St. Hildegard (St. Ingbert)

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Die St.-Hildegards-Kirche in St. Ingbert
Blick ins Innere der Kirche
Blick in die Marienkapelle
Blick entlang des nördlichen Seitenschiffes zum Glockenturm von St. Hildegard. Besonders auffällig am Kirchengebäude ist das Backstein-Sichtmauerwerk.

Die Kirche St. Hildegard in St. Ingbert ist die katholische Pfarrkirche der gleichnamigen Pfarrgemeinde, zugehörig zur Pfarrei Heiliger Ingobertus.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die St. Engelbertskirche aufgrund des starken Bevölkerungswachstum und dem damit einhergehenden Anstiegs der Zahl der Katholiken in St. Ingbert zu klein geworden war, wurde zu Beginn der 1890er Jahre die St. Josefskirche errichtet. Der St. Ingberter Pfarrei standen nun zwei Kirchengebäude zur Verfügung, doch auch dies reichte bald nicht mehr aus.

Deshalb stellte Prälat Josef Goebel (Pfarrer von St. Josef) schon 1915 Überlegungen zur Gründung einer Tochterpfarrei an. Im Januar 1917 beschloss der Pfarrverwaltungsrat von St. Josef die Errichtung einer selbstständigen Stiftung, die den Namen „Römisch katholische Kirchenstiftung St. Hildegard“ erhielt, benannt nach der Volksheiligen und Mystikerin Hildegard von Bingen. St. Ingbert lag damals in der bayrischen Pfalz und so war es nach den Bestimmungen des Konkordates erforderlich, die Zustimmung des regierenden Monarchen von Bayern, König Ludwig III. einzuholen[2]. Doch aufgrund des Ersten Weltkriegs musste die Gründung der neuen Pfarrei St. Hildegard verschoben werden.

Erst 1927 konnte die Gründung verwirklicht werden. Die Pfarrei St. Hildegard wurde am 28. Mai 1927 vom damaligen Speyerer Bischof, Ludwig Sebastian, kirchenrechtlich errichtet. Als Nächstes ging man daran, den Plan zum Bau einer Pfarrkirche für die neue Pfarrei in die Tat umzusetzen. Es lagen drei Entwürfe vor, von denen derjenige des Architekten Albert Boßlet ausgewählt wurde. Der erste Spatenstich erfolgte am 28. September 1928 und zwei Monate später, am 28. November des gleichen Jahres, fand die Grundsteinlegung statt. Die Bauzeit betrug nur 12 Monate, und so konnte am 22. September 1929 das Gotteshaus eingeweiht werden[2].

Die Kirche ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt[3] und gilt unter Experten als der am besten gelungene Kirchenbau von Boßlet[2].

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchenbau ist in moderner, schlichter, expressionistischer Formensprache ausgeführt. Das Gebäude hat drei Schiffe: ein breites Mittelschiff unter einem Walmdach und zwei niedrige Seitenschiffe unter Pultdächern. Das nördliche Seitenschiff ist kürzer als das südliche und geht in den Glockenturm der Kirche über, der an das Mittelschiff angebaut ist. Besonders auffällig ist das Backstein-Sichtmauerwerk.

Teil der Kirche ist eine Marienkapelle, die sich im Erdgeschoss des Glockenturms befindet.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Chorraum befindet sich ein Hochaltar, der von Albert Boßlet, dem Architekten der Kirche, entworfen und vom Silberschmied Franz Mayrhofer (München) ausgeführt wurde. Das Künstlerinnenduo Goosens – Biehler (München) schuf das Bronzerelief an der Stirnseite des Altares, wie auch die beiden Figuren Herz Jesu und Immaculata am Chorbogen. Auch die Figuren des Heiligen Josef, der Heiligen Theresia vom Kinde Jesu, des Heiligen Wendelinus, des Heiligen Antonius sowie die der Apostelfürsten Petrus und Paulus an der Kanzel stammen von Goosens und Biehler. Das Kanzelkreuz ist ebenfalls ein Werk von Goosens und Biehler[4].

Die Figur des Heiligen Bruder Konrad stammt von dem Bildhauer Vogel (Bergzabern), die der Heiligen Barbara von dem Bildhauer Dell (Boßweiler)[4].

Der Kreuzweg wurde 1929 von August Weckbecker (München) aus Terrakotta geschaffen[4].

Franz Mayrhofer (München) fertigte den Deckel des Taufbeckens[4].

Die Buntglasfenster sind ein Werk von Felix Baumhauer (München), der diese in den Jahren 1927–29 entwarf. Besonders erwähnenswert ist das große Spitzbogenfenster im Chor hinter dem Hochaltar. Für die Ausführung der Fenster zeichnete die Firma Bockhorni (München) verantwortlich. Von Baumhauer stammt auch das große Marienbild über dem Altar in der Marienkapelle[4].

Steinaltar und Ambo stammen von dem Bildhauer Willi Hahn (Trier) und wurden 1984 angefertigt[4].

Die aus Kupferblech getriebene Figur der Heiligen Hildegard von 1929 über dem Hauptportal stammt von dem Bildhauer Josef Henselmann (München)[4].

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei der vier Glocken der Kirche wurden im Februar 1942 als kriegswichtiges Material beschlagnahmt und eingeschmolzen. Lediglich ihre kleinste Glocke durfte die Kirche behalten. Am 4. Januar 1953 kam es zu einem Beschluss des Stadtrates unter Bürgermeister Georg Bleif, wonach den St. Ingberter Kirchengemeinden die im Krieg beschlagnahmten Glocken ersetzt wurden. Zudem wurde das Geläut von St. Hildegard von vier auf fünf Glocken erweitert. Die Glocken für die St. Ingberter Kirchen wurden durch die Saarlouiser Glockengießerei gegossen, welche Anfang 1953 von Karl (III) Otto von der Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen und dem Saarländer Aloys Riewer gegründet worden war. Am 3. Oktober 1953 wurden die Glocken, die von der Gießerei Otto aus Saarlouis gegossen wurden, den Kirchengemeinden feierlich übergeben[2]. Alle 5 Glocken läuten samstags um 18:00 Uhr, zusammen mit den anderen Innenstadtglocken, zum Einläuten des Sonntags und zu ganz besonderen Anlässen wie Hochfesten an hohen kirchlichen Feiertagen.[5][6]

Nr. Name Ton Durchmesser

(in mm)

Gewicht
(kg)
1 Christkönig gis0 1976 4870
2 St. Georg h0 1640 2780
3 St. Maria dis1 1310 1391
4 St. Hildegard fis1 1092 830
5 St. Barbara gis1 1016 595


Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptorgel der Kirche

Die Kirche St. Hildegard verfügt über zwei Orgeln, eine Hauptorgel und eine weitere, die sich in der Marienkapelle befindet.

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel auf der großen Empore wurde im Jahre 1933 von den Orgelbauern Gebrüder Späth (Mengen) mit 41 Registern erbaut. Im Laufe der Zeit wurde das Instrument mehrfach durch die Orgelbaufirma Hugo Mayer Orgelbau (Heusweiler) bearbeitet. 1978 baute Mayer die Orgel um; dabei wurden einzelne Register ausgetauscht und stillgelegt; das Instrument wurde im Sinne der Klangideale des Neobarock aufgehellt. 1995 restaurierte Mayer das Instrument und stattete es im Jahre 2000 mit einer elektrischen Setzeranlage aus. 2004 wurden die zwischenzeitlichen Änderungen weitgehend rückgängig gemacht und die Disposition entsprechend dem Ursprungszustand zurückgeführt. In diesem Zuge wurde die Orgel um eine Horizontaltrompete erweitert und erhielt einen viermanualigen Spieltisch.[7] Das Kegelladen-Instrument hat heute 42 Register. Die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch. Die Disposition lautet wie folgt:[7]

I Hauptwerk C–a3

1. Principal 16′
2. Principal 8′
3. Gedeckt 8′
4. Portunaflöte 8′
5. Salicional 8′
6. Praestant 4′
7. Rohrflöte 4′
8. Mixtur IV 2′ (R)
9. Scharff IV 113 (R)
10. Klarinette 8′
II Schwellwerk C–a3
11. Geigenprincipal 8′
12. Hohlflöte 8′
13. Nachthorn 8′
14. Gemshorn 8′
15. Schwebung 8′
16. Dolkan 4′
17. Quinte 223
18. Schweizerpfeife 2′
19. Terz 135
20. Mixtur IV–V 223
21. Kornett IV
22. Bombarde 16′
23. Trompete 8′
24. Oboe 8′
25. Klarine 4′
Tremolo
III Positiv C–a3 (schwellbar)
26. Lieblich Gedeckt 16′
27. Rohrgedeckt 8′
28. Quintatön 8′
29. Fernflöte 8′
30. Kupferprincipal 4′
31. Musikgedeckt 4′
32. Klosterflöte 4′
33. Terzian II
34. Cymbel IV
35. Rankett 16′
36. Krummhorn 8′
Tremolo
IV. Manual C–a3
37. Horizontaltrompete 8′ (E)
Horizontaltrompete (aus Nr. 37) 4′
Glockenspiel
Pedal C–f1
Akustikflöte (aus Nr. 38) 32′ (E)
38. Principalbass 16′
39. Subbass 16′
Sanftbass (aus Nr. 26) 16′
40. Quintbass 1023
Octavbass (aus Nr. 38) 8′
Gedecktbass (aus Nr. 39) 8′
Octave (aus Nr. 38) 4′
Flötenbass (aus Nr. 39) 4′
Bassflöte (aus Nr. 39) 2′
41. Choralbass IV
Bombarde (aus Nr. 42) 32′ (N)
42. Posaunbass 16′
Rankett (aus Nr. 35) 16′
Tuba (aus Nr. 42) 8′
Trompete (aus Nr. 42) 4′
Zink (aus Nr. 42) 2′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/I
    • Superoktavkoppeln: II/I, III/I
  • Spielhilfen: elektronischer Setzer mit 3072 Kombinationen, Sequenzer, Crescendo
  • Anmerkungen
(R) = Rekonstruiertes Register (1995)
(N) = Hinzufügung von 1995
(E) = Hinzufügung von 2004

Orgel der Marienkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Instrument wurde 1949 durch den Orgelbauer Paul Ott (Göttingen) als Hausorgel für den in Speyer tätigen Kirchenlieddichter und -komponisten Erhard Quack gebaut. In den 2000er Jahren fand die Orgel ihre Aufstellung in der Marienkapelle der St. Ingberter Hildegardskirche. Das Instrument verfügt über 9 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Die Windladen sind mechanische Schleifladen. Es handelt sich möglicherweise um die älteste mechanische Schleifladen-Orgel im Saarland, seitdem die Kegellade eingeführt wurde.[8]

I Manual C–g3

1. Gedackt 8′
2. Blockflöte 4′
3. Prinzipal 2′
4. Quinte 113
II Manual C–g3
5. Rankett 8′
6. Hohlflöte 2′
7. Zimbel I-II
Pedal C–f1
8. Rohrflöte 4′
9. Regal 16′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard H. Bonkhoff: Die Kirchen im Saar-Pfalz-Kreis. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 1987, ISBN 3-925036-15-6, S. 164.
  • Groh, Marianne: Die Kirche St. Hildegard in St. Ingbert: ihre Entstehungszeit und ihre Schutzheilige. Hrsg.: Katholisches Pfarramt St. Hildegard, St. Ingbert. St. Ingbert 1998, S. 145.
  • Katholisches Pfarramt St. Hildegard (Hrsg.): 75 Jahre Pfarrei St. Hildegard: 1927–2002. St. Ingbert, S. 63.
  • Klaus-Martin Bresgott: St. Hildegard St. Ingbert/Saarpfalz, in: Neue Sakrale Räume. 100 Kirchen der Klassischen Moderne. Zürich 2019. S. 112f.
  • Literatur zu St. Hildegard (St. Ingbert) in der Saarländischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Hildegard (St. Ingbert) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pfarrei Heiliger Ingobertus, auf heiliger-ingobertus.de
  2. a b c d Geschichte der Pfarrei St. Hildegard (Memento des Originals vom 7. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pfarrei-st-hildegard-igb.de Informationen auf dem Webangebot der Pfarrei St. Hildegard, abgerufen am 7. Juni 2012
  3. Denkmalliste und Datenbank des Saarlandes PDF-Datei, abgerufen am 28. April 2012
  4. a b c d e f g Informationen zur Kirche St. Hildegard Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 30. Juli 2012
  5. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken – Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbes. 87 bis 95, 368, 369, 566.
  6. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbes. 105 bis 112, 328, 329, 381, 517, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  7. a b http://organindex.de/index.php?title=St._Ingbert,_St._Hildegard, abgerufen am 2. Januar 2020
  8. Orgel der Marienkapelle der Kirche St. Hildegard (kath.) (Memento des Originals vom 16. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.saar-orgelland.de Infoseite des Webangebots Orgeln im Saarland, abgerufen am 7. Juni 2012.

Koordinaten: 49° 16′ 58″ N, 7° 6′ 41″ O