St. Georgiwold

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St. Georgiwold
Stadt Weener
Wappen von St. Georgiwold
Koordinaten: 53° 12′ 59″ N, 7° 19′ 18″ O
Höhe: -0,8–0,7 m ü. NN
Fläche: 6,75 km²
Einwohner: 70 (31. Dez. 2009)
Bevölkerungsdichte: 10 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 26826
Vorwahl: 04953
Karte
Karte des Rheiderlands
St. Georgiwolder Kirche
Ortseingangsschild

St. Georgiwold ist der nördlichste Ortsteil der Stadt Weener im ostfriesischen Rheiderland. Der Ort hat etwa 70 Einwohner.

Lage und Gebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Georgiwold ist eine Reihensiedlung. Sie liegt zwischen Weener und Bunderhee in einem abgetorften Hochmoorgebiet auf einer Höhe zwischen 0 und 0,7 m über NN. Insgesamt bedeckt der Ort eine Fläche von 6,75 Quadratkilometer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moorgegend nordwestlich von Weener, in der später das Dorf errichtet wurde, wird in den Heberegistern des Klosters Werden neunten bis 10. Jahrhunderts als uppan Uualda bezeichnet. Durch das Moor führte der Middelweg, ein alter Heerweg, der einst von Münster zum Kloster Palmar führte.[1]

Spätestens im 13. und 14. Jahrhundert begann hier die Urbarmachung und Besiedelung durch Aufstreckung. Die so entstandenen Grundstücke hatten eine Breite zwischen 35 und knapp 100 Meter und erreichten mit der Zeit eine Länge von bis zu vier Kilometern.[2]

Aus dieser Zeit wurden östlich des heutigen Dorfkerns zwei Hausplätze des 13./14. Jahrhundert und der der Grundriss einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert entdeckt. Diese Siedlung hatte große Probleme mit der Entwässerung, so dass sie in mehreren Schritten an den heutigen Standort verlegt wurde. Im Mittelalter gehörte das Dorf zum Rheiderland. Erstmals wurde St. Georgiwold im Jahr 1450 in einem Bericht an den Bischof von Münster erwähnt, der das kirchliche Leben in Ostfriesland beschreiben sollte.[1] Zu dieser Zeit standen im Rheiderland infolge der Sturmfluten 20 bis 30 Kirchdörfer unter Wasser. Die meisten wurden aufgegeben. Lediglich die Dörfer Wymeer, Boen, Bunderhammrich, Ditzumerhammrich, St. Georgiwold, Böhmerwold, Blijham und Beerta wurden verlegt oder wiederbesiedelt.

Im Jahr 1681 war die Holzkirche in Sündt-Jürgenswoldt, wie der Ort damals hieß, baufällig. Acht Jahre später begann der Bau einer Steinkirche. Auch diese Kirche wurde westlich des alten Standorts errichtet. Sie wurde dem Heiligen Georg geweiht. Weil das Gebäude aufgrund fehlender Fundamentierung ab 1810 absackte, wurde die Kirche im Jahr 1960 auf dem alten Grundriss neu errichtet.[2] Seit der Reformation ist der Ort überwiegend evangelisch reformiert geprägt. Das Schulgebäude mit Lehrerwohnung wurde im Jahr 1803 durch einen Neubau ersetzt, die einklassige Volksschule am 16. April 1935 aufgelöst.[3] Sankt Georgiwold hatte bis weit in das 20. Jahrhundert große Probleme mit der Entwässerung. Eine Verbesserung dieser Situation trat erst ein, als zwischen 1896 und 1960 Sieltiefe und Schöpfwerke neu errichtet wurden. Zur Zeit des Nationalsozialismus galt das Dorf als Hochburg der NSDAP im Rheiderland. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 erreichte Hitler hier beispielsweise 90,1 % der Wählerstimmen.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Ort eine besonders große Zahl an Heimatvertriebenen auf, die zeitweise 45 % der Bevölkerung stellten. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass St. Georgiwold als landwirtschaftlich sehr leistungsstark angesehen wurde.[2] Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde das bislang selbständige Dorf am 1. Januar 1973 eingegliedert.[4] Dort ist es der kleinste Ortsteil. Wirtschaftlich ist er auch heute noch stark von der Landwirtschaft geprägt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[2]
1823 140
1848 167
1871 144
1885 169
1905 134
1925 128
1933 121
1946 170
1961 113
1970 98
2009 70

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatkundlicher Arbeitskreises e. V. Weenermoor – Möhlenwarf – Sankt Georgiwold – Beschotenweg (Hrsg.): 10 Jahre Chronik des Heimatkundlichen Arbeitskreises e. V. Weenermoor – Möhlenwarf – Sankt Georgiwold – Beschotenweg, Selbstverlag, Weener 2005.
  • Johannes Ey, 'Middeleeuwse opstreknederzettingen in het oostelijk Dollardrandgebied', in: Karel Essink (Hrsg.), Stormvloed 1509. Geschiedenis van de Dollard, Groningen: Stichting Verdronken Geschiedenis 2013, S. 61–75 (niederländisch).
  • Hinrich Geerdes, Egon Smid: St. Georgiwold. Ein Dorf mit vielen Namen. H. Risius, Weener 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heimatkundlicher Arbeitskreis e.V., Weenermoor – Möhlenwarf – St. Georgiwold – Beschotenweg: Die Ortschaften- Sankt Georgiwold, eingesehen am 2. Februar 2010.
  2. a b c d e Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Sankt Georgiwold, Stadt Weener, Landkreis Leer (PDF; 392 kB), eingesehen am 2. Februar 2010.
  3. Geerdes, Smid: St. Georgiwold. 2014, S. 29, 132 f.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 263.