St. Martin (Lorch)

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St. Martin, Lorch. Links vorne die 1964 angebaute Sakristei

Die katholische, ehemalige Pfarrkirche St. Martin ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Lorch. Seit 2002 ist sie Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. St. Martin ist heute eine Filialkirche der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau, einer Pfarrei neuen Typs. Seit 2015 ist der sogenannte Rheingauer Dom in Geisenheim auch Pfarrkirche von Lorch.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom anderen Rheinufer
Grabplatte der Kirche, 1819 geteilt und in der Sohlernsgasse bis 2017 als Treppenstufen genutzt. (Heute im Hilchenhof aufgestellt)

Der älteste Teil der gotischen Pfarrkirche bildet das Fundament des Kirchturmes. Hier wurden römische Ziegel nachgewiesen, die auf einen römischen Burgus hinweisen, der nach der Aufgabe des Limes zur Sicherung des hier eingerichteten Brückenkopfes diente. Romanische Mauerreste des Vierungs-Turmes in der Mittelwand des Chores und eine Fensterwand in der Taufkapelle wurden von der Vorgängerkirche im Bauwerk integriert.

Der eigentliche Kirchbau erfolgte 1270/90 mit Errichtung des Chores und zwei davor liegender Joche durch Kölner Dombauleute. Nach einer Bauunterbrechung entstand nach 1304 in vereinfachter Formsprache das Langhaus durch Trierer Dombauleute unter Einbeziehung des Turmes, der bis dahin wahrscheinlich als Bergfried genutzt wurde. 1398 wurde, nach dem Abriss der alten romanischen Vorgänger Kirche, das sogenannte Presbergerschiff errichtet. Die Verbindung des neuen Seitenschiffes zum Hauptschiff wurde durch das teilweise entfernen seiner Nordwand zwischen dessen Strebepfeilern erreicht. Dadurch entstanden 3 wuchtige Säulenpforten zwischen den beiden Schiffen. Aus Gründen der Symmetrie wurden auch die Strebepfeiler der Nordwand des Seitenschiffes im Kircheninneren integriert. Anfang des 15. Jh. wurde die innere und 1480 die äußere Vorhalle errichtet.

Nach einem verheerenden Turm- und Dachstuhlbrand 1554, wurde 1555 zuerst der Chor renoviert, dann 1578 das 4. Geschoss des Turmes und dessen Dach komplett erneuert. In Folge des Dreißigjährigen Krieges war die Kirche fast zur Ruine geworden. Zu allem Überfluss schlug 1679 ein Blitz in die Kirche ein und verursachte zusätzlichen Schaden. 1698 berichtet Pfarrer Jacob Heimbach: „Fast alle Fenster sind entzwei, die Chorstühle und Kirchenbänke zerbrochen. Die Spatzen trinken aus dem Weihwasserkessel und stören durch ihr Geschrei den Gottesdienst“. 1719 begannen erste Reparaturen, der Turm erhielt ein neues einfach gestaltetes Dach ohne Galerie. 1732 wurde ein Dachreiterturm mit barocker Haube auf das Chordach aufgesetzt. Da sich die südliche Kirchenwand nach außen geneigt hatte, mussten 1780 schmiedeeiserne Anker unter dem Gewölbe des Hauptschiffes eingezogen werden, um ein Auseinanderbrechen des Gebäudes zu verhindern.

1819 veräußerte Pfarrer Geiger, um eine umfassende Renovierung finanzieren zu können, neben anderen Kunstschätzen den Lorcher Kreuztragungsaltar sowie wertvolle, farbige, mittelalterliche Kirchenfenster mit Wappen des Lorcher Adels. Rigoros wurden bei dieser „Instandsetzung“ überflüssige Altäre entfernt sowie Grabplatten zu Treppenstufen für die Sohlernsgasse zersägt oder als Bodenbelag in der äußeren Vorhalle benutzt. Nur das entschlossene Entgegentreten der Gemeindemitglieder konnte die, von Pfarrer Geiger geforderte, Beseitigung des Hochaltares verhindern. 1852 bis 1858 wurde auf Initiative des Heimatforschers Albert Keuchen, der einsturzbedrohte Hochaltar und das steinerne Sakramentshaus mit Hilfe des Nassauischen Altertumsverein und unterstützt durch großzügige Spenden aus dem ganzen Rheingau umfassend restauriert. Allerdings wurde der ursprünglich monochrom konzipierte Schnitzaltar, wie bereits schon in der Barockzeit geschehen, wieder zum Teil neu vergoldet und farbig gefasst.

1876 begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Kirche, die Baulast des Hauptchores hatte der Fiskus zu tragen, während die Instandsetzung der Kirchenschiffe der Gemeinde oblag. Im Chor ließ der verantwortliche nassauische Bauinspektor Schnitzler teilweise die maroden Wände zwischen den Strebepfeilern niederlegen, um sie dann exakt in der gleichen Schräglage wieder aufbauen zu lassen. So waren nach der Renovierung die unschönen, eisernen Anker unter dem Gewölbe weiterhin unentbehrlich. Auch der Dachreiterturm wurde in dieser Zeit in neugotischer Form neu errichtet. Der verantwortliche Architekt für die Renovierung der Kirchenschiffe war Max Meckel. Im Hauptschiff wurde eine neuen Holzempore für eine neue Ratzmann-Orgel gebaut und durch Spenden finanzierte neue Bleiglasfenster in den beiden Schiffen eingesetzt. 1888 und 1891 wurden schließlich auch die unpassenden weißen Glasfenster, früherer Renovierungen, im Hauptchor und in den zwei davor liegenden Jochen entfernt und durch gemalte Bleiglasfenster ersetzt. Die drei neugotischen Altäre des Presberger Schiffes stammen ebenso aus dieser Zeit. 1911/12 wurde das Gewölbe der Empore eingezogen und der Glockenturm wieder mit einer Sandsteingalerie versehen, die wohl ursprünglich in dieser Art vorhanden war. Mitte der 1930er Jahre wurde eine Steinkohle Warmluftheizung unter dem Seitenchor der Kirche eingebaut. 1949 wurde die barocke farbige Fassung des Hochaltares wieder mühevoll entfernt.

1964 wurde eine neue Sakristei angebaut. Anfang der 1970er Jahre zeigte der Turm Risse. Ursächlich war der Einbau der neuen Glocken 1960/61. Diese waren nämlich um 4386 kg schwerer als die, durch Beschlagnahme 1942 verlorenen Glocken des Vorkriegsgeläutes. Mitte der 1970er Jahre wurde der Turm durch den Einbau von Betondecken und Ringankern wieder stabilisiert. Es folgte eine umfangreiche Außenrenovierung der gesamten Kirche. 1987/88 dann eine grundlegende Umgestaltung im Zuge einer kompletten Innenrenovierung.[2] Abschluss der Innenrenovierung bildete die Altarweihe, eines neuen Volksaltars des Bildhauers Hubert Elsässer, durch Bischof Franz Kamphaus im September 1988. Im Rahmen dieser feierlichen Handlung wurden auch Reliquien der Elisabeth von Schönau, in der Mensa des neuen Altares eingelassen.[3]

Im April 2012 wurden die Kirchenfenster des gotischen Hochchores aus dem späten 19. Jahrhundert ausgebaut, restauriert und schutzverglast. Von August bis Oktober 2014 erfolgte eine gründliche Reinigung des Schreins und der Skulpturen des geschnitzten Hochaltars, zugleich wurden die Barockgemälde der Seitenflügel von einer stark nach gedunkelten Firnisschicht befreit.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der spätgotische Lorcher Hochaltar von 1483 gilt als erster monochrom gestaltete Schnitzaltar Deutschlands. Er ist der größte und ausstattungsmäßig besterhaltene im deutschen Kunstbereich.

Mittelpunkt der Kirche ist der aus dem Jahr 1483 errichtete Hochaltar, der lange Zeit Meister Hans (Bilger) von Worms zugeschrieben wurde, wobei das nicht als gesichert gelten kann und ein Vergleich mit gesicherten Bilger-Werken (etwa im Frankfurter Liebieghaus) daran zweifeln lässt. Gleichwohl gilt der Lorcher Altar als größter und erster ursprünglich monochrom konzipierter Schnitzaltar des deutschen Kunstbereichs; er ist das wertvollste Kunstwerk im Bistum Limburg.

Weitere Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein gotisches Sakramentshaus aus dem späten 15. Jahrhundert
  • Chorgestühl aus dem Ende des 13. Jahrhunderts mit figürlicher Schnitzerei. Im hinteren Teil des Hauptschiffes befinden sich die sogenannten Herrnstühle, ein altes Gestühl von 1507 mit barocken Umarbeitungen. Die Wangen tragen eingeritzte verschlungene Schriftbänder mit einer Rätselinschrift.
  • Ein Epitaph mit einer vollplastischen Figur des Ritters Johann Hilchen von Lorch.[4][5]
  • Fünf, künstlerisch hochwertige, Grabplatten mit lebensgroßen figürlichen Darstellungen der Verstorbenen, in gutem Erhaltungszustand. (Johannes III. Marschall von Waldeck / 1364,[6][7] Johann von Eschbach und Anna von Rossau / 1496,[8][9] Johann von Breidbach und Loret von Schöneck / 1500,[10][11] Johann II. Hilchen von Lorch und Elisabeth von Walderdorff / 1512,[12][13] Philipp IV. Hilchen von Lorch und Elisabeth von Bicken (1480) / 1517[14][15])
  • Gedenktafel des Marquard vom Stein zu Jettingen (* 1479, † 14. Januar 1559), Dompropst von Mainz, Bamberg und Augsburg. Er war zugleich auch Pfarrer von St. Martin in Lorch. Der Wappenstein erinnert an die, von ihm finanzierte Restaurierung des Chores 1555, nach dem Brand von 1554. Inschrift: MAQUARDUS VOM STEIN DEI GRATIA MOGUNTINE BAMBERGE ET AUGUSTE ECCLESIARUM PRAEPOSITUS FIERI CURAVIT AD MDLV[16]
  • Ein Taufstein aus dem Jahr 1464[17]
  • Neugotische Ausstattung im Seitenschiff, dem sog. Presbergerschiff, mit Bänken, zwei Beichtstühlen, einer Kanzel, einem Sebastianus Altar und einem Verlobung Maries Altar. Im Chor befindet sich als Hauptaltar ein Altar der schmerzhaften Mutter, in der Predella und im Hauptturm des Gesprenges wurden spätgotische Figuren, die aus Vorgängeraltären stammen dürften, in den neugotischen Flügelaltar integriert.
  • Original erhaltenes Fenstermaßwerk aus rotem Sandstein. Im Hauptchor aufwendig und fein ausgearbeitet, im Haupt- und Seitenschiff einfacher gestaltet. Die Fenster selbst wurden um 1880/90 komplett erneuert, sie zeigen zeittypische Muster, Bilder und Motive.

Skulpturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Foto Name Material Größe Standort und Beschreibung Entstehungszeit
1 Johannes d. Täufer.JPG Johannes der Täufer Holz 104 cm Taufkapelle: Barockfigur mit den typischen Attributen des Täufers Johannes: Hl. Schrift, Lamm und Muschel als Taufschale. 18. Jahrhundert
2 St. Martin, Lorch (Rheingau) Kreuz Taufkapelle.JPG Christus am Kreuz Holz cm Taufkapelle: Darstellung des ans Kreuz genagelten Christus. 18. Jahrhundert
3 Kreuzigungsgruppe St. Martin Lorch.JPG Kreuzigungsgruppe Holz 92 cm Turmwand Hauptschiff: Kreuzigungsgruppe mit Maria der Mutter Jesus und Johannes, die beiden Figuren stammen wahrscheinlich aus einem ehemaligen Altar. In der Mitte: Kreuz mit altem Corpus Christi, an den Kreuzbalken die Evangelistensymbole. 18. Jahrhundert / der Korpus um 1400
4 Judas Thadäus .JPG Judas Thaddäus Holz 116 cm Hauptschiff Rheinseite: Die 1. Figur von rechts stellt den Apostel Judas Thaddäus dar, zu erkennen an der Keule, die auf sein erlittenes Martyrium hinweist. um 1500
5 Rochus, St. Martin Lorch.JPG Rochus von Montpellier Holz 121 cm Hauptschiff Rheinseite: Die 2. Figur von rechts wurde früher als Jakobus der Jüngere oder als Heiliger mit Stab bezeichnet. Es handelte sich aber ursprünglich um den Hl. Rochus von Montpellier. Deutlich streckt die Figur dem Betrachter sein Knie entgegen, um so auf seine Pestwunde über dem Knie hinzuweisen. Allerdings wurde diese Kniewunde irgendwann mit Gips geschlossen und mit einem Hosenbein bedeckt. um 1500
6 Jakobus .d.Ä..JPG Jakobus der Ältere Holz 121 cm Hauptschiff Rheinseite: Die 3. Figur von rechts stellt den Apostel Jakobus den Älteren dar, zu erkennen am Pilgerstab und den Jakobsmuscheln an Hut und Mantel. um 1500
7 Wendelin, St. Martin Lorch Rh.JPG Wendelin Holz 110 cm Hauptschiff Rheinseite: Die 4. Figur von rechts stellt den Heiligen Wendelin dar. Vor seinen Füßen liegt die von ihm verschmähte Fürstenkrone, er trägt statt derer einen Hirtenhut. Mit der einen Hand hält er die auf seinem Knie liegende Hl.Schrift, mit der anderen stützt er sich auf einen Hirtenstab. um 1500
8 Rochus 18.Jh., St. Martin Lorch.JPG Rochus von Montpellier Holz 120 cm Hauptschiff Rheinseite: Die 5. Figur von rechts stellt wie Nr. 5 (siehe oben) den Hl. Rochus dar. Diesmal erkennt man ihn an dem Brot tragenden Hund an seiner Seite. Dieser soll ihn, laut Legende, während seiner Pesterkrankung mit Nahrung versorgt haben. 18. Jahrhundert
9 St. Martin, Lorch (Rheingau),Triumphkreuz.JPG Triumphkreuz Holz 350 cm Im Hauptschiff an der Trennwand zum Seitenschiff vor dem Chor hängt ein wertvolles frühgotischesTriumphkreuz aus dem Vorgängerbau dieser Kirche. In späterer Zeit wurde das Kreuz gotisiert, denn ein triumphierender Christkönig mit edelsteingeschmücktem Lendenschurz und Reliquienschrein in der Seitenwunde passte nicht mehr in die Zeit. Die Edelsteine wurden entfernt, der Korpus übermalt, Kopfhaar und Bart mit Hanf beklebt, die Königskrone durch eine Dornenkrone ersetzt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchte man dann die alte Fassung wiederherzustellen. Da die Kreuzbalken stark eingekürzt waren, hat man versucht, durch neue Medaillons mit den Symbolen der vier Evangelisten, dem ehemaligen Aussehen möglichst nahe zu kommen. ca. 1250
10 Schlafende Jünger.JPG Schlafende Jünger am Ölberg Holz 120 cm / ohne Chr. Einzigartige Plastik der schlafenden Jünger am Ölberg. Sie wurde aus einem Stück Baumstamm geschnitzt. Die Christusfigur wurde erst Ende 1700 angefügt und wirkt etwas unpassend. Diese Skulptur stand wahrscheinlich ursprünglich in der ehemaligen Notgotteskapelle. Diese befand sich südlich in unmittelbarer Nähe der Kirche und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. 1410
11 Herz-Jesu.JPG Herz-Jesu-Statue Holz cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Moderne, monochrome Herz-Jesu-Statue. Mitte 20. Jahrhundert
12 Maria Himmelskönigin.JPG Mutter Gottes Holz 111 cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Mutter Gottes dargestellt als Himmelskönigin mit Krone und Zepter, auf dem Arm das Jesuskind mit einer goldenen Kugel spielend. ca. 1450
13 Hl. Veronica, St. Martin Lorch.JPG Veronika Holz 110 cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Veronika hält das charakteristische Schweißtuch mit dem plastisch gearbeiteten Antlitz Christi. um 1500
14 Hl. Kreuzer Bäuerchen.JPG Heilig-Kreuzer-Bäuerchen Holz 90 cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Diese Figur stammt aus einer Außennische der sich im Wispertal befindlichen Kreuzkapelle (gegenüber Gewerbegebiet), dort befindet sich heute eine Kopie derselben. In Lorch wird sie als Heilig-Kreuzer-Bäuerchen bezeichnet. Es soll sich um den Küster Ambrosius handeln, der, der Sage[18] nach, den Bau dieser Kapelle mit herbeigeführt hat. Wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um den Hl. Wendelin, den Schutzpatron der Hirten. um 1700
15 Immakulata - Muttergottes.JPG Immakulata Holz 110 cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Die monochrome Figur stellt die ins Gebet versunkene Jungfrau Maria auf der Weltkugel mit einer zertretenen Schlange dar. Eine sogenannte Maria Immakulata. 19. Jahrhundert
16 Pieta, St. Martin Lorch.JPG Pietà Holz 78 cm Hauptschiff Durchgang Seitenschiff: Diese wertvolle Figurengruppe zeigt den toten Christus auf dem Schoß seiner trauernden Mutter. Diese Art der Darstellung wird auch als Vesperbild bezeichnet, da sich dieses Ereignis in der „Vesperzeit“ zwischen 17 und 19 Uhr zutrug. um 1390
18 Petrus, St.. Martin Lorch.JPG Hl. Petrus Holz 115 cm An der Brüstung der Empore auf einem Sandsteinpodest steht der Hl. Petrus mit Schlüssel und Bibel in den Händen. um 1500
19 Antonius v. Padua.JPG Antonius von Padua Holz 140 cm Seitenschiff: Die Statue des Antonius von Padua im Habit eines Franziskaners, auf dem Arm das Jesuskind. um 1850
20 Hl. Paulus.JPG Paulus Holz 117 cm Seitenschiff: Das Attribut der Paulusfigur ist nicht mehr vorhanden, es könnte sich um eine Schriftrolle gehandelt haben, die er in der Hand trug. um 1500
21 Lorch Rh. Kirche St. Martin Hl. Aloisius.JPG Aloisius von Gonzaga Holz 109 cm Seitenschiff: Der Hl. Aloisius dargestellt mit gesenktem Blick, angeblich soll er zeitlebens nie einer Frau ins Angesicht gesehen haben, um nicht in die Sünde der Unkeuschheit zu fallen. Er trägt eine Soutane mit Chorhemd und hat ein Kreuz als Attribut in seinen Händen. 19. Jahrhundert
22 Kreuz ehem. Friedhofskreuz.JPG Kruzifix Basalt / Sandsteinkorpus cm Das ehemalige Friedhofskreuz, in Lorch als Schwedenkreuz bezeichnet, stand rheinseits neben der Kirche. Die Lorcher Bürger sollen im 30-jährigen Krieg vor diesem Kreuz um Hilfe gefleht haben und den Kampf gegen die heranstürmenden Schweden gewonnen haben. Der Korpus ist aus späterer Zeit um 1700. 1491
23 St. Martin, Lorch (Rheingau), Pietà frühes 18.Jh.JPG Pieta Holz 90 cm Empore: Diese Pietà stand ursprünglich in der Kreuzkapelle im Wispertal. um 1700
24 St. Martin, Lorch (Rheingau), Christus im Grab.JPG Hl. Grab Gips 130 cm Empore: Der tote im Grab liegende Christus, monochrom gestaltet. 19. Jahrhundert
25 St. Martin, Lorch (Rheingau), Unbkannter Heiliger.JPG unbekannter Heiliger Gips 115 cm Empore: Heiliger im braunen Franziskanerhabit mit Buch (vielleicht Franz v. Assisi). 19. Jahrhundert
26 St. Martin , Lorch (Rheingau),Muttergottes um 1400.JPG Muttergottes Holz 67 cm Turmkapelle: Wertvolle gekrönte Muttergottes mit Jesuskind aus einem untergegangen Heiligenhäuschen. um 1400
27 „Besucher“ Pappelholz 130 cm Im alten Herrengestühl befindet sich eine lebensgroße „Besucher“-Skulptur von dem Künstler Stefan Guber[19] aus Nidda. Sie war ursprünglich Teil seines Projektes „Ecce homo 2.0 / 3.0“[20] und kam mit ähnlichen „Besucher“-Skulpturen im Rahmen einer Ausstellung auch in die Lorcher Kirche. Dank einer anonymen Spende konnte diese Figur hier verbleiben. 2014

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgelprospekt
Geöffnete Klappe bei gezogenem Riesling-Register

Die heutige Orgel der Kirche wurde 1984 eingeweiht. Die Orgelbaufirma Fischer und Krämer bezog dabei das neugotische Gehäuse (Schreinerwerkstatt Mengelberg) und fast alle Register des vorherigen typisch romantischen Instruments der Brüder Wilhelm und August Ratzmann von 1880 in den Neubau ein.[21] Eine einmalige Besonderheit ist das Register "Riesling 2-fach", das unter Vogelgezwitscher eine Klappe, dahinter Weinflaschen und zwei Gläser, öffnet. Das Rheingau Musik Festival veranstaltet seit 1988 ein jährliches Orgelkonzert mit Organisten wie Marie-Claire Alain, Kay Johannsen, Edgar Krapp, Christian Schmitt oder Olivier Latry.

Das heutige Instrument hat 41 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur und die Koppeln sind elektrisch. Die Orgel besitzt Schleifladen.[22]

Die Grundstimmen des Schwellwerks und des Pedals stammen ebenso aus der alten Orgel wie Flötenstimmen, Gambe, Trompete und Cornett des Hauptwerks. Neu sind dagegen die Prinzipalchöre von Hauptwerk und Pedal, die höher liegenden Register und die Zungenstimmen des Schwellwerks sowie die Stimmen des Positivs. Neben den warmen Grundklang typisch romantischer Prägung treten somit typische kräftige badisch-elsässische Klangfarben.

I Hauptwerk C–g3
01. Bordun 16′ (R)
02. Principal 08′
03. Bourdon 08′ (R)
04. Viola da Gamba 0 08′ (R)
05. Octave 04′
06. Rohrflöte 04′ (R)
07. Quinte 0223
08. Octave 02′ (R)
09. Cornett V (ab g0) 08′ (R)
10. Mixtur V 0113
11. Trompete 08′ (R)
II Schwellwerk C–g3
12. Geigenprincipal 08′ (R)
13. Lieblich Gedeckt 0 08′ (R)
14. Eoline 08′ (R)
15. Salicional 08′ (R)
16. Principal 04′ (R)
17. Flaut travers 04′ (R)
18. Nazard 0223
19. Flageolet 02′
20. Terz 0135
21. Fourniture V 02′
22. Basson 16′
23. Hautbois 08′
Tremulant
III Positiv C–g3
24. Rohrbourdon 8′
25. Holzflöte 4′
26. Doublette 2′
27. Larigot 113
28. Siflet 1′
29. Sesquialter II 0 223
30. Cymbel III 23
31. Cromorne 8′
Tremulant
Pedal C–f1
32. Principal 16′ (R)
33. Subbass 16′ (R)
34. Octave 08′
35. Bassflöte 08′ (R)
36. Violon Cello 0 08′ (R)
37. Octave 04′
38. Mixtur IV 0223 (R)
39. Posaune 16′ (R)
40. Trompete 08′
41. Clairon 04′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 6 freie Kombinationen, Feste Kombinationen (Tutti, Organo pleno), p-Pedal, Absteller Zungenregister
  • Anmerkungen
(R) = Diese gekennzeichneten Register stammen aus der Ratzmann-Orgel von 1880

Zusätzlich steht in der Kirche ein 4-registriges Positiv.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem verheerenden Kirchturm- und Dachstuhlbrand 1554 waren sämtliche Glocken geschmolzen. Die beiden ältesten, im Lorcher Geläut, erhaltenen Glocken stammen aus der Folgezeit dieser Brandkatastrophe. Sie wurden 1559 und 1565 durch die Aachener Glockengießerfamilie von Trier gegossen. Die restlichen Bronzeglocken wurden 1960 von der Glockengießerei Schilling in Heidelberg hergestellt, 1961 aufgehängt und eingeweiht. Sie ersetzten die alten Glocken aus den Jahren 1631,1659 und 1776, die 1942 eingeschmolzen wurden, um dem kriegsbedingten Rohstoffmangel abzuhelfen. Auch die kleine 40 kg schwere Dachreiterglocke wurde beschlagnahmt auch sie wurde 1961 ersetzt. Das Magdalenen-Glöckchen wurde vom Chorraum aus mit Hand gezogen und rief so, bis Mitte der 1960er Jahre, die Gläubigen zur Beichte. Diese sechste Glocke bekam, während der umfangreichen Turmsanierung Ende der 1970er Jahre, einen elektrischen Antrieb und musste die zum Schweigen verurteilen Turmglocken ersetzen. Heute wird sie nicht mehr genutzt.

Das heutige Lorcher Turmgeläut besteht wieder aus fünf Glocken. Es ist mit einer Gesamtmasse von 11.046 kg das mit Abstand schwerste und mächtigste Geläut im ganzen Kirchenbezirk Rheingau. Zum Vergleich: St. Valentinus (Kiedrich): 4 Glocken, 8.995 kg / St. Jakobus (Rüdesheim): 9 Glocken, 7691 kg / Rheingauer Dom (Geisenheim): 4 Glocken, 5.831 kg / St. Peter und Paul (Eltville): 4 Glocken, 5.820 kg

Nr.
 
Name
 
Masse (kg) Ø
(mm)
Schlagton
(16tel)
Abklingdauer
(Sec.)
Klangverlauf
 
Gussjahr
 
Glockengießer
 
Inschrift
 
Bemerkung
 
1 Nikolaus 4182 1815 b0-4 150 ruhig 1960 F. W. Schilling, Heidelberg „ WENN VERSUCHUNG IM HERZEN, WENN NOT IM HAUS; WENN GEFAHR AUF DEN WOGEN, DANN BITT FÜR UNS; ST. NIKOLAUS. “ / Relief des Hl. Nikolaus segnend mit Brotkorb in einem Segelboot. Sie ist die schwerste b0 - Glocke, die Friedrich Wilhelm Schilling gegossen hat, zugleich dürfte es eine der schwersten modernen b0 -Glocken überhaupt sein.
2 Martinus ca. 3000 1665 c1-12 90 stoßend ruhig 1559 Heinrich von Trier ( Minuskeln ): „ s martinvs heis ich in gottes ehr levten ich den lebendigen roffen ich die dotten beclagen ich heinrich von trier goos mich anno domini MDLVIIII. “ ( St. Martinus heiße ich, zu Gottes Ehre läute ich, die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Heinrich von Trier goss mich im Jahre des Herrn 1559 ) / Die Inschrift, um den oberen Teil der Glocke, ist von Zierfriesen und einem Kranz von kleinen Heiligenfiguren, welche unter Wimpergen mit Renaissancestützen stehen, eingerahmt. Gießerzeichen und Jahreszahl. Sie war im Lorcher Vorkriegs-Geläut die größte Glocke also die Nr. 1.
3 Johannes ca. 1600 1350 es1-1 90 schwebend ruhig 1565 Gregor von Trier ( Minuskeln )um den oberen Teil der Glocke, eingerahmt von gotischen Zierfriesen: „ gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bone voluntatis + gregorivs treverensis me fecit anno domini MDLXV. “ (Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen die guten Willens sind + Gregorius von Trier machte mich im Jahre des Herrn 1565) / Zwei Medaillons: 1. Kreuzigungsgruppe, mit Maria und dem Apostel Johannes, 2. Mutter Gottes auf dem Arm das Jesuskind Sie war im Lorcher Vorkriegs Geläut die zweitgrößte Glocke also die Nr. 2
4 Urban 1346 1254 f1-4 80 ruhig 1960 F. W. Schilling, Heidelberg „ DES WINZERS RUH UND ARBEIT EMPFEHL ICH DER DREIEINIGKEIT. “ Gießerzeichen und Jahreszahl / Relief des Hl. Urban mit Tiara, Papstkreuz und Weinstock.
5 Petrus 918 1107 g1-4 64 ruhig 1960 F. W. Schilling, Heidelberg „ ST. PETER SCHÜTZE LEUT UND LAND VOR HUNGER SEUCHEN KRIEG UND BRAND. ERFLEH DASS GOTTES GÜTE IM GLAUBEN UNS BEHÜTE * GESTIFTET VON PETER PAUL NAHM LORCH/RH. “ Gießerzeichen und Jahreszahl / Relief des Hl. Petrus mit Schlüssel und umgedrehtem Kreuz
6 Magdalena ca. 300 1960 F. W. Schilling, Heidelberg „ ZUR BUSSE RUFE / MAGDALENA / DIE SUENDER / ZUM KREUZESOPFER DIE GOTTESKINDER + SO WERDEN ALLE MIT VERTRAUEN WIE DU DEN AUFERSTANDNEN SCHAUEN “ Das Dachreiterglöckchen gehört nicht zum Turmgeläut es wird heute nicht mehr genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reclams Kunstführer. Band III: Rheinlande und Westfalen, Baudenkmäler. 1975, ISBN 3-15-008401-6.
  • Holger Simon: Das Hochaltarretabel aus Lorch am Rhein. (Memento vom 2. Juli 2017 im Internet Archive) In: Norbert Nußbaum, Claudia Euskirchen, Stephan Hoppe (Hrsg.): Wege zur Renaissance. Beobachtungen zu den Anfängen neuzeitlicher Kunstauffassung im Rheinland und den Nachbargebieten um 1500. Köln 2003, S. 364–389 (PDF-Datei; 75 kB).
  • Robert Struppmann: Chronik der Stadt Lorch im Rheingau. Hrsg.: Maria-Kaufmann-Stiftung. Maria-Kaufmann-Stiftung, Lorch 1981, DNB 871422794.
  • Franz Carl Altenkirch: Lorch im Rheingau. Die Geschichte der Stadt vom Ursprung bis zur Gegenwart. Hrsg.: Stadtverwaltung Lorch. Stadtverwaltung Lorch, Lorch 1926, DNB 579083640.
  • Robert Sruppmann / Marianne Rößler: Lorch und seine Kunst. Hrsg.: Maria-Kaufmann-Stiftung Lorch Rheingau. Georg Aug. Walter`s Druckerei GmbH, Eltville Rheingau, Lorch/Rh. 1989 (3. Bildband der „Lorcher Reihe“).
  • Ferdinand Luthmer: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaues (= Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden. Band 1). 2. Auflage. Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1907, S. 97–114(Textarchiv – Internet Archive).
  • Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch – Glocken und Geläute im Bistum Limburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariates, Limburg 1997

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://heilig-kreuz-rheingau.de/beitrag/die-13-kirchorte-der-pfarrei-heilig-kreuz-rheingau/
  2. Die Pfarrkirche St. Martin zu Lorch, Die Geschichte der Pfarrei St. Martin Lorch am Rhein 1806–1906, Die Geschichte der Pfarrei St. Martin Lorch am Rhein 1907–2006, Hefte herausgegeben vom Pfarrer und Heimatforscher Albert Zell, mit Berichten von Albert Keuchen, Geistl. Rat Zaun und Ferdinand Luthmer.
  3. Rheingau Echo vom 15. September 1988 Bericht: " Nachdenken am Ort der Wandlung"
  4. Reclams Kunstführer. Band III: Rheinlande und Westfalen, Baudenkmäler. 1975, ISBN 3-15-008401-6, S. 447.
  5. Beschreibung und Fotos (Memento des Originals vom 9. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.welterbe-mittelrheintal.de
  6. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2134.htm
  7. Johannes III. Marschall von Waldeck 1364, Lorch. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2133.htm
  9. Johann von Eschbach und Anna von Rossau 1496, Lorch. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2135.htm
  11. Johann von Breidbach und Loret von Schöneck 1500 / (1511), Lorch. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  12. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/Galerien/galerie698.htm
  13. Johann II. Hilchen von Lorch und seine Frau Elisabeth von Walderdorff 1512, Lorch. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  14. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2144.htm
  15. Philipp IV. Hilchen von Lorch und Elisabeth von Bicken (1480) / 1517 ?, Lorch. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  16. http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2136.htm
  17. Stadt Lorch über die Pfarrkirche St. Martin
  18. Text der Kreuzkapellensage
  19. http://www.stephan-guber.de/3.html
  20. https://www.evangelisch-in-bad-nauheim.de/img/BN_PDF_Berichte/Katalog-ecce_homo_2_0-_Web.pdf
  21. JUBILÄUM 25 Jahre nach dem Orgelbau lockt Konzert in die Lorcher Kirche St. Martin Thorsten Stötzer, Wiesbadener Kurier 28. Juli 2009.
  22. Programm zum Orgelkonzert Kay Johannsen am 26. August 2012. Hrsg. Rheingau Musik Festival.
  23. Bericht: „Lorch/Rhein Glocken von St. Martin“ – Heimatforscher und Zeitzeuge Walter Augstein, 2013

Koordinaten: 50° 2′ 38,3″ N, 7° 48′ 15,5″ O