Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

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Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Staats- und Stadtbibliothek in Augsburg.JPG Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Gründung 1537
Bestand etwa 460.000 Bände
Bibliothekstyp Regionalbibliothek
Ort Augsburg, Bayern, Deutschland (Bau: 1893)
Bibliothekssigel 37Vorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
ISIL DE-37
Website www.sustb-augsburg.de

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ist eine der bedeutendsten Stadt- und Regionalbibliotheken Deutschlands. Bis 2011 war die Stadt Augsburg der Unterhaltsträger der fast ausschließlich städtisch finanzierten Staats- und Stadtbibliothek. Zum 1. Dezember 2012 wurde die Bibliothek vom Freistaat Bayern übernommen.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ist eine fast reine Magazinbibliothek. Lediglich im Lesesaal sind einige Nachschlagewerke, Zeitungen und Zeitschriften in Freihandaufstellung zugänglich. Jüngere Werke können zum Teil ausgeliehen werden; die älteren sind im Präsenzbestand.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek entstand 1537 im Zuge der Reformation als Stadtbibliothek der Reichsstadt Augsburg. Ihr Grundstock lag in den Bibliotheken der aufgelösten Karmelitenklosters bei St. Anna und weiteren Augsburger Klöstern. Die zunächst im ehemaligen Karmelitenkloster aufgestellte Stadtbibliothek kam 1544 in das Dominikanerinnenkloster Augsburg und wurde 1548 nach der Rückkehr der Dominikanerinnen im Barfüßerkloster untergebracht.

Bibliothek im Annahof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtbibliothek Augsburg neben dem Gymnasium bei St. Anna (1676)
Innenansicht der Stadtbibliothek Augsburg (18. Jahrhundert)

1562/1563 wurde im Annahof ein eigenes Gebäude für die damalige Stadtbibliothek errichtet. Dies war der erste freistehende, selbstständige Bibliotheksbau der Neuzeit in Deutschland. Die Augsburger Stadtbibliothek war hier für lange Zeit eng mit dem protestantischen Gymnasiums bei St. Anna verbunden. Der Stadtbibliothekar war seit den Zeiten von Sixtus Birck jeweils der Rektor des Gymnasiums bei St. Anna, eine Personalunion, die bis 1872 bestehen blieb.[1] Die Bibliothek und ihr Buchbestand waren in dieser Zeit deutlich protestantisch geprägt.

Ab 1806[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Friedensvertrag von Pressburg (26. Dezember 1805) verlor Augsburg, das bereits am 21. Dezember von bayerischen Truppen besetzt worden war, die Reichsfreiheit und fiel an Bayern. 1806 wurde Augsburg Sitz einer schwäbischen Provinzial- oder Kreisbibliothek, die 1810 mit der Stadtbibliothek vereinigt wurde. Ein Großteil der ältesten und wertvollsten Bücher wurde durch das Königreich Bayern aus der Augsburger Bibliothek abgezogen und nach München verbracht. Dafür erfuhr die Augsburger Bibliothek im 19. Jahrhundert starken Bestandszuwachs aus säkularisierten Klostern der Region (Säkularisationsgut). So erhielt die vormals protestantisch ausgerichtete Bibliothek nun einen großen Umfang katholischer Werke, so dass sie heute zu konfessionalen Disputen aus dieser Zeit oftmals Schriften und Gegenschriften in einem Haus vereinigt. Außerdem kamen im 19. und 20. Jahrhundert bedeutende Familien- und Vereinsbibliotheken hinzu.

Neubau 1893[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontseite zur Schaezlerstraße

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts herrschte eine große Platznot sowohl in der Kreis- und Stadtbibliothek als auch in dem danebenliegenden Gymnasium bei St. Anna. Aus dem Grund wurde beschlossen, der Bibliothek ein komplett neues Gebäude zu bauen. Das bisherige Bibliotheksgebäude im Annahof wurde abgerissen und das Gymnasium errichtete an seiner Stelle einen größeren Neubau für die Schule an der Fuggerstraße.

Nach den Plänen des Augsburger Stadtbaurats Fritz Steinhäußer (1852–1929) wurde 1893 ein repräsentativer Bibliotheksneubau an der Schaezlerstraße errichtet. Für die Fassadengestaltung und den Eisenbau zeichnete der Münchner Architekt Martin Dülfer (1859–1942) verantwortlich.[2] Mit dem Neubau wurde die Stadt Augsburg wieder alleiniger Unterhaltsträger der Staats-, Kreis- und Stadtbibliothek. Im Jahr 1897 schlossen die Regierung des Königreichs Bayern und die Stadtregierung von Augsburg einen Vertrag über die gemeinsame Verwaltung der Bestände, deren Finanzierung 1898 vertraglich festgelegt wurde mit Aufwendungen der Stadt von 9000 Reichsmark und Bayerns von 2000 Reichsmark im Jahr.[3]

Gründung und Abspaltung der Volksbücherei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 erfolgte die Eröffnung der Volksbücherei mit 10.000 Büchern als Abteilung der Staats-, Kreis- und Stadtbibliothek. Für diese wurde ein Anbau gemacht, der heute als Lesesaal dient. 1941 erfolgte die Umbenennung in Staats- und Stadtbibliothek. Die schweren Luftangriffe auf Augsburg im Zweiten Weltkrieg wurden ohne nennenswerte Verluste überstanden. Die Volksbücherei verselbständigte sich 1953 und wurde zur heutigen Stadtbücherei Augsburg.

Durch die Abspaltung der Volksbücherei und durch die Gründung der Universität Augsburg im Jahr 1970 gelangten die Aufgaben einer Forschungs-, Archiv- und Regionalbibliothek wieder stärker in den Vordergrund.

Verstaatlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2010 wurden Pläne der Augsburger Stadtverwaltung publik, die die Aufteilung der Bestände und den Verkauf des historischen Bibliotheksgebäudes vorsehen. Anlass waren die Finanznot der Stadt und der seit 1898 unveränderte Jahresbeitrag des Landes von nunmehr aus der Reichsmark umgerechneten 18.900 Euro.[4] Ein Beschluss des Augsburger Stadtrats stellte klar, dass an eine Zerschlagung nicht gedacht ist. Es wurde eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der Bibliothek eingesetzt. Eine Bürgerinitiative, die den Erhalt der Bibliothek im bisherigen Gebäude sichern möchte, hat sich als Verein formiert.[5] Nach längeren Verhandlungen wurde die Staats- und Stadtbibliothek am 6. Dezember 2012 rückwirkend zum 1. Dezember 2012 verstaatlicht. Der Name der Bibliothek wurde beibehalten.[6] Seit 1. Januar 2017 ist Karl-Georg Pfändtner der Leiter der Bibliothek.[7]

Bibliotheksgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Bibliotheksgebäude an der Schaezlerstraße wurde 1893 bezogen. Das wuchtige Gebäude präsentiert sich in einem neubarocken Stil. Mit dem Stadttheater, dem benachbarten alten Gerichtsgebäude und der Stadtpflegeranger-Schule bildet die Bibliothek ein eindrucksvolles Ensemble.

Im ersten und zweiten Stockwerk des symmetrischen Baus, der sich vom Eingangsfoyer aus in einen Nord- und einen Südflügel teilt, wurden zwei Cimeliensäle eingerichtet, die über ein prunkvolles Treppenhaus zugänglich sind.

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Widmungsbild: Sigismund Meisterlin überreicht seine Chronik dem Magistrat der Stadt Augsburg. In: Hektor Mülichs Abschrift der Stadtchronik Sigismund Meisterlins (1457). Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Codex Halder 1, Bl. 4v

Mit insgesamt über 540.000 Bänden und einem großen historischen Bestand von mehr als 120.000 Titeln vor 1800 zählt sie zu den bedeutendsten Stadt- und Regionalbibliotheken in Deutschland. Mit der Säkularisation in Bayern kamen mehr als 60.000 Bände aus den Klosterbibliotheken Augsburgs und des ostschwäbischen und Eichstätter Raums zum Bestand. Insgesamt verfügt sie über 3.600 Handschriftenbände, darunter 1.000 mittelalterliche Codizes und 2.800 Inkunabeln. Immer wieder wurden bedeutende Sammlungen erworben. 1846 erhielt die Bibliothek so eine ca. 10.000 Bände umfassende Schenkung des Bankiers Friedrich von Halder. 1875 folgte die ca. 8000 Bände starke Familienbibliothek der von Stetten. 1910 wurde die ca. 8.000 Bände umfassende Bibliothek des Historischen Vereins für Schwaben übernommen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auch kontinuierlich Antiquaria mit Schwerpunkt auf in Augsburg und Schwaben verlegten und gedruckten Schriften angeschafft. Im Jahre 1961 wurde hier das 4. Exemplar des berühmten Missale speciale (früher Constantiense) gefunden.[8]

Der Bibliothek angegliedert ist die von Jürgen Hillesheim geleitete Brecht-Forschungsstelle. Ihr Bestand umfasst über 3000 Bände Primär- und Sekundärliteratur zu Bertolt Brecht.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Spindler, Andreas Kraus: Geschichte Schwabens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts (2001), S. 627
  2. Ulrich Heiß: Der Schatz und das Schatzhaus.
  3. Die Augsburger Zeitung: Wohin mit Augsburgs historischen Schätzen?, 9. Oktober 2010 (abgerufen am 14. Oktober 2010)
  4. Augsburger Allgemeine: Staats- und Stadtbibliothek vor der Spaltung?, 11. Oktober 2010 (abgerufen am 6. Oktober 2015)
  5. http://www.initiative-stabi.org/
  6. http://www.augsburg.de/index.php?id=168
  7. Universität Wien – Institut für Kunstgeschichte: Dr. Karl-Georg Pfändtner
  8. Paul Geissler: Ein viertes Exemplar des Missale speciale in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg; in: Gutenberg-Jahrbuch 1962, S. 86–93.
  9. Fabian Handbuch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 22′ 10,3″ N, 10° 53′ 26″ O