St. Helena (Insel)

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St. Helena
NASA-Aufnahme von St. Helena
NASA-Aufnahme von St. Helena
Gewässer Südatlantik
Geographische Lage 15° 57′ S, 5° 42′ W-15.95-5.7823Koordinaten: 15° 57′ S, 5° 42′ W
St. Helena (Atlantischer Ozean)
St. Helena
Länge 15 km
Breite 11 km
Fläche 123,28 km²
Höchste Erhebung Diana’s Peak
823 m
Einwohner 3867 (Februar 2008)
31 Einw./km²
Hauptort Jamestown
Topographische Karte von St. Helena
Topographische Karte von St. Helena
Flagge St. Helenas
Wappenschild St. Helenas
Flagge Wappenschild

St. Helena (englisch Saint Helena, Aussprache (BE): [ˌsɪntəˈliːna], auch St Helena[1]) ist eine Insel vulkanischen Ursprungs im Südatlantik. Sie bildet mit der Insel Ascension und der Inselgruppe Tristan da Cunha das britische Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha.

St. Helena steht auf der Vorschlagsliste zum Welterbe der UNESCO.

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf die Bucht und den Hafen von Jamestown im Jahr 1985

St. Helena ist 1859 km von Afrika (Angola) und 3286 km von Südamerika (Recife, Brasilien) entfernt. Sie ist die einzige Insel im bis zu 6000 m tiefen Angolabecken, während die administrativ zugehörigen Inseln Ascension und Tristan da Cunha auf dem Mittelatlantischen Rücken liegen. Die Entfernung von Jamestown nach Georgetown auf Ascension beträgt 1297 km, von Jamestown nach Edinburgh of the Seven Seas auf Tristan da Cunha 2442 km.

Orte[Bearbeiten]

Neben den Orten, die namentlich den Distrikten entsprechen, gibt es noch zahlreiche weitere Orte wie White Gate, New Ground (Distrikt St. Paul’s) und The Briar’s (im Distrikt Alarm Forest).

Der größte Ort ist nicht die Hauptstadt Jamestown mit 880 Einwohnern (Stand 2012), sondern ihr Vorort Half Tree Hollow mit 901 Einwohnern (Stand 2008). Zusammen vereinigt diese „Hauptstadtregion“ 38 Prozent der Inselbevölkerung auf sich.

Nebeninseln[Bearbeiten]

Entlang der Küste liegen zahlreiche kleine und kleinste Nebeninseln und Felsen, darunter Castle Rock, Speery Island, The Needle, Lower Black Rock, Upper Black Rock (Süden), Bird Island (Südwesten), Black Rock, Thompson’s Valley Island, Peaked Island, Egg Island, Lady’s Chair, Lighter Rock (Westen), Long Ledge (Nordwesten), Shore Island, George Island, Rough Rock Island, Flat Rock (Osten), The Buoys, Sandy Bay Island, The Chimney, White Bird Island und Frightus Rock (Südosten), alle innerhalb einer Distanz von einem Kilometer von der Küste.

Landschaft und Umwelt[Bearbeiten]

Die höchste Erhebung der 123,28 km²[2] großen Insel ist der 823 m hohe Diana's Peak; jedoch gibt es weitere Gipfel mit über 500 m Höhe. Es herrscht mildes ozeanisches Klima. Weite Teile der Insel waren ursprünglich mit Baumfarnen bedeckt, und wegen der isolierten Lage der Insel sind viele Pflanzen- und Insektenarten endemisch. Die Flora von St. Helena allein enthält 36 endemische Arten[3], sie wurde als „nur einen Schritt entfernt von einer Satelliten-Kolonie im Weltraum“ beschrieben.[4]

Die Zerstörung der natürlichen Vegetation erfolgte in mehreren Phasen:

Heute ist die Insel vorwiegend mit Gras und Büschen bedeckt. Es wird versucht, die geringen Reste der einheimischen Vegetation in den höheren Lagen der Insel zu schützen. 1996 wurde das Gebiet von Diana's Peak zum Nationalpark erklärt. Einige der einheimischen Pflanzenarten sind ausgestorben, so etwa Acalypha rubrinervis, ein kleiner Baum, der im Zentralteil der Insel um Diana's Peak vorkam.

Klimatabelle[Bearbeiten]

St. Helena
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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33
 
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19
14
 
 
31
 
20
15
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für St. Helena
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 21,4 22,3 22,4 21,7 20,6 19,0 17,9 17,4 17,6 17,7 18,5 19,8 Ø 19,7
Min. Temperatur (°C) 16,3 17,3 17,5 17,0 15,9 14,5 13,4 13,0 13,1 13,2 13,9 15,0 Ø 15
Niederschlag (mm) 48 62 83 59 56 75 75 63 47 33 25 31 Σ 657
Sonnenstunden (h/d) 4,9 6,3 5,7 5,0 5,2 4,1 3,5 3,0 1,9 2,2 2,4 3,9 Ø 4
Regentage (d) 9 8 9 14 5 12 13 9 9 7 4 6 Σ 105
Luftfeuchtigkeit (%) 85 86 85 84 82 82 82 83 83 84 84 84 Ø 83,7
T
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m
p
e
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21,4
16,3
22,3
17,3
22,4
17,5
21,7
17,0
20,6
15,9
19,0
14,5
17,9
13,4
17,4
13,0
17,6
13,1
17,7
13,2
18,5
13,9
19,8
15,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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Geschichte[Bearbeiten]

St. Helena war aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und ihrer Steilküsten bis ins 16. Jahrhundert unbewohnt. Am 21. Mai 1502 landete der Portugiese João da Nova auf der Insel und benannte sie nach Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, da der Tag ihrer Entdeckung ihr Namenstag war. Die Portugiesen importierten Früchte und bauten einige Häuser und eine Kapelle. Als sie weitersegelten, ließen sie ihre Kranken auf der Insel zurück, gründeten aber keine dauerhafte Siedlung. Die Portugiesen hielten die Existenz der Insel geheim, um ihre strategische Bedeutung zu sichern. Der erste längerfristige Bewohner der Insel war Fernão Lopes, der vom Gouverneur von Goa verbannt worden war, aber nicht nach Portugal zurückkehren wollte. Lopes starb 1530 auf St. Helena.

Longwood House, Napoleons Aufenthaltsort während der Verbannung; heute Residenz des französischen Konsuls und Museum

Die ersten Engländer auf der Insel waren Thomas Cavendish und James Lancaster. Um 1600 gaben die Portugiesen St. Helena auf. Sofort danach wurde es von den Holländern besetzt – offenbar war die Insel kein Geheimnis mehr. Die holländische Besetzung dauerte bis 1651. 1659 nahm die Britische Ostindien-Kompanie die Insel in Besitz und errichtete das Fort (Jamestown) sowie eine Garnison. 1673 besetzten die Holländer St. Helena erneut, wurden jedoch bald von den Engländern vertrieben. Die Kompanie, der die Insel offiziell gehörte, baute große Farmen auf, auf denen viele Schwarze und Chinesen arbeiteten. Der Reichtum St. Helenas vergrößerte sich, denn wegen der sicheren Lage wurden große Mengen Goldes aufbewahrt und reiche Kaufleute residierten auf der Insel. Unter den Gouverneuren gab es auch Hugenotten, wie Stéphane Poirier, der vergeblich versuchte, Wein anzubauen. Der berühmte Astronom Edmond Halley besuchte die Insel in dieser Zeit. Nach ihm wurde Halley's Mount benannt.

1815 wählte die britische Regierung St. Helena als Verbannungsort Napoleons, der im Oktober 1815 deportiert wurde und bis zu seinem Tod am 5. Mai 1821 in Longwood House residierte. Während Napoleons Verbannung wurde die Insel vollständig von Großbritannien verwaltet, und auch der Gouverneur Hudson Lowe wurde von der Krone ernannt. Danach wurde St. Helena an die Britische Ostindien-Kompanie zurückgegeben. Am 22. April 1834 ging St. Helena in den Besitz der britischen Krone über.

1858 wurde der Verbannungswohnsitz Napoleons auf Veranlassung seines damals regierenden Neffen Napoleon III. vom französischen Staat für 7100 Pfund erworben. Seitdem residiert ein französischer Konsul in Longwood House.[5]

Von Bedeutung war St. Helena zeitweise auch für das südafrikanische Volk der Zulu. Zwei Zulukönige wohnten vorübergehend auf der Insel: Dinuzulu ka Cetshwayo von 1887 bis 1896 und Goodwill Zwelethini kaBhekuzulu 1968 bis 1971. Von 1900 bis 1902 war der Buren-General Piet Cronjé mit eintausend seiner Soldaten auf der Insel interniert.

Bevölkerung und Distrikte[Bearbeiten]

Distrikte von St. Helena

St. Helena hat de jure 3867 Einwohner (Stand 2008).[2]

Die Insel (d.h. das Verwaltungsgebiet St. Helena einschließlich der kleinen küstennahen Inseln und Felsen) gliedert sich in acht Distrikte, die jedoch keine Rechte als eigenständige Verwaltungseinheiten haben. Vor allem dienen die Distrikte als statistische Einheiten und bis 2013 auch als Wahlbezirke (englisch electoral areas). Die vier einwohnerstärksten Wahlbezirke entsenden jeweils zwei Vertreter in den Inselrat (englisch island council), die übrigen vier jeweils einen.

Hauptartikel: Distrikte von St. Helena
St.-Pauls-Kathedrale im Distrikt St. Paul`s

Infrastruktur[Bearbeiten]

St. Helena ist nur per Schiff erreichbar. Neben einigen Kreuzfahrtschiffen, die an der Insel anlegen, gibt es eine regelmäßige fünf Tage dauernde Verbindung von Kapstadt per Postschiff, das St. Helena 17 Mal im Jahr anläuft. Schiffe der St. Helena Line Limited verkehren nach dem Vereinigten Königreich, den Kanarischen Inseln, Ascension und Südafrika.

Zudem steht ein internationaler Flughafen vor der Fertigstellung. Er soll im Februar 2016 eröffnet werden. Der Flug von Johannesburg wird dann viereinhalb Stunden dauern. Das 250 Millionen Euro teure Gesamtprojekt wird vom britischen Ministerium für Internationale Entwicklung finanziert.[6] Am 15. September 2015 landete erstmals ein Flugzeug zu Testzwecken auf dem Flughafen.[7]

Im September 2015 wurde erstmals ein Mobilfunknetz auf der Insel in Betrieb genommen.[8]

Medien[Bearbeiten]

Seit 2005 gibt es eine private UKW-Radiostation Saint FM auf 93,1/95,1/106,7 MHz, die auch über das Internet zu empfangen ist. Der Stationsleiter ist derzeit (2012) Mike Olsson.[9]

Die zweite Station, Radio Saint Helena, sendete bis zum März 2012 auf Mittelwelle 1548 kHz. Einmal im Jahr sendete sie aber auch ein Programm auf Kurzwelle, das für Kurzwellenhörer in Mitteleuropa nur schwer zu empfangen war. Der 1967 gegründete Kurzwellensender hat Anfang 2000 seinen Dienst eingestellt. Seit November 2006 wurde ein neuer Sender für den so genannten RSD (Radio St. Helena Day) eingesetzt, der früher regelmäßig stattfand. Gesendet wurde seitdem einmal gegen Ende des Jahres mit einem 1-kW-Sender, der vom deutschen Funkamateur und Kurzwellenhörer Robert Kipp (DJØPU) beschafft und installiert worden war. Der Termin für die Sendung im Jahr 2009 war der 14. November. Der KW-Sender wurde für die Zeit von 20–1 Uhr UTC aktiviert. Die Sendungen wurden auf der Frequenz 11092,5 kHz in USB ausgestrahlt. Korrekte Empfangsberichte an den Leiter der Station Gary Walters wurden stets mit QSL-Karte bestätigt, wenn Rückporto (5 €-Schein) beilag.[10] Die für den 9. Oktober 2010 angekündigte Sendung wurde wenige Wochen vorher mit der Begründung, dass technische Probleme mit der Antennenanlage bestünden, abgesagt.

Nach der Abwicklung des Betreibers von Radio Saint Helena, der St Helena News Media Services, wurde der Betrieb im März 2012 eingestellt. An seiner Stelle werden nun von der neu gegründeten staatlichen St Helena Broadcasting Corporation (SHBC) drei private UKW-Programme aufgebaut, von denen eines den BBC World Service übernehmen wird. Die neue Gesellschaft wird auch eine neue Wochenzeitung herausgeben, die den St Helena Herald ersetzen soll, der ebenfalls von St Helena News Media Services herausgegeben worden war. Die letzte Ausgabe des Herald erschien am 9. März 2012.[9]

Das Präfix von St. Helena für den Amateurfunk ist „ZD7“.

Wirtschaft[Bearbeiten]

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Finanziell ist die Bevölkerung auf die Unterstützung Großbritanniens angewiesen. Industrie gibt es nur für Fischfang und Holzverarbeitung sowie etwas Kunstgewerbe.

Die Landwirtschaft beschränkte sich früher fast ausschließlich auf den Anbau des auf Anraten von Hooker eingeführten Neuseeländer Flachses, aus dem Postsäcke für die Royal Mail gefertigt wurden. Allerdings bedroht dieses Gewächs die Reste der natürlichen Vegetation. Daher versucht die Inselregierung, den Flachs auszurotten.

Heute zählt Kaffee von St. Helena zu den teuersten der Welt. Außerdem werden Gemüse und Obst angebaut sowie Rinder, Schafe und Bienen gehalten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Helena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oxford Advanced Learner's Dictionary, Online-Version: Definition and pronunciation of St Helena. Abgerufen am 10. Oktober 2011.
  2. a b The 2008 Population Census of St Helena. Statistics Office, November 2009, S. 11. Abgerufen am 20. Januar 2016
  3. http://www.bgci.org/index.php?option=com_article&id=0173&print=1
  4. E. O. Wilson, http://www.bgci.org/index.php?option=com_article&id=0173&print=1
  5. Stefan Ulrich: Ich bin dann mal weg. Vor 25 Jahren wurde Michel Dancoisne-Martineau Konsul auf Napoleons Verbannungsinsel Sankt Helena, in: Süddeutsche Zeitung vom 12. September 2011
  6. Insel im Südatlantik: Das letzte Postschiff nach St. Helena. spiegel.de. Abruf 20. April 2015
  7. End of an era as first plane touches down on St Helena. traveller24news24.com vom 16. September 2015 (englisch), abgerufen am 16. September 2015
  8. Mobile. Sure. Abgerufen am 5. Oktober 2015
  9. a b Andy Senitt: Radio St Helena to go off the air this year. In: Media Network. 12. März 2012. Abgerufen am 12. März 2012.
  10. The Radio St Helena Project. Dokumentation des Projekts aus dem Jahr 2009. Abgerufen am 12. März 2012.