St. Jakob (Burghausen)

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St. Jakob, Burghausen. Ansicht vom Burghang aus

Die katholische Pfarrkirche St. Jakob ist die größte Kirche Burghausens. Das Wahrzeichen der Kirche ist der mächtige und weithin sichtbare 79 m hohe graue Turm mit doppelt geschnürter barocker Zwiebel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Jakob auf einem Stich von Michael Wening von 1699

Die erste romanische[1] Kirche an dieser Stelle wurde am 19. September 1140 zunächst als Filiale der Pfarrei Mehring[2] geweiht. Sie verfügte über einen Hochaltar mit zwei Nebenaltären. Die Kirche brannte beim Stadtbrand 1353 fast vollständig ab. Noch im selben Jahr wurde mit einem Neubau begonnen; die Grundsteinlegung für den Turm mit quadratischer Grundfläche erfolgte am 17. Juli 1470.[3] Der Bau ging bis zur heutigen Galerie. Darüber stand ein würfelförmiger Aufbau mit kleinerer Grundfläche. Im dritten Obergeschoss umlief ein Spitzbogenfries den Turm und das vierte Obergeschoss zeigte auf jeder Seite drei Kielbogenblenden mit Kreuzblumen.[4]

Bei einem Stadtbrand 1504 brannten Kirche und Turm aus. Die wiederhergestellte Kirche wurde bereits wenige Jahre später, 1511, geweiht. 1642 wurde eine Kanzel und 1675 ein Altar eingebaut. 1717 wurde die Kirche renoviert und von Josef Höpp aus Burghausen stuckiert.[3]

In der Barockzeit wurden das Turmachteck (1721–1726) und die Zwiebelkuppel (1778–1781) aufgesetzt.[4]

Am 29. Mai 1851 stürzte der südliche Teil des Kirchenschiffs ein. Die Wiederherstellung erfolgte 1853 bis 1855 nach Plänen des Architekten Franz Denziger.[4] 1855 wurde die barocke Ausstattung beseitigt und die Inneneinrichtung in neugotischem Stil erneuert.[3]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar

Im Tabernakel des neugotischen Hochaltars steht eine Figur des Kirchenpatrons mit den 12 Aposteln daneben. Weiter oben findet sich je eine Figur von Moses (links) und Abraham (rechts). Die zentrale Gruppe stellt die Dreifaltigkeit mit Gott Vater, Jesus Christus und Heiligem Geist dar. Am Kreuzstamm stehen Maria und etwas tiefer die Diözesanpatrone St. Maximilian und St. Valentin.[4]

Seitenaltäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im rechten Seitenaltar findet sich eine Figur des heiligen Sebastian von Johann Georg Lindt aus dem Jahr 1759.[4]

Die Madonna auf der linken Seite wurde 1960 von Hans Frank aus Burghausen erstellt.[3]

Chorfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. März 1945 sind bei einem Bombenangriff die Fenster der Kirche zerstört worden. Die heutigen Chorfenster wurden 1948 nach einem Entwurf von Albert Figel von der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav van Treek geschaffen. Links sind Stationen aus dem Leben des Kirchenpatrons dargestellt, rechts die „Geheime Offenbarung“ des Jakobusbruders Johannes.[2]

Seitenschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreuzigungsgruppe im rechten Seitenschiff stammt etwa aus 1856. In dem Schrein darunter sind die Gebeine des hl. Anselm aufbewahrt, die 1725 von acht Burghauser Bürgern von Rom hierher gebracht wurden. Davor befinden sich der spätgotische Taufstein und ein Weihwasserbehälter von 1635.

Im linken Seitenschiff befindet sich ein barocker Marmoraltar. Die Altarplatte besteht aus dem ältesten erhaltenen Grabstein von 1330.[4]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel in St. Jakob

Die Orgel wurde 1986 von Rieger Orgelbau gebaut. Sie hat 50 Register auf drei Manualen und Pedal.[5] Die Disposition lautet:[6]

II Hauptwerk
Bourdon 16′
Principal 8′
Spitzflöte 8′
Octav 4′
Nachthorn 4′
Quinte 223
Superoctav 2′
Cornet V 8′ (ab f)
Mixtur IV 2′
Cymbel III 2/3′
Trompete 8′
Chamade 8′
Cimbelstern
I Rückpositiv
Holzgedackt 8′
Quintade 8′
Principal 4′
Holzrohrflöte 4′
Sesquialter II 223
Octav 2′
Holzblockflöte 2′
Larigot 113
Scharff IV 1′
Krummhorn 8′
Tremulant
III Schwellwerk
Viola major 16′
Holzprincipal 8′
Flûte harmonique 8′
Gambe 8′
Voix céleste 8′
Prestant 4′
Traversflöte 4′
Salicet 4′
Nazard 223
Waldflöte 2′
Tierce 135
Sifflet 1′
Plein-Jeu VI 223
Basson 16′
Trompette harmonique 8′
Hautbois 8′
Clairon harmonique 4′
Glockenspiel c–d3
Tremulant
Pedal
Bordunbass 32′
Principal 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Gedacktbass 8′
Choralbass 4′
Rohrschelle 2′
Rauschbass V 223
Bombarde 16′
Posaune 8′
Zinke 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: elektronische Setzeranlage: 192 Generalsetzerkombinationen, 64 geteilte Setzerkombinationen pro Werk, Crescendotritt (vier freie Einstellmöglichkeiten auf je 30 Ebenen)
  • Anmerkungen: Schleiflade, vollmechanisch

Außenwände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epitaph an der Chor-Außenwand für Ulrich Zächenperger († 1492) und seine beiden Gemahlinnen Magdalena Prant und Katharina Zeller von Franz Sickinger.

An den Außenwänden der Kirche sind innen und außen zahlreiche Grabsteine aus dem 15. bis 18. Jahrhundert angebracht, welche als besonders kostbar gelten. Die Grabsteine von Sigismund von Thumberg († 1658) und Sebastian Pittersberger († 1653) stammen von Martin Zürn. Die der Maria Anna von Heppenstein († 1766) und Maria Anna Theresa von Manner († 1768) sind Arbeiten von Lindt.[4] Die Epitaphe für für den Kaplan Johannes Perger († 1488), für Michael Treiber († 1481) und seine Ehefrau Dorothea, sowie für den Bürgermeister Ulrich Zächenperger († 14. August 1492) und seine beiden Gemahlinnen Magdalena geb. Prant und Katharina geb. Zeller sind von Franz Sickinger. Letzteres Epitaph ist von besonders hohem künstlerischem Wert:

"Man kann sich kaum einen schöneren Wappengrabstein zwischen Isar und Salzach als diesen Zächenperger-Grabstein zu Burghausen denken."[7]

An der Ostseite ist eine Ölberggruppe dargestellt. Die Holzfiguren sind aus der Werkstätte von Johann Jakob Schnabl.[4] Die Malereien aus dem Jahr 1796 stammten ursprünglich von Johann Nepomuk della Croce, wurden aber 1948 von Otto Rückert nach dem historischen Vorbild neu geschaffen.[2]

Kirchplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Platz um die Kirche war in früherer Zeit vermutlich ein Marktplatz. Der südliche Teil war später ein Friedhof (vermutlich bis 1805). 1402 bis 1804 stand dort parallel zur Kirche eine Kapelle. 1855 wurde eine Mariensäule aus Untersberger Marmor mit einer gusseisernen Statue errichtet.[4]

Gegenüber dem Turm, in der Messerzeile 16, findet sich der Pfarrhof mit Pfarrmesnerhaus (Messerzeile 17) sowie dem Chorregenten- und Kaplanhaus in der Messerzeile 18.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Leidl: Burghausen St. Jakob. Schnell & Steiner, München und Zürich 1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Jakob (Burghausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pfarrkirche St. Jakob - Mit extralangem Zeigefinger. In: visit-burghausen.com. Burghauser Touristik GmbH, abgerufen am 30. Dezember 2017.
  2. a b c Friedrich Hacker: Burghausen - Haimatbuch und Führer durch Stadt und Burg. 3. Auflage. Gebr. Geiselberger, Burghausen 1975.
  3. a b c d e Volker Liedke: Baualtersplan zur Stadtsanierung Burghausen. In: Stadt Burghausen (Hrsg.): Burghauser Geschichtsblätter. Band 34. Burghausen 1978.
  4. a b c d e f g h i Alois Buchleitner: Burghausen Stadt - Burg - Geschichte. In: Heimatverein und Stadtarchiv Burghausen (Hrsg.): Burghauser Geschichtsblätter. 5. Auflage. Band 33. Burghausen 2001.
  5. Pfarrverband Burghausen St. Jakob - St. Konrad – Geschichte und Disposition der Orgel, abgerufen am 9. August 2017
  6. Orgeldatenbank Bayern online
  7. Volker Liedke: Die Burghauser Sepulkralskulptur der Spätgotik, Teil 1. Zum Leben und Werk des Meisters Franz Sickinger. In: Stadt Burghausen (Hrsg.): Burghauser Geschichtsblätter. Band 36. Burghausen 1981.

Koordinaten: 48° 9′ 28,1″ N, 12° 49′ 56,3″ O