St. Ottilien (Helsa)

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St. Ottilien
Gemeinde Helsa
Koordinaten: 51° 13′ 11″ N, 9° 38′ 37″ O
Höhe: 367 m ü. NHN
Fläche: 1,8 km²[1]
Einwohner: 310 ca.
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 34298
Vorwahl: 05602

St. Ottilien ist ein Ortsteil der Gemeinde Helsa im nordhessischen Landkreis Kassel.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt am Ostrand der Söhre und am Rand des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land (Werratal.Meißner.Kaufunger Wald). Es befindet sich 5,1 km südsüdwestlich des Kernorts von Helsa und 5,7 km nordwestlich der Kernstadt von Hessisch Lichtenau; die nächste Großstadt ist das etwa 15 km nordwestlich liegende Kassel. Von Helsa führt die Bundesstraße 7 südwärts nach Eschenstruth; dort zweigt die durch Eschenstruth und St. Ottilien in Richtung Wattenbach führende Landesstraße 3460 ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgeber des Dorfs war vermutlich die südwestlich oberhalb der Ortschaft gelegene ehemalige Sankt Ottilienberg Kapelle.

1699 wird der durch Hugenotten gegründete Ort erstmals urkundlich erwähnt. Elf französische Familien aus der Dauphiné und dem Vivarais, die wegen ihres Glaubens vertrieben worden waren, erhielten von Landgraf Karl von Hessen-Kassel die Genehmigung, sich am Rande des Lossetals anzusiedeln. Die Familien erhielten je eine „Portion“ Land (Haus, Garten, Wiese und Äcker). Eine eigene Kirche und die Schule wurden 1727 errichtet und bilden noch heute den Dorfmittelpunkt. Um 1825 wurde die französische Sprache von der Deutschen in Schule und Kirche abgelöst.[1]

Bereits um 1640 hatte Landgräfin Amalia Elisabeth von Hessen-Kassel Wald, Bach und Teich zu St. Ottilien von Johann von Meisenbug gekauft. 1650 genehmigte sie die gemeinsame Hute für die Gemarkung Eschenstruth und Fürstenhagen im Gehölz. 1688 erfolgte die gleiche Genehmigung für Quentel gegen Bezahlung. Der Ort gehörte bis 1821 zum hessischen Amt Lichtenau und danach zum Landkreis Witzenhausen.[2] Während der französischen Besetzung gehörte der Ort zum Kanton Kaufungen im Königreich Westphalen (1807–1813).[1]

Die Gemeinde St. Ottilien wurde am 1. August 1972 im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz mit Eschenstruth und Helsa-Wickenrode zur heutigen Gemeinde Helsa zusammengeschlossen.[3][4]

Hugenottenkirche
Hugenottenkirche (ev.) in Helsa (Ortsteil St. Ottilien); Innenraum
Denkmal des Dorfbüttels vor der Hugenottenkirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachwerkkirche mit ihrem etwa 2,50 Meter hohen, achteckigen Glockenturm wurde in den Jahren 1724 bis 1727 erbaut. Sie ist ein zweigeschossiges Fachwerkdoppelhaus. Unter dem Dach der Kirche wurden gleichzeitig Schule und eine Lehrerwohnung eingerichtet. Im Jahre 1755 wurde dann noch eine Empore eingebaut. Vermutlich aus der Bauzeit stammen der Kanzelfuss und die Türinschrift. Die in französischer Sprache verfasste Inschrift lautet in der Übersetzung: „Dies ist das Haus Gottes; dies ist die Porte der Himmel“ (1. Mose 28, Vers 17). 1821 wurde die erste Kirchenglocke angeschafft.

Kapelle Sankt Ottilienberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1199 wird eine Kapelle oberhalb des heutigen Dorfes urkundlich erwähnt. Sie befand sich etwa 1 km westlich von St. Ottilien auf einem Bergsporn des 446 m hohen Sankt Ottilienberges. Im Jahr 1304 wird die Kapelle als St.-Juliane-Kapelle bezeichnet.[5] Im Jahre 1506 wurde sie dann St.-Ottilien-Kapelle genannt.[6] Um 1506 übertrug das Kloster Kaufungen die Kapelle und eine Klause auf dem St. Ottilienberg[7] dem Prior der Karmeliter zu Spangenberg. Ab 1519 sind Wallfahrten am Ostermontag belegt.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegel: Lichtenau, S. 293 f.
  • R. Schmidtmann: Die Kolonien der Réfugiés in Hessen-Kassel und ihre wirtschaftliche Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 55, 1929
  • L. Zögner: Hugenottendörfer in Nordhessen. (Marburger Geographische Schriften, 28) 1966, S. 18l–189
  • HOL Witzenhausen, S. 116,
  • Jochen Desel: Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel. Bad Karlshafen, 1992, S. 86 ff.
  • Ernst Werner Magdanz: 275 Jahre St. Ottilien. Festschrift, 1974
  • Alexander Wolfram: 300 Jahre St. Ottilien. Festschrift, 1999
  • Literatur über St. Ottilien in der Hessischen Bibliographie

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Sankt Ottilien, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 26. Februar 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. St. Ottilien im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen (GVBl. II 330-17) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 225, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 401.
  5. Die Bezeichnung wechselte im Laufe der Jahre und in verschiedenen Urkunden mehrfach: St. Ilgenguth, Juliansbergk, 1519; ien Seindt Dilgenberge, 1553; St. Ottilienberg, 1575/85; Sanct Ilgen, 1614; zue St. Ilian, 1640; zue St. Julian, 1641; St. Ottilienberg, 1715; St.-Ottilien-Berg
  6. Geschichtsverein Helsa: St. Ottilien, Historische Daten
  7. "uff sanct Othilienbergh", Urkundenbuch Kloster Kaufungen, Nr. 585

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]