Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg

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Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg

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Rechtsform GmbH
Gründung 1948
Sitz Stuttgart
Leitung Georg Wacker,

Geschäftsführer

Mitarbeiterzahl 190
Umsatz 987,6 Mio. EUR
Branche Lotterien und Sportwetten
Website www.lotto-bw.de

Die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg (kurz: Lotto Baden-Württemberg) ist die Lotteriegesellschaft des Landes Baden-Württemberg.[1] Das Unternehmen ist eine einhundertprozentige Tochter der Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg. Auf nationaler Ebene ist Lotto Baden-Württemberg Mitglied im Deutschen Lotto- und Totoblock und auf internationaler Ebene in der Vereinigung European Lotteries (EL) sowie der World Lottery Association (WLA).[2] Geschäftsführer ist seit dem 1. Januar 2018 Georg Wacker.[3] Zuvor hatte Marion Caspers-Merk die Lottogesellschaft geleitet.[4]

In der Stuttgarter Unternehmenszentrale am Nordbahnhof sind rund 190 Mitarbeiter beschäftigt. Sieben Regionaldirektionen innerhalb von Baden-Württemberg betreuen das aus rund 3.200 Annahmestellen bestehende Vertriebsnetz.[5] Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete das Unternehmen Spieleinsätze von 987,6 Millionen Euro.[6] Für das Land wurden 382,7 Millionen Euro erzielt[7]. Der Betrag setzt sich zusammen aus 165,5 Millionen Euro Lotteriesteuer[8] und 217,2 Millionen Euro an Zweckerträgen[9]. 132,4 Mio. Euro davon setzt das Land über den Wettmittelfonds zur Förderung des Sports, der Kunst und Kultur, der Denkmalpflege und des Sozialbereichs in Baden-Württemberg ein.[10]

Ansicht der Lotto-Zentrale von der Nordbahnhofstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[11] Die Geschichte des Unternehmens begann am 18. August 1948, als der Landtag von Baden-Württemberg das Gesetz Nr. 527 zur Sportwette verabschiedete. Am 7. Oktober 1948 wurde das Unternehmen unter dem Namen „Staatliche Sport-Toto GmbH“ offiziell gegründet. Am 19. März 1958 trat das Gesetz über das Zahlenlotto in Baden-Württemberg in Kraft. Die erste Lotto-Ziehung mit baden-württembergischer Beteiligung fand am 13. April 1958 statt. 1991 wurde die Staatliche Sport-Toto GmbH in Staatliche Toto-Lotto GmbH umbenannt, um auch das Zahlenlotto im Firmennamen zu verankern. Seit 1993 wird der Reinertrag sämtlicher Wetten und Lotterien einem Wettmittelfonds zugeführt, der zweckgebunden für die Sport- und Kulturförderung sowie für die Denkmalpflege und soziale Zwecke verwendet wird.[12]

Produkthistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[13]

  • seit 1948: TOTO
  • seit 1958: LOTTO 6aus49
  • 1967–1974: Olympia-Lotterie
  • seit 1970: GlücksSpirale
  • seit 1977: Spiel 77
  • seit 1986: Rubbellotterien
  • seit 1992: SUPER 6
  • seit 1999: ODDSET
  • seit 2005: KENO
  • seit 2010: Silvester-Millionen
  • seit 2012: Eurojackpot
  • seit 2016: GlücksSpirale Sieger-Chance
  • 2017–2018: LOGEO

Derzeitiges Spielangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Annahmestelle erhält eine Kundin ihre Spielquittung für LOTTO 6aus49.
  • TOTO 13er-Ergebnistipp
Der Eurojackpot wird seit 2012 im finnischen Helsinki gezogen.
  • TOTO 6aus45-Auswahltipp
  • Silvester-Millionen
  • Rubbellotterien

Das Spielangebot richtet sich ausschließlich an Volljährige.[14]

Großgewinne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2016 wurde der mit 90 Millionen Euro bislang größte deutsche Einzelgewinn von einem Eurojackpot-Spieler aus Baden-Württemberg erzielt.[15] Der Tipper versuchte sein Glück in einer Annahmestelle im Schwarzwald. Sein Spieleinsatz lag bei 20 Euro.[16] Insgesamt fallen im Jahr in Baden-Württemberg etwa 15 bis 20 Millionengewinne an. 2018 waren es 21.[17]

Lotto-Affäre Baden-Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits seit 1994 ermittelte die Staatsanwaltschaft in Stuttgart wegen Betrugs im Zusammenhang mit Spielunregelmäßigkeiten bei der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg und seit Mitte März auch wegen mehrfacher Untreue gegen Peter Wetter. Am 30. Mai 1995 wurde ihm ein Strafbefehl in Höhe von DM 52.500 wegen Untreue in seiner Funktion als Geschäftsführer zugestellt. Zur Vermeidung einer Verurteilung in einem öffentlichen Strafverfahren und ohne weitere öffentliche Aufklärung der erhobenen Vorwürfe bezahlte Wetter diesen Strafbefehl.[18]

Verschiedene Zeitungen und Nachrichtenmagazine hatten zuvor über ihn in seiner Funktion als Lotto-Chef in Baden-Württemberg berichtet. Im Spiegel erschien u. a. ein Artikel mit dem Vorwurf, dass ein großer Teil der von baden-württembergischen Lottokunden gekauften Spielscheine niemals an Ziehungen zu Sonderauslosungen teilgenommen haben. Der Aufwand für die nach jeder Ziehung jeweils notwendige Aussortierung der Dauerlottoscheine (Spielscheine für mehrere Wochen hintereinander) aus der Lostrommel erschien Peter Wetter offenbar zu aufwendig, deswegen wurden diese gar nicht zur Ziehung in die Lostrommel geworfen. Die Stammkunden mit Dauerlottoscheinen ahnten davon nichts. Außerdem – so der Spiegel – seien Familienangehörige, Verwandte und Freunde von Peter Wetter innerhalb der Lottozentrale auf lukrative Spitzenpositionen gehievt worden. Er selbst habe zahlreiche von der Lottogesellschaft finanzierte Luxusreisen ins Ausland unter dem Vorwand angeblich notwendiger Tagungen und Konferenzen und damit verbundene Vorteilsvergaben an Mitarbeiter von Lotto sowie an Dritte zu verantworten.[19]

Auch einige unter notarieller Aufsicht gezogene Gewinnerlose blieben nach der Ziehung unberücksichtigt und wurden unter Peter Wetters Aufsicht ohne Auszahlung zurück in die Lostrommel geworfen, sofern sich herausstellte, dass der Name des Gewinners auf dem Los ausländisch klang.[20]

Wetter musste nach dem Strafbefehl seinen Stuhl als Lotto-Chef räumen. Im Vorfeld der Affäre wurde auch der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der Lotto-Gesellschaft verwickelt[21], was zuvor bereits zu einem weiteren Skandal und anschließend zu einem erheblichen Teil auch zu seinem Rücktritt beigetragen hat.[22][23]

Der sich aus dem Strafbefehl gegen Peter Wetter entwickelnde Skandal erlangte als Lotto-Affäre Baden-Württemberg Bekanntheit, da die Öffentlichkeit vor allem das milde Urteil des Strafbefehls (nur ein kleiner Bruchteil seiner Jahreseinkünfte und Tantiemen bei Lotto) umgangssprachlich als "Vetterleswirtschaft" wahrnahm. Sowohl Wetter, als auch Mayer-Vorfelder, sowie der verantwortliche Justizminister Thomas Schäuble waren Mitglied der seinerzeit in Baden-Württemberg regierenden CDU.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lotto Baden-Württemberg (Hrsg.): 50 Jahre Toto-Lotto Baden-Württemberg. Stuttgart 1998. DNB 05050908X.
  • Lotto Baden-Württemberg (Hrsg.): 49 Glücksmomente. 50 Jahre 6 aus 49 in Baden-Württemberg. Stuttgart 2008.
  • DNB 05050908X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beteiligungsbericht 2015 des Landes Baden-Württemberg. S. 105. Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  2. Geschäftsbericht 2015, S. 37. Lotto Baden-Württemberg, abgerufen am 30. November 2016.
  3. Zeitung: CDU-Mann Wacker wird neuer Lotto-Chef im Ländle - Lotto News. In: Lotto News. 14. November 2017 (lotto-news.de [abgerufen am 5. Januar 2018]). Zeitung: CDU-Mann Wacker wird neuer Lotto-Chef im Ländle - Lotto News (Memento des Originals vom 6. Januar 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lotto-news.de
  4. Badische Zeitung: Caspers-Merk wird neue Lotto-Chefin - Südwest - Badische Zeitung. (badische-zeitung.de [abgerufen am 5. Januar 2018]).
  5. Porträt. Lotto Baden-Württemberg, abgerufen am 30. November 2016.
  6. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Lotto in Baden-Württemberg: Glücksspiele besser überwachen. Abgerufen am 25. Januar 2019.
  7. Spieleinsätze bei Lotto Baden-Württemberg steigen deutlich – ISA-GUIDE. Abgerufen am 21. Mai 2019 (deutsch).
  8. Spieleinsätze bei Lotto Baden-Württemberg steigen deutlich / Wieder 21 neue Millionäre. Abgerufen am 25. Januar 2019.
  9. Spieleinsätze bei Lotto Baden-Württemberg steigen deutlich. Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, abgerufen am 21. Mai 2019.
  10. Wettmittelfonds. Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, abgerufen am 7. Januar 2018.
  11. Geschäftsbericht 2015. S. 60/61. Lotto Baden-Württemberg, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  12. Sportförderung in Deutschland. (PDF) Deutscher Bundestag, abgerufen am 24. Januar 2017.
  13. 50 Jahre Toto-Lotto Baden-Württemberg. S. 196ff. Lotto Baden-Württemberg, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  14. Glücksspielrecht & Jugendschutzhrsg=Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Abgerufen am 22. Februar 2017.
  15. Gewinner von höchstem Lottogewinn Deutschlands kommt aus dem Schwarzwald. Südkurier, abgerufen am 24. Januar 2017.
  16. Pressemitteilungen. (Nicht mehr online verfügbar.) Lotto Baden-Württemberg, archiviert vom Original am 21. Dezember 2016; abgerufen am 21. Dezember 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lotto-bw.de
  17. LOTTO Baden-Württemberg - Millionengewinne. Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, abgerufen am 7. Januar 2019.
  18. Strafbefehl gegen Ex-Lottochef Peter Wetter, abgerufen am 10. Juli 2017
  19. Der Spiegel 27/1995: Artikel Das Geld muß raus, Seite 94ff., abgerufen am 10. Juli 2017
  20. Landesarchiv Baden-Württemberg R 1/005 D941011/103, abgerufen am 10. Juli 2017
  21. Focus 23/1995: Artikel Lieber kein Prozess, abgerufen am 10. Juli 2017
  22. Der Spiegel 24/1994: Artikel Getarnte Witwen, abgerufen am 10. Juli 2017
  23. Focus 24/1994: Artikel Vom Glück verlassen, abgerufen am 10. Juli 2017