St. Servatius (Duderstadt)

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St.-Servatius-Kirche, Inneres

Die evangelische Kirche St. Servatius ist neben der katholischen Basilika und Propsteikirche St. Cyriakus eine Hauptkirche von Duderstadt und des Untereichsfelds. Sie bildet den westlichen, unteren Schlusspunkt der Marktstraße, die sich hier platzartig weitet, und wird darum in der Stadt auch „Unterkirche“ genannt.

Luftbild

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Servatius ist eine geostete dreischiffige gotische Hallenkirche mit sechs Jochen. Der Chor mit 5/8-Abschluss hat ein Kreuzrippengewölbe, das Langhaus ein netzartiges Sterngewölbe. Dieses stützt sich mit kurzen Diensten auf verzierten Konsolen auf schlanke Achteckpfeiler. Der Turm ist im Grundriss quadratisch und trägt einen Helm mit schlankem Mittelkegel und vier Eckspitzen.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Jahr 1000 befand sich im Bereich von St. Servatius ein sächsischer Königshof, der der Königspfalz Quedlinburg zugeordnet war und dessen Kapelle, wie die Quedlinburger Stiftskirche, das Servatius-Patrozinium trug.

Ältester Teil der heutigen Kirche ist der Chor, der um 1370 datiert wird. An diesen wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Langhaus angebaut. Der Turm stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde nach einem Brand aufgestockt und umgestaltet. Den Entwurf dazu schuf der Hannoveraner Karl Siebrecht 1928. Die Kirche ist aus Sandsteinquadern errichtet, die überwiegend in Steinbrüchen am Sonnenstein gebrochen wurden.[1]

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel

Internationale Bekanntheit erlangte die Orgel der Kirche, die von dem Orgelbauer Jürgen Ahrend aus Leer-Loga im Jahr 1977 erbaut wurde. Sie verfügt über 28 Register, die sich auf Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk und Pedal verteilen, und war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die größte Orgel, die Ahrend im niedersächsischen Raum erbaut hatte.

Der Spieltisch der Ahrend-Orgel

Über die Verwendung in den Gottesdiensten hinaus wird das Instrument bei Konzerten, Orgelmusikseminaren und Fortbildungsveranstaltungen eingesetzt. Für diverse Begleitzwecke fertigte Ahrend 1991 noch eine Truhenorgel mit vier Registern, die auch in der Kirche vorzufinden ist.

Die große Orgel weist folgende Disposition auf:[2]

I Oberwerk C–f3
Gedackt 8′
Gambe 8′
Praestant 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 3′
Oktave 2′
Scharf IV
Dulzian 8′
II Hauptwerk C–f3
Quintadena 16′
Praestant 8′
Hohlflöte 8′
Oktave 4′
Oktave 2′
Sesquialtera II
Mixtur IV–VI
Trompete 8′
III Brustwerk C–f3
Holzgedackt 8′
Holzprinzipal 4′
Blockflöte 2′
Quinte 113
Terz 45
Regal 8′
Pedal C–f1
Subbaß 16′
Oktave 8′
Oktave 4′
Mixtur IV
Posaune 16′
Trompete 8′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1957 erhielt die Servatiuskirche ihr klangschönes Geläut von Friedrich Wilhelm Schilling aus Heidelberg, das mit einer differenzierten Läuteordnung zum Klingen gebracht wird. Die Glocken sind abgestimmt auf das Geläute der katholischen Basilika St. Cyriakus und bilden ein gemeinsames Stadtgeläute. Am Vortag der Sonn- und Festtage versehen beide Kirchen gemeinsam um 14 Uhr das Einläuten, je nach Kirchenjahreszeit in verschiedenen Kombinationen.

Nr.
 
Inschrift
 
Gussjahr
 
Gießer
 

(mm)[3]
Gewicht
(kg)[4]
Nominal
(16tel)
Anmerkung
1 Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir danken dir“ 1957 F. W. Schilling 1367 1440 d1 -8 Bet- und Vaterunserglocke
2 „Meine Seele erhebt den Herren“ 1140 842 f1 -6 Abendglocke
3 „Verleih uns Frieden gnädiglich“ 1005 572 g1 -8 Mittagsglocke
4 „Fülle uns frühe mit deiner Gnade“ 846 392 b1 -6 Morgenglocke
5 ohne Inschrift 777 302 c2 -6 bis 1975 Uhrglocke, seitdem im Geläut
6 ohne Inschrift 1975 Glockengießerei Heidelberg - - f2 -6 Uhrglocke

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Reinhard Fricke, Hermann Tallau (Red.): St. Servatius - ein Duderstädter Baudenkmal. Hg.: Förderkreis für Stadtbild- und Denkmalpflege in der Stadt Duderstadt e. V., Duderstadt 2008, 36 Seiten, 66 meist farbige Abbildungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Servatius-Kirche (Duderstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 2. Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.3. CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 135–138.
  2. St. Servatius Duderstadt: Die Orgel, gesehen 15. September 2011.
  3. A. Philipp, Glockensachverständiger der Hannoverschen Landeskirche
  4. A. Philipp, Glockensachverständiger der Hannoverschen Landeskirche

Koordinaten: 51° 30′ 44″ N, 10° 15′ 26,7″ O