St. Stephan (Kissing)

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Ansicht von Westen
Langhaus und Turm von Süden
Inneres nach Osten
Die Kanzel
Der romanische Taufstein

Die katholische Pfarrkirche St. Stephan steht auf einem Hügel über Altkissing im Landkreis Aichach-Friedberg in Schwaben. Die ehemalige Wehrkirche wurde im 17./18. Jahrhundert neu ausgestattet und 1723 nach Westen verlängert.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Stephan erscheint erstmals um 1200 in den Urkunden. Ein älterer Kirchenbau liegt auf dem nahen Petersberg (Chor verändert erhalten). Zwischen 1400 und 1450 erfolgte ein Neubau in gotischen Stilformen, die am Außenbau teilweise noch zu erkennen sind. 1616 baute man unter den Jesuiten die doppelgeschossige Sakristei an. Beim großen Brand Kissings im Jahr 1646 litt auch der Kirchenbau, erst 1658 konnte mit der Reparatur begonnen werden. 1723 wurde die Kirche nach Westen erweitert und kurz darauf stuckiert. Die heutigen Deckenbilder entstanden erst 1973 anlässlich einer Restaurierung.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ansicht vom Lechfeld wird durch den hohen Satteldachturm mit seinen Treppengiebeln, den steilen Dachstuhl und den chorähnlichen Anbau von 1723 bestimmt. Der Ziegelbau ist weiß verputzt und wirkt wegen der Fensterlosigkeit des Westteils eher abweisend. Die erhöhte Lage und die hohen Umfassungsmauern des Kirchhofes erinnern an die Funktion als ehemalige Wehrkirche. Wahrscheinlich war der Dachraum der gotischen Kirche als Wehrgeschoß gestaltet, darauf deuten etwa die erhaltene enge Einschlupföffnung am zweiten Turmgeschoss und die in Resten noch sichtbare Vorkragung dieses Geschosses. Ein weiteres Indiz ist die – innerhalb der westlichen Turmmauer verlaufende – enge Stiege, die sich in ähnlicher Form auch im Mauerwerk mittelalterlicher Bergfriede findet.

Am deutlichsten hat sich der mittelalterliche Zustand am Chor erhalten. Unter dem Dachtrauf läuft ein Maßwerkfries um die Apsis, das Mauerwerk wird von vier Strebepfeilern gestützt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Altäre entstanden 1658/59 in der Werkstatt des Augsburger Meisters Hans Sautter. Der Hochaltar besitzt ein gemaltes Altarblatt mit der Darstellung des Heiligen Stephanus (Sebastian Staudhammer, 1893), das von zwei Säulen auf jeder Seite flankiert wird. Die Seitenaltäre sind nur zweisäulig aufgebaut. In den Mittelschreinen stehen Statuen der Maria mit dem Kind (um 1770) und des hl. Sebastian (Anfang 18. Jahrhundert)

Die „Zwölf Apostel“ an den Langhauswänden sind das Werk des Friedberger Schnitzers Bartholomäus Eberle. Die Figur des hl. Simon ist rückseitig auf „1730“ datiert.

Die geschnitzte „Anna Selbdritt“ (um 1700) soll aus einer abgebrochenen Annenkapelle stammen.

Das Kruzifix gegenüber der Kanzel schuf wahrscheinlich Johann Caspar Eberle (um 1740 oder 1750).

Die Kanzel (etwa 1660) wird dem Landsberger Lorenz Luidl zugeschrieben. Auf dem Schalldeckel steht der segnende Christus, am Kanzelkorb wurden die „Vier Evangelisten“ dargestellt.

Das bedeutendste Kunstwerk der Pfarrkirche ist der romanische Taufstein (zweite Hälfte 12. Jahrhundert), der heute im Westen unter der Empore steht. Die qualitätvolle Arbeit weist auf Vorbilder in Oberitalien und erinnert an das gleichzeitige Taufbecken der Basilika in Altenstadt bei Schongau. An den Seiten wurden die Symbole der „Vier Evangelisten“ halbplastisch aus dem Sandstein herausgearbeitet. Darüber läuft ein Palmettenfries um das Becken. Als Fuß dient seit 1868 ein romanisches Würfelkapitell aus dem hochmittelalterlichen Gotteshaus. Taufbecken und Kapitell lassen auf eine künstlerisch hochrangige Ausstattung der ursprünglichen Kirche schließen, die in der Nähe der großen welfischen Burg Mergenthau lag.

Unter dem Putz des Chores (Innenseite) sind Freskenreste aus dem 14. Jahrhundert verborgen. Einen Eindruck von der Ausmalung der gotischen Kirche vermittelt die Turmkapelle mit den teilweise gut erhaltenen Darstellungen der Kreuzigung, der Auferstehung und des Schweißtuches der hl. Veronika.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1951 von dem Orgelbauer Josef Zeilhuber für die Kirche St. Josepf (Augsburg) erbaut. Dieses Instrument wurde 2009 nach Kissing verkauft, von dem Orgelbauer Andreas Offner (Kissing) in einem neuen Prospekt und mit einem neuen Spieltisch in St. Stephan aufgestellt. Es wurde von Stefan Niebler neu intoniert. Das Kegelladen-Instrument hat 38 Register auf drei Manualen und Pedal, und 7 Transmissionen in das Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch.[1]

I Rückpositiv C–c4
1. Praestant 8′
2. Salicional 8′
3. Singend Gedackt 8′
4. Weitprincipal 4′
5. Viola 4′
6. Rohrgedackt 4′
7. Blockflöte 2′
8. Larigot II 113
9. Zimbel IV 23
10. Rankett 16′
11. Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
12. Pommer 16′
13. Principal 8′
14. Grobgedackt 8′
15. Hohlflöte 8′
16. Oktave 4′
17. Spitzflöte 4′
18. Nasard 223
19. Mixtur V-VI 113
20. Trompete 8′
III Schwellwerk C–c4
21. Quintadena 16′
22. Flötenprincipal 8′
23. Gemshorn 8′
24. Waldflöte 8′
25. Principal 4′
26. Gedacktflöte 4′
27. Nachthorn 2′
28. Sifflöte 1′
29. Scharf IV-V 1′
30. Fagott 16′
31. Helle Trompete 8′
32. Vox humana 8′
33. Clairon 4′
Tremulant
Pedal C–f1
34. Principalbaß 16′
35. Pommer (Nr. 12) 16′
36. Subbaß 16′
37. Oktavbaß 8′
38. Gedacktbaß (Nr. 14) 8′
39. Choralbaß (Nr. 16) 4′
40. Principalbaß (Nr. 16) 2′
41. Mixturbaß V (Nr. 19) 113
42. Pedalkornett IV
43. Posaune 16′
44. Trompetenbaß (Nr. 20) 8′
45. Claironbaß (Nr. 33) 4′
  • Koppeln: I/II, III/I, III/II (als Normal, Super- und Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P, Quintkoppel Pedal

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Großmann: Kirchen der Pfarrei Kissing. Schnell & Steiner, Kissing 1987.
  • Kissing – Geschichte und Gegenwart. Kissing 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Stephan (Kissing) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 17′ 48″ N, 10° 59′ 23″ O