St. Martin (Tannheim)

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Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin in Tannheim im Landkreis Biberach wurde in den Jahren 1700 bis 1702 unter Abt Franziskus Klesin von Franz Beer von Au oder Franz Beer von Bleichten erbaut. Die Ortschaft war zu dieser Zeit eine Exklave des geistlichen Territoriums der Reichsabtei Ochsenhausen. Die Kirche gehört heute zur Seelsorgeeinheit Rot-Iller im Bistum Rottenburg-Stuttgart und befindet sich an der Ostroute der Oberschwäbischen Barockstraße.

Tannheim, Sankt Martin (2011)

Geschichte, Lage und Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältere noch aus reichsfränkischer Zeit stammende Holzkirche auf der Anhöhe am östlichen Rand des heutigen Friedhofs, stand möglicherweise auf den Fundamenten einer abgegangenen Burg. Nach mehrmaligen Plünderungen und Beschädigungen während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche zugunsten des Neubaus aufgegeben. Ähnliche Kirchen mit dem Martinspatrozinium finden sich in Erolzheim und Kirchberg an der Iller im heute württembergischen Teil des Illertals.

Die Barock|frühbarocke Kirche folgte, wie die meisten süddeutschen Kirchenbauten dieser Zeit, dem Vorarlberger Münsterschema.[1] Am 25. September 1705 wurde die Kirche vom Weihbischof des damaligen Bistums Konstanz Konrad Ferdinand Geist von Wildegg geweiht.

Bei der umfassenden Renovation nach 1965 wurden alle Epitaphe aus der Kirche entfernt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar trägt das Wappen des ehemaligen Abtes der Reichsabtei Ochsenhausen Coelestin Frener. Das Altarbild ist von Johann Georg Bergmüller.

Fresken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heiliger Martin

Maler der Fresken war Chrysostomus Forchner. Die Fresken beschäftigen sich mit folgende Themen:

Über dem Chor:

  • Das erste Fresko von Forchner im Chor hat die Verehrung des Lammes (Offb. 5,8-14) als Thema. Ein gehörntes Lamm steht auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Es wird von Heiligen angebetet. Zwei der Patriarchen haben eine Weihrauchschale in der rechten Hand. Die vier Seitenfresken zeigen die Evangelisten mit ihren dazugehörigen Attributen.
  • Im zweiten Fresko des Chores kniet Benedikt von Nursia vor der Dreifaltigkeit. Seine Attribute Buch, Abtsmitra und -stab werden von Engeln gehalten.

Über dem Schiff:

  • Auf dem Fresko, das den Patron der Kirche Martin von Tours zum Thema hat, ist auch die Pfarrkirche selbst abgebildet. Martins Tod, Christus erscheint Martin, Martins Wahl zum Bischof und die Mantelteilung werden als Szenen aus seinem Leben dargestellt. In den Seitenfresken Vitus und Urban.
  • Heiliger Sebastian. Felix und Regula, Geschwister und Mitglieder der Thebaischen Legion in den Seitenfresken.
Orgelfresko

Über der Orgel:

  • Auf dem Fresko über der Orgel – Huldigung Mariä Namen – sind vier weibliche Personen, ein Marienmonogramm und eine bläulich-milchige Erdkugel dargestellt. Das Marienmonogramm wird von zwölf Sternen umkränzt. Die vier Personen unterhalb des Monogramms sollen die damals 1766/67 bekannten Erdteile versinnbildlichen. Es sind von links nach rechts: Amerika mit blau-weiß-rotem Federschmuck und umgehängtem Pfeilköcher. Europa kniet vor der mittigen Erdkugel. Sie hat eine stilisierte Kaiserkrone als Kopfbedeckung und einen Mantel mit Hermelinpelz. Vor ihr befinden sich Mitra und Papststab. Rechts neben der Erdkugel stehend mit nacktem Oberkörper Afrika in der linken Hand einen Papagei und einer Kopfbedeckung, aus der ein Elefantenrüssel herausragt. Auf derselben Höhe wie Europa, Asien mit Weihrauchgefäß und Turban. Auf dem Turban ist ein Halbmond angebracht. In zwei kleineren Seitenfresken sind König David und die Heilige Cäcilia abgebildet. Beide Heilige haben einen Bezug zur Kirchenmusik.

Die bevorzugte Hervorhebung des Ordensgründers Benedikt von Nursia im Programm der Fresken, vor dem eigentlichen Kirchenpatron Martin verweist darauf, dass Tannheim dem Kloster Ochsenhausen inkorporiert war.

Heilige Kommunion in St. Martin (2013)
Gefallenendenkmal

Ehemalige Pfarrer von St. Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kriegerdenkmal (Tannheim)

Zwischen Kirche und dem östlich gelegenen Pfarrhaus befindet sich als Ehrenmal das Kriegerdenkmal Tannheim für die über einhundert gefallenen Söhne des Ortes aus den beiden Weltkriegen, wobei allein im Zweiten Weltkrieg 80 tote und 30 vermisste Soldaten aus Tannheim zu beklagen sind.[2] Die Inschrift auf dem Denkmal lautet: „Gottes Erde ist überall“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gräflich Schaesbergisches Archiv, Tannheim (unveröffentlicht)
  • Georg Geisenhof: Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstifts Ochsenhausen in Schwaben. Ganser, Ottobeuren 1829, (Digitalisat)
  • Michael Habres: „Ad Dei et Sanctorum honorem.“ Zur Baugeschichte der Tannheimer Pfarrkirche. In: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. Bd. 29, Nr. 1, ISSN 1430-9475, 2006, S. 13–24
  • Günter Hütter: Kirche und Kapellen in Tannheim/Württemberg = Katholische Pfarrkirche Sankt Martin in Tannheim (= Kunstführer. Nr. 2033, ZDB-ID 51387-8). Schnell & Steiner, München u. a. 1992
  • Katholische Pfarrgemeinde Tannheim (Hrsg.): 300 Jahre Kirche Sankt Martin Tannheim. Festschrift zum Jubiläum im Jahre 2002. Katholische Pfarrgemeinde Tannheim, Tannheim 2002

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Martin (Tannheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dehio Baden-Württemberg II, Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen, Seite 701
  2. Gefallenendenkmäler: Tannheim, Landkreis Biberach, Baden-Württemberg; eingesehen am 27. Januar 2011

Koordinaten: 48° 0′ 0″ N, 10° 5′ 12″ O