St. Georg (Nonn)

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Kath. Kirche St. Georg, Nonn
„Nonner Kircherl“
Ansicht von Westen mit großem Friedhofstor

Ansicht von Westen mit großem Friedhofstor

Daten
Ort Bad Reichenhall, Nonn 44
Baujahr 12. Jahrhundert
Koordinaten 47° 44′ 16,3″ N, 12° 52′ 10,8″ OKoordinaten: 47° 44′ 16,3″ N, 12° 52′ 10,8″ O

Die katholische Kirche St. Georg befindet sich im Nonner Unterland in Bad Reichenhall. Sie wird von der im Juli 2012 neu gegründeten katholischen Stadtkirche Bad Reichenhall betreut und ist dem hl. Georg geweiht. Im Volksmund wird sie meist einfach nur Nonner Kircherl genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Norden

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nonn gehörte ebenso wie die Gmain (Bayerisch Gmain und Großgmain) zu den früheren Höhensiedlungen oberhalb von Reichenhall. Damals floss die Saalach noch in mehreren Armen durch den Talkessel und machte das heutige Stadtgebiet zu großen Teilen unbewohnbar. Prähistorische Funde und die urkundliche Nennung im 8. Jahrhundert als villa lassen erahnen, dass hier und in Gmain jene Leute wohnten, die zur Saline in Reichenhall gehörten. Die Kirche St. Martin wurde spätestens im 8. Jahrhundert als Holzbau errichtet und war damals schon mit dem Begräbnisrecht ausgestattet.

Kirchenpatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflassung der Kirche am Kirchberg übertrug man wohl im 15. Jahrhundert das dortige Patrozinium des St. Georg auf die St.-Martins-Kirche in Nonn.

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Holzbau wurde im 12. Jahrhundert durch einen romanischen Saalbau ersetzt und um 1500 erhöhte man das Langhaus und zog anstelle der Holzflachdecke ein gotisches Sternrippengewölbe ein. Im Osten wurde die Kirche durch einen gotischen Chor und nach Westen um ein Joch erweitert. 1692 folgte eine Renovierung. 1751 wurde das gotische Sterngewölbe entfernt und mit Stuck überkleidet, eine Kanzel und eine Stuckbrüstung der Orgelempore im Rokokostil errichtet. Der gotische Schnitzaltar von 1513 blieb unverändert erhalten. 1781 wurde ein Kreuzweg eingesetzt, der 1867 zur einen „zeitgemäßen“ von Carl Rudholzner ersetzt wurde. 1875 wurde der Chorraum regotisiert, eine Wandverkleidung mit Chorstülen angebracht und vier Bleiglasfenster durch die Hofmalereianstalt Zettler aus München eingesetzt. Man vergrößerte die Sakristei und schuf damit auch im Paramentenraum im ersten Stock eine Art Oratorium. 1887 wollte man anstatt des Dachreiters einen eigenständigen Turm errichten und die Kirche mit Schiefer eindecken. 1896 bis 1898 wurde das Langhaus gegen starken Widerstand der staatlichen Behörden regotisiert, mit Neutünchnung des Innenraums und Beseitigung des blauen Sternenhimmels im Chor. Die Stuckemporbrüstung wurde entfernt, die Rokokokanzel dagegen verblieb in der Kirche. 1978 wurde die Kirche zuletzt renoviert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmaler, hochgezogener und geschlossener Baukörper mit westlichem Dachreiter und doppelt abgesetzter Zwiebelhaube. Dem Südeingang ist eine Vorhalle mit Seitenkapellen vorgelagert, daran schließt sich der Sakristeistock aus dem 19. Jahrhundert an.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der romanische Kernbau ist mit gotischen Anbauten verschmolzen. Der Innenraum ist von der Regotisierung geprägt, die ursprünglichen gotischen Raumverhältnisse (Langhaus mit drei Jochen, Chorraum mit einem Joch und Fünfachtelschluss) sind dadur jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt. An der Südseite eine wieder freigelegte romanische Fensteröffnung, die Nordwand des Langhauses hat keine Fenster, der Chor dagegen vier, das fünfte in der Mittelachse ist vermauert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienstatue

Vor dem großen Friedhofstor im Westen befindet sich auf einem Marmorsockel eine Bronzestatue der Maria mit Kind von Paul Sayer, die 1895 von Ferdinand von Miller gegossen wurde. Am südlichen Anbau befindet sich außen eine Steinkanzel aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts mit Holzschalldeckel. Die Totenkapelle ist heute eine Kriegergedächtnisstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege mit einem Fresko von Georg Gschwendner. Links neben dem Südeingang ein mittelalterlicher Schalenstein mit sieben Mulden.

Im Innenraum befindet sich ein gotischer Flügelaltar aus der Werkstatt des Meisters Gordian Guckh aus Laufen von 1513. Geschlossen zeigt der Altar Christus am Ölberg, Kreuztragung, Kreuzigung und Auferstehung, seitlich die Standfiguren des hl. Florian (links) und Georg (rechts). Die geschlossene Predella trägt auf vier Flügeln Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregor. Die beiden letztgenannten wurden im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Geöffnet zeigt der Mittelschrein den Kirchenpatron in glänzender Rüstung, zu seiner Rechten St. Martin, gegenüber der hl. Ulrich. Auf den Flügeln Malerei auf Goldgrund: Verkündigung, Geburt Christi, Huldigung der Weisen und Heimgang Mariens. Die offene Predella zeigt außen zwei Anbetungsengel und innen zwei Engel mit den Leidenswerkzeugen. Im Gesprenge ist das Kreuz, darunter Maria, Johannes und Maria Magdalena, seitlich die hl. Bischöfe Zeno (links) und Augustinius (rechts) zu sehen. An der Rückseite sind fünf Medaillons in gotischem Rankwerk angebracht: In der Mitte St. Georg zu Pferd in einer aufwendigen Landschaft, zudem Johannes, Matthäus, Markus und Lukas.

Zwei Chorfenster zeigen Szenen des Marienlebens, links die Begegnung mit Elisabeth (Mariä Heimsuchung) und die Vermählung mit Josef, rechts die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr nach Nazareth.

An der Nordwand ein Tafelbild der Freuden Maria von 1470 aus der Hand des Meisters von Liefering. Am Chorbogen zwei kleine Figuren des hl. Pantaleon und vermutlich des hl. Vitus.

Die Kanzel ist der letzte Rest der Rokokoausstattung von 1751 mit Stuckaturen aus Laub- und Bandelwerk mit Muschelmotiven. Gegenüber ein Kreuz das früher am Friedhof stand.

Den Kreuzweg von 1867 malte der Reichenhaller Carl Rudholzner nach dem Vorbild des Wieners Josef v. Führig.

Im zweiten Joch an der Nordwand das große Votivbild für die Gefallenen der Gemeinden Nonn und Karlstein im Ersten Weltkrieg von Ludwig Glötzle aus München.

Die Orgel von 1950 mit sieben Registern von Julius Zwirner aus München steht auf einer Empore von 1898.

Bild vom Müllnerhorn aus

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Georg wird von der neu gegründeten katholischen Stadtkirche Bad Reichenhall betreut. Aufgrund des Priestermangels wird derzeit (2012) nur einmal wöchentlich eine Messe abgehalten. Die Kirche wird gern für Hochzeiten und Taufen genutzt und im Wechsel mit der Pankrazkirche wird die Christmette abgehalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Vogel: Vom Viertausendjährigen Karlstein. München 1973
  • Walter Brugger: Die Kirchen der Pfarrei St. Nikolaus Bad Reichenhall (= Kleine Kunstführer Nr. 2043). Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 1994, ISBN 3-7954-5781-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Georg (Nonn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien