St. Gotthardt (Brandenburg an der Havel)

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St. Gotthardt von Süden

Sankt Gotthardt ist eine Kirche in der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie ist neben Sankt Katharinen und dem Dom zu Brandenburg eine der drei Hauptkirchen der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name leitet sich vom Heiligen Godehard, Bischof von Hildesheim, ab, der im Hildesheimer Dom begraben liegt. Im Rahmen des Übertritts des Wendenfürsten Pribislav-Heinrich und seiner Frau Petrussa zum Christentum wurden neun Prämonstratenser-Chorherren aus Leitzkau nach Brandenburg gerufen, denen der Bischof von Brandenburg, Wigger, auf dem Siedlungskern der Altstadt Brandenburg, der Kaufmannsiedlung Parduin, eine Kirche errichten ließ. Das Bauwerk war ursprünglich zweitürmig im Stil der Prämonstratenser-Kirchen geplant, jedoch wurden diese Pläne im Laufe der Bauarbeiten aufgegeben.

In ihrer Frühzeit diente die Pfarrkirche der Altstadt bis zum Umzug des Prämonstratenser-Konvents auf der Dominsel nach dem Jahr 1165 gleichzeitig als Bischofskirche und Sitz des Bistums Brandenburg. Der romanische Sockel des Westwerkes der St. Gotthardtkirche mit seinem typischen rundbogigen Stufenportal bildet mit dem Sockel der Westmauer der St. Petrikapelle am Brandenburger Dom das älteste erhaltene Mauerwerk der Mark Brandenburg, wenn man davon absieht, dass der Sockel des Westwerkes der Petrikapelle bei deren Neubau im 13. Jahrhundert möglicherweise beibehalten und die alte, zur Burg Brandenburg gehörende Kapelle nicht ortsversetzt komplett wiederaufgebaut wurde. Anderenfalls beansprucht die Petrikapelle das älteste Mauerwerk der Mark.

Nach einigen Umbaumaßnahmen vollendete Heinrich Reinstorp die Gotthardtkirche zwischen 1456 und 1475 als dreischiffige, gotische Hallenkirche. Im Jahr 1472 wurde die Taufkapelle errichtet. Die St. Gotthardtkirche beherbergte von der Zeit der Reformation bis 1923 die Franziskanerbibliothek des aufgelassenen Franziskanerklosters am Salzufer der Altstadt Brandenburg.

1904–1906 wurde die Kirche umfassend restauriert,[1] wobei ein großes Spendenaufkommen zu den erforderlichen Mitteln beitrug. Das Westportal und das große Rundbogenfenster wurden freigelegt. Außer der Restaurierung kam es zu Umbauten von Kapellen und Emporen und der Ausmalung des Kircheninneren.[2]

Nach einem Kirchenbrand am 5. Mai 1972, der auch die Orgel zerstörte, wurde das Kircheninnere ab 1976 umfassend renoviert.[3]

Nach einem 1986 gestarteten Spendenaufruf des in der St.-Gotthardt-Kirche am 30. Dezember 1923 getauften Vicco von Bülow (besser bekannt als Loriot), konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2,8 Millionen Euro für die Sicherung und Sanierung des Brandenburger Dom-Ensembles bereitstellen. Eine weitere Spende der Vicco-von-Bülow-Stiftung ermöglichte die Restaurierung des Chorgitters.

Zurzeit wird eine Sanierung der ehemaligen Taufkapelle (Taufkapelle bis 1906) angestrebt. Diese wurde durch jahrelang eindringendes Regenwasser schwer beschädigt.[4]

Am 19. September 2009 fand in von Bülows Beisein die feierliche Übergabe der restaurierten Nordkapelle in der St.-Gotthardt-Kirche statt. Er selber wurde schon in der neuen Taufkapelle getauft. Die Stadt Brandenburg an der Havel hatte zusammen mit der Gotthardtgemeinde zu einer Spendenaktion aufgerufen, um ihm dieses Geschenk zu seinem 85. Geburtstag machen zu können.[5]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Schätzen der Gotthardtkirche zählen unter anderem ein bronzenes Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert in spätromanischer Ausführung, ein wertvolles gewebtes Altartuch mit christlich–mythologischen Szenen einer Einhornjagd, der sogenannte Trebaw’sche Epitaph, der eine Stadtansicht der Altstadt von Westen her mit noch intakter Marienkirche, St. Gotthardt selbst und dem heute noch existierenden Plauer Torturm in realistischer Perspektive zeigt, sowie der Epitaph des Bürgermeisters der Altstadt Brandenburg, Simon Roter. Glasfenster wurden von Otto Linnemann aus Frankfurt entworfen und ausgeführt.

Seit 1947 befindet sich in der zu Ehren von Loriot restaurierten Nordkapelle der ehemalige Hauptaltar der St. Gotthardtkirche, dessen Gemälde „Christus im Garten Gethsemane“ 1874 von Carl Gottfried Pfannschmidt gemalt wurde. Als Hauptaltar dient seitdem wieder der spätgotische Flügelaltar. Ebenfalls in dieser Kapelle befindet sich der Epitaph des Superintendenten Andreas Prätorius' aus dem Jahr 1675.

Schuke-Orgel

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gotthardtkirche besaß eine 1553–1554/1557 von Jacob Scherer gebaute Orgel,[6] über welche Arp Schnitger 1707 ein Gutachten abgab.[7]

Joachim Wagner ersetzte die Scherer-Orgel 1736–1737 durch einen Neubau.[6] Die Bälge der Orgel standen in dem kreuzgewölbten Raum über der Turmvorhalle.[8]

Die Wagner-Orgel wiederum wurde im Zuge der Kirchenrestaurierung 1904–1906 durch einen Neubau der Firma Wilhelm Sauer ersetzt, einer Stiftung des Spielzeugfabrikantens Ernst Paul Lehmann.[2] Dabei blieb das Wagner-Gehäuse von 1737 erhalten. Die Bälge (einschl. des Motors) des neuen Werks wurden in den Raum oberhalb des alten Balgraums platziert, der nun als Kirchenbibliothek diente.[9] Bei dem Kirchenbrand am 5. Mai 1972 wurde diese Orgel in ihrem wertvollen Gehäuse[10] bei dem Kirchenbrand zerstört.[3]

Den Auftrag zum Orgelneubau erhielt 1979 die Firma Schuke. Das neue Instrument, dessen Prospekt der Restaurator Fritz Leweke (1901–2001) gestaltete, konnte erst am 7. September 1986 eingeweiht werden.[3] Das Schleifladen-Instrument hat 44 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[11]

I Rückpositiv C-g3
1. Holzgedackt 8'
2. Quintadena 8'
3. Prinzipal 4'
4. Rohrflöte 4'
5. Sesquialtera II
6. Oktave 2'
7. Spitzflöte 2'
8. Nasat 11/3'
9. Scharff IV
10. Vox humana 8'
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
11. Gedackt 16'
12. Prinzipal 8'
13. Rohrflöte 8'
14. Viola da Gamba 8'
15. Oktave 4'
16. Gemshorn 4'
17. Quinte 22/3'
18. Oktave 2'
19. Mixtur IV
20. Scharff V
21. Trompete 8'
III Schwellwerk C–g3
22. Bordun 16'
23. Geigenprinzipal 8'
24. Gedackt 8'
25. Salizional 8'
26. Oktave 4'
27. Blockflöte 4'
28. Nasat 22/3'
29. Waldflöte 4'
30. Terz 13/5'
31. Sifflöte 1'
32. Mixtur V
33. Dulcian 16'
34. Oboe 8'
Tremulant
Pedalwerk C–g1
35. Prinzipal 16'
36. Subbaß 16'
37. Oktave 8'
38. Bassflöte 8'
39. Oktave 4'
40. Flachflöte 2'
41. Mixtur V
42. Posaune 16'
44. Trompete 8'
44. Clairon 4'
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P

Kirchenumfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nordostecke des Kirchenumfeldes befand sich der bischöfliche Hof. Auf diesem an die Stadtmauer der Altstadt grenzenden Grundstück, das nach der Reformation in den Besitz der aus der Prignitz stammenden Familie von Saldern überging, wurde die Saldria am Gotthardtkirchplatz als neues Domizil der Altstädtischen Lateinschule eröffnet. Sie war erster Standort der Institution Saldria, mehrerer Schulen, die in Tradition zueinander stehen. Seit 2008 wird die der Kirchengemeinde gehörende ehemalige Schule von der Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG) als Interkulturelles Zentrum „Gertrud-von-Saldern“ genutzt.

Die Vorgängerschule der Saldria war eine Lateinschule, dem Westwerk St. Gotthardts gegenüber gelegen, deren um zwei Fachwerkjoche verkürzter Bau von 1551/52 noch heute steht und von der Galerie Sonnensegel, einer Projektgruppe für Kinder- und Jugendarbeit genutzt wird. Dieses Gebäude ist das älteste erhaltene Schulgebäude der Mark Brandenburg.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Kirchturm St. Gotthardts aus malte Zacharias Garcaeus die erste bekannte Stadtansicht Brandenburgs. Sie zeigt den Blick nach Westen über die Altstadt Brandenburg, hinüber zum Marienberg. Zwei der dargestellten Häuser (die alte Lateinschule und ein Haus in der Rathenower Straße), der Rathenower Torturm und der Stumpf des Wehrturmes im Pfarrgarten St. Gotthardt bezeugen noch heute die Authentizität der Darstellung aus der Hand Garcaeus’. Bemerkenswert ist die auf dem Bild ebenfalls dargestellte Marienkirche.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Gotthardt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Dihm 1912.
  2. a b Stadt Brandenburg: St. Gotthardtkirche. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  3. a b c Marcus Alert: 1600 Euro für die Schuke-Orgel. Märkische Allgemeine, 12. Januar 2016, abgerufen am 8. Januar 2017.
  4. Loriots Taufkirche St. Gotthard in monumente
  5. Stadt Brandenburg: Vicco von Bülow - Ehrenbürger der Stadt Brandenburg an der Havel. Abgerufen am 12. Januar 2017.
  6. a b Wolf Bergelt: Orgelbauer. In: Orgellandschaft Brandenburg. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  7. Ibo Ortgies: Schnitger. [Neben Arp Schnitger dessen Söhne Arp Schnitger II, Franz/Frans Caspar Schnitger d. Ä., Hans Schnitger und Johann Jürgen/Georg Schnitger, sowie sein Enkel Frans Caspar Schnitger d. J.] In: Uwe Pape, Wolfram Hackel (Hrsg.): Sachsen-Anhalt und Umgebung (= Lexikon norddeutscher Orgelbauer 3), S. 505–509. Pape Verlag, Berlin 2015, S. 507.
  8. Dihm 1912, S. 274.
  9. Dihm 1912, S. 273, 279.
  10. Abbildung des Wagner-Gehäuses bei Dihm 1912, S. 273.
  11. Informationen zur Orgel von St. Gotthardt

Koordinaten: 52° 24′ 58″ N, 12° 33′ 23″ O