Petrikirche (Rostock)

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Petrikirche mit Resten der Stadtmauer (2006)
Brennende Petrikirche nach Bombardierung 1942 (Gemälde von Albrecht Krohn in der Kirche)
Rekonstruktion der historischen Umgebung mit Petrischanze, Petritor und Petridamm
Blick auf die neugestaltete Petrischanze
Stadtmauerinschrift zur Gründung Rostocks bei der Petrikirche:Nachdem die jenseits des Flusses gelegene wendische Siedlung Rostock im Jahre 1160 zerstört worden war, gründeten um das Jahr 1200 deutsche Kaufleute auf dieser Anhöhe die Stadt Rostock, welcher 1218 das lübische Recht verliehen wurde

Die Petrikirche ist die älteste und mit 117,0 m die höchste der ehemals vier Stadtkirchen der Hansestadt Rostock. Die anderen sind bzw. waren die Marienkirche, die Nikolaikirche und die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1960 endgültig abgetragene Jakobikirche. Wie die anderen genannten Kirchen gehört sie zur Evangelisch-Lutherischen Innenstadtgemeinde Rostock der Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Von der Petrikirche ging in Rostock die Reformation aus, als 1523 Herzog Heinrich V. den dortigen Kaplan Joachim Slüter mit der evangelischen Predigt beauftragte.[1] Bei einem Luftangriff 1942 brannte die Petrikirche mit ihrer gesamten Innenausstattung aus und verlor ihren charakteristischen Turmhelm.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits um 1300 wurde an der Stelle der heutigen Petrikirche ein Kirchbau errichtet (der älteste bekannte urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1252.) Es handelte sich um ein dreischiffiges Gebäude, die Steine waren dunkelrot bis violett, und seine Mauern bestanden teilweise aus Granit. Teile dieser ersten Bauphase sind noch bis zur Kämpfer der beiden Seitenschiffe erhalten. Der Turm war vermutlich ein Quer- oder Doppelturm, worauf die Mauerreste am Südturm schließen lassen.

Zweite Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde an Stelle des Vorgängerbaus die Kirche als dreischiffige Basilika in der für Nordeuropa des Ostseeraums typischen Bauweise der (Backsteingotik) errichtet.

Sie erhielt um 1500 einen ca. 127 m hohen Turm, der schon 1543 durch Blitzschlag zerstört wurde, worin die in Rostock verbliebenen Katholiken eine Strafe Gottes sahen. Bis 1578 wurde der Turm mit Turmhelm wieder aufgebaut, nachdem er zwischenzeitlich durch Sturmeinwirkung wieder teilweise zerstört worden war. Mit der dann erreichten Höhe von 117 m diente er auch als Orientierungsmarke von See wie von Land. In den folgenden Jahrhunderten hinterließen Wetterunbilden ihre Spuren, die 1902 zu einer umfassenden Renovierung der Basilika führten.

Bei dem Vier-Tage-Angriff der britischen Luftwaffe Ende April 1942 wurde die Petrikirche in der Nacht vom 26. auf den 27. April 1942 schwer getroffen. Der mit Kupfer beschlagene Turmhelm verbrannte, die Orgel, der barocke Altar, die Renaissance-Kanzel sowie das einzige Epitaph wurden ein Raub der Flammen. Hingegen konnte das mittelalterliche bronzene Taufbecken von A. Ribe 1512 gerettet werden (1942 durch Auslagerung und 1945 durch Vergraben), ebenso ein Kreuzwegrelief Christus vor Pilatus. Während das Gewölbe des Mittelschiffes und des südlichen Seitenschiffes einstürzten, blieb das Gewölbe des nördlichen Seitenschiffes erhalten.[2] Im Zuge eines sehr zögerlichen Wiederaufbaus wurde der Turm mit einem Notdach gesichert und das Mittelschiff mit einer flachen Holzdecke geschlossen, welche eine Höhe von 24 Metern erreicht. Außerdem wurden die Arkaden zwischen dem Mittel- und den Seitenschiffen vermauert und die Wände des Mittelschiffs weiß getüncht. Der Turmhelm wurde zunächst nicht wiederaufgebaut, 62 Jahre lang stand nur noch der Turmschaft.

Luftbild mit St. Petri und Stadthafen (2006)

1994 konnte im Rahmen der Städtebauförderung mit Mitteln des Landes, der Stadt und Mitteln aus Spendenaufrufen und von Denkmalschutzorganisationen wieder ein kupferbeschlagener Turmhelm aufgesetzt werde, so dass St. Petri wieder weithin als Rostocker Wahrzeichen sichtbar ist. Zusätzlich wurde in 45 m Höhe eine über 195 enge Treppenstufen oder einen Aufzug erreichbare Aussichtsplattform gebaut, die bei klarem Wetter einen weiten Blick über die Stadt Rostock hinweg bis nach Warnemünde und die Ostsee ermöglicht.

An der Westwand des Hauptraums, unweit des Eingangs, hängt ein Gemälde, das die brennende Petrikirche (und die brennenden Wohnhäuser am Alten Markt) in der Nacht vom 26. zum 27. April 1942 zeigt. Es wurde vom Laienmaler und Gastwirt Albrecht Krohn in den 1980er Jahren geschaffen und der Petri-Gemeinde anlässlich des Turmaufbaus 1994 übergeben.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit 4 Jochen, abgeschlossen vom Westturm mit seinem hohen Spitzhelm. Auf der Nord- und Südfassade befinden sich 4 mal alternierend je 1 Rundbogen-Blendarkade + 1 großes Rechteckfenster, im Mittelgeschoss des Turms je 3 hohe Rundbogen-Blendarkaden außer an der Ostseite, wo der Turm an die Basilika stößt, darüber an allen vier Seiten je 3 Rundbogenfenster.

Der Chorabschluss ist polygonal; an der Nord- und Südseite befindet sich je eine kleine Fiale mit Spitzhelm.

Der zweizonige Innenwandaufriss weist im Untergeschoss Blendarkaden im romanisch-gotischen Übergangsstil auf. Die vor der Kriegszerstörung offenen Arkaden wurden erst bei der Sanierung zugemauert. Darüber fällt das Licht durch die großen Rechteckfenster ein. Das Kreuzrippengewölbe über dem nördlichen Seitenschiff ist erhalten. Das südliche Seitenschiff aber war zu stark zerstört, um die ursprüngliche Konstruktion wiederherzustellen. Auch im Mittelschiff wurde auf eine Rekonstruktion verzichtet.

Die 17 m hohen farbigen Chorfenster mit Szenen aus dem Leben des Hl. Petrus wurden 1963 von dem lokalen Künstler Lothar Mannewitz (1930–2004) gestaltet.

Geistliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 367.
  2. Arno Krause: Rostock. In: Götz Eckardt: Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 1, Henschel-Verlag, Berlin 1978, S. 61–63.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Krause: Bezirk Rostock. In Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt. Henschelverlag, Berlin 1978. Band 1, S. 61–63 (Petrikirche)
  • Gebrannte Größe: Rostock – Die Sprache der Steine. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2004, ISBN 3-936942-25-0.
  • Angela Pfotenhauer: Backsteingotik. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2000, ISBN 3-936942-10-2.
  • Gottfried Kiesow: Wege zur Backsteingotik. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2003, ISBN 3-936942-34-X.
  • Ev.-luth. Innenstadtgemeinde Rostock (Hrsg.): Rostock – St.Petri. Kunstverlag Peda, Passau 2004, ISBN 3-89643-553-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Petrikirche (Rostock) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 5′ 26″ N, 12° 8′ 53″ O