrift werden alle Besucher aufgefordert, ihm nachzueifern und ebenfalls zu konvertieren. Hinter der Konversion des Gesandten verbergen sich aber weltliche Motive und eine dramatische Familiengeschichte, denn die Konversion erfolgte hinter dem Rücken der Ehefrau und mit Hilfe der Tochter. Nach der Errichtung des Epitaphs für ihren Ehemann in St. Emmeran ließ die von ihrem Mann schwer enttäuschte, streng protestantische Ehefrau auf eigene Kosten auf dem Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche ein Epitaph für ihren bereits 10 Jahre zuvor jung verstorbenen Sohn Ernst Eberhard von Metternich errichten.[4][5]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Westquerhaus besitzt eine bemalte Holzdecke, die Benedikt von Nursia zeigt. Der Hochaltar im Stil des Barocks stammt aus dem Jahre 1669.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prospekt der Egedacher-Orgel

St. Emmeram hat eine lange Orgeltradition, mit repräsentativen und großen Instrumenten: Bereits 1166 war in der romanischen Kirche eine Orgel vorzufinden. Abt Johann II. Tergernbeck ließ 1474 eine kunstreiche Orgel aufstellen. Der Einbau einer Empore zur Barockzeit im hinteren Drittel gliederte den riesigen ursprünglich karolingischen Kirchenbau. Auf dieser Empore stellte Christoph Egedacher 1669 eine Orgel auf, deren Gehäuse erhalten blieb. Die Disposition und Registerzahl der bisher genannten Orgeln sind nicht überliefert. 1731 baute Johann Konrad Brandenstein dieses Werk um. Die Disposition lautete dann:

I Hauptwerk
1. Copula 16′
2. Prinzipal 8′
3. Copel 8′
4. Viola da Gamba 8′
5. Oktav 4′
6. Flauten 4′
7. Gemshorn 4′
8. Quint 223
9. Superoktav 2′
10. Sedez IV
11. Mixtur III
II Oberwerk
12. Copel 8′
13. Echo 8′
14. Prinzipal 4′
15. Flöte 4′
16. Nasard 223
17. Oktav 2′
18. Quint 113
19. Duodetz III
20. Mixtur III
Pedal
21. Offenbaß 16′
22. Subbaß 16′
23. Oktavbaß 8′
24. Superoktav 4′
25. Fagott 8′
Spieltisch der Hirnschrodt-Orgel

Dieses Werk wurde 1846 durch Konrad Heinssen aus Regensburg klanglich verändert und später im Jahr 1880 von Anton Breil repariert. Binder & Siemann baute 1900 als sein Opus 90 ein Werk mit Kegellade und pneumatischer Traktur in das vorhandene Gehäuse. Die Orgel hatte zwei Manuale und 30 Register. Das Instrument war zu dieser Zeit bereits eines der größten im Raum Regensburg.

1959 stellte Eduard Hirnschrodt wiederum ein neues Werk auf: Die Orgel war mit 68 klingenden Registern auf vier Manualen und Pedal mit Kegellade und elektro-pneumatischer Traktur das größte Instrument der Diözese Regensburg, bevor die Orgelanlage von Waldsassen verwirklicht wurde. Derzeit ist sie nach dem 2009 erfolgten Neubau der Orgelanlage im Dom die zweitgrößte Orgel der Stadt Regensburg. Eduard Hirnschrodt verwendete viele Pfeifen der Vorgängerorgel wieder. Durch die Aufteilung in Hauptorgel und Westorgel (im Westwerk der Kirche) kann der Kirchenraum optimal beschallt werden. Die Orgel verfügt zudem über einen einmanualigen pneumatischen Notspieltisch, gefertigt von der Binderwerkstätte aus unbekannter Herkunft. Mit der inzwischen entfernten Balganlage von 1900 konnte früher das zweite Manualwerk der Orgel behelfsmäßig auch in Zusammenarbeit mit einem Kalkanten bespielt werden.

Die Disposition, erstellt von Heinrich Wismeyer lautet:

I Hauptwerk C–g3
Gedacktpommer 16′
Praestant 8′
Rohrflöte 8′
Gemshorn 8′
Octave 4′
Querflöte 4′
Nasat 223
Octave 2′
Grand Cornet IV-VIII
Mixtur V major IV
Mixtur minor III
Fagott 16′
Trompete 8′
Claine 4′
II Positiv C–g3
Gedackt 8′
Quintadena 8′
Viola 8′
Italienisch Prinzipal 4′
Nachthorn 4′
Schwiegel 2′
Quinte 113
Zimbel III
Krummhorn 8′
III Schwellwerk C–g3
Stillgedackt 16′
Hohlflöte 8′
Dulzgedackt 8′
Weidenpfeife 8′
Singend Principal 4′
Rohrflöte 4′ (O)
Spitzgambe 4′
Flötenschwebung 4′
Quintflöte 223 (O)
Harfenprinzipal 2′ (O)
Blockflöte 2′ (O)
Terz 135 (O)
Sifflöte 1′ (O)
Scharff IV–V (O)
Oboe 8′
Singend Regal 8′
Tremulant
IV Westorgel C–g3
Kupferprincipal 8′
Gedacktflöte 8′
Prinzipal 4′
Koppelflöte 4′
Gemshorn 2′
Glöckleinton III
Plein jeu V–VI
Dulcian 16′
Horn 8′
Rohrschalmei 4′
Pedal (Hauptorgel) C–f1
Principal 16′
Contrabass 16′
Subbass 16′
Stillgedackt 16′
Quinte 1023
Octavbass 8′
Pommer 8′
Choralflöte 4′
Flachflöte 2′
Rauschbass V–VI
Posaune 16′
Rankett 16′
Tromba 8′
Feldtrompete 4′


Pedal (Westorgel) C–f1
Untersatz 16′
Hornprinzipal 16′
Bassflöte 16′
Quintadena 4′

(o) = Schwellwerk für Oberstimmen

  • Koppeln: II/I, III/I III/II, IV/I, I/P, II/P, III/P, IV/P
  • Spielhilfen: 3 freie Kombinationen, Crescendowalze, 2 Schwelltritte für Ober- bzw. Unterstimmen, Crescendo ab, General−Zungen ab, Mixturen ab, 2 freie Pianopedalkombinationen und Einzel−Zungenabsteller, Westorgel an.

Truhenpositiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den mobilen Einsatz und für Generalbaßzwecke steht seit 1997 zusätzlich eine Truhenorgel mit vier Register der Firma Sandtner zur Verfügung.[6]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mächtige Turm beherbergt sechs Glocken in den Schlagtönen b0, c1, des1, f1, as1 und b1. Fünf Minuten vor dem Sonntagsamt (09:55 Uhr) läuten alle Glocken bis auf die größte Glocke; sie findet nur an Hochfesten Verwendung. Glocke 4 (f1) dient als „Angelusglocke“, die kleinste Glocke läutet als „Armeseelenglocke“ im Anschluss an das abendliche Angelusläuten. Der Uhrschlag erfolgt über die Glocken des1 (Viertelstunden) und c1 (volle Stunden).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Morsbach: St. Emmeram zu Regensburg, ehem. Benediktiner-Abteikirche. (= Große Kunstführer 187). Schnell & Steiner, München/Regensburg 1993.
  • Jochen Zink: Zur frühen Baugeschichte der ehemaligen Benediktinerabteikirche St. Emmeram in Regensburg bis zur Jahrtausendwende. In: Karl Möseneder, Gosbert Schüssler (Hrsg.): „Bedeutung in den Bildern“. Festschrift für Jörg Traeger zum 60. Geburtstag. Schnell & Steiner, Regensburg 2002, S. 501–541.
  • St. Emmeram in Regensburg. Geschichte, Kunst, Denkmalpflege. Beiträge des Regensburger Herbstsymposiums vom 15.–24 November 1991 (= Thurn-und-Taxis-Studien, 18). Kallmünz 1991.
  • Gabriele Peschel: Die mittelalterliche Baugeschichte der ehem. Benediktinerklosterkirche St. Emmeram in Regensburg nach dem derzeitigen Stand der Forschung. In: 1250 Jahre Kunst und Kultur im Bistum Regensburg. Berichte und Forschungen. München/Zürich 1989, S. 47–78.
  • Jochen Zink: Zur frühen Baugeschichte der ehem. Benediktinerklosterkirche St. Emmeram in Regensburg. In: 1250 Jahre Kunst und Kultur im Bistum Regensburg. Berichte und Forschungen. München/Zürich 1989, S. 79–194.
  • Günter Lorenz : Das Doppelnischenportal von St. Emmeram in Regensburg. Studien zu den Anfängen des Kirchenportals im 8. bis 11. Jahrhundert (= Europäische Hochschulschriften – Reihe XXVIII). Frankfurt am Main 1984.
  • Eberhard Kraus: Historische Orgeln in der Oberpfalz. Schnell & Steiner 1990, ISBN 3-7954-0387-1, S. 268 und 352 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paulus VI.: Litt. Apost. Terra sacra. In: AAS, 56 (1964), Nr. 15, S. 915f.
  2. Peschel 1989.
  3. Herbert Kößler, Hans Schlemmer: Denkmäler in St. Emmeran. Ein Rundgang Lateinisch-Deutsch. 2. Auflage, Herbert Kößler, Regensburg 2008, ISBN 978-3-00-018979-1.
  4. Klaus-Peter Ruess: Begräbnisse und Grabdenkmäler auf dem „Kirch-Hoff zur Heyligen Dreyfaltigkeit“ bei der Dreieinigkeitskirche. Staatsbibliothek Regensburg 2015, S. XXXIf.
  5. Albrecht Klose, Klaus-Peter Rueß: Die Grabinschriften auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg. (Regensburger Studien, Bd. 22.) Stadtarchiv Regensburg 2015, ISBN 978-3-943222-13-5, S. 65–67.
  6. Orgeldatenbank Bayern Version 5 (2009), hrsg. von Michael Bernhard

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Emmeram (Regensburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 0′ 55″ N, 12° 5′ 34″ O