St. Peter (Köln)

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St. Peter in Köln (2016)

Sankt Peter ist eine in den Jahren 1513 bis 1525 errichtete gotische Kirche in Köln, die von Jesuiten geleitet wird. Sie ist die Taufkirche von Peter Paul Rubens. Die Kirche beherbergt die Kunst-Station Sankt Peter, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst, Musik und Literatur.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Peter und St. Cäcilien um 1665

Die Pfarrkirche Sankt Peter ist der späteste gotische Kirchenbau in Köln, der noch erhalten ist. Er wurde in den Jahren 1513 bis 1525 auf den Resten römischer und romanischer Vorgängerbauten als dreischiffige Emporenbasilika mit dreiseitigem Emporeneinbau errichtet.[1] Sein Innenraum misst 37,5 Meter Länge und 21 Meter Breite. Der romanische Westturm stammt aus dem Jahr 1170. Deshalb wird auch diese Kirche vom Förderverein Romanische Kirchen Köln betreut. Zusammen mit der benachbarten Cäcilienkirche bildet St. Peter die einzig erhaltene Doppelkirchenanlage einer Stiftskirche mit einer Pfarrkirche in Köln.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Während des sogenannten „Peter-und-Paul-Angriffs“ in der Bombennacht vom 29. Juni 1943 im Zweiten Weltkrieg wurde die Pfarrei von St. Peter fast restlos ausgelöscht, die Kirche wurde bis auf die Grundmauern und Pfeiler zerstört. Trotz der Bemühungen, die wichtigsten Ausstattungsgegenstände der Kirche wie Altarbilder oder Kirchenfenster zu sichern, wurden große Teile des opulenten Holzwerkes der Altäre und Kanzeln, ebenso die 1907 vom Kölner Orgelbauer Ernst Seifert im alten Gehäuse von 1820 errichtete Orgel, ein Opfer der Flammen des Krieges.

Wiederaufbau

Nach ersten Sicherungsmaßnahmen setzten im Jahr 1950 die Wiederaufbauarbeiten unter Leitung von Regierungsbaumeister Karl Band und Architekt Wilhelm Schorn ein und konnten bis 1960 nahezu abgeschlossen werden. Den Wiederaufbau bestimmten geringe Mittel und der vorherrschende Zeitgeist, die Zerstörung des Bauwerks durch Betonung der verlorenen Proportionen für die Nachwelt zu dokumentieren. Obwohl die Wiederherstellung des Kirchenraums durch Karl Band sehr „einfühlsam, aber letztlich nur als Fragment“[2] erfolgte, bescheinigt der Theologe Nicolas Weiser dem damals neu entstandenen Kirchenraum gegenüber dem Vorkriegszustand eine fast „protestantische“[3] Anmutung. Ein stufig erhöhter Altarraum, mit Blaustein belegt, diente als Abgrenzung zum Laienraum, der mit rötlichem Ziegelstein ausgestattet war. Der Raumeindruck in der karg ausgestatteten Emporenbasilika wurde vor allem durch eine neue, dunkle hölzerne Kassettendecke bestimmt, „deren Wirkung einem Sargdeckel“[4] gleichkam, wie die Stadtkonservatorin Hiltrud Kier bemerkte. Stehen gelassene Gewölbeauflagen zwischen den Obergadenfenstern erinnern noch heute „wie architektonische Tränen“[5] an die zerstörten Netzgewölbe. Nur wenige restaurierte oder rekonstruierte Ausstattungen, etwa das mittelalterliche Taufbecken oder schmiedeeiserne Gitter aus der Barockzeit sowie einige Einbauten im Zeitgeist der 1950er Jahre, zierten den Kirchenraum, als im Juli 1960 die Jesuiten in St. Peter einzogen und Pater Alois Schuh SJ ab September 1960 mit der Seelsorge in der Gemeinde betraut wurde. In der Folgezeit wurde ein neuer, schlichter steinerner Hochaltar konsekriert, 1961 kehrten die Altarbilder von Schut und Rubens in die Kirche zurück[6] und die erhaltenen Kirchenfenster wurden wieder eingebaut.

Sanierung 1997 bis 2000

Die Konzeption der grundlegenden Innenraumgestaltung während der Sanierung in den Jahren 1997 bis 2000 durch das Architekturbüro Wiegmann & Trübenbach strebte danach, durch Farben, Formen, Materialien und Beleuchtung wieder einen ganzheitlichen, harmonischen Gesamteindruck herzustellen. Dabei war der noch vorhandene Naturstein der Pfeiler Ausgangspunkt für die farbliche Gestaltung, die alle raumbildenden Elemente einbezog. Der steinerne Hochaltar und die nach dem Krieg errichtete Altarerhöhung wurden abgetragen, der Ziegelfußboden im Kirchenschiff und auf der Empore durch einen grauen, fugenlos eingebrachten Estrich ersetzt, der durch eine besondere Oberflächenbehandlung Glanz und Ruhe ausstrahlt. Die Wände erhielten durch einen neuen Putz in warmem Steinfarbton eine Angleichung an die originalen Werksteinteile und binden Pfeiler, Bögen, Gewölberippen und Emporenbrüstungen in die Raumwirkung ein. Eine neue Holzdecke in hellem Grauton ersetzt die dunkle Nachkriegsdecke und verstärkt den Lichteinfall. Elemente, die in den fünfziger Jahren im Stil der Zeit ergänzt worden waren, wurden entfernt und historisch rekonstruiert. Das Sanierungskonzept wurde mit dem Architekturpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreuzigung Petri von Peter Paul Rubens, 1638 durch den Kölner Unternehmer und Kunstsammler Eberhard Jabach in Auftrag gegeben, sowie die Skulptur Gurutz Aldare (2000) von Eduardo Chillida sind die wichtigsten Schätze der Kirche.

Die Fenster der Apsis und die der Seitenschiffe gelten als bemerkenswertes Zeugnis des Kölner Kunstschaffens im frühen 16. Jahrhundert. Ihre Renaissance-Glasmalereien stammen aus den Jahren 1528 bis 1530. Die Chorfenster stellen die Passionsgeschichte von der Kreuztragung über die Kreuzigung bis hin zur Kreuzabnahme dar. Unter diesen Fenstern liegen weitere Fenster mit Glasmalereien, die die Stifter der Fenster zeigen, so etwa Elisabeth von Manderscheid, die Äbtissin des Cäcilienklosters war.

Don't Worry ist der Name der Lichtinstallation des Londoner Künstlers und Turner-Preisträgers Martin Creed, die sich an allen Außenseiten des Turmes oberhalb der Schallöffnungen befindet. Dieser englische Schriftzug ist an den drei anderen Turmseiten ins Lateinische, Griechische und Deutsche übersetzt: „Noli solicitus esse – Mη mεριμνα – Sorge dich nicht“. Aus der Mitte dieses Sprachgewirrs kann sich der Leser sein persönliches Verständnis erarbeiten und für sich die Gute Nachricht der Bergpredigt herausfiltern. Dabei verkündigt sie beides: das Unbedachte des Dahingesagten und das Befreiende des Bedachten.

In der Gitterkapelle sind die Schreine mit den Reliquien der Heiligen Evergislus und Paulinus aus dem Jahre 1802 aufgebahrt. Der heilige Everigisil ist der Schutzpatron der Glaser und der Kölner Malerzunft, Paulinus war ein Diakon des ersten Kölner Bischofs Maternus.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Peter hat eine Orgelanlage, bestehend aus Hauptorgel und Chororgel. Beide Instrumente wurden 2004 von dem Orgelbauer Willi Peter (Köln) erbaut, wobei die beiden neobarocken Vorgängerorgeln aus den Jahren 1968 und 1971 integriert wurden; seit 2006 werden beide Orgeln durch Orgelbau Peter erweitert. Die Orgeln zählen weltweit zu den fortschrittlichsten Instrumenten des zeitgenössischen Orgelbaus. Das klassische Werkprinzip und eine entsprechende Gestaltung der Prospekte wurden aufgegeben, die Einbeziehung neuartiger Register und Schlagwerke bieten die Möglichkeit zu grundsätzlich neuer musikalischer Gestaltung.

Die Orgelanlage verfügt momentan über 102 Register und Spielhilfen. Ihre Disposition zeichnet sich einerseits durch eine Vielzahl an Aliquotregistern zur besseren Dissonanzfähigkeit aus, und andererseits durch zahlreiche, auch neuartige Schlagwerksstimmen. Außerdem enthalten beide Instrumente einige Registerneuschöpfungen nach der Idee von Peter Bares, etwa das Physharmonikaensemble (64′–8′) im Hauptwerk, sowie die Effektregister Silberklang, Bronceton, die rotierenden Cymbeln, Beckenstern, Jauler, Sirene und Hahnenschrei. Koppellösungen verbinden die Werke. Damit besteht die Möglichkeit, außergewöhnliche Register über ein Koppelwerk jedem Manual oder Pedal zuzuordnen.

Sämtliche Klänge werden im Eigentlichen zwar elektrisch angesteuert, aber auf rein mechanischem Weg erzeugt. Damit stehen die Orgeln von St. Peter in der alten Tradition des Orgelbaus und schlagen gleichzeitig den Bogen zur Fortführung dieser Kultur in die Moderne. [7]

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptorgel

Die Hauptorgel hängt über der Empore. Sie hat einen viermanualigen Generalspieltisch, von dem aus auch die Chororgel angespielt werden kann: Das erste Manual der Chororgel vom I. Manual aus, die beiden weiteren Manualwerke der Chororgel vom IV. Manual aus. Haupt- und Schwellwerk der Hauptorgel (II. und III. Manual) haben elektrische Schleifladen.

Die konventionellen Register der Hauptorgel verteilen sich auf das II. Manual (Hauptwerk), das III. Manual (Schwellwerk) und das Pedal.

Die Hauptorgel verfügt zudem über ein spanisches Trompetenwerk (Trompeteria). Außerdem enthält die Hauptorgel einen Fundus an neuartigen Registern. Diese sind auf zwei Werke aufgeteilt: Zum einen das schwellbare Koppelwerk (Multiplexlade), und das Schlagwerk. Jedes dieser Werke lässt sich von allen vier Manualen und dem Pedal der Hauptorgel individuell anspielen: Das Multiplexsystem ermöglicht es, das Koppel- und das Schlagwerk jeweils individuell für jedes einzelne Manual und das Pedal zu registrieren. Bei den Registern des Koppelwerkes handelt es sich zum Teil um Auszüge. Einzelne Register des Koppelwerkes lassen sich nur an das Pedal anbinden.

Außerdem verfügt das Instrument über einen Fundus an Effektregistern. Dazu zählt auch die Möglichkeit, die Glocken im Turm der Kirche anzuschlagen. Zudem enthält das Instrument ein breites Spektrum an Koppeln und sonstigen Spielhilfen, insbesondere für die Darbietung neuerer Musik, etwa eine Tastenfessel zur Tonarretierung und eine Winddrossel, mit der die Windmenge reguliert werden kann.[8]

II Hauptwerk C–g3
1. Pommer 16′
2. Principal 8′
2. Rohrflöte 8′
4. Octave 4′
5. Gedeckt 4′
6. Nasard 22/3
7. Flöte 2′
8. Mixtur IV–V 2′
9. Terz 13/5
10. Sept 11/7
11. None 8/9
12. Cymbel III 1/2
13. Trompete 8′
Tremulant
14. Physharmonika (c1–g3) 64′
15. Physharmonika (c0–g3) 32′
16. Physharmonika (C–g3) 16′
17. Physharmonika (C–g3) 8′
Tremulant I
Tremulant II
III Schwellwerk C–g3
18. Principal 8′
19. Gedeckt 8′
20. Spitzgambe 8′
21. Octave 4′
22. Blockflöte 4′
23. Hintersatz III 22/3
24. Superoctave 2′
25. Mixtur IV–VI 11/3
26. Nachthorn 1′
27. Elfte 8/11
28. Schalmey 16′
29. Trompete 8′
30. Clarine 4′
Tremulant
Pedal C–f1
31. Principal 16′
32. Subbaß 16′
33. Quinte 102/3
34. Principal 8′
35. Flöte 8′
36. Quinte 51/3
37. Octave 4′
38. Traversflöte 4′
39. Hintersatz IV 22/3
40. Nachthorn 2′
41. Posaune 16′
42. Trompete 8′
Koppelwerk
43. Saxophon 32’
44. Saxophon 16’ A
45. Saxophon 8’ A, (P)
46. Saxophon 4’ A, (P)
47. Cello 8’
48. Cello 44/7 A, (P)
49. Cello 4′ A, (P)
50. Cello 31/5 A, (P)
51. Cello 2′ A, (P)
52. Weidenpfeife 4′
53. Cornett III 31/5
54. Cornett III 51/3 A, (P)
55. Cornett III 22/3 A, (P)
56. Mixtur V–VIII 22/3
57. Aeolsharfe IV 22/3
58. Aeolsharfe IV 11/3 A, (P)
59. Aeolsharfe IV 2/3 A, (P)
60. Trillerpfeife 1′
61. 1. Cymbel III 2/5
62. 2. Cymbel III 2/7
63. 3. Cymbel III 4/21
64. 4. Cymbel III 2/15
Tremulant
Trompeteria
65. Trompeta magna 16′
66. Trompeta da batalla 8′
67. Clarin brilliante 4′

Schlagwerk
Glocken 16’
Xylodur
Xylodur permanent
Becken (C–f1) (P)
Harfe (c0–f3) 8’
Psalterium (C–f0)
Glockencymbel (C.O.)
Glockencymbel permanent

Effektregister
Turmglocken
Beckenstern
Silberklang
Jauler
Sirene
  • Koppeln
    • Normalkoppeln: I/II, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Sonder-Normalkoppeln: P Hauptorgel/I, P Chororgel/I
    • Suboktavkoppeln: I/II, III/II, III/III
    • Superoktavkoppeln: I/P, III/P
    • Weitere: Organumkoppel
  • Spielhilfen
    • Absteller: Pedal Hauptorgel ab, Pedal Chororgel ab
    • Permanent-Schaltung: Xylodur 8', Psalterium
    • Weitere: Elektronische Setzeranlage, Winddrosseln, Tastenfessel
    • Rotationen der Cymbeln: Quadrupla I 3f, II 6f, III 6f, 4 9f, IV 3-9f (Geschwindigkeit steuerbar)
  • Anmerkungen
A = Auszug
(P) = nur im Pedal spielbares Register
(nP) = nicht im Pedal spielbar
C.O. = Register in der Chororgel

Chororgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chororgel

Die Chororgel steht im nördlichen Seitenschiff und hat 40 Register auf drei Manualen und Pedal. Das Schwellwerk wurde nachträglich um vier Register, das Pedal um sieben Register erweitert. In der Chororgel befindet sich ein Teil des Schlagwerks, das vom I. und II. Manual sowie von allen Manualen und vom Pedal der Hauptorgel aus anspielbar ist. Mit Ausnahme des III. Manuals (elektrische Kegellade) stehen die Register auf mechanischen Schleifladen.[9]

I. Manual C–g3
Gedeckt 8′
Principal 4′
Blockflöte 2′
Principal 1′
Scharff III–IV 1′
Quinte 2/3
Holzcymbel II 1/2
Terz 2/5
Bärpfeife 16′
Vox humana 8′
Tremulant
II. Manual C–g3
Gemshorn 8′
Rohrflöte 4′
Sesquialtera II 22/3
Principal 2′
Quinte 11/3
Cymbel III 2/3
Musette 8’
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
Violon 16′
Geigenprinzipal 8′
Gamba 8′
Salicional 8′
Celeste 8′
Stillgedackt 8′
Geigenprinzipal 4′
Nachthorn 4′
Traversflöte 4′
Nachthorn 2′
Flageolet 2′
Fagott 16′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Gedecktbaß 16 ′
Pommer 8′
Violon 16′
Violon 8′
Stillgedackt 51/3
Akkord III 4′
Oberton 22/3
Fagott 8′
Oboe 51/3
Oboe 4′
Oboe 2′
Effektregister
Xylophon (C-c1)
Xylophon permanent
Glockencymbel
Glockencymbel permanent
Bronzeton
Hahnschrei (c0, e0, gis0)
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche verfügte zwischen dem Anfang des 19. Jahrhunderts und dem Zweiten Weltkrieg über einen Bestand von sechs Glocken. Die drei größeren Glocken im Westturm bildeten das Sonn- und Feiertagsgeläut. Die große Glocke, 1424 von Christian Duisterwalt in Köln gegossen, wurde aus der abgerissenen Kirche St. Mariengraden übernommen. Die 1,25 Meter große und etwa 1.200 Kilogramm schwere Glocke war der Gottesmutter geweiht. Die mittlere Glocke im Ton g′ von 109 Zentimetern Durchmesser wurde vom selben Gießer bereits 1416 gegossen, ebenfalls zu Ehren der Gottesmutter. Sie diente auch als Wetterglocke, wie ihre Inschrift bekundet: dvnre in vngeweder verdriuen ich. Auch diese Glocke ist aus St. Marien übernommen worden. Über etwaige Vorgängerinnen der beiden größeren Glocken ist nichts bekannt. Die dritte Glocke von 103 Zentimetern Durchmesser im Ton a′ ist dem Kirchenpatron und Apostel Petrus geweiht. Um ihre Schulter verläuft die auf Kölsch verfasste Inschrift in gotischer Minuskel: ich bin gemat in peters ihre. Sie nennt außerdem das Gussdatum 20. März 1393. Damit gehört die Glocke zu den ältesten datierten weitum. Ein kleines Messglöckchen mit einem Durchmesser von 38 Zentimetern, 1700 von Johann Wickrath in Köln gegossen und dem heiligen Petrus geweiht, war im Dachreiter auf dem Mittelschiffdach aufgehängt. Es wurde zusammen mit den beiden auf der Ostseite des Turmhelms angebrachten Uhrzimbeln, 52 und 43 Zentimeter im Durchmesser, gegossen.[10]

Bis auf die große Glocke und die beiden Uhrglocken haben alle Glocken den Feuersturm des Zweiten Weltkrieges überdauert; sie konnten 1959/60 geschweißt werden. Außerdem wurde die größere der beiden erhaltenen Glocken aus St. Cäcilien, 1560/70 von Derich und Heinrich von Cöllen gegossen, mit in den Turm von St. Peter gehängt, ebenso das verbliebene kleine Meßglöckchen. Im Jahre 2000 wurde für St. Peter die Gabrielsglocke gegossen, in Anlehnung an die gleichnamige verlorene Glocke von St. Cäcilien aus dem Jahre 1493. 2005 wurde des Geläut erneut erweitert: Die bis dahin von St. Cäcilien nach St. Maria in Lyskirchen verliehene Glocke des 14. Jahrhunderts sowie die neu gegossene Gertrudisglocke wurden in den dafür errichteten Holzglockenstuhl gehängt und alle Glocken neben dem herkömmlichen Läuteantrieb mit einer elektrischen Beieranlage ausgerüstet. Die Gertrudisglocke tritt an die Stelle der zerstörten großen Marienglocke von 1424, wenn auch in kleinerer und schlichterer Form, und reflektiert mit der verbliebenen Mariengradener Glocke und der alten Petrusglocke das vormalige dreistimmige Sonn- und Feiertagsgeläut, wie es bis 1945 bestanden hat. Die beiden Uhrzimbeln und der Dachreiter wurden allerdings nicht wiederhergestellt.[10][11]

Jeden Sonnabend ab 16.45 Uhr wird mit sechs Glocken der Sonntag eingeläutet, zusammen mit den Glocken der Antoniterkirche und von St. Aposteln. Zum Engel des Herrn wird jeden Tag wie folgt geläutet: Zuerst wird die alte Petrusglocke drei Mal zu je drei Schlägen angeschlagen, worauf mit der alten Meßglocke ein kurzes Zeichen geläutet wird.

Nr. Name, Widmung Abb. Gießer, Gussort Gussjahr Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Schlagton
(a′ = 435 Hz)
Provenienz
1 Gertrud Gertrudisglocke Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 2005 1.120 758 f′ –5/16
2 Maria Marienglocke Christian Duisterwalt, Köln 1416 1.090 ca. 800 g′ –8/16 St. Maria ad Gradus
3 Petrus Petrusglocke anonym 1393 1.030 ca. 700 a′ –3/16
4 Maria Kleine Marienglocke Derich und Heinrich von Cöllen 1560/70 990 ca. 600 as' ±0 St. Cäcilien
5 Christus Christusglocke anonym 14. Jh. 870 ca. 460 b′ +1/16 St. Cäcilien, St. Maria in Lyskirchen
6 Gabriel Gabriel Hans August Mark, Brockscheid 2000 780 320 c″ ±0
7 Petrus (ehem. Meßglocke) Kleine Petrusglocke Johann Heinrich Wickrath, Köln 1700 380 ca. 40 ca. es″′

Kunst-Station Sankt Peter Köln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kunst-Station Sankt Peter Köln als Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik wurde 1987 von Friedhelm Mennekes SJ gegründet. Seitdem finden hier Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und Konzerte Neuer Musik statt. Der in den Jahren 1997 – 2000 neu gestaltete Sakralraum mit seinem Charakter der Leere bietet Raum für eine gezielte Inszenierung von temporär installierten Kunstwerken in Auseinandersetzung mit der Liturgie.
Die Künstler, die in der Kunst-Station Sankt Peter eine Ausstellung oder eine Kunstintervention realisieren, werden von einem unabhängigen und ehrenamtlichen Beirat, der von der Gemeinde berufen wird, ausgewählt und eingeladen. Bewerbungen sind nicht möglich.

Mit Ausstellungen oder Interventionen vertretene Künstler seit 1987

  • 2010: Katja Strunz, Tessa Knapp, Motoi Yamamoto, Erik Schmidt, LAb[au]

Kirchenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organist an Sankt Peter ist seit Februar 2007 Dominik Susteck (* 1977 in Bochum) in der Nachfolge von Peter Bares (* 1936 in Essen; † 2014 in Sinzig-Bad Bodendorf), der seit 1992 das Amt innehatte. Peter Bares wirkte in dieser Zeit als Organist, Komponist und geistiger Vater der außergewöhnlichen Orgeln an Sankt Peter. Im Januar 2007 wurde Peter Bares gemeinsam mit dem Organisten, Komponisten und Professor für Orgel an der staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau Zsigmond Szathmáry (* 1939 in Hódmezővásárhely, Ungarn) zum Titularorganisten an Sankt Peter ernannt. An jedem ersten Sonntag im Monat erklingt um 19.30 Uhr die Orgel.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde von Sankt Peter wird von Jesuiten geleitet. Pfarrer ist Pater Werner Holter SJ.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mariana Hanstein: Peter Paul Rubens’ Kreuzigung Petri. Ein Bild aus der Peterskirche zu Köln. Böhlau, Köln – Weimar – Wien 1996. ISBN 3-412-14695-1.
  • Hiltrud Kier: Gotik in Köln. Wienand, Köln 1997. ISBN 3-87909-540-X.
  • Nicolas T. Weiser: Offenes Zueinander, Räumliche Dimensionen von Religion und Kunst in der Kunst-Station Sankt Peter Köln. Schnell & Steiner, Regensburg 2002. ISBN 3-7954-1539-X.
  • Michael Gassmann, Karl Wilhelm Boll, Kurt Danch: Werkzeuge der Stille – Die neuen Orgeln in Sankt Peter zu Köln. Wienand, Köln 2004. ISBN 3-87909-859-X.
  • Hiltrud Westermann-Angerhausen / Guido Schlimbach: Museum Schnütgen und Sankt Peter Schnell & Steiner, Regensburg 2005. ISBN 978-3-7954-6503-2.
  • Ivo Rauch und Hartmut Scholz: Sankt Peter zu Köln – Meisterwerke der Glasmalerei. Schnell+Steiner, Regensburg 2007. ISBN 978-3-7954-1959-2.
  • Friedhelm Mennekes: Zwischen Freiheit und Bindung Im Gespräch mit Brigitta Lentz über Kirche und Kunst, Wienand, Köln 2008. ISBN 978-3-87909-957-3.
  • Guido Schlimbach: Für Friedhelm Mennekes. Kunst-Station Sankt Peter Köln. Texte von Kardinal Joachim Meisner, Arnulf Rainer, James Brown, Peter Bares u. a. Wienand, Köln 2008. ISBN 978-3-87909-961-0.
  • Guido Schlimbach: Für einen lange währenden Augenblick. Die Kunst-Station Sankt Peter Köln im Spannungsfeld von Religion und Kunst, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2009. ISBN 978-3-7954-2110-6.
  • Dominik Susteck: Peter Bares. Komponist und Orgelvisionär. Dohr, Köln 2011. ISBN 978-3-936655-17-9.
  • Guido Schlimbach: Eines der besten Bilder, die meine Hand geschaffen hat. Peter Paul Rubens, Die Kreuzigung Petri. Kunst-Station Sankt Peter Köln, Köln 2015. (ohne ISBN).
  • Hoffs, Gerhard (Hrsg.): Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns., S. 205–213. (PDF-Datei; 2,44 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Peter (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur baugeschichtlichen Entwicklung der Doppelkirchenanlage St. Cäcilien – St. Peter: Schlimbach 2009, S. 237–248
  2. Weiser 2002, S. 85
  3. Weiser 2002, S. 85
  4. Kier 1997, S. 83
  5. Kier 1997, S. 83
  6. Schlimbach 2015, S. 47
  7. Umfassende Informationen zur Orgel
  8. Informationen zur Disposition der Hauptorgel
  9. Informationen zur Disposition der Chororgel
  10. a b Gerhard Hoffs (Hrsg.): Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns. S. 201–211. (PDF-Datei; 5,3 MB)
  11. Martin Seidler: Kölner Glocken und Geläute. In: Förderverein Romanische Kirchen Köln e. V. (Hrsg.): Colonia Romanica. IV. Greven-Verlag, Köln 1989, S. 19–25.

Koordinaten: 50° 56′ 4″ N, 6° 57′ 6″ O