St. Stephan (Karlsruhe)

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„Weinbrenners Pantheon“ St. Stephan (Ostseite)
Vorderseite mit Säulenhalle (Südseite)
Zentralraum mit Hauptaltar nach der Renovierung von 2011

Die Pfarrkirche St. Stephan ist ein klassizistischer römisch-katholischer Kirchenbau in Karlsruhe von Friedrich Weinbrenner.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1807 schenkte der Großherzog Karl Friedrich der katholischen Gemeinde das Grundstück der späteren Kirche und überließ der Gemeinde einen Teil aus dem Nachlass der Markgräfin Maria Viktoria Pauline von Arenberg, der Frau des Markgrafen August Georg Simpert von Baden. Deren Ehe blieb kinderlos; daher vereinten sich die Linien der Markgrafschaft Baden Baden-Durlach und die katholische Linie Baden-Baden wieder.

Die Kirche wurde nach Vorgaben von Großherzog Karl Friedrich von Baden und den Plänen des Architekten Friedrich Weinbrenner in den Jahren 1808 bis 1814 erbaut.

Nur ein Jahr nach der Grundsteinlegung der Evangelischen Stadtkirche begonnen, stellt St. Stephan das katholische Pendant der innenstädtischen Kirchen zu Karlsruhe dar. Errichtet wurde der eigenwillige Bau nach dem Vorbild des römischen Pantheons, weshalb auch zunächst auf den 43 m hohen Kirchturm verzichtet werden sollte, um den Zentralcharakter nicht zu konterkarieren. Zu dem massigen Klassizismus der Kirche hatte sich Weinbrenner auf einer Italienreise inspirieren lassen. Lange wehrte sich Weinbrenner gegen die Vorgabe des Großherzogs einen Turm an die Kirche zu bauen, doch schließlich legte er seine stilistischen Bedenken beiseite und so kam es, dass der Großherzog bereits 1808 im hohen Alter den Grundstein zur Kirche legte. Die Kirche wurde daraufhin 1814 eingeweiht.

Ursprünglich gehörten zum Zentralbau von St. Stephan noch vier Gebäude an den Ecken. Zwei Gebäude wurden bis 1850 erstellt, diese waren das Schulhaus und das Pfarrhaus, sie wurden jedoch bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der markante, das Stadtbild prägende Kuppelbau erhebt sich über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes und birgt in seinem Innern das von Hans Morinck (1555–1616) geschaffene Dreifaltigkeitsrelief, ein von Emil Wachter gefertigtes Gobelin-Triptychon, welches das Stephanusmartyrium veranschaulicht, sowie ein von Marie Ellenrieder (1791–1863) stammendes Hochaltargemälde. Das Gehäuse für den Hochaltar basierte bis 1882 auf einem Entwurf des Architekten Karl Joseph Berckmüller.[1] Die Wahl für das Stephanuspatronat durch die Kirchengemeinde erfolgte bereits vor Abschluss des Zentralbaus und stellt eine Hommage an die katholische Großherzogin Stéphanie de Beauharnais (1789–1860) dar, die sich nachhaltig für den Katholizismus in Baden einsetzte.

Seit 1882 prägt die unverputzte Außenfassade den klassizistischen Sakralbau, der zu Weinbrenners Hauptwerken zählt und zu den bedeutendsten klassizistischen Kuppelkirchen Südwestdeutschlands zu rechnen ist. Im Innern des Turmes befindet sich eine Kirchenglocke mit Weihnachtsmotiv, die im Zweiten Weltkrieg durch den Abtransport zum Einschmelzen vor der Zerstörung gerettet wurde. Die 1966 gegossene Stephansglocke war die größte Kirchenglocke Baden-Württembergs, bis 2004 die nahegelegene Christuskirche eine noch größere erhielt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei Luftangriffen 1944 zum Teil zerstört. Bereits 1946 leitete das Erzbischöfliche Bauamt Heidelberg den Wiederaufbau ein. In den Jahren 1951 bis 1955 wurde das Bauwerk wiederaufgebaut. Die beim Wiederaufbau erstellte neue Kuppel ist aus Fertigteilen aus Beton. Am Samstag, dem 27. März 1954 hat Weihbischof Eugen Seiterich aus Freiburg den neuen Hochaltar geweiht, am darauf folgenden Sonntag war der feierliche Einzug in die Kirche.

Städtebaulichen Einfluss nahm der Kirchenbau auf die zwischen 1984 und 1991 gegenüber erbaute Badische Landesbibliothek, die durch Säulenelemente und Kuppeldach über dem Hauptlesesaal auf Weinbrenners Kirche rekurriert.

2011 fand eine umfassende Innenrenovierung statt, dabei wurde auch der Altar und Ambo auf einer Altarinsel in das Zentrum der Kirche verlegt, die Bänke wurden kreisförmig um die Altarinsel herum angeordnet. Am 2. Weihnachtsfeiertag 2011 wurde der Altar durch Erzbischof Robert Zollitsch geweiht.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel

Die erste bedeutsame Orgel war ein Instrument aus der im Zuge der Säkularisation aufgegebenen Abteikirche St. Blasien das von dem Orgelbauer Johann Andreas Silbermann 1775 vollendet worden war. Das Instrument wurde 1813 durch Johann Ferdinand Balthasar Stieffell nach Karlsruhe versetzt. Hier wurde es 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

Die heutige große Orgel geht zurück auf ein Instrument, das 1959 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut worden war. Im Laufe der Zeit wurde das Schleifladeninstrument mehrfach erweitert und tiefgreifend umgebaut. Einige hinzugebaute Register des Hauptwerks und des Pedals wurden elektrisch angespielt, während die Trakturen im Übrigen mechanisch waren.[2]

Im Zuge der Renovierung der Kirche wurde die Orgel im Jahre 2012 durch die Erbauerfirma umfassend reorganisiert. Der Grundbestand wurde überarbeitet, die nachträglich hinzugefügten Register wurden aus den einzelnen Werken ausgegliedert und in einem neuen Auxiliarwerk untergebracht. Die Orgel hat heute 63 Register verteilt auf vier Manualwerke und Pedal, und 27 weitere Register im Auxiliarwerk. Die Spieltrakturen sind mechanisch-elektrisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[3]

I Oberwerk C–g3

1. Principal 8′
2. Rohrgedackt 8′
3. Quintade 8′
4 . Oktave 4′
5. Venezianerflöte 4′
6. Nasard 223
7. Prinzipal 2′
8. Terz 135
9. Larigot 113
10. Scharff IV 1′
11. Dulcian 16′
12. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
13. Principal 16′
14. Principal 8′
15. Viola da Gamba 8′
16. Gedackt 8′
17. Oktave 4′
18. Koppelflöte 4′
19. Quinte 223
20. Superoktave 2′
21. Kornet V 8′
22. Mixtur IV-V 2′
23. Acuta IV 23
24. Trompete 8′
25. Span. Trompette 8′
Zimbelstern
III Schwellwerk C–g3
26. Gedacktpommer 16′
27. Principal amabile 8′
28. Holzflöte 8′
29. Gemshorn 8′
30. Viola 8′
31. Aeoline 8′
32. Vox coelestis 8′
33. Octave 4′
34. Flute octaviante 4′
35. Salicional 4′
36. Quinte 223
37. Octavin 2′
38. Terz 135
39. Mixtur V 2′
40. Fagott 16′
41. Trompette harm. 8′
42. Hautbois 8′
Tremulant
IV Brustwerk C–g3
43. Holzgedackt 8′
44. Rohrflöte 4′
45. Waldflöte 2′
46. Septime 117
47. Sifflet 1′
48. None 89
49. Terzcymbel III 13
50. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–f1
51. Gedacktpommer 32′
52. Principal 16′
53. Subbass 16′
54. Gedacktpommer 16′
55. Oktavbass 8′
56. Pommer 8′
57. Choralfbass 4′
58. Nachthorn 2′
59. Pedalmixtur IV 223
60. Kontrafagott 32′
61. Posaune 16′
62. Trompete 8′
63. Clarine 4′

Die nachträglich hinzugefügten Register wurden in einem neuen Auxiliarwerk auf Einzeltonladen aufgestellt, und können damit nun auf den unterschiedlichen Manualwerken bzw. dem Pedal registriert werden. Das Auxiliarwerk wurde zudem mit neuen Registern ausgestattet, die in einem eigenen Schwellwerk stehen. Das Auxiliarwerk umfasst 27 Register.

I, II Auxiliarwerk C–g3
Bordun 32′
Bordun 16′
Hornprincipal 8′
Flöte 8′
Bordun 8′
Weitoctave 4′
Flöte 4′
Terz 315
Quinte 223
Flöte 2′
Terz 135
Weitoctave 1′
(Fortsetzung)
Trompete 16′
Klarinette 16′
Tuba 8′
Klarinette 8′
Tuba 4′
Trompete 4′
schwellbar
Stentorgambe 8′
Stentorflöte 8′
Stentorgambe 4′
Stentorflöte 4′
III Auxiliarwerk C–g3
Klarinette 16′
Tuba 8′
Klarinette 8′
Tuba 4′
schwellbar
Stentorgambe 8′
Stentorflöte 8′
Stentorgambe 4′
Stentorflöte 4′
IV Auxiliarwerk C–g3

Bordun 16′
Flöte 8′
Bordun 8′
Flöte 4′
Trompete 16′
Klarinette 16′
Tuba 8′
Klarinette 8′
Tuba 4′
Trompete 4′
Glockenspiel
schwellbar
Stentorgambe 8′
Stentorflöte 8′
Stentorgambe 4′
Stentorflöte 4′
Pedal Auxiliarwerk
Kontrabass 32′
Bordun 32′
Kontrabass 16′
Bordun 16′
Hornprincipal 8′
Flöte 8′
Bordun 8′
Quinte 513
Weitoctave 4′
Flöte 4′
Terz 315
Basszink IV 513
Trompete 16′
Klarinette 16′
Tuba 8′
Klarinette 8′
Tuba 4′
schwellbar
Stentorgambe 8′
Stentorflöte 8′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die prächtige Zier mit Weihnachtsdarstellung auf der Rosenlaecher-Glocke von 1866

Das Geläut zählt zu den schönsten des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Die große Stephansglocke ist die zweitgrößte Kirchenglocke Baden-Württembergs. Typische Disposition der Nachkriegszeit mit einer Mischung aus harmonischer und melodischer Tonfolge. Die Ludwigsglocke – auch Weihnachtsglocke genannt – von 1866 verleiht dem Gesamtgeläut sein charakteristisches Klangbild. 1987 erweiterte die Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei das Geläut um vier Zimbelglocken. Die verschiedenen klanglichen Kombinationen der Glocken (Motive) und deren Verteilung auf die verschiedenen liturgischen Anlässe sind in der differenzierten Läuteordnung festgelegt. Die Glockenzier der Stephans- und der Marienglocke stammt von Harry MacLean.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Stephanus 1966 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 2290 8510 fis0 –4
2 Ludwig 1866 Carl Rosenlaecher, Konstanz 1790 ≈3250 ais0 –5
3 Ave Maria 1951 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1410 1675 cis1 –4
4 Joseph 1966 1250 1150 dis1 –4
5 Elisabeth 1951 1100 780 eis1 –4
6 Bernhard 1953 1030 603 fis1 –4
7 Michael 1951 980 572 gis1 –4
8 Johannes der Täufer 870 405 ais1 –4
9 Albertus Magnus 1987 Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei 760 310 cis2 –2
10 Teresa von Avila 670 216 dis2 –2
11 Katharina von Siena 600 155 eis2 –2
12 Schutzengel 560 135 gis2 ±0

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Ludwig, Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Bernhard Schmitt: Karlsruhe – Architektur im Blick. Ein Querschnitt. Röser, Karlsruhe 2005, ISBN 3-9805361-2-2.
  • Johann Michael Fritz: Die Restaurierung des spätgotischen Altarkreuzes von St. Stefan in Karlsruhe. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 5. Jg. 1976, Heft 1, S. 23–26 (PDF) [nicht ausgewertet]
  • Gottfried Leiber: Friedrich Weinbrenner und die Kirche St. Stephan in Karlsruhe. In: Badische Heimat (ISSN 0930-7001), Heft 2/2008, S. 204–216.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Spitzbart: Karl Joseph Berckmüller. Braun, Karlsruhe 1999, ISBN 3-7650-9052-2, S. 123
  2. Näheres zur Klais-Orgel (Memento vom 22. Januar 2012 im Internet Archive)
  3. Informationen zur heutigen Konzeption und Disposition auf der Website der Orgelbaufirma

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Stephan (Karlsruhe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 0′ 31″ N, 8° 23′ 58″ O