St. Rochus (Bad Kohlgrub)

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Rochuskirche Bad Kohlgrub

Die römisch-katholische Filialkirche St. Rochus befindet sich auf einer Anhöhe oberhalb des Ortszentrums der Gemeinde Bad Kohlgrub im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Sie gehört zur Pfarrei St. Martin Bad Kohlgrub im Dekanat Rottenbuch der Erzdiözese München und Freising. Das Kirchengebäude ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner Kohlgrubs waren während des Dreißigjährigen Kriegs besonders stark von der Pest getroffen worden. Daher legten sie im Jahre 1633 das Gelübde ab, zur Abwendung der Seuche eine Kapelle zu Ehren des Pestheiligen Rochus zu errichten. Im Jahre 1635 wurde mit dem Bau begonnen. Zwei Jahre später wurde dieser wohl geweiht. Das Kirchlein wurde mit der Zeit zu einem gesuchten Wallfahrtsort, sodass man sich zum hundertjährigen Jubiläum des Gelübdes 1733 zu einem Neubau entschloss. Nach der Säkularisation in ihrem Bestand bedroht, konnte die Kirche gerettet werden. 1895 wurde, nachdem der Pfarrfriedhof zu klein geworden war, anstelle des Pest- und Fremdenfriedhofs, ein zweiter Ortsfriedhof angelegt. Im Jahr 1965 wurde ein Vorzeichen und Sakristeianbau errichtet. Bis 1983 wurde die Kirche komplett renoviert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist ein einfacher Saalbau zu drei Jochen, den ein Dreiachtelchor schließt. Die Fenster sind oben und unten rundbogig, wobei die Bögen leicht eingezogen sind. Die Westseite ist komplett verschindelt. An ihr tritt ein viereckiger Turm halb hervor, der auf Höhe des Daches in ein von einer Zwiebel bekröntes Oktogon übergeht. Im Innenraum ist der Chor abgerundet und durch einen von Voluten getragenen Chorbogen vom Schiff getrennt. Ihn überfängt eine Flachkuppel, während das Schiff von einer Stichkappendecke abgeschlossen wird.

Stuck und Fresken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Inneren begleiten zarte Bandelwerkstuckaturen, die Joseph Schmutzer zuzuschreiben sind, die drei großen Freskenfelder des Schiffs und das ovale Fresko des Chors. In den Stichkappen finden sich ovale Bildfelder mit Emblemen. Die Fresken stammen wahrscheinlich vom Murnauer Maler Augustin Bernhardt. Sie illustrieren das Leben des Kirchenpatrons Rochus. Die seitlichen mit lateinischen Texten versehenen Embleme erläutern das Hauptfresko, das eine deutsche Beschreibung trägt.

Mittleres Bild: Der hl. Rochus pflegt Kranke („Krancken Hilf“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emblem links: Pelikan, der seine Jungen vom eigenen Blut nährt. IMMEMOR IPSE SUI (Er denkt nicht an sich selbst)
  • Emblem rechts: Aus Bienenstock ausschwärmender Bienenschwarm, den die Sonne aus seiner winterlichen Erstarrung rettet. SOSPITAT INTUITU (Sie errettet durch ihren Schein)

Selbstlos wie Christus zehrt sich der Heilige auf, um Notleidenden zu helfen.

Bild vor dem Chorbogen: Tod des hl. Rochus im Kerker („Ein Allgemeine Zuflucht“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emblem links: Vogel, der seinen Jungen Futter vom Baum herabwirft. ET MEMOR AB ALTO (er ist eingedenk von oben)
  • Emblem rechts: Phoenix, der der Sonne entgegenfliegt. SINE PONDERE SURSUM (ohne Last aufwärts). Der Heilige steigt ohne Sündenlast in den Himmel und leistet dort Fürbitte für die Gläubigen.

Bild im Chor: Verehrung des Leichnams des hl. Rochus („Ein großer Heiliger“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emblem links: Untergehende Sonne. DUM MORIOR ORIOR (Indem ich sterbe, gehe ich auf)
  • Emblem mittig: Weihrauchfass. SUAVIS UBIQUE (Überall ist er süß) Die Inschrift ist vom Altar verdeckt.
  • Emblem rechts: Stern über nächtlicher Landschaft. STELLA MATUTINA (Morgenstern): Der Heilige beginnt im Tode den Gläubigen überall wirksam zu werden.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar ist ein prächtiger zweisäuliger Aufbau der Bauzeit und ist der Werkstatt des Franz Xaver Schmädl zuzuschreiben. In der Mitte eine Plastik der Immaculata in der Glorie. Die Assistenzfiguren stellen die Pestheiligen Sebastian und Rochus dar. Auf der Predella ist eine Figur des gegeißelten Heilands in einfachem Schrein. Auf der Emporenbrüstung ist eine Ansicht des neuerbauten Kirchleins inmitten der bäuerlichen Stifter in ihren Trachten. Seitlich befinden sich Bilder mit den Attributen des hl. Rochus mit zwei Inschriften, die auf die Umstände des Gelübdes hinweisen. Die Kirche weist noch einen Restbestand an Votivtafeln auf, die ihren Platz im Chorraum gefunden haben. Die meisten wurden jedoch im Lauf des 20. Jahrhunderts gestohlen. Im Schiff sind Heiligenbilder des 18. und ein Kreuz mit Schmerzensmutter des 19. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luitraud Ober: Kohlgrub. Eine Ortsgeschichte; Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit unter den beiden Klöstern Rottenbuch und Ettal 1295/1330–1803. St. Ottilien 1956.
  • Hans Greinwald: Festschrift zu den Bad Kohlgruber Festtagen. Bad Kohlgrub 1986.
  • Laurentius Koch OSB: Die Kirchen der Pfarrei Bad Kohlgrub. Salzburg 2001.
  • Christl Neumaier: Bad Kohlgrub und seine Pfarrkirche. Bad Kohlgrub 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 47° 40′ 15,8″ N, 11° 2′ 51,5″ O