St. Peter (Sinzig)

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Die 1241 geweihte, spätromanische Sinziger Pfarrkirche St. Peter
Pfarrkirche St. Peter, Ostteile
Langhaus nach Ost

Die Pfarrkirche St. Peter in Sinzig ist eine dreischiffige Kreuzbasilika im rheinischen Übergangsstil[1] mit Emporen und oktogonalem Zentralturm in exponierter Lage auf einem in die Ahrmündungsebene der Goldenen Meile hineinragenden, schon römisch besiedelten Hügelsporn. Das Bauwerk gilt als einer der „bedeutendsten Sakralbauten der Spätromanik im Rheinland“[2]. Der Kirchenbau wurde um 1225 begonnen, die Altarweihe erfolgte wahrscheinlich Mitte August 1241.[3]

Luftaufnahme der Kirche

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist möglicherweise ein Nachfolgebau der 855 in einer Schenkungsurkunden Kaiser Lothar I. an das Aachener Marienstift erwähnten Peterskapelle.[3] Der Baubeginn der Kirche wird nach Stilvergleichen mit weiteren Kirchen im Rhein-Lahn-Raum um 1225 angenommen. Konsekrator der Kirche und des Altars war der 1234 zum Bischof geweihten Dominikaner Heinrich von Ösel (Henricus de Osiliensis), der während eines Aufenthalts im Mittelrheingebiet[4] auf Bitten und in Vertretung des schwer erkrankten Trierer Erzbischofs Theoderich von Wied († 1242) Weihehandlungen an verschiedenen Kirchen zwischen Sinzig und Boppard vornahm. Aufgrund der Kirchweihe am Tage Mariä Himmelfahrt (1310 erstmals urkundlich belegt) ist für die Weihe der weitgehend fertiggestellten Pfarrkirche St. Peter der 15. August 1241 anzunehmen[5].

Das Bauwerk wurde 1863/64 nach Plänen des Architekten Ernst Friedrich Zwirner restauriert. Am 28. März 1881 wurde die erste bekannte Orgel von St. Peter eingeweiht, in deren Gehäuse sich heute eine von dem Komponisten und Organisten Peter Bares konzipierte Orgel befindet.[6]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau wurde in kreuzförmigem Grundriss angelegt. Die Kirche hat an den längsten Stellen eine Länge von 33,50 m und eine Breite von 19,83 m. Das Langschiff ist dreigeschossig. Der Chor ist fünfseitig umschlossen, flankiert von zwei Seitenkapellen. Die Vierung ist rechteckig und wird von einer schönen Kuppel überwölbt und von dem imposanten oktogonalen Turm überragt.[2] Das Achteck muss als Zitat des Oktogons des Aachener Doms verstanden werden.[3] Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass die Kuppelhöhe 16,15 m beträgt, welches 50 Karolingischen Fuß (50 römisch L, Fuß und Vertikale des Karls Monogramms) entspricht. Der Turm wird flankiert von zwei kleineren Türmen mit Helmspitze. Bemerkenswert ist das stark gegliederte Maßwerk der Westfassade. An der linken Seite des Portals befindet sich die Sinziger Elle, die eine Gesamtlänge von 0,575 m hat. Dieses Maß liegt etwas über der Freiburger und Frankfurter Elle (0,54 m).

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Ausstattung hervorzuheben ist der aus dem Jahre 1480 stammende, hochgotische Passionsaltar des Stifterehepaares Johann und Sophie Foehlen, ein mittelrheinisches Triptychon, das die Kreuzigung Christi, Christi Himmelfahrt und den Marientod darstellt.[3] Der Künstler wird heute auch als Meister des Sinziger Calvarienberges bezeichnet. Ihm konnten bisher zwei weitere Werke in Aachen und Bad Münstereifel (Triptychon in der Stiftskirche) zugeordnet werden.[7] Zu den weiteren Inventarstücken gehört die gotische Kreuzigungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert, eine Pietà vom Ende des 14. Jahrhunderts, sowie eine sitzende Madonna um 1340 und ein Schmerzensmann um 1301/25. Bei der Ausmalung der Taufkapelle handelt es sich um die Erstausmalung aus spätromanischer Zeit. In der Taufkapelle wird der sogenannte Heilige Vogt von Sinzig, eine mumifizierte Leiche, aufbewahrt, die zeitweise als Reliquie verehrt wurde. Er wird mit Vogt Johann Wilhelm von Holbach identifiziert.[8]

In den 1960er-Jahren erfolgte eine radikale Innenrenovierung, die die Flächenbemalung auf ein für das Mittelalter untypisches Kalkweiß reduzierte und die über einen langen Zeitraum gewachsene, geschlossene Innenausmalung zerstörte.[9]

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptorgel auf der Empore an der Westseite des Langhauses mit 45 klingenden Registern wurde 1972 nach Plänen des damaligen Organisten Peter Bares von der Firma E. F. Walcker & Cie. in Ludwigsburg als opus 5295 gebaut. Das Gehäuse wurde aus der 1880 von der Firma Gebr. Breidenfeld (Trier) gebauten Vorgängerorgel übernommen. Das Instrument hat drei Manuale und ein Pedal und weist folgende Disposition auf:[6]

I Rückpositiv C–c4
1. Quintade 8′
2. Stillgedeckt 8′
3. Principal 4′
4. Flaute dolce 4′
5. Nachthorn 2′
6. Quinte 113
7. Fünfzehnte 815
8. Scharff IV
9. Dulcianregal 8'
Xylophon 4′
Xylophon perm. 4′
Tremulant (regulierbar)
II Hauptwerk C–c4
10. Pommer 16′
11. Principal 8′
12. Spillpfeife 8′
13. Hohlflöte 8′
14. Oberton II–IV
15. Octave 4′
16. Spitzgamba 4'
17. Nasard 223
18. Schweizerpfeife 2′
19. Mixtur V
20. Mollterz 1619
21. Cymbel V
22. Franz. Krummhorn 16′
23. Trompete 8'
Röhrenglockenton
(C–f1)
8'
Harfe
(fis1–c4)
32'
III Brustwerk (schwellbar) C–c4
24. Holzgedeckt 8'
25. Rohrflöte 4'
26. Principal 2'
27. Terz 135
28. Oberton II
29. Blockflöte 1'
30. Cymbel IV
31. Harfenregal 16'
32. Schalmey 4'
Psalterium
Tremulant (regulierbar)
Pedalwerk C–f1
33. Principal 16′
34. Subbass 16′
35. Octavbass 8′
36. Violoncello 8′
37. Theorbe III
38. Quintgedeckt 513
39. Octave 4′
40. Gemshorn 2′
41. Hintersatz III
42. Dulcian 16′
43. Bombarde 16′
44. Fagott 8'
45. Trompetenregal 4'

Trompeteria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich baute die Firma Walcker 1979 als opus 5728 eine Trompeteria, die auf der Nordempore positioniert ist und selbständig mechanisch oder durch elektrische Traktur vom III. Manual der Hauptorgel aus spielbar ist. Sie hat folgende Disposition:

Trompeteria C–c3
1. Trompeta magna 16′
2. Trompeta da batalla 8′
3. Clarin brillante 4′
4. Mixtur V–VIII 4′

Altarpositiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls 1979 erhielt die Kirche ein Altarpositiv als opus 5749 der Firma Walcker mit vier Registern. Den künstlerischen Schmuck schuf Günter Oellers aus Linz (Rhein).

Altarpositiv Contra A–f3
1. Nachthorngedeckt 8′
2. Rohrpfeife 4′
3. Blockflöte 2′
4. Rauschzymbel II 113′+1′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut der Sinziger Pfarrkirche St. Peter ist „von hohem kultur- und lokalgeschichtlichen Wert“[11] und setzt sich wie folgt zusammen:

Nr. Name Durchmesser Stimmung Entstehungszeit
1 Sine nomine 730 mm e2 etwa Ende des 13. Jahrhunderts
2 Marienglocke 1.450 mm dis1 +2 1299
3 Angelusglocke 880 mm h1 +5 1451
4 Jesus-Maria-Petrus-Glocke 1.340 mm e1 −6 1462
5 Täuferglocke
(Schlagglocke des Uhrwerks)
d3 +8 1661
6 Petrusglocke cis1 1981, Stiftung vom Kirchenorganisten Peter Bares et al.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Toni Diederich: Die Baugeschichte der Sinziger Pfarrkirche St. Peter im Lichte eines neuen Siegelfundes. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 45, 1981, S. 35–43.
  • Peter Pauly: Konsekrator der Pfarrkirche St. Peter in Sinzig Bischof von Ösel. In: Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 1983. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1982.
  • Wim Kossin: Sinzig im Mittelalter 700−1500 - Die Pfarrkirche St. Peter. In: Sinzig und seine Stadtteile. Hrsg. von Jürgen Haffke und Bernhard Koll, Sinzig 1983.
  • Stefan Pauly: Die Wandmalereien in der katholischen St. Peter Pfarrkirche in Sinzig. In: Heimatjahrbuch für den Kreises Ahrweiler 1998. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1997.
  • Stefan Pauly: Der spätstaufische Altar in der Pfarrkirche St. Peter in Sinzig. In: Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 2000. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Peter (Sinzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Lübke: Die Kunst des Mittelalters. Salzwasser Verlag, Paderborn 2013, ISBN 978-3-86444-363-3, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Toni Diederich: Die Baugeschichte der Sinziger Pfarrkirche St. Peter im Lichte eines neuen Siegelfundes. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. 45, 1981, S. 35–43.
  3. a b c d Eintrag zu Pfarrkirche St. Peter Sinzig in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, abgerufen am 27. Juli 2017.
  4. Weitere Weihetätigkeiten im August 1241 sind für Koblenz und Boppard urkundlich belegt.
  5. Peter Pauly: Konsekrator der Pfarrkirche St. Peter in Sinzig Bischof von Ösel. In: Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 1983. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1982.
    Stefan Pauly: Der spätstaufische Altar in der Pfarrkirche St. Peter in Sinzig. In: Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 2000. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1999.
  6. a b Orgel in St. Peter, Sinzig, abgerufen am 25. Februar 2017.
  7. Anne Schunicht-Rawe, Stephan Pauli: St. Peter in Sinzig. Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Neusser Druckerei und Verlag GmbH, Neuss 2001, ISBN 3-88094-919-0, S. 14.
  8. Der wunderlichste Heilige im Rheinlande, abgerufen am 25. Februar 2017.
  9. Die Wandmalereien in der katholischen St. Peter Pfarrkirche in Sinzig, abgerufen am 26. Februar 2017.
  10. www.walcker.com, abgerufen am 16. Februar 2017.
  11. Wim Kossin: Sinzig im Mittelalter 700−1500 - Die Pfarrkirche St. Peter. In: Sinzig und seine Stadtteile. Sinzig 1983.

Koordinaten: 50° 32′ 43″ N, 7° 15′ 10″ O