St. Johann in Tirol

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St. Johann in Tirol
Wappen Österreichkarte
Wappen von St. Johann in Tirol
St. Johann in Tirol (Österreich)
St. Johann in Tirol
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Kitzbühel
Kfz-Kennzeichen: KB
Fläche: 59,08 km²
Koordinaten: 47° 31′ N, 12° 26′ OKoordinaten: 47° 31′ 22″ N, 12° 25′ 47″ O
Höhe: 659 m ü. A.
Einwohner: 9.425 (1. Jän. 2017)
Postleitzahl: 6380
Vorwahl: 05352
Gemeindekennziffer: 7 04 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 5
6380 St. Johann in Tirol
Website: www.st.johann.tirol
Politik
Bürgermeister: Stefan Seiwald (ÖVP)
Gemeinderat: (2016)
(19 Mitglieder)

11 ÖVP
03 FPÖ
01 Die Grünen
02 Soziale Liste (SOLI)
01 SPÖ
01 Junge St. Johanner (JU-ST)

Lage der Marktgemeinde St. Johann in Tirol im Bezirk Kitzbühel
Aurach bei Kitzbühel Brixen im Thale Fieberbrunn Going am Wilden Kaiser Hochfilzen Hopfgarten im Brixental Itter Jochberg Kirchberg in Tirol Kirchdorf in Tirol Kitzbühel Kössen Oberndorf in Tirol Reith bei Kitzbühel Schwendt St. Jakob in Haus St. Johann in Tirol St. Ulrich am Pillersee Waidring Westendorf TirolLage der Gemeinde St. Johann in Tirol im Bezirk Kitzbühel (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hauptplatz der Marktgemeinde St. Johann in Tirol morgens
Hauptplatz der Marktgemeinde St. Johann in Tirol morgens
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

St. Johann in Tirol,[1] bei den Einheimischen (Dialekt) Sainihåns, ist eine Marktgemeinde mit 9425 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im österreichischen Bundesland Tirol im Bezirk Kitzbühel. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Kitzbühel. Im regionalen Sprechduktus wird die letzte Silbe des Namens akzentuiert ([zaŋkt joˈhan]).[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johann in Tirol befindet sich im Tiroler Unterland im Zentrum des Leukentals und liegt als regionaler Verkehrsknotenpunkt und als Schnittpunkt von vier Talschaften in einem breiten Talkessel. Nördlich von St. Johann bildet das Gebirgsmassiv des Wilden Kaisers eine natürliche Wetterscheide gegen Kufstein und Bayern, im Süden befindet sich das Kitzbüheler Horn, das zu den Kitzbüheler Alpen gehört. Durch die besondere Kessellage bleibt St. Johann in Tirol weitgehend von den im Tiroler Inntal gefürchteten Föhnstürmen verschont, bekommt aber im Winter durch die Lage an der Südseite des Kaisergebirges äußerst ergiebige Schneefälle ab. Die Kitzbüheler Ache, die Reither Ache und die Fieberbrunner Ache vereinigen sich im St. Johanner Talkessel zur Großache, die in Bayern als Tiroler Achen in den Chiemsee fließt. Der Ortskern liegt auf einer Höhe von 660 m ü. A., die höchste Erhebung ist die Maukspitze im Kaisergebirge mit einer Höhe von 2231 m ü. A.. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 5915 Hektar.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort besteht aus dem zentralen Hauptort und den umliegenden Ortsteilen Almdorf, Apfeldorf, Bärnstetten, Berglehen, Fricking, Hinterkaiser, Mitterndorf, Niederhofen, Oberhofen, Reitham, Rettenbach, Scheffau, Sperten, Taxa, Weiberndorf, Weitau, Winkl-Schattseite und Winkl-Sonnseite.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Going am Wilden Kaiser Kirchdorf in Tirol
Nachbargemeinden St. Ulrich am Pillersee
Oberndorf in Tirol Kitzbühel Fieberbrunn

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johann in Tirol um 1750

Archäologische Funde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit gibt es in St. Johann nicht, doch ist im südlichen Bereich des Leukentales bereits zur Urnenfelderzeit um 1300 bis 1100 vor Christus bronzezeitlicher Bergbau nachgewiesen, und ab dem 4. Jahrhundert vor Christus wurde die Gegend durch die keltischen Stämme der Ambisonten und Alaunen besiedelt, die Kupferbergbau betrieben. Durch den Talkessel von St. Johann führte schon in der Bronzezeit ein Saumpfad als Verbindung von Norditalien über den Felbertauern nach Süddeutschland. Ab dem 2. Jahrhundert vor Christus gehörte die Gegend zu den westlichen Ausläufern des keltischen Königreichs Noricum.

Im Jahr 15 vor Christus eroberten die Römer den Ostalpenraum, und das Gebiet gehörte nun zur römischen Provinz Noricum. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches 476 kam die Region im Zuge der Völkerwanderung und durch die Sesshaftwerdung des germanischen Stammes der Bajuwaren im 7. Jahrhundert zum Herzogtum Bayern.

An die Zeit der bajuwarischen Besiedelung erinnern heute noch die Flurnamen Fricking, Schwentling und Reitham. Das bayerische Adelsgeschlecht der Liuchinger, das auf einen Stammesführer namens Liucho zurück geht und dem das Leukental seinen Namen verdankt, baute in den folgenden Jahrhunderten eine Grafschaft im Leukental auf. Der Gerichtssitz für diese Grafschaft war auf der Burg Leukenstein am Fuße des Niederkaisers. Sie wurde wohl durch einen Bergsturz im 13. Jahrhundert zerstört, weshalb ihr genauer Standort heute nicht mehr bekannt ist. Der Hofname Burgwies im Ortsteil Bärnstetten erinnert aber heute noch an den ehemaligen Ansitz.

Ab 1166 scheinen die Grafen von Falkenstein als Inhaber der Grafschaft im Leukental auf. Dieses mächtige Adelsgeschlecht starb jedoch 1272 aus. Danach wird das Leukental vom bayerischen Herzog nicht mehr als Lehen vergeben und in der Folge von seinen Beamten verwaltet. So wird der Gerichtssitz 1297 von St. Johann in die Stadt Kitzbühel verlegt.

St. Johann Tirol mit dem Kaisergebirge um 1800

Bereits im 8. Jahrhundert (wahrscheinlich schon vor 738) errichteten Missionare in der Gegend von St. Johann eine Taufkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war und von der sich der Name des Ortes ableitet. Urkundlich wird die Kirche St. Johannes aber erst 1150 genannt. Die erste Erwähnung von St. Johann als Pfarre bzw. Dorfgemeinschaft erfolgte in der Gründungsurkunde des Bistums Chiemsee 1216, der Weiler Apfeldorf wurde schon früher (um 1102–1104) in einer Traditionsnotiz des Klosters Scheyern als „Affoltrach in montanis videlicet in Liuchental“ – also ausdrücklich als „Apfeldorf im Leukental“ – genannt.[3]

Älteste Aufnahme von St. Johann in Tirol aus dem Jahr 1870

Im 12. und 13. Jahrhundert hatte ein weiteres mächtiges Adelsgeschlecht ausgedehnte Besitzungen in der Gegend von St. Johann. Die aus dem Oberpinzgau stammenden Ritter von Velben besaßen eine Burg im Ortsteil Rettenbach. Die Hofnamen Oberbürg und Stallbürg erinnern noch heute daran. Von der "Vorichtenstein" genannten Burg der Velben sind noch deutlich sichtbare Geländespuren auf einem Hügel im Ortsteil Rettenbach erhalten. In unmittelaber Nähe dazu gab es eine weitere Burg, Sperten genannt, die im Besitz der Pfalzgrafen von Ortenburg stand und an die heute noch der Hofname Unterbürg erinnert.

Mit der ersten bayerischen Landesteilung kam das Gebiet von 1255 bis 1340 zu Oberbayern, und auf Grund der Heirat der Gräfin Margarete von Tirol-Görz "Maultasch" mit dem bayerischen Herzog Ludwig dem Brandenburger als Margarethes Witwengut von 1342 bis 1369 vorübergehend zur Grafschaft Tirol. 1392 mit der dritten bayerischen Landesteilung zu Bayern-Ingolstadt und ab 1447 zu Bayern-Landshut. Schließlich wird die Herrschaft Kitzbühel 1505 unter Kaiser Maximilian I. mit Tirol vereint.

1446 wurde die Pfarre St. Johann direkt den Chiemseer Bischöfen unterstellt. St. Johann war somit bis 1808 deren Pastoral- bzw. Sommerresidenz.

Durch die Eröffnung des Kupfer- und Silberbergbaues 1540 am Rerobichl bei Oberndorf, das damals zum Gemeindegebiet von St. Johann gehörte, erlangte der Ort großen Reichtum. Im 17. Jahrhundert war der Heilig-Geist-Schacht mit über 780 Metern der tiefste Schacht der Erde. Der Bergbau hielt noch bis in das 18. Jahrhundert an.

1621 wird St. Johann in Tirol Dekanatssitz. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden barocke Kulturdenkmäler geschaffen, denen der Ort den Beinamen "Barockes St. Johann" verdankt.

1875 wurde St. Johann durch den Bau der Giselabahn an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, und der Fremdenverkehr nahm seinen Anfang.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Bezeichnung "St. Johann im Leukental" immer mehr in Vergessenheit, und es bürgerte sich der heutige Name "St. Johann in Tirol" ein.

1927 wurde der Weiler Oberndorf von St. Johann abgetrennt und zur eigenen Gemeinde.

1956 wurde der Ort zur Marktgemeinde erhoben.

St. Johann von Reitham aus gesehen, rechts im Hintergrund das Kaisergebirge. (Winter [4,2 MB] / Frühling [3,3 MB])

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl von St. Johann ist stetig steigend; im Jahr 2004 betrug die Wachstumsrate 1,8 %. Seit Herbst 2007 ist St. Johann in Tirol die einwohnerstärkste Gemeinde im Bezirk Kitzbühel.[4]

Gemeinderanking[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johann ist die Gemeinde mit der größten Einwohnerzahl im Bezirk Kitzbühel und die neuntgrößte Gemeinde des Bundeslandes Tirol.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat (Ortsparlament) besteht aus 19 Mitgliedern, wobei der Bürgermeister den Vorsitz führt.

Der Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen (2016):

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der St. Johanner Gemeindevorstand besteht aus sieben Mitgliedern. Den Vorsitz hat der Bürgermeister, der von der St. Johanner Bevölkerung direkt gewählt wird. Die zwei Vizebürgermeister werden vom Gemeinderat gewählt.

  • Bürgermeister: Stefan Seiwald, (ÖVP)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Mai 1954 hat die Tiroler Landesregierung der Gemeinde St. Johann in Tirol folgendes Wappen verliehen:

Wappen

Blasonierung: „In einem grün und rot gespaltenen Schild sind rechts ein silbernes, gestürztes Steinbockhorn und links ein goldener Bischofsstab.“

Der Schild trägt die Farben der alten Fahne des Gerichtes, dessen Sitz bis 1297 in St. Johann war. Das Steinbockhorn erinnert an das bedeutende Geschlecht der Ritter von Velben, das im 13./14. Jahrhundert in der Nähe von St. Johann eine Burg und Ländereien besaß. Der Bischofsstab kennzeichnet den Ort als ehemaligen Sommersitz der Bischöfe des Bistums Chiemsee.

Kommunale Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstleistungen, Handel und Gewerbe erlebten in den letzten Jahrzehnten einen starken Aufschwung. St. Johann ist heute das Einkaufszentrum des Bezirks Kitzbühel (1. Jänner 2013: 861 Betriebe). Besonders entlang der Loferer Straße B 178 siedelten sich viele neue Betriebe an, die von der günstigen Verkehrsanbindung profitieren. Außerdem erlebt der innere Ort seit Einführung der Fußgängerzone in den 1990er Jahren eine Steigerung des wirtschaftlichen Angebotes für die durchschnittlich 20.000 Menschen, die laut Statistik täglich das infrastrukturelle Angebot von St. Johann in Tirol in Anspruch nehmen.

In St. Johann haben mehrere Industriebetriebe ihren Standort. Besonders hervorzuheben ist der Hauptsitz der Firma Fritz Egger GmbH & Co, die zu den führenden Holzwerkstoff- und Spanplattenherstellern in Europa zählt.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Raum St. Johann in Tirol gilt seit jeher als eines der landwirtschaftlichen Zentren Tirols - trotz des rauhen, niederschlagsreichen Klimas. Die Landwirtschaft hat im breiten Becken des St. Johanner Talkessels eine große Tradition als einstige Kornkammer Tirols, und auch heute noch kommt den bäuerlichen Betrieben, die vorwiegend Milchwirtschaft betrieben, eine besondere Bedeutung zu.

Im weiten, ebenen Talkessel und an dessen mit einigen Ausnahmen nicht extrem steilen Hängen siedeln für Tiroler Verhältnisse relativ viele mittlere und große Bauernhöfe. Laut Statistik Austria wird etwa ein Drittel der Höfe im Haupterwerb bewirtschaftet. Diese nutzen etwas mehr als die Hälfte der land- und forstwirtschaftlichen Fläche der Gemeinde.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der St. Johanner Schiberg, das Kitzbüheler Horn

Tourismus und Gastronomie zählen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Ortes. So gehört St. Johann in Tirol mit rund 420.000 Nächtigungen pro Jahr, relativ gleichmäßig verteilt auf Sommer und Winter, zu den großen Tourismusorten in Tirol. Die touristische Infrastruktur bietet von Hotels, Pensionen und Appartements bis zum Campingplatz sowie von Bars, Bistros, Restaurants und Cafés ein breit gefächertes Angebot.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johann in Tirol ist im Schnittpunkt von vier Talschaften (Leukental, Pillerseetal, Sölllandl und Kohlental) ein regionaler Verkehrsknotenpunkt von Loferer Straße B 178, Hochkönig Straße B 164, Kössener Straße B 176 und Pass Thurn Straße B 161.

Die Gemeinde verfügt über eine Schnellzugstation an der Giselabahn, auch Salzburg-Tiroler-Bahn genannt, und hat damit Anschluss an das internationale Eisenbahnnetz, nach Salzburg (65 km), Innsbruck (100 km) und über Wörgl nach München (125 km).

Der Ort besitzt mit dem Sportflugplatz St. Johann den zweitgrößten Flugplatz in Tirol (ICAO-Code LOIJ). Dort befindet sich der Fliegerclub St. Johann mit einer eigenen Flugschule sowie Möglichkeiten für Segel- und Modellflug, Ballooning und Fallschirmspringen.

Von Weihnachten bis Ostern gibt es ein kostenloses Schibus-Angebot, das von Einheimischen und Gästen für Fahrten von den Randgebieten ins Ortszentrum und vor allem zu den Schipisten genutzt wird.

Ein Anrufsammletaxi-System ermöglicht jenen Einwohnerinnen und Einwohnern, die ihren Hauptwohnsitz in St. Johann in Tirol haben, günstige Taxifahrten innerhalb des Ortsgebietes mittels von der Gemeinde gestützter Gutscheine.

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernwärmeleitungen als Kunststoffmantel-Verbundrohr der Fa. Logstor

Die Marktgemeinde verfügt über eine Wasserversorgung (Wasserhärte 9,5 °dH), Abwasserentsorgung sowie Abfallentsorgung welche von der Gemeindeverwaltung organisiert wird. Neben elektrischer Energie und Erdgas besteht seit Ende 2008 auch ein umweltfreundliches Fernwärmenetz, aus dem die größten Gebäude des Ortes und zahlreiche Privathaushalte versorgt werden.

Die Ortswärme St. Johann in Tirol GmbH versorgt seit Dezember 2007 Haushalte, Betriebe und öffentliche Institutionen in St. Johann in Tirol mit Fernwärme. Das Unternehmen steht im Eigentum der Marktgemeinde St. Johann (74 %) und der Fritz Egger GmbH (26 %). Die Ortswärme St. Johann besitzt mit Ausnahme eines Ausfalls- und Spitzenlastkessels im Zentrum des Ortes keine eigene Energieerzeugung. Die Energie wird vom Egger-Werk aus Abwärme und Biomasse in Verbindung mit einer Absorptionswärmepumpe erzeugt und an der Werksgrenze an das Netz der Ortswärme übergeben. Mit Stand Ende 2012 wurden rund 640 Gebäude und 1400 Haushalte in St. Johann und Oberndorf mit Fernwärme beheizt. Darunter sind das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol, die Kaserne, die Schulen, Gewerbebetriebe sowie Ein- und Mehrfamilienwohnhäuser. Gesamt wurden ca. 42 km Leitungstrasse, das sind 84 km Rohrleitung, verlegt. Im Jahr 2009 wurde 29 GWh Fernwärme verkauft, das entspräche einem Ölverbrauch von ca. 3,4 Mio Liter pro Jahr. Mittelfristig werden durch den Einsatz der Fernwärme in St. Johann im Ortszentrum jährlich ca. 12.000 Tonnen CO2 eingespart. Zur Auslesung der Zählerstände und zur Visualisierung der einzelnen Hausanlagen wurde im Zuge der Errichtung des Fernwärmenetzes ein Glasfaserkabel verlegt.[5]

Kommunikation und Telekommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glasfaser-Leerverrohrung in Einblastechnologie

An Telekommunikationsnetzen ist das Netz der Telekom Austria und eines Kabel-TV Betreibers vorhanden. Zusätzlich wurde im Zuge der Errichtung des Fernwärmenetzes in jedes versorgte Gebäude ein Glasfaserkabel (LWL-Kabel) eingebunden. Der Ort verfügt damit auch über ein Hochgeschwindigkeitsdatennetz.

Ab Herbst 2010 steht Firmenkunden, bei Gebäuden mit Fernwärmeanschluss der Ortswärme, das Glasfaserkabel zur Nutzung von Diensten nach dem Telekommunikationsgesetz zur Verfügung. Die Ortswärme wird damit auch zum Internet- und Leitungsprovider.

Unter dem Namen St. Johann ONline[6] können Kunden Dienste wie Internet, Filialverbindungen (Miet-Standleitungen), Telefonie oder Ähnliches nutzen.
Aufgrund des Glasfaserkabels können nun in St. Johann hohe Bandbreiten (Geschwindigkeiten) zu wirtschaftlich interessanten Bedingungen bezogen werden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirkskrankenhaus

In St. Johann gibt es einige überregional bedeutende öffentliche Einrichtungen: Bezirkskrankenhaus, die Winterstellerkaserne, die Heeresversorgungsanstalt – Logistikzentrum West des Österreichischen Bundesheeres.

Regional wichtige Einrichtungen: Bezirksforstinspektion, Bezirksstelle der Landeslandwirtschaftkammer, Straßenmeisterei, Pflegeheim St. Johann in Tirol und Umgebung, Gesundheits- und Sozialsprengel, Polizeiinspektion St. Johann in Tirol.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekanatspfarrkirche Maria Himmelfahrt
  • Dekanatspfarrkirche Maria Himmelfahrt
  • Antoniuskapelle mit bedeutendem Kuppelfresko von Josef Schöpf
  • St. Nikolaus in der Weitau mit den ältesten Glocken Tirols und dem einzigen in Tirol vollständig erhaltenen Fenster mit gotischen Glasmalereien
  • Einsiedelei, die bereits seit über 300 Jahren ununterbrochen von Eremiten bewohnt wird
  • Gmailkapelle - Rokokobau in einer Felshöhle am Niederkaiser
  • Fixlerkapelle - barocke Pestkapelle aus dem 17. Jahrhundert
  • Nepomukstatue - barocke Sandsteinfigur des hl. Johannes Nepomuk von 1717 an der Brücke über die Fieberbrunner Ache
  • Museum St. Johann in Tirol mit einer Dauerausstellung zur regionalen Geschichte und der Schwerpunktausstellung felsenreich - Mythos und Erlebnis Kaisergebirge
  • Galerie im Museum mit Wechselausstellungen zeigtenössicher Kunst im Obergeschoß des Museums
  • Alpinmuseum der Heeresversorgungsanstalt über die Entwicklung der militärischen Alpinausrüstung
  • Kaisersaal - Kultur- und Veranstaltungszentrum für Konzerte, Theater, Kino, Vorträge, Lesungen, Workshops etc.
  • Alte Gerberei - Kultur- und Veranstaltungszentrum für Konzerte, Kino, Kinderkultur, Vorträge, Lesungen, Workshops, Theater etc.
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in St. Johann in Tirol

In St. Johann in Tirol wurde 1954 der Film „Das geteilte Herz“ (The Divided Heart) gedreht – der Film handelt vom Schicksal eines Flüchtlingskindes. 1967 wurde ein Großteil des Films Da lacht Tirol gedreht – die Bergfilmkomödie hat auch dokumentarische Züge. 2003 wurde der Krimi Tatort: Der Wächter der Quelle in St. Johann in Tirol gedreht. Das Drehbuch stammt von Felix Mitterer.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama Badewelt
Trabrennbahn Oberhofen

Für Sport stehen den Bewohnern und Gästen zahlreiche Einrichtungen zur Verfügung:

  • Panorama Badewelt, eine Hallen- und Freibadanlage mit Sauna, Dampfbad, wettkampftauglicher 50-m-Außenbahn (acht Startbahnen, Wassertiefe 2,00–2,20 m), Sportbecken im Hallenbad und Beachvolleyball-Platz
  • Tennisplätze, Tennishalle
  • Mountainbike-Routen
  • Rad- und Wanderwege
  • Bogenschießanlage, Kleinkaliberschießstand, Pistolenschießhalle, Luftgewehrschießstand
  • Fitnessparcours
  • Fußballstadion (Koasastadion)
  • Reithalle, Reitparcours, Trabrennbahn
  • Kajak und Rafting
  • 60 km Schipisten, davon 48 km mit Kunstschneeanlage, Einseilumlaufbahnen, Sesselbahnen, Schleppliften und Babyliften
  • Langlaufloipen
  • Schisprunganlage
  • Hochseilklettergarten
  • Kletterhalle
  • Mountain-Cart Strecke
  • Skill-Park (Mountainbike Technik-Trainingsparcours)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knödelfest-Programm 2015
  • Kaisersaal: Seit 2004 hat St. Johann in Tirol einen modernen Veranstaltungssaal. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Gebirgsmassiv des Wilden Kaisers ab. Dieser Saal wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt, von Fachvorträgen über Firmen-Informationsveranstaltungen bis zu Pop- und Rockkonzerten sowie klassischer Musik.
  • Internationales Stefani-Pferderennen
  • Koasalauf – einer der größten Volkslangläufe Europas – im Januar
  • Sommernachtsfest „Jaggasn“ im Juli
  • Sommerkonzerte der Musikkapelle jeden Freitag von Juli bis September mit verschiedenen Gaststars
  • "Lang und Klang" jeden Mittwoch von Mitte Juni bis Ende August mit Live-Musik, Nightshopping und Kinderspielstraße
  • UCI-Radweltcup im August für Fahrer aller Altersklassen bis über 80 sowie die „Masters Cycling Classic“[7]
  • Der längste Knödeltisch der Welt anlässlich des jährlich im September stattfindenden Knödelfests
  • Internationales Festival für Jazz und improvisierte Musik „artacts“. Seit 2001 findet dieses dreitägige Festival jedes Jahr im März in der Alten Gerberei statt.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die in der Gemeinde gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingrid Tschugg: Frauenalltag und Wiederaufbau. St. Johann in Tirol nach 1945. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2005, ISBN 3-7065-1707-8
  • Franz-Heinz Hye (Red.): Die Marktgemeinde St. Johann in Tirol, das Gemeindebuch. Band I und II: Natur und Mensch in Geschichte und Gegenwart. Hutterdruck St. Johann, St. Johann 1990
  • Hannes Hofinger: Marktgemeinde St. Johann in Tirol. St. Johann in Tirol 2007, ISBN 978-3-900072-05-6
  • Josef Wörgötter: Sommerfrei – Lebenserinnerungen von Josef Wörgötter. Hutterdruck, St. Johann in Tirol 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Johann in Tirol – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Karten Bilder und Videos:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die amtliche Schreibweise ist festgelegt bzw. dargestellt in der Liste der Tiroler Gemeinden in der Anlage der Tiroler Gemeindeordnung 2001; abgerufen am 11. April 2012 und auf Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde
  2. Duden Aussprachewörterbuch. 6. Auflage. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2006, ISBN 978-3-411-04066-7.
  3. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Band 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 246–247, Nr. 280.
  4. Ein Blick auf die Gemeinde. Statistik Austria
  5. ortswaerme.info
  6. St. Johann ONline
  7. masterswm.org
  8. Alten Gerberei