St. Jakobus, St. Laurentius und Hl. Kreuz (Biberbach)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus, St. Laurentius und Heiliges Kreuz
Westfassade

Die katholische Pfarr-[1] und Wallfahrtskirche St. Jakobus, St. Laurentius und Heiliges Kreuz in Biberbach, einer Marktgemeinde im Landkreis Augsburg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, wurde Ende des 17. Jahrhunderts im Stil des Barock errichtet. Seit dem 16. Jahrhundert wird in der Kirche das Herrgöttle von Biberbach verehrt, ein romanisches Holzkruzifix aus der Zeit um 1220, zu dem sich im 17. und 18. Jahrhundert eine vielbesuchte Wallfahrt entwickelte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrgöttle von Biberbach

Die Pfarrei Biberbach muss bereits vor der Mitte des 12. Jahrhunderts bestanden haben, da der Augsburger Domherr Matthäus von Pappenheim in seiner Chronik eine Schenkung des Lehens der Pfarrei an das Domstift Augsburg im Jahr 1141 verzeichnet. Für das Jahr 1188 ist eine Kirchweihe, vermutlich der Pfarrkirche, die allerdings weiter unten im Ort stand, schriftlich bezeugt. Vorgänger der heutigen, auf einer Anhöhe gelegenen Wallfahrtskirche war ein 1484 geweihter gotischer Bau, der auf den Grundmauern der dem hl. Nikolaus geweihten Burgkapelle errichtet worden war. Die ehemalige Burgkapelle wurde zur Pfarrkirche umgewandelt und es wurde das Patrozinium der alten Pfarrkirche, des hl. Jakobus und des hl. Laurentius, auf sie übertragen. Noch im heutigen Kirchenbau ist ein großer Teil des Bruchsteinmauerwerks der alten Burgkapelle erhalten.

Im Zuge der Umbauten im Jahr 1616 wurde der Altarraum erweitert und der Turm erhöht. Da die wachsende Zahl der Wallfahrer in der Kirche keinen Platz mehr fand, entschloss man sich zu einem Neubau, mit dem der Baumeister Valerian Brenner beauftragt wurde. 1684 wurde der Grundstein gelegt und das Langhaus errichtet. 1693 wurde der Chor gebaut und der Turm mit Oktogon und Zwiebelkuppel versehen. Im Jahr 1694 waren die Arbeiten abgeschlossen und 1697 fand die Weihe durch den Augsburger Weihbischof Johannes Eustache Egolf von Westernach statt.

Nach der Unterbrechung durch den Spanischen Erbfolgekrieg erhielt das Langhaus unter Dominikus Zimmermann ab 1712 eine neue Ausstattung. Weitere Veränderungen des Innenraums erfolgten unter Johann Georg Hitzelberger, der ab 1753 die Baumaßnahmen leitete. Es entstanden die heutigen Deckengemälde von Balthasar Riepp und der Stuckdekor von Franz Xaver Feuchtmayer.

Von der ursprünglichen Ausstattung ist die Empore mit ihren emblematischen Brüstungs- und Deckenmalereien erhalten, die 1693 von Johann Caspar Menrad geschaffen wurden. Auf diese erste Ausstattungsphase gehen auch die Skulpturen des Apostels Jakobus und des Christus in der Rast von Bartholomäus Eberl (Öberl) zurück.

Zwiebelturm

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Nordseite des Langhauses erhebt sich der Glockenturm, dessen quadratischer Unterbau noch auf das gotische Kirchengebäude von 1484 zurückgeht. Das 1616 aufgebaute obere Geschoss ist mit Eckobelisken bekrönt, das zweistöckige Oktogon wird von einer Zwiebelhaube mit Laterne gedeckt. Ost- und Westfassade sind, wie auch die Querhäuser, mit Blendgiebeln verziert und werden von Pilastern gegliedert. Die Chorapsis wird von einer zwiebelförmigen Halbkuppel gedeckt.

Stuckdekor

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum

Das einschiffige Langhaus ist in drei Joche gegliedert. Der eingezogene Chor ist dreischiffig. Seine fünf Joche werden, wie das Langhaus, von Stichkappentonnen überwölbt. Eine Doppelempore bildet den westlichen Abschluss des Langhauses.

Fresken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langhausfresko
Chorfresko

Die Fresken im Chor und im Langhaus wurden 1753 von Balthasar Riepp ausgeführt. Sie nehmen Bezug auf die Biberbacher Wallfahrt und haben die Verehrung des Kreuzes zum Thema. Das zentrale Langhausfresko führt die Erlösung der Welt durch den Kreuzestod Christi vor Augen. Das Kreuz steht auf einem Erdhügel, in dem ein Drache den Apfel der Erbsünde präsentiert. Am Fuß des Kreuzes kauert die bekehrte Sünderin Maria Magdalena. Unter dem Kreuz schweben Engel, die in Schalen das Blut Christi auffangen und über der leidenden Menschheit ausgießen. Eine junge weibliche Figur mit Kelch, Hostie und Papstkreuz symbolisiert die Kirche.

Die beiden kleineren Deckenbilder stellen die Auffindung des Kreuzes durch die hl. Helena und die Rückführung des Kreuzes nach Jerusalem durch den byzantinischen Kaiser Herakleios dar.

Auf dem Chorfresko wird die Verehrung des Kreuzes durch Engel, Heilige und Menschen aller Erdteile dargestellt. Im Zentrum des Bildes präsentieren schwebende Engel das Kreuz. Daneben sind die beiden Schutzpatrone, der Apostel Jakobus und Laurentius, vertreten. Eine weibliche Figur mit Tiara, Papstkreuz und Kelch symbolisiert die Kirche. Auf der oberen Bildhälfte thront die Dreifaltigkeit, auf der unteren Bildhälfte umgeben die Allegorien der vier Erdteile die Weltkugel.

Emblematische Darstellungen an der Empore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 48 Tafelbilder an der Westempore wurden 1693 von Joseph Caspar Menrad geschaffen. Die Bilder der unteren Emporenbrüstung schildern die Geschichte der Biberbacher Wallfahrt, in den Bildern der oberen Brüstung werden diesen Episoden aus dem Alten Testament gegenübergestellt. An den Emporendecken sind 30 Tafeln angebracht, die zum großen Teil von Schriftbändern eingefasst sind. An der unteren Decke sind die Darstellungen mit Blütenkränzen versehen, die auf die Biberbacher Rosenkranzbruderschaft verweisen. Die Embleme der oberen Decke beziehen sich auf Christus. Teilweise sind es Herz-Jesu-Darstellungen, teilweise Darstellungen des Kreuzes oder des Biberbacher Gnadenbildes, die sich sowohl an die Wallfahrer als auch an die in Biberbach seit 1685 nachgewiesene Heilig-Kreuz-Bruderschaft richteten.

Ursprünglich waren alle Darstellungen farbig. Wegen des schlechten Erhaltungszustands wurden im 19. Jahrhundert die Embleme der oberen Emporendecke monochrom in braun übermalt.

Apostel Jakobus der Ältere

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bedeutendstes Ausstattungsstück ist das romanische Holzkruzifix im Viernageltypus (Herrgöttle von Biberbach), das um 1220 datiert wird. Die Assistenzfiguren stammen aus der Zeit um 1720.
  • Die Holzskulptur des hl. Jakobus an der Empore wird um 1690/95 datiert und Bartholomäus Eberl (Öberl) zugeschrieben.
  • Die schwarz und golden gefasste Kanzel wurde Ende des 17. Jahrhunderts geschaffen, die Figuren stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Die zahlreichen Votivtafeln in den Seitenkapellen gehen auf die Jahre 1686 bis 1881, der Blütezeit der Wallfahrt, zurück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephanie Justus, Karl Kosel, Walter Pötzl, Heibert Stiegler: Biberbach Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus, St. Laurentius und Heiliges Kreuz. (= Große Kunstführer. Band 199). 3., neu bearbeitete Auflage. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1091-6.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bayern III – Schwaben (Bearb: Bruno Bushart, Georg Paula). 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1989, ISBN 3-422-03116-2, S. 185–188.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Jakobus, St. Laurentius und Hl. Kreuz (Biberbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bistum Augsburg

Koordinaten: 48° 30′ 54,4″ N, 10° 48′ 51,4″ O