St. Maria in Lyskirchen

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St. Maria in Lyskirchen, Ansicht vom Rheinufer mit Küsterhaus und Sakristei im Vordergrund (2007)

St. Maria in Lyskirchen ist die kleinste der zwölf großen romanischen Basiliken in der Altstadt Kölns und entstand in ihrer heutigen Form als dreischiffige Emporenbasilika zwischen 1198/1200 und 1225 und orientierte sich an St. Kunibert. Die Pfarrkirche St. Maria in Lyskirchen zeichnet sich besonders durch historische Gewölbefresken aus dem 13. Jahrhundert aus, die bei ihr als einziger der zwölf größtenteils erhalten sind, und die Verehrung der Schiffermadonna. Die Benennung Lyskirchen leitet sich von der gleichnamigen Patrizierfamilie ab, die im Mittelalter viele Baumaßnahmen an dieser Kirche stiftete.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langhaus und Chor

Im Jahr 948 wurde erstmals eine private Marienkapelle in Form einer schlichten Saalkirche urkundlich erwähnt. Diese wurde im Jahr 1067 durch Erzbischof Anno II. dem von ihm gegründeten Chorherrenstift St. Georg inkorporiert und trug damals den Namen St. Maria in Noithusen. In unmittelbarer Nähe des Rheins gelegen, diente sie vorrangig Schiffsführern zur Andacht. Im 12. Jahrhundert wurde sie wahrscheinlich dreischiffig ausgebaut und um 1135/42 erstmals urkundlich als „ecclesia Lisolvi“ (Kirche des Lisolvus) erwähnt. Zu dieser Zeit wurde sie zur Pfarrkirche des 1106 in die Kölner Stadterweiterung aufgenommen Fischerdorfers No(i)thusen, das später Airsbach genannt wurde. In unmittelbarer Nähe lebte die Patrizierfamilie Lyskirchen, die in der Folge zum weiteren Ausbau der Kirche beitrug. Der Baubeginn von St. Maria in Lyskirchen in ihrer heutigen Form liegt zwischen 1198 und 1200. Wegen der konstanten Hochwassergefahr wurde zuvor der Baugrund erhöht. Um 1225 wurde die Kirche als Emporenbasilika mit leicht irregulärem Grundriss vollendet und erhielt in Anlehnung an St. Kunibert einen zweitürmigen Ostbau mit dazwischenliegender Apsis. Wahrscheinlich aufgrund Geldmangels wurde nur der Nordturm fertiggestellt. Die Krypta der Vorgängerkirche wurde aufgegeben und die neue auf den Raum unter Chorquadrat und Apsis beschränkt.[1][2]

Um 1520/30 wurden die Fächerfenster mit Ausnahme derjenigen der Emporen gegen Spitzbogenfenster mit Fischblasenmaßwerk ausgetauscht, wobei die Fenster der Apsis zweibahniges Maßwerk hatten. Zudem erhielten die Seitenschiffe nach außen hin Strebepfeiler und die Westfassade bekam einen Giebel, der alle drei Schiffe integrierte. Im Jahr 1528 wurde erstmals die Bezeichnung St. Maria in Lyskirchen verwendet. 1658–62 erfuhr St. Maria in Lyskirchen einen umfangreichen Umbau des Innenraums, bei dem die Apsis erhöht und ihre Blendbögen, Plattenfries und Zwerggalerie durch hohe gotisierende Maßwerkfenster ersetzt wurden. Dazu wurden die Gewölbe von Chor und Apsis abgetragen und ihre Deckenhöhe der des Mittelschiffes angepasst. Durch diese Umbauten verlor die Apsis ihre Halbkreisform und fiel polygonal aus. Bei den Emporen traten korbbogige Arkaden an die Stelle der Drillingsarkaden, so dass sich die Hochschiffwände der beiden östlichen Joche in voller Breite öffneten. Im Chor fand 1663/65 ein barocker Hochaltar Eingang, von dem heute nur noch die Statuen der Heiligen St. Nikolaus und Maternus erhalten sind. Die romanischen Fenster der Emporen wurden im Jahr 1697 als Rundbogenfenster mit Gabelmaßwerk erneuert. Der Kirchturm erhielt einen Falthelm, der im 19. Jahrhundert durch ein Rhombendach ersetzt wurde. Beim Hochwasser im Jahr 1784 zerstörten die Fluten und Eisgang einen Teil der Kirchenausstattung, so dass 1785 ein neuer Hochalter errichtet werden musste. Als 1804 das Chorherrenstift St. Georg säkularisiert wurde, wurde St. Maria in Lyskirchen eine Pfarrkirche. Ab 1850 wurde am Gebäude zunehmender Sanierungsbedarf erkannt. Im Jahr 1860 bekam der Chor einen neuen Hochaltar, der von Vincenz Statz entworfen wurde. Außerdem wurden die Apsisfenster bis 1865 mit Glasmalereien ausgeschmückt und Altäre in den Chorkapellen aufgestellt. 1868–76 fand eine umfangreiche Restaurierung statt, die den Bau teilweise im Stil der Romanik vereinheitlichte wie zum Beispiel bei der neu gestalteten Westfassade oder den Emporenfenstern. Bei der Neuausstattung des Innenraums wurden 1879 das übertünchte Gewölbefresko aus dem 13. Jahrhundert entdeckt und wiederhergestellt sowie der gesamte Innenraum ausgemalt. Die Baumaßnahmen des frühen 20. Jahrhunderts betrafen 1918 die Krypta und 1928/30 den Außenbau. Im Jahr 1934 fand eine erneute Restaurierung der mittelalterlichen Fresken statt, während die historistische Ausmalung aus dem 19. Jahrhundert entfernt wurde. Bis auf das des Turm zerstörten die alliierten Luftangriffe 1942/43 alle anderen Dächer von St. Maria in Lyskirchen. Zwar stürzte das Tonnengewölbe der Emporen ein, jedoch blieb das Mittelschiffgewölbe mit seiner Ausmalung unzerstört. Der Wiederaufbau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg begann ab 1947 und dauerte bis 1962. In den Jahren 1972–77 erfolgte eine erneute Restaurierung der mittelalterlichen Gewölbefresken, wobei alle späteren Übermalungen entfernt wurden. 1982–89 wurde St. Maria in Lyskirchen gemäß Originalbefunden aus der Romanik außen rosafarben, grau und weiß verputzt.[3][4][5]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Maria in Lyskirchen ist die kleinste der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Es handelt sich um eine Basilika mit Emporen, deren Ostapsis von zwei Turmbauten flankiert wird, von denen nur der nördliche ausgebaut wurde. Seine Gestalt folgt dem Vorbild von St. Aposteln: ursprünglich Falthelm, heute Rautenhelm über vier Giebeln.

An der Westfassade, deren obere Partien im 19. Jahrhundert neu gefasst wurden, hat sich eines der eigenwilligsten Portale Kölns erhalten: Das von einer Girlande gerahmte Bogenfeld über der säulenflankierten Giebelsturzpforte zeigt einen blinden Zackenbogen, dessen nächste Verwandte in der Westvorhalle von St. Andreas und in den Fächerfenstern von St. Gereon zu finden sind.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich und südlich des Chorquadrats öffnen sich die beiden Turmkapellen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätgotische Schiffermadonna.

Der Flügelaltar im Chor der Kirche ist eine Kopie des Originals von 1420, das sich im Städel-Museum, Frankfurt, befindet. Im Jahr 1957 erhielt die Kirche eine Orgel der Firma Romanus Seifert mit 20 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.

Fresko über dem Westportal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziges Wandgemälde der zur Romanik wahrscheinlich umfangreich ausgemalten St. Maria in Lyskirchen ist die Anbetung der Könige innen über dem Westportal erhalten. Dieses Fresko wurde erst im Jahr 1947 entdeckt und entstand um 1220/30 als flachbogiger Tympanon. In der Bildmitte ist auf einem Thron sitzend Maria mit dem Jesuskind, der sich von links in Verehrung die Heiligen Drei Könige nähern. Rechts stehen zwei männliche Figuren, die nicht genau zuzuordnen sind. Möglicherweise handelt es sich bei ihnen um Propheten. Diese älteste Malerei der Kirche ist im Muldenstil gehalten, der an der Faltendarstellung der Kleidung erkennbar ist und sich zum Beispiel in den Glasfenstern von St. Kunibert wiederfindet. Die später entstandenen Gewölbefresken wurden bereits im darauf folgenden Zackenstil gefertigt.[6]

Schiffermadonna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Maria in Lyskirchen wird auch Schifferkirche genannt, weil dort die spätgotische Schiffermadonna verehrt wird. Sie steht an der inneren Westwand nördlich des Eingangsportals und wurde um 1410/20 im Rheinland geschaffen. Wahrscheinlich gelangte sie erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach St. Maria in Lyskirchen und stammt möglicherweise aus dem Zisterzienserinnen-Kloster Walberberg. Die Schiffermadonna weist eine starke Entsprechung zur Schönen Madonna in St. Foillan in Aachen auf und ist wie diese im weichen Stil des böhmischen Typus gefertigt. Charakteristische Merkmale sind unter anderem das dem Betrachter zugewandte Jesuskind, das einen kleinen Apfel zu reichen scheint, sowie die Formung der Gewandmasse der Madonna, deren Säume zu ihrer Rechten in langen Bahnen und zur Linken kaskadenartig abfällt. Die Figur wurde bis 1868 außen an der Ostapsis aufgestellt, was vermutlich zu der historisch falschen Annahme führte, sie sei von Rheinschiffern besonders verehrt worden, woraus die Bezeichnung Schiffermadonna entstand. Die damit zusammenhängende Überzeugung, St. Maria in Lyskirchen sei die Kirche der Schiffer gewesen, ist gleichfalls nicht fundiert. Zwar lebten im Veedel um die Kirche seit dem Spätmittelalter zum Teil Schiffer, aber eine entsprechende Zunft sowie eine Nikolaus-Bruderschaft entstanden erst im 17. Jahrhundert.[7] Die Statue steht in einer von Peter Hecker ausgemalten Wandnische, die zur Madonna aufschauende Schiffer zeigt.

Taufstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der inneren Westwand südlich des Eingangsportals steht ein Taufstein. Dieser stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist somit neben den Fresken das einzig erhaltene Ausstattungsstück aus der Romanik. Das achteckige, sich nach oben verbreiternde Taufbecken ist aus blauschwarzem Marmor aus Namur gefertigt und 1,02 m hoch. Es ruht auf einer achteckigen Mittelstütze mit acht Säulen aus hellem Marmor. Die acht Seiten des Taufbeckens sind mit Dreipassbögen ausgeschmückt, während auf Höhe der oberen Kante die acht Ecken durch Zierköpfe mit kerbschnittartigen Gesichtern betont werden. Der Taufstein stellt einen zur damaligen Zeit am Niederrhein weit verbreiteten Typus dar.[8]

Kirchenfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittleres Fenster des nördlichen Seitenschiffs. Hier die mittlere Bahn mit Kreuzigungsszene und Maria Magdalena.

Historisch bedeutsam sind die drei Bleiglasfenster des nördlichen Seitenschiffs, die aus der Zeit um 1520/30 stammen. Die Glasmalerei des mittleren, dreibahnigen Fensters zeigt die Kreuzigung Christi. In der mittleren Bahn ist das Kreuz abgebildet, das die wohlhabend gekleidete Maria Magdalena umfasst. Auf den Bahnen links und rechts davon stehen Maria und Johannes. Die gesamte Szene spielt sich vor einem einheitlichen Landschaftshintergrund ab, während die Figuren im Stile der Spätgotik gemalt sind und besonders differenzierte Gesichter und Gewänder aufweisen. Die drei Abbildungen sind jeweils von Zierrat in Form von klassischen Säulen und Flachbögen eingerahmt, die zeittypisch Elemente der Gotik und Renaissance vereinen. Über den Kapitellen der linken und rechten Bahn tragen jeweils kleine Engel die Stifterwappen.[9]

Das gleichfalls dreibahnige östliche Fenster, das um 1520/30 entstand, zeigt die Heilige Helena mit dem wiederentdecktem Kreuz Christi, Maternus und den Heiligen Gereon mit Fahne und Schild. Die drei Bilder werden jeweils von Säulen eingerahmt, deren Kapitelle mit Akanthusornamenten verziert sind. Anders als beim mittleren Fenster werden hier die Stilmittel der Renaissance nicht durch gotische Elemente ergänzt und die Figuren scheinen mehr an zeitgenössischen italienischen Vorbildern orientiert als beim westlichen Nachbarfenster.[10]

Gewölbemalereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewölbefresko östliches Mittelschiffjoch. Ab der unteren Gewölbekappe beginnend sind jeweils links (nördlich) und rechts (südlich) folgende biblische Szenen gegenübergestellt: (1) Verheißung Isaaks und Mariä Verkündigung, (2) Geburt Isaaks und Geburt Christi, (3) Darbringung Samuels und Der zwölfjährige Jesus im Tempel sowie (4) Bad des Naaman und Taufe Jesu.
Gewölbefresko der nördlichen Seitenkapelle mit Darstellung der Katharinenlegende.

St. Maria in Lyskirchen ist die einzige der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, deren Fresken zum großen Teil erhalten sind. In den drei Mittelschiffsjochen, die um 1250 ausgemalt wurden,[5] sind jeweils vier Szenen des Alten (jeweils nördlich) und des Neuen Testaments (jeweils südlich) paarweise in gegenseitigem Bezug und von Osten nach Westen erzählerisch fortschreitend dargestellt:[11]

  1. Verheißung Isaaks und Mariä Verkündigung.[12]
  2. Geburt Isaaks und Geburt Christi.[13]
  3. Darbringung Samuels und Der zwölfjährige Jesus im Tempel.[14]
  4. Bad des Naaman und Taufe Jesu.[15]
  5. Mose bringt die Zehn Gebote und Verklärung Christi.[16]
  6. Einzug Salomos in Israel und Einzug Jesu in Jerusalem.[17]
  7. Gastmahl des Ahasveros und Abendmahl Jesu.[18]
  8. Hiob im Unglück und Geißelung Jesu.[19]
  9. Anbetung und Zerstörung der Ehernen Schlange und die Kreuzabnahme.[20]
  10. Samson mit den Torflügeln der Stadt Gaza und Höllenfahrt Jesu.[21]
  11. Himmelfahrt des Propheten Elias und Entrückung des Henoch sowie Christi Himmelfahrt.[22]
  12. Gottesurteil am Karmel und Pfingstwunder.[23]

Die mittelalterlichen Fresken in den beiden Chorkapellen sind gleichfalls erhalten:[24]

  1. Die Gewölbemalerei der südlichen Chorkapelle ist um das Jahr 1270 entstanden und stellt die Heiligenlegende des Nikolaus von Myra als achtteiligen Bilderzyklus dar, wobei jede der vier Gewölbekappen durch eine gemalte Säule halbiert wird. Sie thematisieren drei Wunder aus dem Leben des Nikolaus.[25]
  2. Das Deckenfresko der nördlichen Chorkapelle entstand etwas später als das der südlichen, wahrscheinlich um 1280. Als gleichfalls achtteiliger Bilderzyklus stellt es Szenen aus dem Leben der Heiligen Katharina von Alexandrien dar. Diese Gewölbemalerei ist die einzige in St. Maria in Lyskirchen, die sich noch in dem Zustand Restaurierungs- und Übermalungszustand von 1879 befindet, der sich dunkle Farbigkeit und umfassende Verwendung von Goldbronze auszeichnet.[26]

Statuen Heiliger Nikolaus und Maternus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Links und rechts der Öffnung zur Ostapsis stehen die Holzskulpturen des Heiligen Nikolaus mit Anker und Maternus mit zwei Mitren zur Hand. Sie stammen wahrscheinlich vom ehemaligen barocken Hochaltar aus dem Jahr 1665, der während des Hochwassers 1784 zerstört wurde. Seit 1975 in Weiß gefasst mit vergoldeten Säumen und Ornamenten, ist über ihre ursprüngliche Farbgebung nichts bekannt. Nach der Entfernung des nachfolgenden Altarbildes im Jahr 1860 verblieben diese beiden Skulpturen als Überreste des ursprünglichen barocken Hochaltars.[27]

Schatzvitrine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In eine Mauernische der nördlichen Chorkapelle wurde im Jahr 2014 eine Schatzvitrine eingearbeitet, die vier Stücke mit teilweisem Bezug zur Gemeindegeschichte ausstellt:

  1. ein Salbölgefäß, das um 1500 in einer Kölner Werkstatt entstand und oben den Heiligen Jakobus zeigt.
  2. der sogenannte Apostelkelch. Dieser wurde um 1695 in Köln gefertigt und stammt aus dem Servitissenkloster St. Lucia, das im Filzengraben stand und während der Säkularisation unter Napoleon aufgelöst wurde. Über eine wohlhabende Witwe gingen einige der Kirchenschätze aus diesem Kloster in den Besitz von St. Maria in Lyskirchen über. Am Fuß des Kelches sind die vier Apostel mit ihren jeweiligen Attributen abgebildet. Darüber sind sie beim Abendmahl zu sehen.
  3. ein Messtablett mit Kännchen für Wein und Wasser. Dieses entstand 1795 in Köln und zeigt Maternus. Laut Legende hat er seine Klosterzelle dort gehabt, wo heute die Krypta von St. Maria in Lyskirchen liegt.
  4. eine Strahlenmonstranz im Zentrum der Schatzvitrine. Diese wurde im Jahr 1763 in Köln gefertigt. Sie thematisiert die Eucharistie und stellt unter anderem Ähren und Trauben als Verweis auf Brot und Wein des Abendmahls dar. An ihrer Spitze ist eine Weltkugel mit der Abbildung des Sündenfalls. Des Weiteren ist ein Kreuz zu sehen, das auf einem Lamm aufgerichtet ist, das das Symbol des Agnus Dei bildet.

Der kostbarste Kirchenschatz von St. Maria in Lyskirchen, das als Salierkreuz bekannte Vortragekreuz aus dem 12. Jahrhundert, ist aus Sicherheitsgründen in einem Depot der Gemeinde verwahrt. In der Liturgie findet es nur anlässlich von Hochfesten Verwendung.[28]

Triptychon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nördlichen Chorseitenkapelle steht ostwärts ein Triptychon. Es ist eine Kopie des dreiteiligen Gemäldes von Joos van Cleve, das laut Inschrift 1524 durch den Ratsherren Gobelinus Schmitgen gestiftet wurde. Das Original wurde durch die Gemeinde im Jahr 1812 verkauft und steht heute im Städelschen Kunstinstitut. Die Kopie wurde durch Benedikt Beckenkamp geschaffen und ersetzte nach einigen Jahren das Original an gleicher Stelle. Der mittlere Flügel zeigt die Beweinung Christi. Neben Maria, Nikodemus, Johannes und Maria Magdalena wird ein unbekannter Mann dargestellt, bei dem es sich wahrscheinlich um einen Stifter des Retabels handelt. Auf den vorderen Seitenflügeln des Triptychons sind die Heilige Veronika mit dem Schweißtuch Christi sowie Josef von Arimathäa mit der Dornenkrone abgebildet.[29]

Glocken und Turmuhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christusglocke von 2005

Vor dem Ersten Weltkrieg besaß die Kirche ein Geläut aus drei Glocken, 1817 von Peter Boitel aus Bourmont gegossen. Die große Glocke, 1528 Pfund schwer und der Gottesmutter geweiht, wurde 1870 unter Beibehaltung der Inschrift umgegossen. Die mittlere Glocke, 1112 Pfund schwer, war dem heiligen Maternus, die kleine Glocke, 808 Pfund schwer, dem heiligen Nikolaus geweiht.[30] Dieses Geläut musste im Ersten Weltkrieg abgegeben werden. Nur wenige Jahre später, im Jahre 1919, goss Ernst Karl Otto aus Bremen ein neues Geläut von etwa 48 Zentnern Gesamtgewicht, dieses Mal aus vier Glocken bestehend. Von ihnen hat lediglich die mittlere Glocke, der Gottesmutter geweiht, den Zweiten Weltkrieg überdauert. 1962 goss die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher zwei neue Glocken. Zusammen mit der verbliebenen Marienglocke von 1919 und der unversehrten Glocke des 14. Jahrhunderts aus St. Cäcilien als Leihgabe erklang das Geläut nicht nur wieder vierstimmig, sondern auch in der vormaligen Tonlage. Mit einer Geläuteerweiterung an St. Peter im Jahre 2005 wurde die alte Glocke dorthin überstellt und für St. Maria in Lyskirchen eine neue Glocke mit der gleichen Inschrift gegossen.[31][32][33] Der bis zum Zweiten Weltkrieg vorhandene Dachreiter auf dem Mittelschiffdach wurde mit Glocke zerstört und ist seitdem nicht wiederhergestellt worden. Die mechanische Turmuhr, 1886 von der Firma Johann Mannhardt aus München angefertigt, war mit einem Stunden- und einem Viertelstundenschlagwerk ausgerüstet. Im Rahmen des Wiederaufbaus 1955 wurde die Uhr demontiert.[34] Die vormals vorhandenen Ziffernblätter wurden nicht wiederhergestellt. Allerdings hat man die Tradition des Uhrschlags in einfacher Form fortgeführt: Ein elektrisches Schlagwerk zeigt auf der großen Glocke die halben und vollen Stunden an. 2015 kehrte die hochwertige Turmuhr restauriert zurück und ist seitdem auf der Empore des Nordseitenschiffs als Schaustück aufgestellt.[35] Jeden Tag wird zum Engel des Herrn wie folgt geläutet: Zuerst wird die große Glocke drei Mal zu je drei Schlägen angeschlagen, worauf mit der kleinen Glocke ein kurzes Zeichen geläutet wird.

Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(a′ = 435 Hz)
Inschrift

(in Versalien)

1 Nikolaus 1962 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1.110 825 f′ +1/16 S. Nicolai nomine vocor voco Dei in nomine.
2 Maria 1919 Ernst Karl Otto, Bremen-Hemelingen 990 600 as′ +1/16 Maria bin ich genannt, ich schirme das Volk hier am Strand ohne Makel bin ich im Ursprung. Den Sündern erfleh' ich Ergebung.
3 Christus 2005 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 820 333 b′ +4/16 O rex gloriae Christe veni cum pace.
4 Raphael 1962 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 730 245 c″ +2/16 Sis S. Raphael terra marique tutor.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Westeingang der nahe am Rhein gelegenen Kirche sind Markierungen der früheren Hochwasserstände angebracht. Nach dem Veedel um die Kirche benennt sich eine bekannte Kölner Karnevalsgesellschaft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Kaiser (Text), Florian Monheim (Fotos): Die großen romanischen Kirchen in Köln. Greven Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-7743-0615-8, S. 114–125.
  • Richard W. Gassen: Mittelalterliche Kirchen in Köln. Michael Imhof, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-539-1, S. 132–139.
  • Sabine Czymmek: Die Kölner romanischen Kirchen. Schatzkunst, Band 2. Köln 2009 (= Colonia Romanica, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V., Band XXIII). 2008, ISBN 978-3-7743-0422-2, S. 61–101.
  • Uwe Westfehling: St. Maria Lyskirchen. In Förderverein Romanische Kirchen Köln (Hrsg.): Kölner Kirchern und ihre mittelalterliche Ausstattung. Band 2 (= Colonia Romanica. Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln, Bd. 11) Greven Verlag, Köln 1996, S. 104–116.
  • Wilhelm Nyssen: Heilige Übereinstimmung zwischen Altem und Neuem Bund: Die Gewölberosen von St. Maria Lyskirchen. In: Wilhelm Nyssen: Verborgenes Licht. Themen Kölnischer Romanik. Luthe-Verlag, Köln 1985, ISBN 3-922727-19-8, S. 69–128.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Maria Lyskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard W. Gassen: Mittelalterliche Kirchen in Köln. S. 132, 133.
  2. St. Maria Lyskirchen– Baugeschichte: Mittelalter auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  3. Richard W. Gassen: Mittelalterliche Kirchen in Köln. S. 133.
  4. St. Maria Lyskirchen– Baugeschichte: Neuzeit auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  5. a b St. Maria Lyskirchen– Baudaten auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  6. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Anbetung der Drei Könige auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  7. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Schiffermadonna auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  8. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Taufstein auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  9. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Kreuzigung Christi auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  10. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Drei Heilige: Helena, Maternus, Gereon auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  11. St. Maria Lyskirchen– Gewölbemalereien: Mittelschiff auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  12. 1 Verheißung Isaaks auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  13. 2 Geburt Isaaks auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  14. 3 Darbringung Samuels auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  15. 4 Bad des Naeman auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  16. 5 Moses bringt die Gesetzestafeln auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  17. 6 Einzug Salomons in Israel auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  18. 7 Gastmahl des Ahasver auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  19. 8 Hiob im Unglück auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  20. 9 Eherne Schlange auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  21. 10 Samson mit den Toren von Gaza auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  22. 11 Himmelfahrt des Elias und Henoch auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  23. 11 Elias und der Baalspriester auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  24. St. Maria Lyskirchen– Gewölbemalereien: Chorkapellen auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  25. St. Maria Lyskirchen– Gewölbemalereien: Südliche Chorkapelle auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  26. St. Maria Lyskirchen– Gewölbemalereien: Nördliche Chorkapelle auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 18. Oktober 2017.
  27. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Statuen der hll. Nikolaus und Maternus auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  28. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Die Schatzvitrine von St. Maria Lyskirchen auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 22. Oktober 2017.
  29. St. Maria Lyskirchen– Ausstattung: Triptychon auf Webpräsenz Förderverein Romanische Kirchen Köln, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  30. Friedrich Everhard von Mering, Ludwig Reischert (Hrsg.): Die Bischöfe und Erzbischöfe von Köln. Band 2. M. Lengfeld, Köln 1844, S. 114.
  31. Gerhard Hoffs: Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns. 3. Auflage. Köln 2004, S. 165–170. (PDF; 5,5 MB)
  32. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. I. Abt. 4. Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln: St. Alban, St. Andreas, Antoniterkirche, St. Aposteln, St. Cäcilia, St. Columba, St. Cunibert, Elendskirche, St. Georg. L. Schwann, Düsseldorf 1911, S. 314.
  33. Martin Seidler: Kölner Glocken und Geläute. In: Förderverein Romanische Kirchen Köln e.V. (Hrsg.): Colonia Romanica. Band IV. Greven-Verlag, Köln 1989, S. 23.
  34. Die Rückkehr der alten Turmuhr nach St. Maria Lyskirchen. Abgerufen am 11. September 2016.
  35. Historische Turmuhr kehrt zurück nach St. Maria in Lyskirchen. Abgerufen am 11. September 2016.

Koordinaten: 50° 55′ 59″ N, 6° 57′ 46″ O