St. Severus (Boppard)

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St. Severus in Boppard
Innenraum von St. Severus

Die Basilika St. Severus ist eine katholische Pfarrkirche in Boppard. Die zum Bistum Trier gehörende Kirche wurde im 12. und 13. Jahrhundert im rheinischen Übergangsstil[1] erbaut. Patron ist der hl. Severus von Ravenna.

Die Pfarrkirche St. Severus ist geschützt als eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutz- und -pflegegesetzes (DSchG) des Landes Rheinland-Pfalz.[2] Außerdem ist sie seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Papst Franziskus erhob im Februar 2015 St. Severus zur Basilica minor.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss der St.-Severus-Kirche
Lithografie der Kirche von 1861

Die St.-Severus-Kirche wurde an der Stelle inmitten des ehemaligen römischen Kastells Boppard errichtet, wo vormals das Militärbad gestanden hatte. Nach Abzug der römischen Truppen wurde das Kastell von den Bewohnern weiter genutzt und das Bad in eine Kirche umfunktioniert. Bei Ausgrabungen unter St. Severus wurden Reste einer frühchristlichen Kirche des 6. Jahrhunderts mit einer schlüssellochförmigen Kanzelanlage (Ambo) und einem frühchristlichen Taufbecken gefunden. Das heutige Kirchengebäude wurde in drei Abschnitten im 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Die beiden Kirchtürme stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, das Langhaus entstand Anfang des 13. Jahrhunderts und der Chor datiert etwa auf das Jahr 1234. Fertiggestellt wurde die Kirche im Jahr 1236. Nach Berechnungen von Ferdinand Pauly wurde die Kirche am 13. Dezember 1237 von Erzbischof Theoderich geweiht.[4] Der Bau orientiert sich stark, wie auch die Kirche St. Peter in Bacharach, an der Andernacher Liebfrauenkirche, alles Werke spätromanischer Kirchenbaukunst im Rheinland. Zur Ausstattung der Kirche gehört ein 285 cm hohes und 248 cm breites Triumphkreuz, das um 1220/30 entstanden ist. Die Christusfigur an diesem Kreuz trägt keine Dornenkrone sondern eine Königskrone, die ihn als Sieger über den Tod charakterisiert.[5] Die heute die Silhouette von Boppard bestimmenden Spitzhelme der Kirchtürme entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts und ersetzten die ursprünglichen Rautenhelme.

In den Jahren 1963 bis 1967 wurde die Pfarrkirche umfangreich restauriert. Insbesondere das einsturzgefährdete Gewölbe musste gesichert werden. Außerdem wurde bei Grabungen das frühchristliche Taufbecken freigelegt, der Altarraum wurde an die Erfordernisse der liturgischen Neuordnung angepasst und im südlichen Turm wurde eine Taufkapelle eingerichtet. Am 19. März 1967 konnte die Kirche dann mit einem Pontifikalamt wiedereröffnet werden.[6] Von der Firma Orgelbauwerkstatt Führer wurde im Jahr 1973 die heute noch verwendete Orgel fertiggestellt.[7]

Anfang der 1990er Jahre machten sich Schäden am Putz, Anstrich und am Dach bemerkbar. Daher wurde eine umfassende Außenrenovierung eingeleitet. Im Jahr 1997 wurde zunächst der Nordturm und die Sakristei, 1998 der Südturm und der Chor und 1999 das Langhaus und die Westfassade restauriert.[8] Im Oktober 2010 wurde dann mit einer erneuten Innenrestaurierung der St. Severuskirche begonnen. Dabei wurde unter anderem das frühchristliche Taufbecken, das sich unterhalb des Langhauses in der Nähe des Haupteingangs befindet, für Kirchenbesucher zugänglich gemacht, der Tabernakel hinter den Hochaltar verlegt und ein neues Beleuchtungskonzept umgesetzt. Außerdem wurden die Wandmalereien restauriert und die Reliquien der Bopparder Märtyrer erstmals seit 1748 gereinigt.[9] Zum Kirchweihfest am 13. Dezember 2011 wurde die Kirche mit einem Pontifikalamt wiedereröffnet.[4] Um einen barrierefreien Zugang zur Kirche zu gewährleisten, wurde Ende Oktober bis Anfang November 2012 der Marktplatz vor dem Südportal abgesenkt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom mittelalterlichen Geläute haben sich sämtliche fünf Glocken erhalten: Die in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datierte Sterbeglocke, die Mittagsglocke von 1249, die Brandglocke von 1379, die Ave-Maria- bzw. Zehn-Uhr-Glocke Glocke von 1379 sowie die Messglocke von 1439. Hinzu kamen die beiden 1738 von Johann Jakob Speck aus Kirrweiler gegossenen Glocken der Benediktinerinnenabtei Marienberg von Boppard, die 1802 nach der Säkularisation in die Severuskirche kamen. Die größere dieser beiden Glocken, die sogen. Hofglocke bzw. ursprünglich Marienglocke, ist heute die größte Glocke des sechsstimmigen Geläutes, während die kleinere Johannesglocke aus Marienberg 1866 auf Grund eines Sprunges umgegossen und 1942 für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden musste. [10]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1973 von der Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) errichtet. Das Schleifladen-Instrument hat 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur ist elektrisch.[11]

I Rückpositiv C–g3
1. Gedackt
2. Quintade
3. Prinzipal
4. Blockflöte
5. Waldflöte
6. Sesquialter II
7. Oktave
8. Scharff IV
9. Dulcian 16´
10. Krummhorn
Tremulant
II Hauptwerk C–g1
11. Pommer 16´
12. Prinzipal
13. Rohrflöte
14. Oktave
15. Gedackt
16. Nasard 22/3´
17. Oktave
18. Mixtur VI
19. Trompete
Pedalwerk C–f1
20. Prinzipalbass 16´
21. Subbass 16´
22. Oktavbass
23. Gedacktbass
24. Holzflöte
25. Mixtur IV
26. Posaune 16´

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Ristow: Der Begriff „frühchristlich“ und die Einordnung der ersten Kirche von Boppard am Rhein. In: Ulrike Lange, Reiner Sörries (Hrsg.): Vom Orient bis an den Rhein. Begegnungen mit der Christlichen Archäologie. Peter Poscharsky zum 65. Geburtstag. Dettelbach 1997, S. 247–256.
  • Heinz E. Mißling: Boppard. Ein Führer durch die Stadt, Dausner Verlag, 1993, ISBN 3-930051-00-1.
  • Willi Nickenig: Die Fenster der Pfarrkirche St. Severus in Boppard. Boppard 2011.
  • Ernst Götz und Susanne Kern: Die Pfarrkirche St. Severus in Boppard. Rheinische Kunststätten Heft 540, Köln 2013, ISBN 978-3-86526-084-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Severus (Boppard) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Lübke: Die Kunst des Mittelalters. S. 163, abgerufen am 30. August 2014.
  2. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Rhein-Hunsrück-Kreis. (PDF; 1,5 MB). Koblenz 2011.
  3. Freude in Boppard: Pfarrkirche St. Severus ist jetzt eine Basilika in: Rhein-Zeitung, 21. Februar 2015
  4. a b Pfarrbrief des Kirchengemeindeverbands Boppard für Dezember 2011, S. 15 [1].
  5. www.klosterlexikon-rlp.de: Bau- und Kunstgeschichte Stift St. Severus (Boppard) Abgerufen am 5. November 2011.
  6. Bernhard Kahl: Die katholischen Pfarreien. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Dritter Band. Boppard 2001, ISBN 3-930051-02-8, S. 448.
  7. www.sankt-severus.de: Orgel Abgerufen am 9. März 2011.
  8. Bernhard Kahl: Die katholischen Pfarreien. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Dritter Band. Boppard 2001, ISBN 3-930051-02-8, S. 460.
  9. www.sankt-severus.de: St. Severus, Boppard Abgerufen am 9. März 2011.
  10. Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz. Band 8: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2: Ehemaliger Kreis St. Goar, 1. Stadt Boppard I. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1988, ISBN 3-422-00567-6, S. 258.
  11. Informationen zur Orgel auf der Internetpräsenz der Gemeinde

Koordinaten: 50° 13′ 56″ N, 7° 35′ 30″ O