Staatkundig Gereformeerde Partij

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reformierte Politische Partei
Staatkundig Gereformeerde Partij logo.svg
Kees van der Staaij
Partei­führer Kees van der Staaij
Partei­vor­sit­zender Maarten van Leeuwen
Fraktionsvorsitzender Zweite Kammer Kees van der Staaij
Fraktionsvorsitzender Erste Kammer Peter Schalk
EP-­Delegations­leiter Bas Belder
Gründung 24. April 1918
Ausrich­tung Christlicher Fundamentalismus,
Konservatismus,
EU-Skepsis
Farbe(n) Blau und Orange
Sitze in der Ersten Kammer
2/75
Sitze in der Zweiten Kammer
3/150
Sitze im Europäischen Parlament
1/26
Mitglie­derzahl 30.122
Europapartei Europäische Christliche Politische Bewegung
EP-Fraktion Europäische Konservative und Reformer
http://www.sgp.nl (sonntags nicht verfügbar)

Die Staatkundig Gereformeerde Partij (SGP; deutsch Reformierte Politische Partei) ist eine kleine reformierte politische Partei in den Niederlanden. Sie wurde 1918 in Middelburg (Zeeland) gegründet und ist damit die älteste noch aktive Partei der Niederlande.

Die wertekonservative, orthodox-calvinistische Partei ist seit 1922 durchgehend in der Zweiten Kammer des Parlaments vertreten, seit 2012 mit jeweils drei Abgeordneten. Sie erreicht ihre besten Ergebnisse in dem sogenannten niederländischen Bibelstreifen, der sich zwischen Zeeland, dem Süden Südhollands, der Betuwe und Veluwe in Gelderland und dem Nordwesten Overijssels erstreckt. Die SGP hat ihren Sitz in Den Haag.

Name und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das niederländische Wort staatkundig bedeutet „politisch“ im Sinne von „auf den Staat bezogen“. Mit gereformeerd verweist die Partei auf eine bestimmte, strenge Richtung des Calvinismus.

Die Partei sieht ihre Grundlagen in ihrem Verständnis der Bibel, das unter anderem in der Confessio Belgica und dem Heidelberger Katechismus näher erläutert wird. Sie ist eine der wenigen christlichen Gruppierungen in Europa, die eine Theokratie anstreben. Zu ihrem Programm gehört es, „alle Abgötterei und falsche Religion abzuwehren und auszurotten“. Um den Tag des Herrn zu ehren und die Sonntagsruhe zu schützen, will sie Läden und Vergnügungsstätten am Sonntag geschlossen halten. Auch die Homepage der SGP ist sonntags deswegen nicht zu erreichen.[1]

Dem Historiker Ewout Klei zufolge hat sich die Haltung der Partei etwa um 2010 geändert: „Einst war die SGP eine isolierte Bekenntnispartei, die sich nicht viel für die Tagespolitik interessierte.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war der politische Führer Bas van der Vlies, ein altgedienter Parlamentarier, der seine Standpunkte im Parlament vertrat und von den anderen Parteien persönlich als nett empfunden wurde, den man aber ansonsten ignorierte. Der neue Führer Kees van der Staaij hingegen bot den Rechtsparteien um Mark Rutte seine politische Unterstützung an. Anders aber als die politische Linke oft meint, seien die SGP-Politiker keine Fundamentalisten, sondern Konservative, so Klei. Nicht mehr der Kampf gegen den Katholizismus oder den Säkularismus, sondern gegen den Islam stehe nun im Vordergrund.[2]

Frauenfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Frauen damals weder aktive Mitglieder der SGP sein noch in ihrem Namen Ämter oder Mandate bekleiden durften, sprach das Landgericht (arrondissementsrechtbank) in Den Haag am 7. September 2005 ein Urteil, demzufolge der niederländische Staat der SGP keine Subventionen mehr zahlen durfte. Die Parteisubvention verletze, so das Gericht, das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, in dem die Niederlande sich zum Kampf gegen Frauendiskriminierung verpflichtet habe, und verletze auch den ersten Artikel der niederländischen Verfassung, in dem das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz verankert ist. Der Raad van State kassierte diese Entscheidung jedoch mit der Argumentation, die Programmatik einer politischen Partei habe Vorrang vor diesen Erwägungen, zumal es Frauen offen stehe, anderen politischen Parteien beizutreten.[3]

Durch das Gerichtsurteil und die Entscheidung des Raad van State wurde innerhalb der Partei die Diskussion über die Frauenmitgliedschaft erneut entfacht. Bei einem Parteitag am 24. Juni 2006 hob die SGP das Verbot der weiblichen Mitgliedschaft auf. Im März 2007 bestätigte eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder auf einer Generalversammlung die Änderung der Parteisatzung.

Allerdings stellte die SGP weiterhin keine weibliche Kandidaten bei Wahlen zu Volksvertretungen auf. Im April 2010 kam der Hohe Rat (Oberstes Gericht) zur Überzeugung, dass die Haltung der SGP bezüglich weiblicher Kandidaten dem UN-Übereinkommen gegen Frauendiskriminierung widerspreche. Daher müsse der Staat Maßnahmen ergreifen. Im März 2013 beschloss die Mitgliederversammlung (partijbijeenkomst) der Partei, Frauen als Kandidatinnen zuzulassen.[4] Im August 2013 stellte die SGP erstmals eine Frau, Lilian Janse-van der Weele, als Kandidatin auf, nämlich für die Wahl des Stadtrates (gemeenteraad) von Vlissingen, und zwar gleich als Spitzenkandidatin ihrer Liste.[5] Im März 2014 wurde sie in den Vlissinger Stadtrat gewählt.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wählerschaft der SGP konzentriert sich hauptsächlich auf den Bibelgürtel

Zweite Kammer:

  • 1918: 0,39 % – kein Sitz
  • 1922: 0,91 % – ein Sitz
  • 1925: 2,03 % – zwei Sitze
  • 1929: 2,27 % – drei Sitze
  • 1933: 2,51 % – drei Sitze
  • 1937: 1,94 % – zwei Sitze
  • 1946: 2,14 % – zwei Sitze
  • 1948: 2,37 % – zwei Sitze
  • 1952: 2,42 % – zwei Sitze
  • 1956: 2,26 % – zwei Sitze (nach Parlamentsvergrößerung: drei)
  • 1959: 2,16 % – drei Sitze
  • 1963: 2,30 % – drei Sitze
  • 1967: 2,01 % – drei Sitze
  • 1971: 2,35 % – drei Sitze
  • 1972: 2,21 % – drei Sitze
  • 1977: 2,13 % – drei Sitze
  • 1981: 1,97 % – drei Sitze
  • 1982: 1,90 % – drei Sitze
  • 1986: 1,74 % – drei Sitze
  • 1989: 1,87 % – drei Sitze
  • 1994: 1,73 % – zwei Sitze
  • 1998: 1,78 % – drei Sitze
  • 2002: 1,72 % – zwei Sitze
  • 2003: 1,56 % – zwei Sitze
  • 2006: 1,56 % – zwei Sitze
  • 2010: 1,74 % – zwei Sitze
  • 2012: 2,09 % – drei Sitze
  • 2017: 2,08 % – drei Sitze

In der Ersten Kammer hatte die SGP lange Zeit zwei Sitze, von 2011 bis 2015 nur einen und aktuell besetzt sie wieder zwei.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Staatkundig Gereformeerde Partij – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/aktuelles/archiv/2008/november/1104verkaufsoffen.html
  2. Ewout Klei in Trouw: SGP is allang geen poldertaliban meer, Abruf am 12. Juni 2011.
  3. SGP will get subsidy after all, Expatica. 5. Dezember 2007. 
  4. SGP-leden kiezen voor vrouwen op de kieslijst (SGP-Mitglieder entscheiden sich für Frauen auf dem Stimmzettel), abgerufen am 20. März 2017 (niederländisch).
  5. Vrouw kandidaat-lijsttrekker SGP Vlissingen (Frau als Spitzenkandidatin auf der Liste der SGP in Vlissingen), abgerufen am 20. März 2017 (niederländisch).