St. Valentin auf der Haide

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St. Valentin auf der Haide
Italienische Bezeichnung: San Valentino alla Muta
Sankt Valentin, dorpszicht2 foto3 2012-08-13 12.45.JPG
St. Valentin
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Graun im Vinschgau
Koordinaten: 46° 46′ N, 10° 32′ OKoordinaten: 46° 45′ 50″ N, 10° 32′ 8″ O
Höhe: 1472 m s.l.m.
Fläche: 26,42 km²
Einwohner: 891 (2015)
Bevölkerungsdichte: 34 Einw./km²
Demonym: Hoader (Heider)
Patron: Valentin von Rätien
Kirchtag: 7. Jänner
Telefonvorwahl: 0473 CAP: 39027

St. Valentin auf der Haide (italienisch San Valentino alla Muta) ist ein Dorf in Südtirol und eine Fraktion der Gemeinde Graun im Vinschgau.

Das Dorf am Reschenpass liegt auf 1472 m s.l.m., direkt zwischen Haidersee und Reschensee am Schuttkegel der Malser Haide. St. Valentin auf der Haide zählt circa 800 Einwohner, welche vorwiegend vom Sommer- und Wintertourismus bzw. von der Landwirtschaft leben.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Valentin auf der Haide von Norden. Aquarell von Siegfried Schieweck-Mauk, Eichstätt (Bayern)
Haidersee mit Blick auf St. Valentin, im Hintergrund die Klopaierspitze, Endkopf und Pleisköpfl

Zu St. Valentin gehörende Weiler und Höfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dörfl (Monteplair)
  • Kaschon
  • Padöll, Plagött
  • Fischerhäuser
  • Stockerhöfe
  • Greinhof
  • Thönihof

Angrenzende Fraktionen/Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergspitzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elferspitze 2926 m
  • Seebodenspitze 2857 m
  • Großhorn 2630 m
  • Pleisköpfl
  • Habicherkopf 2901 m

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuste Erkenntnisse zeugen von einer ersten Besiedlung in St. Valentin aus der Römerzeit. Damals soll sich im heutigen Ortsteil Dörfl (Monteplair) eine Pferdekutschenstation der Römer befunden haben.

Die erste Besiedlung im heutigen Ortskern geht auf ein Hospiz zurück, das der wohlhabende und fromme Burgeiser Ulrich Primele im Jahr 1140 zur Rettung und Aufnahme von Reisenden gegründet hatte. Ein Hospiz oder Xenodochium (hospitale pietatis, refrigerium pauperum xenodochium) bezeichnete im Mittelalter eine Art Gasthaus für Fremde, Pilger, Wanderer, Kranke, Arme und Hilfsbedürftige. Neben dem Hospiz von St. Bernhard in der Schweiz war das Hospiz in St. Valentin eine der ersten Einrichtungen dieser Art. Diese Begebenheit unterstreicht die lange Tradition der Gastfreundschaft St. Valentins. Neben dem südlichsten See der damals noch drei Seen entstand 1140 in der Nähe des Hospizes auch die erste Kapelle zum Heiligen Valentin. Vom St. Valentin Hof und von der St. Valentins Kapelle leitet die heutige Bezeichnung des Dorfes ihren Ursprung ab. Seit 1314 taucht die Ortschaft als Gemeinde auf und seit 1408 mit dem Beinamen AUF DER HAID.

Skipioniere in St. Valentin, um 1900 – Beschriftung St. Valentin auf der Haid Wintersportplatz des Kurort Meran

Der Heilige Valentin soll aus den heutigen Niederlanden stammen. Als Apostel Rätiens missionierte er um 435 auch im Vinschgau und im nahe gelegenen Engadin. Als Bischof starb der Heilige Valentin 470 in der Nähe von Meran und wurde an der Zenoburg begraben. Dem Wanderbischof von Rätien hat St. Valentin auf der Haide seinen Namen zu verdanken.

Die verschiedenen Ortsbezeichnungen im Laufe der Zeit:

  • 1140 Hospiz mit Kapell zum heiligen Valentin
  • 1489 Sant Valtins auf der Haid
  • 1576 Gmain allda auf Mallserhaydt
  • 1584 Auf der Hait
  • 1592 Sant Valleintin auff der Haydt
  • 1646 Haid
  • 1921 Offizielle Bezeichnung St. Valentin auf der Haide
Seeheim mit Blick auf St. Valentin, um 1900

Aus Tradition wird St. Valentin auf der Haide nach wie vor mit „ai“ statt mit „ei“ geschrieben.

Die Bewohner St. Valentins (im Volksmund „Hoader“ genannt) lebten über Jahrhunderte von der Landwirtschaft. In Zeiten der Not wurden die kargen Erträge der sonnenverbrannten Weiden und Äcker mit dem Schmuggeln in der nahen Schweiz und in Österreich aufgebessert. Zahlreiche Sagen, Mythen aber auch wahre Überlieferungen zeugen noch von den Zeiten in Armut, als das Wildern und Schmuggeln ein wichtiges Bestandteil des Lebens am Reschenpass war.

1888 wurde die Freiwillige Feuerwehr St. Valentin auf der Haide gegründet. Der erste Tourismusverein St. Valentins wurde 1904 unter dem Namen „pro loco“ gegründet, darauf folgte die Gründung des ersten Skiclubs Südtirols, des Skiclubs Haid im Jahre 1905. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich der Tourismus im Obervinschgau etabliert. Einen touristischen Aufschwung gab es auch durch den Bau der Vinschgauer Eisenbahn 1905, damals wurde St. Valentin als Wintersportort des Churorts Meran angepriesen. Stetig gewann der Tourismus an Gewichtung, sei es als Wintersportort oder als Luftkurort und Ort der Sommerfrische. 1957 wurde in St. Valentin der erste Skilift gebaut, darauf folgte im Jahr 1962 der Ausbau des Skigebiets Haideralm, welches bis heute einen wichtigen Stellenrang in St. Valentin hat. Die neuesten Bemühungen gehen in Richtung eines Zusammenschlusses der Skigebiete Schöneben und Haideralm. Die Freiwillige Feuerwehr von St. Valentin unterhält seit 1965 eine Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr der Stadtgemeinde Überlingen (Baden-Württemberg).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Valentin mit Blick nach Süden, im Hintergrund die Ortlergruppe
  • Hospiz in St. Valentin, beherbergt heute ein Altersheim
  • Pfarrkirche St. Valentin
  • Lourdes-Kapelle, Oberdorf
  • Kapelle in Fischerhäuser
  • Kapelle zur Post
  • Schlossberg, innere Talai
  • Hoch-Kreuz auf der Malser Haide
  • St. Florian-Kapelle im Dörfl

Auf dem Schlossberg befinden sich die Reste der höchstgelegenen Burgstelle der Alpen. Die auf 1830 ü.d.M. gelegene Ruine, es bestehen nur mehr Grundmauern, war vermutlich ein Schutzturm. Gewiss führte an ihm die berühmte via Claudia Augusta vorbei.

Das Hoch-Kreuz befindet sich auf der oberen Malser Haide. Das hohe Kreuz aus Holz stellt heute noch den Grenzpunkt zwischen den Gemeinden Mals und Graun dar. Der Ursprung des Kreuzes ist zurückzuführen auf das Hospiz St. Valentin. Der Betreiber des Hospizes war verpflichtet bei jeden Wetterverhältnissen bis auf diesen Punkt der Malser Haide mit Pferdewagen -schlitten in Not Geratene aufzulesen und zu pflegen. Lange Zeit galt das Kreuz als Grenzpunkt zwischen dem Oberen Gericht Nauders (Naudersberg) und dem Gericht Glurns.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende von Zerz, Die Bäuerin vom Zerzerhof, Gasthof zur Forelle, Die Hexe vom Simeta Hof, Der Hirte vom Schlossberg

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seilbahn Haider Alm (Talstation)

St. Valentin verfügt auch dank dem Skigebiet Haideralm über einen florierenden Tourismus mit zahlreichen Gastwirtbetrieben. Am Ortsrand befindet sich die Sechsergondelbahn Haider Alm, die in der Sommer- und Wintersaison geöffnet ist. An der Bergstation der Gondelbahn beginnt ein Tellerlift. 2018 wurden 2 Tellerlifte und ein Sessellift abgebaut und das Skigebiet Heideralm mit dem angrenzenden Skigebiet Schöneben durch eine neue kuppelbare Gondelbahn zusammengeschlossen, dadurch stehen den Skifahrern jetzt 10 miteinander vernetzte Aufstiegsanlagen zur Verfügung. [1]

Im Gewerbegebiet von St. Valentin befinden sich einige holzverarbeitende Unternehmen sowie Bauunternehmen und Mechanikerbetriebe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Johann von Peer, * 1754 in St. Valentin, † 1825 in Innsbruck, Jurist, 1792 Professor für römisches Recht, 1799 Rektor der Universität Innsbruck

Geistliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Kraushaar-Baldauf, Medizinerin und Autorin (* 1915, † 2002 in Basel/Riehen)
  • Hansjörg Waldner, Germanist und Autor (* 1954, lebt in Meran; Veröffentlichungen: „Deutschland blickt auf uns Tiroler“. Südtirol-Romane zwischen 1918 und 1945, Wien 1990; „Ei nun“. Poesie und Texte, Innsbruck 2001)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.skiresort.de/skigebiet/haider-alm-st-valentin-auf-der-haide/liftebahnen/
  2. Sterbebuch Traismauer 03/11 fol. 31. Abgerufen im 2. Juli 2017 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]