St. Martin (Mihla)

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St. Martin in Mihla

Die evangelische Kirche St. Martin in Mihla ist eine Barockkirche (Kirchenschiff) mit einem romanischen Kirchturm in Westthüringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorherige Kirchenbauten an dieser Stelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert erreichten fränkische Missionare die Werra.

Da Mihla bereits in den Jahren 780 und 802 urkundlich erwähnt wurde (Schenkungsurkunde des Klosters Fulda) und da es sich um eine Martinskirche handelt (St. Martin war der bevorzugte Heilige der fränkischen Missionare) lässt sich auf eine Entstehungszeit der ersten Mihlaer Kirche im 8. Jahrhundert schließen. Dieser erste Kirchenbau war wahrscheinlich aus Holz, da in dieser Region erst ab dem 11. Jahrhundert die Steinbauweise angewandt wurde.

Im Verlaufe des 12. Jahrhunderts wurde – aufgrund der wachsenden Bedeutung des Mihlaer Kirchenstandortes – wohl der zweite Kirchenbau errichtet. Von diesem zweiten Kirchenbau hat sich der Westturm mit seinen romanischen Rundbogenfenstern sowie der Schnitzaltar erhalten. In den 1930er Jahren stieß man auf Fundamente des früheren Kirchenschiffs.

Im Verlauf der Reformation trat 1523 der damalige Mihlaer Pfarrer zum protestantischen Glauben über. Während des Dreißigjährigen Kriegs kam es in Mihla immer wieder zu Plünderungen, die auch die Kirche sehr stark in Mitleidenschaft zogen.

Geschichte der Kirche in ihrer heutigen Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die Planungen für einen Kirchenneubau. Im März 1711 wurde durch Pfarrer Malsch der Abriss der alten Kirche sowie ein Neubau beantragt. Nach dessen Genehmigung im April desselben Jahres erfolgte der Abriss der alten Kirche und am 23. April 1711 die Grundsteinlegung für den Neubau, der in seinen wesentlichen Bestandteilen 1711 abgeschlossen wurde. Für den Aufbau der Mauern wurde Hauptlettenkohlen-Sandstein aus dem Steinbruvch in Lauterbach verwendet.[1]

Der Einbau einer neuen Orgel erfolgte 1715/1716 sowie ca. 1720 Fertigstellung der Predigtkanzel. Der Bau wurde mit der Bemalung/endgültigen Farbgebung 1751/1752 abgeschlossen.

Die Inneneinrichtung und Ausgestaltung nach dem Neubau blieben in dieser Form für lange Zeit erhalten. Für eine neue Orgel verbreiterte 1873 Orgelbaumeister Guido Knauf aus Tabarz den barocken Prospekt. Diese verfügt über zwei Manuale, Pedale und 21 Register.

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wurden zwei Glocken eingeschmolzen, ebenso im Zweiten Weltkrieg die 1933 geweihten neuen Glocken. Einzig die Glocke von 1516 blieb verschont. Im Jahre 1956 kamen zwei neue Glocken hinzu. Seit dem Neueinbau der Kirchturmuhr 1998 schlägt auch wieder die kleine Stundenglocke.

Von 2008 bis 2010 erfolgte die vollständige Restaurierung. 2011 wurden die Arbeiten an der Tonnendecke vollendet.

Separates Glockenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren nach dem Kirchenneubau stellte man fest, dass der Turm sich immer weiter neigte. Man beschloss, die Glocken in einem separaten Glockenhaus aufzuhängen, das 1781 auf dem Markt errichtet wurde. Im Jahre 1825 erfolgte der Bau des jetzigen Glockenhauses auf dem ehemaligen Totenacker.

Kunstwerke in der St.-Martin-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mihlaer Schnitzaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schnitzaltar entstand vermutlich um 1490 in Erfurt. Der Künstler des Altars ist unbekannt. Der Altar schildert auf 13 Szenen die Passionsgeschichte. Der Mittelschrein ist 202 × 114 cm groß, so dass sich aufgeklappt eine Darstellungsfläche von über 4 m² ergibt.

Gotische Schranknische und das Kruzifix[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Gotische Schranknische“ ist das älteste Bildwerk der Mihlaer Kirche. Die Darstellung zeigt den auferstandenen Christus inmitten von Maria und Johannes. Basierend auf einer Inschrift im unteren Bereich lässt sich auf eine Entstehungszeit zwischen 1420 und 1436 schließen. Im unteren Turmzimmer des Westturmes befindet sich ein lebensgroßes Kruzifix mit der Darstellung von Jesus Christus als leidenden Menschen. Über dessen Entstehungsgeschichte ist nichts Genaueres bekannt. Es ist vermutlich in der Zeit nach der Reformation nach Mihla gelangt.

Totenkrone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Betreiben seiner Großmutter wurde zum Gedenken an Ludwig Karl Adolph von Harstall die auf einem Kissen ruhende Totenkrone in der Kirche angebracht. Er war im Alter von neun Monaten drei Wochen und zwei Tagen verstorben.

Romanische Arkaden im Turm der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westturm befindet sich im ersten Stockwerke -in Richtung zum Kirchenschiff hin- eine Arkadenreihe im romanischen Stil. Vier romanische Säulen mit Kapitellen öffnen ursprünglich den Westturm zum Kirchenschiff (dem Vorgängerbau des heutigen Kirchenschiffs) hin. Damals diente der Turm als Oratorium und war als Ort des Gebetes in der Regel nicht der Öffentlichkeit zugänglich, sondern Geistlichen und der lokalen Herrschaft vorbehalten.

Die Arkaden wurden wahrscheinlich beim Neubau 1711 geschlossen und gerieten in Vergessenheit. Im Rahmen von Restaurierungsarbeiten wurden sie freigelegt und restauriert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Lämmerhirt: St. Martin Mihla / St. Nicolaus in Lauterbach – Kirchen und ihre Kunstschätze im Lautertal. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 1999, ISBN 3-932554-81-7, S. 6–42.
  • Rainer Lämmerhirt: Geschichte Mihlas. Die Entwicklung des Ortes von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Heimat- und Verkehrsverein, Mihla 1992, ISBN 3-87022-180-1.
  • Kirchengemeinde Mihla: St. Martin Mihla – Evangelisch-Lutherische Kirche, 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Saint Martin Church (Mihla) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geyer, R. et al. (ohne Jahr): Geologie erleben. Geologische Route durch den Naturpark, S. 18.

Koordinaten: 51° 4′ 38,1″ N, 10° 20′ 1,1″ O